Kurt von Plettenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kurt Freiherr von Plettenberg (1930)

Kurt Eugen Gustav Adolf Freiherr von Plettenberg (* 31. Januar 1891 in Bückeburg; † 10. März 1945 in Berlin) war ein deutscher Forstmann, Reserveoffizier und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er gehörte zum engeren Kreis des Widerstands vom 20. Juli 1944. Plettenberg war Hofkammerpräsident der Gesamtvermögensverwaltung des ehemaligen fürstlichen Hauses Schaumburg-Lippe und ab 1941 Leiter der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt entstammte dem westfälischen Uradelsgeschlecht Plettenberg aus dem Sauerland. Ein Vorfahre wurde erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt. Sein Vater Karl Freiherr von Plettenberg (1852–1938) war Offizier, zuletzt General der Infanterie, Kommandierender General des Gardekorps und Generaladjutant Kaiser Wilhelms II. Dieser musste Ende 1916 nach Kritik an der Kriegsführung von Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg während des Ersten Weltkriegs zurücktreten.[2] Seine Mutter war Clara Gräfin von Wedel, Tochter von Wilhelm Graf von Wedel und seiner Ehefrau Luise geborene Freiin von Bodelschwingh-Plettenberg.

Am 5. September 1934 heiratete Plettenberg Arianne geborene Freiin v. Maltzahn (1914–1974) in Schossow (Vorpommern). Aus dieser Ehe gingen drei Kinder, Christa-Erika (1936–1989), Karl-Wilhelm (* 1938) und Dorothea-Marion (* 1943) hervor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Einsatz im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plettenberg studierte Rechts- und Forstwissenschaften an den Universitäten Kiel, Lausanne, Hannoversch Münden, Berlin, München und Eberswalde. In Lausanne schloss er sich der Studentenverbindung Germania Lausanne an. Es folgte eine forstliche Lehrzeit und eine Dienstzeit bei dem 2. Großherzoglich Mecklenburgischen Dragoner-Regiment Nr. 18 in Parchim. Von 1912 bis 1914 schloss von Plettenberg seine Studienzeit mit dem Besuch der Forstakademie Hann. Münden ab. Bereits 1912 hatte er sich für das „Reitende Feldjägerkorps“ entschieden und kämpfte im Ersten Weltkrieg ab 1914 als Leutnant der Reserve im 2. Garde-Ulanen-Regiment, ab 1917 als MG-Offizier der MG-Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 408 und seit 1918 als MG-Offizier beim Stabe des 1. Garde-Regiments zu Fuß.

Berufliche Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Großen Forstlichen Staatsprüfung Forstassessor geworden, war er zunächst Leiter des Holzhandelsdezernats der Regierung in Stralsund und ging schließlich nach Ostpreußen. Dort war er als Verwalter der Gräflich Dönhoffschen Forsten in Friedrichstein bei Königsberg tätig, bis er Nachfolger des Grafen Albrecht-Friedrich von der Schulenburg-Lieberose in der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg wurde. 1930 übernahm v. Plettenberg das Forstressort in der Preußischen Landwirtschaftskammer. Im Jahr 1932 verkaufte er die letzten Landflächen des ehemaligen Ritterguts Stockum, mit welchem die Familie am 16. April 1494 belehnt worden war.[3] Das Geld wurde in eine Silberfuchsfarm in Ostpreußen investiert, die bald pleiteging. 1934 zum Haushaltsreferenten im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft bestellt, holte ihn Generalforstmeister Walter von Keudell im gleichen Jahr ins Reichsforstamt, wo Kurt von Plettenberg am 2. Oktober 1934 zum Landforstmeister und später zum Oberlandforstmeister ernannt wurde. Als von Keudell 1937 als Leiter des Reichsforstamtes abgelöst wurde, soll Reichsforstmeister Hermann Göring versucht haben, v. Plettenberg als dessen Nachfolger zu gewinnen. Jedoch schied auch dieser auf eigenen Wunsch zusammen mit von Keudell aus, weil seine politischen Ansichten denen des Nationalsozialismus widersprachen und er die Ziele des NS-Regimes kannte. Freiherr von Plettenberg kehrte daraufhin aufgrund eines Angebotes von Wolrad Fürst zu Schaumburg-Lippe in seinen Geburtsort Bückeburg zurück und wurde zum 1. November 1937 neuer Hofkammerpräsident und Generalbevollmächtigter der Gesamtvermögensverwaltung des ehemaligen fürstlichen Hauses Schaumburg-Lippe. 1939 wurde von Plettenberg als Reserveoffizier eingezogen zum Potsdamer Infanterie-Regiment 9, das zur 23. Infanterie-Division gehörte, und als Major der Reserve Bataillonskommandeur des zugehörigen Ersatzregiments mit Einsätzen in Polen, Frankreich und Russland. Zum Ende des Jahres 1941 wurde er beurlaubt, um die Stellung des Leiters der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses zu übernehmen, und zwar unter Beibehalt seiner bisherigen Tätigkeit als Hofkammerpräsident in Bückeburg. Sein Dienstsitz war das Niederländische Palais Unter den Linden. Er vertrat damit zwei der grössten land- und forstwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands, seiner Dienstaufsicht unterstanden 30 landwirtschaftliche Betriebe, 14 Forstämter sowie einige Sägewerke. Außerdem gab es Beteiligungen an großindustriellen Unternehmen und umfangreichen Hausbesitz. Plettenberg sorgte dafür, dass die preußische Königskrone sowie 15 Tabatièren Friedrichs des Großen vor Plünderung und Zerstörung geschützt wurden. Er ließ sie in der Evangelischen Kirche in Kleinenbremen bei Bückeburg einmauern.

