Kurzwellenrundfunk

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Weltempfänger, auf 3980 kHz Kurzwelle (KW, englisch SW) eingestellt

Mit dem Begriff Kurzwellenrundfunk bezeichnet man Rundfunk, der auf den Kurzwellenbändern verbreitet wird. Diese entsprechen dem Frequenzbereich von 3.200 kHz bis 26.100 kHz, unterteilt in mehrere „Bänder“ für den Hörfunk.

Die Rundfunkausstrahlungen auf Kurzwelle spielten in den Anfängen der Radiogeschichte eine wichtige Rolle. Im 2. Weltkrieg wurde er als Propagandainstrument für eine internationale Hörerschaft eingesetzt. Die Hochzeit des internationalen Kurzwellenrundfunks war im Kalten Krieg zwischen 1960 und 1980. Mit dem Aufkommen anderer Techniken zur Verbreitung von Hörfunkprogrammen wie Satelliten- und Kabelrundfunk sowie IP-basierten Übertragungen, verlor der Kurzwellenrundfunk an Bedeutung. Auch Initiativen zur Digitalisierung des Rundfunkbandes fruchteten nicht und so senden heute nur noch sehr wenige Stationen auf diesem Rundfunkband (Stand 2020).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kurzwellenrundfunk spielte innerhalb der Entwicklung des Hörfunks schon früh eine wichtige Rolle. Die Hochzeit des Kurzwellenrundfunks war die Zeit des Kalten Krieges. Viele Staaten betrieben Auslandssender und verbreiteten Programme in etlichen Sprachen. Der BBC World Service sendete zeitweise mehr als 30 Sprachdienste über seine Kurzwellen-Relaisstationen in ehemaligen britischen Kolonien.

Der Beginn des Kurzwellenrundfunks geht in die späten 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Am 31. Januar 1925 war die erste Kurzwellenrundfunkübertragung aus den Vereinigten Staaten in Deutschland zu hören.

Am 1. Januar 1929 traten die Frequenzvereinbarungen der Washingtoner Funkkonferenz in Kraft, bei der neben der Mittelwelle auch Frequenzen im Kurzwellenbereich vergeben wurden. Am 28. August nahm der Weltrundfunksender seinen offiziellen Betrieb im 31 m-Band auf. Am 30. September hielt der Schriftsteller Alfred Döblin auf der Arbeitstagung „Dichtung und Rundfunk“ seine Rede „Literatur und Rundfunk“. Am 25. Dezember übernahm der US-Sender NBC das auf Kurzwelle ausgestrahlte und in den USA empfangene Weihnachtsprogramm; es war der erste Programmaustausch mit den USA. Im Januar 1932 wurde dieses Austauschabkommen erweitert. Am 19. August stellte die Reichspost auf der Funkausstellung in Berlin den ersten Radioempfänger mit Kurzwellenempfangsmodul vor.

Ab 1930[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus strahlten der Deutsche Kurzwellensender als ein Auslandsrundfunkprogramm des Dritten Reiches sein Programm aus. Er sendete ab dem 1. April 1933 über Kurzwelle und war weltweit bis kurz vor Kriegsende zu empfangen und sendete 1938 rund um die Uhr Sendungen in 12 Sprachen. Kein anderer Hörfunksender nutzte zu jener Zeit den Kurzwellenrundfunk in diesem Ausmaß zur Selbstdarstellung und Propaganda. Daneben wurde mit Germany Calling ein weiterer Auslandssender betrieben, der sich hauptsächlich an Großbritannien und die USA richtete.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Kurzwellrundfunk primär als Propagandainstrument. Neben ihren staatlichen Sendern stellten die Alliierten wie die Deutschen Programme mit „schwarzer Propaganda“, also gezielter Desinformation zusammen, die Briten etwa in Form des Tarnsenders Soldatensender Calais.

