Kurvelesh

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Nivica mit Schluchten, Këndrevica im Hintergrund

Kurvelesh (albanisch auch Kurveleshi, türkisch Korvaleş) ist eine geographische und ethnographische Region in Südalbanien. Die Gebirgslandschaft liegt südwestlich von Tepelena zwischen der Vjosa und dem Drino im Osten und der Albanischen Riviera, Küste des Ionischen Meers, im Westen. Im Süden wird die Region durch den Fluss Kardhiq begrenzt. Das Gebiet umfasst etwa eine Fläche von 700 Quadratkilometern und hat eine durchschnittliche Höhe von rund 900 m ü. A.[1][2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserfall in einer Schlucht bei Nivica

Das Obere Kurvelesh (Kurvelesh i sipërm) wird mehrheitlich vom Fluss Bënça zur Vjosa entwässert, umfasst aber auch noch einige südlich angrenzende Gebiete auf der Nordseite des Tals von Kardhiq sowie im Norden das Tal von Salaria. Das Gebiet ist eine Hochebene, die durch tief eingeschnittene Schluchten zerschnitten wird. Es gibt zahlreiche Wasserfälle und Karstformen wie Höhlen, Dolinen, Quellen und Poljen.[2][3] Die höchsten Berge sind die Maja e Bardhë (1420 m ü. A.) im Südosten, der Mali i Thatë (1568 m ü. A.) im Süden, die Maja e Mureve (1700 m ü. A.) und der Mali i Pleshovicës (1734 m ü. A.) im Westen, die Maja e Këndrevicës (2122 m ü. A.) als Teil des Mali i Griba im Nordwesten, der Mali i Komtirit (1616 m ü. A.) im Norden und die Maja e Dudinës (1430 m ü. A.) im Nordosten. Im Zentrum des Oberen Kurvelesh steht die von der Bënça entwässerte Region südwestlich von Tepelena mit den Dörfern Gusmar, Nivica, Rexhin, Progonat und Lekdush. Diese waren bis 2015 in der eigenständigen Gemeinde Kurvelesh innerhalb des Kreises Tepelena zusammengefasst. Die Gemeinde zählte 705 Einwohner (2011).[4] Größtes Dorf ist Progonat, Sitz der Gemeinde war in Gusmar. Weiter zählt man noch das entfernte, nördlich von Nivica liegende Dorf Salaria zum Oberen Kurvelesh.[1] Im südlich anschließenden Kardhiq-Tal befinden sich noch die Dörfer Golem, Kaparjel, Picar und Kolonja, die bis 2015 die eigenständige Gemeinde Picar im Kreis Gjirokastra mit 937 Einwohnern (2011) bildeten.[4]

Das Untere Kurvelesh (Kurvelesh i poshtëm ) umfasst das Tal am Oberlauf der Shushica und das Tal des Bachs Çorraj, der direkt ins Ionische Meer fließt. Zum Unteren Kurvelesh zählen die Dörfer Kuç, Bolena, Vërnik, Kallarat, Fterra und Çorraj, von denen die ersteren zum Kreis Vlora und die letzten beiden zum Kreis Saranda gehörten.[1]

Wegen der mächtigen Berge rund um die Hochebene und den tiefen Schluchten ist das Kurvelesh nur schwer zugänglich. Das Obere Kurvelesh ist über eine einfache, unasphaltierte Fahrstraße von Tepelena über Bënça aus zu erreichen, der südliche Teil aus dem Kardhiq-Tal. Durchs Untere Kurvelesh führt eine einfache, unasphaltierte Fahrstraße von Borsh an der Küste über den Dërrasa-Pass zwischen Fterra und Kuç ins untere Shushica-Tal und nach Vlora. Oberes und Unteres Kurvelesh sind nur durch einen sehr schlechten Fahrweg verbunden. Die Dörfer des Oberen Kurvelesh sind durch eine asphaltierte Straße verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nivica befindet sich ein Kalaja (Burg) genannter Hügel, der auf drei Seiten von steil abfallenden Felswänden umgeben ist. Die Anlage wurde im 3. bis 2. Jahrhundert vor Christus von Illyrern aus Amantia besiedelt. Mindestens zwei Mal, unter Justinian und unter den Osmanen, wurden die Befestigungen erneuert.[5] Heute finden sich nur noch einige Ruinen.

Im Mittelalter gehörte das Kurvelesh noch zu Himara. Der Name leitet sich vom Stamm der Korvesen ab, die hier im Mittelalter lebten, später aber als Arbëresh auswanderten.[1]

Bevölkerung und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitstätigkeit der Bewohner in der Region beschränkt sich primär auf Landwirtschaft, insbesondere Viehzucht. Traditionell waren auch Fernweidewirtschaft gebräuchlich. Viele Bewohner waren im Osmanischen Reich als Wanderarbeiter unterwegs.[3]

Die Bewohner des Kurvelesh sind abgesehen von einem Teil der Bevölkerung des Dorfs Çorraj alle muslimisch.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Louis: Albanien – eine Landeskunde vornehmlich auf grund eigener Reisen. Verlag von J. Engelhorns Nachfolgern in Stuttgart, Berlin 1927, Das Kurveleshplareau-Gribagebirge, S. 93–95.
  • Emin Riza: Banesa popullore në Kurveleshin e Sipërm. In: Instituti i Monumenteve të Kulturës (Hrsg.): monumentet. Nr. 9. Tirana 1975, S. 141–159 (mit französischer Zusammenfassung).
  • Christoph Baumann: Die albanische „Transformationsregion“ Gjirokastra – Strukturwandel im 20. Jahrhundert, räumliche Trends und Handlungsmuster im ruralen Raum. In: Institut für Geographie an der Universität Bamberg (Hrsg.): Bamberger Geographische Schriften. Heft 28. Selbstverlag, 2008, ISSN 0344-6557.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kurvelesh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Farudin Krutaj: Fjalor enciklopedik shqiptar. Hrsg.: Akademia e Shkencave e RPSSH. Tirana 1985, Kurveleshi, S. 581 f.
  2. a b Dhimitër Doka, Eqerem Yzeiri: Räumliche Struktur Albaniens. In: Peter Jordan, Karl Kaser, Walter Lukan, Stephanie Schwandner-Sievers, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Österreichische Osthefte. Jahrgang 45, Heft 1/2. Peter Lang, 2003, ISSN 0029-9375, S. 15.
  3. a b c Robert Pichler: Hirten, Söldner und Wanderarbeiter. Formen der mobilen Ökonomie in den Dörfern des südalbanischen Hochlandes. In: Karl Kaser, Robert Pichler, Stephanie Schwandner-Sievers (Hrsg.): Die weite Welt und das Dorf. Albanische Emigration am Ende des 20. Jahrhunderts. Zur Kunde Südosteuropas. Albanologische Studien, Band 3. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99413-2, S. 133 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. a b Ines Nurja: Censusi i popullsisë dhe banesave / Population and Housing Census – Gjirokastër 2011. Rezultatet Kryesore/Main Results. Hrsg.: INSTAT. Pjesa/Part 1. Adel Print, Tirana 2013 (instat.gov.al [PDF; abgerufen am 14. April 2019]).
  5. Engjëll Serjani: Kalaja e Nivicës në Kurvelesh në vëmendje të arkeologëve britanik. In: Lajm-shqip.com. 7. April 2018, abgerufen am 6. April 2019 (albanisch).

Koordinaten: 40° 14′ 0″ N, 19° 52′ 0″ O