Kurt Mühlenhaupt

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Kurt Mühlenhaupt in seinem Atelier
Kurt Mühlenhaupt, 1974
Kurt Mühlenhaupt, 1985

Kurt Mühlenhaupt (* 19. Januar 1921 in Klein Ziescht, Kreis Jüterbog-Luckenwalde; † 16. April 2006 in Zehdenick, Ortsteil Bergsdorf) war ein deutscher Maler, Bildhauer und Schriftsteller. Er wurde als Kreuzberger Milieu-Maler bekannt und gehörte zu der 1972 gegründeten Gruppe der Berliner Malerpoeten, einer Gemeinschaft von malenden Schriftstellern wie Günter Grass, Aldona Gustas, Artur Märchen, Nepomuk Ullmann und Wolfdietrich Schnurre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Mühlenhaupt kam während einer Eisenbahnfahrt auf der Strecke von Prag nach Berlin zur Welt. Als Geburtsort wurde das bei der Geburt nächstgelegene Dorf Klein Ziescht in seiner Geburtsurkunde eingetragen. Die Familie lebte in einer Laubenkolonie in Berlin-Tempelhof. Schon als Kind malte er Tiere für seine Freunde und hatte schon mit zwölf Jahren das Ziel, ein Maler zu werden.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schulausbildung und einer Lehre zum Modellbauer wurde er als Fallschirmjäger ausgebildet und zunächst in Narvik (Norwegen) eingesetzt. Beim Absprung über Kreta verwundete eine Kugel sein linkes Handgelenk, das Gelenk blieb für immer steif. Während der Krankenhausaufenthalte malte er weiter. Folgerichtig begann er 1943 ein Kunststudium in Berlin. Nach einer weiteren Kriegsverwundung besuchte er ein Jahr lang die private Kunstschule des Westens, die er nach mehreren Enttäuschungen und einem psychischen Zusammenbruch wieder verließ. Im letzten Kriegsjahr wurde Mühlenhaupt als Krüppel wieder eingezogen und überlebte seinen Einsatz in Nordafrika nur mit Glück, sein linkes Fersenbein wurde zerfetzt.

Seine Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges konnte er nur schwer verarbeiten, so dass diese ihn lebenslang körperlich und psychisch belasteten. 1994 brach eine alte Kriegsverwundung wieder auf, die ihn zwei Jahre lang ans Bett fesselte.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1946 bis 1948 studierte er an der Berliner Hochschule der Künste. 1946 nahm er schon mit großem Erfolg an der Ausstellung „Junge Generation“ teil. Sein Ansinnen, 1948 ein Schüler von Karl Schmidt-Rottluff zu werden, lehnte dieser ab: „Aus Ihnen wird nie ein Maler, Sie sind zu grau.“ Nach dem daraus resultierenden psychischen Zusammenbruch und einem langen Klinikaufenthalt in der Psychiatrie arbeitete er danach als Tierzüchter, Trödelhändler sowie als Leierkastenmann und begann schon bald, wieder als Autodidakt zu malen. Seine damals bevorzugten Motive waren Porträts von Menschen aus dem Arbeitermilieu. Enttäuscht von den Entwicklungen in der DDR siedelte die Familie 1956 von Berlin-Karow nach Marienfelde über.

Kreuzberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerwehrbrunnen beim Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg

1958 zog er mit seiner Familie nach Kreuzberg um. Im Trödler- und Gaststättengeschäft fand er viele Anregungen für neue Bilder, die eben „typisch aus Kreuzberg“ waren. Als Milieu-Maler wurde er oft mit Otto Nagel und Heinrich Zille verglichen. 1960 nahm er erstmals an der Großen Berliner Kunstausstellung teil, was seinen Namen auch über die Grenzen Kreuzbergs hinweg bekannt machte. 1961 gründete er das Künstlerlokal „Leierkasten“ in Kreuzberg. In diesem Lokal, welches an der Straßenecke Baruther/Zossener Straße gegenüber der Friedhöfe am Halleschen Tor lag, verkehrten neben den oben genannten Künstlern auch Günter Bruno Fuchs, Robert Wolfgang Schnell und Artur Märchen. Eine Übersicht der Künstler findet sich im Buch Berliner Malerpoeten (siehe Literatur). Auf dem Böhmisch-Lutherischen Bethlehems-Friedhof I der Friedhöfe am Halleschen Tor befindet sich auch die von Kurt Mühlenhaupt geschaffene Grabanlage für die Mutter Minna Charlotte und die Schwester Margarete, die woanders beigesetzt wurden und seinen Bruder Willi Mühlenhaupt (7. September 1907 – 28. Februar 1977). Mit seinem Umzug 1970 in sein neues Atelier Chamissoplatz 8 konnte er erstmals nur von seiner Malerei leben. Stilistisch changieren seine Werke zwischen naiver Malerei und Expressionismus. Kurt Mühlenhaupt wirkte auch in zwei Filmen von Ulrich Schamoni mit: in Quartett im Bett von 1968 (mit Ingo Insterburg und Karl Dall) und gemeinsam mit seinem Bruder im Film Mein Bruder Willi (1972/1973).

Von seinen keramischen und bildhauerischen Arbeiten künden heute noch seine „Dudu-Zwerge“ und der „Feuerwehrbrunnen“ (1981) auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg.

Bergsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt-Mühlenhaupt-Museum: Hofansicht mit Esel Dona Joana
Selbstgestalteter Grabstein, Friedhof der Bethlehems- und Böhmischen Gemeinde, Berlin

Bereits in den 1970er Jahren machte Mühlenhaupt Ausflüge in die Berliner Umgebung. Ihn begeisterte besonders die Landschaft an der oberen Havel mit ihren weiten Feldern, Wiesen und Straßen. Nach der Wende baute er mit seiner Ehefrau Hannelore in Bergsdorf bei Zehdenick einen alten Gutshof aus, den er als neues Wohndomizil, Atelier, Galerie und Veranstaltungsort nutzte. Dort ist das Kurt-Mühlenhaupt-Museum zu Hause, das Wechselausstellungen und Konzerte organisiert.