Der BBC World Service und Radio Moskau sendeten Informationen über das Kriegsgeschehen über die Kurzwelle. Das Hören dieser sogenannten „Feindsender“ war bei Strafen bis hin zur Todesstrafe im Gebiet des Deutschen Reichs durch die Nazis verboten. Diese „Rundfunkverbrechen“ allen voran das Hören der BBC wurde dennoch als einzige Quelle für unbeschönigte Informationen über den Kriegsverlauf wahrgenommen. Allerdings verfügte nur eine Minderheit der Bevölkerung über die dafür notwendigen Empfangsgeräte. Die für die breite Masse der deutschen Haushalte entwickelten und erschwinglichen Volksempfänger-Modelle (der VE301 und seine Nachfolger) waren absichtlich lediglich für die Lang- und Mittelwellenbereiche ausgelegt und, aufgrund ihrer einfachen Bauweise, nur zum Empfang starker Sender geeignet.

Bereits vor dem Krieg waren privat betriebene Kurzwellensender aktiv, weil sie es kleinen politischen Gruppen ermöglichten, weltweit Gehör zu finden. Die Nazis setzten dagegen drastische Maßnahmen ein und verschärftem das „Gesetz gegen die Schwarzsender“ am 24. November 1937.[1] Die Novellierung des Gesetzes bestrafte nun auch jeden, der einen solchen Sender ohne Genehmigung der Reichspost baute oder bei sich verwahrte, mit Zuchthaus.

Kalter Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolle des Kurzwellenrundfunks wandelte sich in der Zeit des Kalten Krieges. Die Auslandssendungen dienten eher zur unterschwelligen politischen Propaganda und zur Vermarktung der eigenen Ideologie weltweit. Die 1970er und 1980er Jahre waren die Blütezeit des Kurzwellenrundfunks. Weltweit wurden von vielen Ländern leistungsstarke Sender betrieben um ihre Auslandsprogramme zu verbreiten. Potente Rundfunkanbieter, wie Radio Moskau, die BBC, Radio France Internationale, die Voice of America, Radio Beijing u. a. sendeten Sprachdienste im zweistelligen Bereich.

Gezielt nutzten auch die USA den Kurzwellenrundfunk für politische Beeinflussung mit Sendern wie Radio Free Europe/Radio Liberty, die antikommunistische Sendungen in osteuropäischen Sprachen ausstrahlten. In umgekehrter Richtung waren es zum Beispiel Radio Moskau, Radio Tirana oder Radio Peace and Progress (en). Als neutral versuchte sich zum Beispiel Radio Sweden International zu positionieren.

Das Hören von Ostblock-Sendern konnte in den USA in der McCarthy-Ära als antiamerikanischer Umtrieb gewertet werden und ernsthafte Konsequenzen für den Hörer nach sich ziehen. In den kommunistischen bzw. stalinistischen Ländern war das Hören ausländischer Sendungen in bestimmtem Zeiten bei Strafe verboten. Die Sendungen wurden von Störsendern, die Störgeräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Stimmengewirr auf den benutzten Kurzwellen-Frequenzen ausstrahlten, gestört (Jamming). Dies gilt als Verstoß gegen das Menschenrecht auf freie Wahl der Informationsquelle. Auch Sender wie die Deutsche Welle, der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS Berlin), die Voice of America und der BBC World Service wurden gestört. Auch wurden nationale Sender auf den Frequenzen unliebsamer Sender betrieben. So sendeten einige kubanische Radiostationen ihr Inlandsprogramm auf Frequenzen von Radio Martí und anderen populären Mittelwellen-Stationen aus Florida, um den Empfang in Kuba zu erschweren. Im Irak benutzte der Inlandsdienst von Radio Bagdad einige der Kurzwellen-Frequenzen von Radio Sawa, dem arabischen Programm der US-Informationsbehörde.

Mit den antiimperialen Befreiungsbewegungen weltweit entstanden immer wieder politische Oppositions- und Untergrundsender (Clandestine stations), die je nach Standort illegal (nach lokaler Gesetzesauslegung am Senderstandort), geduldet oder legal betrieben wurden. Die Sender fielen häufig durch technische Probleme auf. Die Sender waren außerhalb der für Rundfunk reservierten Bänder, wenn auch häufig nur knapp außerhalb zu finden.

Nach 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Welle sendete über Jahrzehnte über Kurzwelle, stellte jedoch ihren Kurzwellensendebetrieb am 29. Oktober 2011 größtenteils ein. In Österreich wurde im Frühjahr 2003 der Auslandsdienst Radio Österreich International vom Österreichischen Rundfunk eingestellt. Seitdem wurde zunächst knapp eine Stunde täglich, seit spätestens 2011 nun 70–80 Minuten täglich,[2] das Inlandsprogramm Ö1 auf Kurzwelle übertragen. Auch die Schweiz stellte ihren Auslandsdienst Schweizer Radio International Ende Oktober 2004 ein. Stattdessen wurde das Angebot auf eine Internetpräsenz verlagert; dort werden Nachrichten und Berichte angeboten. Als Gründe für die Einstellung werden häufig hohe Kosten und eine mangelhafte Klangqualität genannt. Mit dem Aufkommen des Satellitenradios und Internet-Streams nahm die Bedeutung des Kurzwellenrundfunks in Europa, Nordamerika und Australien stark ab.

Der analoge UKW-Hörfunk kann aufgrund der verwendeten Frequenzmodulation (FM) und einer größeren Bandbreite eine deutlich bessere Empfangsqualität als die im Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich verwendete Amplitudenmodulation (AM) bieten. Ab den 1980er Jahren wurden FM-Sender, auch in abgelegenen Gebieten zum Standard.

Nach dem Ende der Kurzwellenausstrahlungen öffentlich-rechtlicher Anbieter starteten auch im deutschsprachigen Raum vermehrt kleine private Veranstalter auf Kurzwelle (z. B. Shortwaveservice seit 2007). Pioniere des privaten Sektors waren ursprünglich religiöse Stationen, so auch der Evangeliumsrundfunk (ERF, 1961). 1993–95 wurde das Informationsprogramm Radioropa Info auf Kurzwelle aus Tschechien verbreitet. Seit den 2000er-Jahren kommen auch Sendeanlagen in Deutschland und Österreich für private Anbieter zum Einsatz. In den USA wurde 1989 die National Association of Shortwave Broadcasters (NASB) (en) gegründet.[3]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurzwellensignale besitzen aufgrund ihrer sehr guten Reflexionseigenschaften an der Ionosphäre eine sehr große Reichweite. Deshalb wurden die Kurzwellenbänder für den weltweiten Rundfunkbetrieb genutzt.

In manchen Ländern wurde der Kurzwellenrundfunk auch lange für die nationale Rundfunkversorgung genutzt. In Staaten mit dünner Besiedlung, großer Ausdehnung und/oder aus topographischen Gründen war der Ausbau flächendeckender UKW-Senderketten kostspielig. Vor dem Ausbau von Satellitentechnik konnten so viele Empfänger in Ländern mit wenig technischer Infrastruktur erreicht werden. In Indien und Australien nutzten die staatlichen Rundfunkgesellschaften lange Kurzwellensender für die Versorgung ihrer Flächenländer. Auch in den Andenregionen Südamerikas boten Kurzwellenaussendungen Reichweitenvorteile gegenüber UKW-Abstrahlungen.

Rundfunkbänder im Kurzwellenbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht der Rundfunkbänder
Meterband Frequenzbereich Bemerkung
120 m 2.300–02.495 kHz Tropenband“, Grenzwelle
90 m 3.200–03.400 kHz „Tropenband“, Grenzwelle
75 m 3.900–04.000 kHz nicht in Amerika
60 m 4.750–05.060 kHz „Tropenband“
49 m 5.900–06.200 kHz weltweit
41 m 7.200–07.450 kHz weltweit
31 m 9.400–09.900 kHz weltweit
25 m 11.600–12.100 kHz weltweit
22 m 13.570–13.870 kHz weltweit
19 m 15.100–15.800 kHz weltweit
16 m 17.480–17.900 kHz weltweit
15 m 18.900–19.020 kHz weltweit
13 m 21.450–21.850 kHz weltweit
11 m 25.670–26.100 kHz weltweit

Im Gegensatz zu UKW-Sendern, die rund um die Uhr auf einer festen Frequenz senden, müssen Kurzwellensender ihre Frequenzen mehrmals am Tag ändern. Der Grund ist die Abhängigkeit der Ausbreitungsbedingungen der Kurzwellensignale von der Tages- und Jahreszeit.

