Kurzętnik

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Kurzętnik
Wappen von Kurzętnik
Kurzętnik (Polen)
Kurzętnik
Kurzętnik
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Nowe Miasto Lubawskie
Geographische Lage: 53° 24′ N, 19° 35′ OKoordinaten: 53° 23′ 57″ N, 19° 34′ 37″ O
Einwohner: 3065 (2007)
Postleitzahl: 13-306
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: NNM
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 22 Ortschaften
19 Schulzenämter
Fläche: 149,86 km²
Einwohner: 9096
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 61 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2812042
Verwaltung
Bürgermeister: Zofia Andrzejewska
Adresse: ul. Grunwaldzka 39
13-306 Kurzętnik
Webpräsenz: bip.warmia.mazury.pl/kurzetnik_gmina_wiejska/



Kurzętnik (deutsch Kauernik) ist ein Dorf und eine gleichnamige Landgemeinde im Powiat Nowomiejski (Neumarker Distrikt) der polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, südlich der Danziger Bucht und südöstlich von Graudenz (Grudziądz), etwa zehn Kilometer südlich der Stadt Neumark (Nowe Miasto Lubawskie).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kauernik südlich der Danziger Bucht, südöstlich von Marienwerder und südlich der Stadt Neumark auf einer Landkarte von 1908.

Im Jahr 1291 verlieh der Kulmer Bischof Werner seinem Domkapitel für die dem Bischof von Plock in der Löbau abgetretenen Ländereien 300 Hufen zusammen mit dem Berg »Cornichium«, auf dem um 1300 eine Burg errichtet wurde.[2] Neben dem Hügel entstand die Stadt. Mit dem Bau der Pfarrkirche St Mariae Magdalenae war vermutlich bereits Anfang des 14. Jahrhunderts begonnen worden.[2] Im Jahr 1330 war die Ortschaft bereits als Stadt vorhanden, als sie von dem litauischen Großfürsten Gediminas zerstört wurde.[3] Der Ort befand sich später im Besitz des Deutschordensstaats; 1361 wird der Hauskomtur Heinrich von Thymaw erwähnt, 1367 auch ein Kastellan.[2] 1414 und 1454 wurden Stadt und Schloss zerstört. Nach dem Niedergang der Herrschaft des Deutschen Ordens gehörte die Region zum autonomen Preußen Königlichen Anteils, das bis 1772 unter der Schirmherrschaft Polen-Litauens stand.

Im 16. Jahrhundert lag die Burg in Trümmern; die Burgruine wurde im 19. Jahrhundert bis auf wenige Reste weitgehend abgetragen.[2]

Im Jahr 1659 wurde Kauernik von den Schweden niedergebrannt.[2] Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Kauernik unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Im Jahr 1905 verlor Kauernik das Stadtrecht und wurde zu einer Landgemeinde herabgestuft.[2]

Kauernik gehörte von 1818 bis 1920 zum Kreis Löbau im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Kreisgebiet zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Durch den Polenfeldzug kam das entnommene Territorium des Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück. Der Kreis Löbau wurde in Kreis Neumark umbenannt. Das Kreisgebiet war dem Landkreis Marienwerder im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem die Teile der Gemeinde Kauernik bis 1945 gehörten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde ganz Westpreußen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend setzte die Zuwanderung polnischer Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Bevölkerung bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Soweit die deutschen Einheimischen nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 355 größtenteils Polen und römisch-katholischer Konfession[4]
1831 565 fast nur Polen[5]
1864 1.044 darunter 135 Evangelische und 892 Katholiken[6]
1910 793 darunter 90 Deutsche, sieben Kaschuben und 696 Polen[2]
1843 1.250 [2]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Kurzętnik gehören 19 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[7][8][9][10] mit einem Schulzenamt:

  • Bratuszewo (Bratuszewo, 1939–1942 Bratuschewo, 1942–1945 Bratisdorf)[8]
  • Brzozie Lubawskie (Deutsch Brzozie, 1942–1945 Brosen)[8]
  • Kamionka (Kamionken, 1942–1945 Kemmen, Kr. Neumark (Westpr.))[9]
  • Kąciki (Konciki, 1942–1945 Roßwinkel)[10]
  • Krzemieniewo (Krzeminiewo, 1942–1945 Krumau, Kr. Neumark (Westpr.))[8]
  • Kurzętnik (Kauernik)
  • Lipowiec (Lipowitz, 1942–1945 Lippen, Kr. Neumark (Westpr.))[8]
  • Małe Bałówki (Klein Ballowken, 1942–1945 Kleinballen)[9]
  • Marzęcice (Marzencitz, 1942–1945 Marnau)[9]
  • Mikołajki (Nikolaiken, 1942–1945 Nickelshöhe)[9]
  • Nielbark (Nelberg)
  • Otręba (Otremba, 1939–1942 Ostremba, 1942–1945 Otterwald)[9]
  • Sugajenko (Sugainko, 1942–1945 Sugein)[8]
  • Szafarnia (Forsthausen, 1942–1945 Forsthausen, Kr. Strasburg (Westpr.))[10]
  • Tereszewo (Terreschewo, 1942–1945 Resendorf)[9]
  • Tomaszewo (Thomasdorf, 1942–1945 Thomasdorf, Kr. Neumark (Westpr.))[9]
  • Wawrowice (Wawerwitz, 1942–1945 Wawer)[9]
  • Wielkie Bałówki (Groß Ballowken, 1942–1945 Großballen)[9]

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Kacze Bagno (Entenbruch), Ostrówki und Rygiel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f g h Erich Weise (Hrsg.): Ost- und Westpreußen, Reihe Handbuch der historischen Stätten, Kröner, Stuttgart 1981, S. 98–99.
  3. Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 4: Die Zeit von der Unterwerfung Preußens 1283 bis zu Dieterichs von Altenburg Tod 1341. Königsberg 1830, S. 462.
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preu9en. Teil II: Topographie von West-Preußen, Marienwerder 1789, S. 46, Nr. 6.).
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 436, Nr. 44.
  6. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 88–89, Nr. 67.
  7. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  8. a b c d e f Vgl. Weblink Amtsbezirk Kauernik - Ortsumbenennungen
  9. a b c d e f g h i j Vgl. Weblink Amtsbezirk Marnau - Ortsumbenennungen
  10. a b c Vgl. Weblink Amtsbezirk Gottfriedsfelde - Ortsumbenennungen