Widerstand gegen Hitler und Suizid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1942 bildete sich um von Plettenberg ein Oppositionszirkel und forstliches Widerstandszentrum. Mit Rücksicht auf das Haus Hohenzollern blieb er allerdings im Hintergrund. Als enges Mitglied des Kreises des Widerstandes vom 20. Juli 1944 – er gehörte zum engeren Freundeskreis von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Ludwig Beck, Ulrich von Hassell, Johannes Popitz, Carl-Hans Graf von Hardenberg und Fabian von Schlabrendorff – war Kurt von Plettenberg an den Vorbereitungen für den Staatsstreich beteiligt. Nach dem Misslingen des Attentats auf Adolf Hitler wurde von Plettenberg Anfang März 1945 auf seinem Dienstsitz Cecilienhof verhaftet und in das Berliner Hausgefängnis der Gestapo in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht. Dort schlug er am 10. März 1945 auf dem Weg zum Verhör seine Bewacher nieder und stürzte sich aus dem Fenster in den Tod, um die bis dahin noch lebenden anderen Beteiligten des Attentates vom 20. Juli 1944 nicht unter Folter preisgeben zu müssen.

Er hinterließ seine Frau und die drei Kinder. Begraben wurde er auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam. Das Grab ist erhalten.

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erinnerung an ihn sind in Hamburg-Bergedorf, Hannover-Wettbergen, Potsdam, Bückeburg, Plettenberg und Frechen-Bachem Straßen nach ihm benannt. Auf Schloss Cecilienhof und Schloss Neuhardenberg, sowie an der Hofapotheke Bückeburg (der ehemaligen Familienwohnung) wird seiner mit Ausstellungstafeln und Gedenkplaketten gedacht. Seine enge Freundin Marion Gräfin Dönhoff schrieb 1985 in ihren „Erinnerungen an Kurt Freiherr von Plettenberg“:

„Plettenberg hat auf mich in jenen Jahren tiefen Eindruck gemacht. Ich glaube sicher, dass – für mich ganz unbewusst – sich damals einige der Maßstäbe gebildet haben, die dann für mein Denken und Urteilen im Leben entscheidend geworden sind. [...] Ich habe kaum jemanden anderen gekannt, der so von innerer Heiterkeit erfüllt war.“

Marion Gräfin Dönhoff: Erinnerungen an Kurt Freiherr von Plettenberg

Sie ließ seinen Namen in eine abstrakte Skulptur Alexander Libermans auf Schloss Crottorf zur Erinnerung an ihn und fünf weitere Freunde aus dem Widerstand einmeißeln.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzbiografie der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
  2. Friedrich Schulte-Kramer: Das Rittergut Stockum Sunderner Heimatblätter 18: 12–14.
  3. Friedrich Schulte-Kramer: Das Rittergut Stockum Sunderner Heimatblätter 18:14.
  4. Klaus D. Patzwall, Veit Scherzer: Das Deutsche Kreuz 1941–1945. Geschichte und Inhaber. Band II. Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2001, ISBN 3-931533-45-X, S. 354.