Seine auf elf Bände angelegte Autobiografie, entsprechend der Anzahl der Buchstaben seines Namens, konnte er nicht mehr vollenden. Sie endet 2004 mit Band X (P), der die Reiseerlebnisse zwischen 1970 und 1989 zum Inhalt hat.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Curt Mühlenhaupt – Ölbilder, Zeichnungen, Monotypien, Das Berliner Kunstkabinett Karl Berthold, Berlin 1962.
  • Kurt Mühlenhaupt, Haus am Lützowplatz. Kurt Mühlenhaupt stellt aus was er für Kunst hält als da wären Bücher Bilder & Zeichnungen. Anlässlich seines 50. Geburtstages, Haus am Lützowplatz (Förderkreis Kulturzentrum Berlin e. V.), Berlin 1971.
  • Kurt Mühlenhaupt, Ausstellung zu seinem 60. Geburtstag, Staatliche Kunsthalle Berlin 1981.
  • Kurt Mühlenhaupt, Berliner Bilder, Kunstamt Tempelhof /Ladengalerie, Berlin 1987.
  • Kurt Mühlenhaupt stellt aus, Kleine Weltlaterne, Berlin 1987.
  • Kurt Mühlenhaupt, Zum 60. Geburtstag, Otto-Nagel-Haus / Ladengalerie, Berlin 1981.
  • Kurt Mühlenhaupt, Algarve mit Öl und Wasserfarben gemalt in Pastell und Bronze, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 1994.
  • Kurt Mühlenhaupt, Zum 75. Geburtstag, Kirche zum Heiligen Kreuz, Berlin 1996.
  • Kurt Mühlenhaupt, Ausstellung neuer Bilder und Einweihung der Feldsteinscheune, Museum Bergsdorf 1996.
  • Kurt Mühlenhaupt, Malerpoet, GEHAG-Forum, Berlin 1996.
  • Kurt Mühlenhaupt, Ölbilder, Grafiken, Bücher und Plastiken, Kunstkreis Schenefeld, Schenefeld 1997.
  • Kurt Mühlenhaupt, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 1997.
  • Kurt Mühlenhaupt, Obras Recentes, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 1999.
  • Kurt Mühlenhaupt, Der Erzähler, Zeichner und Maler, GEHAG-Forum, Berlin 2000.
  • Kurt Mühlenhaupt, Der Mann mit dem roten Hut, Ansichten der Mark Brandenburg, Menschenbilder und Florales, Dorfkirche zu Glambeck, Glambeck 2000.
  • Kurt Mühlenhaupt zeigt zu seinem 80. Geburtstag Skulpturen und neue Zwerge in der Feldsteinscheune, Museum Bergsdorf 2001.
  • Kurt Mühlenhaupt, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 2001.
  • Maler der Liebe, Kurt Mühlenhaupt zum 80. Geburtstag, Stiftung Stadtmuseum Berlin, Museum Nikolaikirche, Berlin 2001.
  • Kurt Mühlenhaupt zum 85. Geburtstag, Ausstellung im Kuppelsaal des Käthe-Kollwitz-Museums, Berlin 2006.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berliner Guck-Kasten Buch I vom Maler, Trödler, Leiermann Kurt Mühlenhaupt, Erlebt, aufgeschrieben, illustriert und herausgegeben von ihm selbst – Zwischen Ringelblumen und Rhabarberstauden – Jerusalem – MCMLXIX, Trödel-Presse, Berlin-Kreuzberg, Blücherstr.11. 1969.
  • Das Haus Blücherstrasse 13 mit seinen Vorder- und Hinterhausbewohnern. Atelier Handpressendruck, Berlin 1970.
  • Das Märchen vom kleinen Herrn Moritz. von Wolf Biermann. Bilder von Kurt Mühlenhaupt. Parabel-Verlag, München 1972.
  • Berliner Malerpoeten. Herausgegeben von Aldona Gustas, Einleitung Karl Krolow. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1974, ISBN 3-87584-074-7.
  • Hallo! Onkel Willi – Ein Berliner Bilderbuch. Berlin 1980.
  • Vier Kurt'sgeschichten, illustriert mit farbigen Original-Grafiken, erzählen von seinem Bruder Willi und seinem Freund Günter Bruno Fuchs und vielen anderen. Atelier-Handpresse, Berlin 1981.
  • Berliner Blau - 1981 aufgeschrieben und aufgemalt von Kurt Mühlenhaupt. Arari-Verlag, Berlin 1981, ISBN 3-7605-8552-3.
  • mit Sarah Kirsch: Zwischen Herbst und Winter. Gertraud Middelhauve Verlag, Köln 1983, ISBN 3-7876-9154-5.
  • Kurt Mühlenhaupt bei Parabel. Parabel, Feldafing 1983.
  • New York. Merlin-Verlag, Berlin 1984. (anlässlich der Ausstellungen im Oktober/November 1984 in der Ladengalerie Berlin und im Februar/April 1985 in der Städtischen Galerie Albstadt)
  • Selbstdarstellung und Betrachtung. 1986.
  • Wunderbare Nachbarschaft. Sagen von Zwergen, lieblichen Hexen, mutigen Leuten, bei erzählt. Illustriert von Kurt Mühlenhaupt. Gertraud Middelhauve Verlag, Köln 1986, ISBN 3-7876-9218-5.
  • Blätter zur Passion Jesu. Butzon und Bercker, Kevelaer 2001.
  • Maler der Liebe, Kurt Mühlenhaupt zum 80. Geburtstag. G-und-H-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931768-63-5.
  • Kurt Mühlenhaupt. Lichtblicke. Kurt Mühlenhaupt Museum, 2009.

Nachrufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kurt Mühlenhaupt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien