Kurt A. Körber

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Kurt Adolf Körber (* 7. September 1909 in Berlin; † 10. August 1992 in Hamburg) war ein deutscher Unternehmer im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus. 1946 gründete er die Hauni Maschinenfabrik in Hamburg-Bergedorf (jetzt: Hauni Maschinenbau GmbH), die vor allem mit der Herstellung von Maschinen für die Fabrikation von Filterzigaretten bekannt geworden ist. Das Unternehmen ist heute Teil der Körber AG, eines international agierenden Maschinenbaukonzerns. Körber gilt als eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik und übertrug mit der Körber-Stiftung seinen unternehmerischen Gestaltungswillen auf die Gesellschaft.

Leben[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. September 1909 wurde Kurt A. Körber in Berlin geboren. Bis 1923 besuchte er die Elementarschule in Berlin und nach dem Umzug der Familie nach Chemnitz die dortige Real- und Höhere Handelsschule. Er interessierte sich früh für Rundfunktechnik. Schon im Alter von 15 Jahren bastelte Kurt Körber eine Sender-Ablese-Skala für Radios, die 1924 gleichzeitig seine erste Patentanmeldung wurde. Im Laufe seines Lebens hat Körber über 200 weitere Patente angemeldet. Von 1928 bis 1929 studierte er Elektrotechnik am Technikum Mittweida. 1935 trat er in die Universelle-Werke J. C. Müller & Co. in Dresden ein. Die Universelle begann als kriegswichtiger Betrieb auch mit der Produktion von Rüstungsgütern, unter Einsatz von bis zu 3000 Fremd- und Zwangsarbeitern. 1940 trat Kurt A. Körber in die NSDAP ein. Er sah dies als formales Zugeständnis, mit dem er nie geistige Nähe zum Nationalsozialismus verband. Ab 1944 war er Technischer Direktor der Universelle. 1945 blieb er unter der sowjetischen Besatzungsmacht im Amt und trieb den zivilen Wiederaufbau des Unternehmens voran.

Nach dem Krieg startete Körber im Juli 1946 in Hamburg mit der Reparatur von Zigarettenmaschinen und der Herstellung von Handtabakschneidern. In Hamburg-Bergedorf baute er die Firma Hauni Maschinenfabrik Körber & Co. KG (Hanseatische Universelle) auf. Im Jahre 1970 wurde das Unternehmen E.C.H. Will in Hamburg, ein renommierter Hersteller von Papierverarbeitungsmaschinen übernommen und damit der Grundstein für die Diversifikation in den Bereich Papier und Tissue gelegt. 1978 erfolgte die Übernahme des Schleifmaschinenherstellers Blohm in Hamburg und damit begann der Einstieg in den Werkzeugmaschinen-Bereich.

Am 1. Juni 1956 gründete Körber in Hamburg-Bergedorf auf dem Gelände der Hauni das Tabak Technikum Hamburg. Dort begannen im März 1957 Fortbildungslehrgänge für Mitarbeiter der tabakverarbeitenden Industrie. Ein Jahr später nahmen die ersten Ingenieursstudenten ihr Studium in der Fachrichtung Verfahrenstechnik/Tabaktechnologie auf. Im Hinblick auf die internationale Ausrichtung der Tabakindustrie wurde Englisch als Pflichtfach eingeführt, außerdem Französisch und Spanisch als Wahlfächer angeboten.

Bereits 1957 gründete Körber seine erste mäzenatische Stiftung in Hamburg zur Förderung des Wiederaufbaus des Thalia Theaters. Er unterstützte auch in den Folgejahren immer wieder Stiftungen im Bereich der Kultur und zur Förderung des technischen Nachwuchses. Mit einer großzügigen Spende sorgte Körber Anfang der 1970er Jahre für den Bau der Fachhochschule für Produktions- und Verfahrenstechnik in Bergedorf an der Lohbrügger Kirchstraße (heute: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg). Da die Stadt Hamburg ebenso einen nicht unerheblichen finanziellen Teil beitragen musste (sonst wäre die Spende von Körber verfallen), gab es größere Verstimmungen, die darin mündeten, dass die Stadt Hamburg Kurt A. Körber zur Einweihung 1972 nicht eingeladen hatte. Darüber hinaus hat er in Hamburg die Renovierung des alten Blumengroßmarktes und der Deichtorhallen zu einem Ausstellungsbau ermöglicht.

Grab von Kurt A. Körber auf dem Friedhof Bergedorf

1961 gründete er den "Bergedorfer Gesprächskreis" zur Diskussion gesellschaftlicher Fragen.[2]

Im Jahr 1987 wurden alle Unternehmen Körbers zusammengefasst und die Hauni-Werke in die Körber AG umgewandelt. Bis 1992 entwickelte Körber sein Unternehmen zu einem international tätigen Konzern mit knapp 6.800 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,5 Milliarden D-Mark. Heute ist die Körber AG die Holdinggesellschaft eines Technologiekonzerns mit weltweit rund 12.000 Mitarbeitern. Der Konzern vereint technologisch führende Unternehmen mit über 100 Produktions-, Service- und Vertriebsgesellschaften. Der Körber-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 2,6 Mrd. Euro.

Körbers Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Bergedorf.

Körber-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 gründete Körber die Stiftung zum Wiederaufbau des Hamburger Thalia Theaters, 1959 dann die Kurt-A.-Körber-Stiftung, mit dem Ziel, eine Technische Akademie zur Ausbildung von Führungskräften für die industrielle Praxis aufzubauen. 1969 entstand die Hauni Stiftung. Diese beiden Stiftungen wurden 1981 zur Körber-Stiftung zusammengeführt, die heute auch Alleineigentümerin der Körber AG ist. Zwischen 1959 und 1992 stellte Körber für die Förderung von Kultur und Wissenschaft über 200 Millionen Mark zur Verfügung.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 verlieh ihm die Universität Erlangen und 1989 die Technische Universität Dresden ihre Ehrendoktorwürde.

1965 folgte die Diesel-Medaille in Gold des Deutschen Erfinderverbandes.

Bundespräsident Karl Carstens verlieh Kurt A. Körber 1983 die Medaille für Verdienste um das Stiftungswesen des Bundesverbandes deutscher Stiftungen.[3]

1991 wurde er Hamburger Ehrenbürger, nachdem der Senat der Stadt ihn bereits 1980 mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille ausgezeichnet hatte. Außerdem wurde er 1987 als Ehren-Schleusenwärter ausgezeichnet.

2007 wurde das Gymnasium Billstedt in Hamburg in Kurt-Körber-Gymnasium umbenannt. Im Hamburger Stadtteil Bergedorf ist die Kurt-A.-Körber-Chaussee nach ihm benannt.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1974: Kurt A. Körber. In der Reihe Mäzene. Produktion: Saarländischer Rundfunk, 15 Minuten, Buch und Regie: Klaus Peter Dencker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan-Peter Domschke, Sabine Dorn, Hansgeorg Hofmann, Rosemarie Poch, Marion Stascheit: Mittweidas Ingenieure in aller Welt. Hochschule Mittweida (Hrsg.), Mittweida 2014, S. 60 f.
  • Josef Schmid, Dirk Wegner: Kurt A. Körber. Annäherungen an einen Stifter. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2002.
  • Kurt A. Körber: Das Profit-Programm. Ein Unternehmer geht stiften. Hoffmann und Campe, Hamburg 1992.
  • Hermann Schreiber: Kapitalist mit Gemeinsinn. Ein Essay über Kurt A. Körber. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kurt Adolf Körber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Stifter. In: Körber-Stiftung. (koerber-stiftung.de [abgerufen am 8. November 2018]).
  2. Der Bergedorfer Kreis. In: Die Zeit. Nr. 49/1986 (online).
  3. Bundesverband Deutscher Stiftungen: Medaille für Verdienste um das Stiftungswesen: Bisherige Preisträger (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) 30. November 2005