Die dem Rundfunkdienst auf Kurzwelle zugewiesenen Frequenzbereiche – auch Frequenzbänder oder Meterbänder genannt – sind über das ganze Kurzwellenspektrum verteilt. Innerhalb der Bänder wird ein 5-kHz-Raster benutzt (Trägerfrequenz xxxx0 kHz und xxxx5 kHz). Historisch arbeiteten aber auch manche Sender außerhalb dieser Bänder und machten, wegen ihrer weit höheren Feldstärken, die entsprechenden Frequenzen für praktisch alle weiteren Nutzer unbrauchbar.

Die Rundfunkbänder sind aus historischen Gründen nach ihren ungefähren Wellenlängen benannt. Das 49-Meter-Band wurde häufig auch Europaband genannt.

Frühere deutschsprachige Kurzwellenrundfunksender im 49- und 41-Meter-Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[4]

Bestehende deutschsprachige Kurzwellenausstrahlungen diverser Sendestationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Liste führt Sender, die einzelne Sendungen auf Kurzwellen in Deutsch senden (Stand September 2021).

Internationale Auslandssender:

Nationale Sender auf Kurzwelle:

[5]

Missionssender / Religiöse Programme:

Frühere deutschsprachige Kurzwellenausstrahlungen von Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Liste führt wichtige Sender, die ehemals auf Kurzwellen sendeten.

Internationale Auslandssender:

Nationale Sender auf Kurzwelle:

US-amerikanische Auslandssender:

Missionssender / Religiöse Programme:

Ehemalige Auslandssender:

Kurzwellenempfang als Hobby[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in den westlichen Staaten parallel zum Amateurfunkwesen der Empfang von Kurzwellensendungen als Hobby. Die Abkürzung aus der Funk-Syntax für den Empfang von weit entfernten Radiosendern „DX“ (distant exchange) wurde als Bezeichnung für das Hobby übernommen und die Tätigkeit „DXen“ genannt. Daraus entwickelte sich eine eigene Kultur mit Hobbyclubs wie der Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer (ADDX) und dem Arbeitsgemeinschaft DX (AGDX). Auch bildete sich ein eigenes Verhältnis von Rundfunkproduzenten und der technisch interessierten Hörerschaft, den DXern heraus. DXer schickten Empfangsberichte mit Angaben zur Empfangsqualität an die Rundfunkanstalten und diese bestätigten den Empfang häufig mit QSL-Karten. Die Karten wurden zu beliebten Sammlerobjekten und dem „Nachweis“ rare Sender empfangen zu haben. Ursprünglich waren die Empfangsberichte für die Sender interessant, um Rückschlüsse über die Empfangsqualität im Zielgebiet ziehen zu können. In den Berichten wurde häufig das SINPO-System (Signalstärke, Störungen, Nebengeräusche und Schwund) oder das aus der Amateurfunktechnik kommende RST-System verwendet. Der Nutzen der Berichte wurde mit der technischen Weiterentwicklung immer marginaler, jedoch blieben sie als Form der Hörerbindung bestehen.

Einige Auslandsdienste betrieben eigene Abteilungen für den Hörerkontakt und trieben großen Aufwand für den Hörerkontakt. Die Sender legten teilweise der Hörerkorrespondenz Gimmicks, wie Souvenirs, Aufkleber oder Wimpel bei. Auch diese wurden von vielen DXern gesammelt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendetechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sendetechnik für den Kurzwellenrundfunk ist raum- und energieintensiv. Kurzwellenrundfunksender größerer Programmanbieter wurden meist als Anlagen mit mehreren zuschaltbaren Antennen-Systemen für die Abstrahlung in unterschiedliche Richtungen gebaut. Entsprechend der Wellenlänge waren die Antennennetzwerke (Yagi-Antennen, Langdrahtantennen, seltener selbststrahlende Masten etc.) auch wesentlich größer als bei UKW-Sendern.

Gesendet wird in Amplitudenmodulation, seltener auch in der Restseitenbandmodulation (AM-Träger mit nur einem Seitenband). Diese auch für den Mittel- und Langwellenrundfunk verwendete Modulationsart ist empfängerseitig technisch leicht zu demodulieren.

Empfangstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röhrenbasierte Empfangsgeräte gehörten bis in die 1960er Jahre zum Standard. Mit der Markteinführung der Transistortechnik wurden die Kurzwellen-Empfänger kleiner und portabler. In den 1970er und 1980er Jahren boten die Hersteller von Unterhaltungselektronik, wie Sony, Grundig, AEG, Technics (Panasonic) spezielle Empfänger für den Kurzwellenempfang an, die als Weltempfänger beworben wurden.

Ab den 1990er Jahren verschmolz Empfangs- und Computertechnik zunehmend. Während die noch notwendige HF-Technik und Antennenabstimmung extern in einer Blackbox verbleibt und mittels Bus-Systemen geregelt wird, erledigt die Signalverarbeitung der Prozessor des PCs. Diese Software Defined Radios (SDR) gehören seit den 2000er Jahren zum Standard und ermöglichen Bereichsanalysen mittels Wasserfalldiagramme. Als technische Spielerei wurden zeitweise auch WebSDRs betrieben, womit mittels eines Browsers auf offene SDR-Empfänger weltweit zugegriffen werden konnte.[6] Der WebSDR streamt das Signal live.[7]

Digitalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige große Auslandssender versuchen die Kurzwellentechnik für den Betrieb im 21. Jahrhundert zu modifizieren und eine „digitalen Kurzwelle“ zu schaffen. Die Betreiber wollen die Vorteile der Kurzwelle nutzen und vorhandene Sendeeinrichtungen weiter betreiben. Dazu gründete sich das Konsortium Digital Radio Mondiale (DRM), das einen eigenen Codier- und Moduationsstandard entwickelte. Am 16. Juni 2003 ging bei der Weltfunkkonferenz (WRC) in Genf das DRM in den Regelbetrieb. Das System wurde für digitale Ausstrahlungen auf Lang-, Mittel- und Kurzwellenbändern entwickelt und in den 2010er Jahren vor allem in Europa eingeführt. Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 2003 wurden erstmals digitale Empfänger mit DRM-Decodierung vorgestellt. Jedoch wurden in Folge kaum Empfangsgeräte produziert, die Verbreitung blieb gering und mit Stand 2019 senden nur noch wenige Rundfunkanstalten in DRM.[8] Das Projekt gilt als weitgehend gescheitert. Auch ein gemeinsamer DRM-Kanal von Deutsche Welle und BBC scheiterte 2010, nachdem das Programm Ende 2008 auf Sendung ging.[9]

Internet-Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Betreiben von Kurzwellen-Sendeanlagen ist relativ teuer. Da mit dem Ende des Kalten Krieges sowohl die Motivation, aus Propagandagründen zu senden, als auch die Notwendigkeit, „neutrale“ Informationen bereitzustellen, weggefallen sind, gibt es einen Trend, Kurzwellensendungen einzustellen oder zu vermindern (Beispiel Danmarks Radio, Radio Monte Carlo, Voice of the Mediterranean, Radio Österreich International, Radio Tirana, IBB/VoA, die deutschsprachigen Sendungen von Radio Schweden und der BBC World Service für Europa und Nordamerika). Häufig wird dabei als möglicher Ersatz auf Internet-Radio oder auf Podcasts verwiesen.

Das Betreiben eines Internet-Radios beziehungsweise das Verbreiten einer Rundfunksendung über Internet ist unvergleichlich preiswerter als das Betreiben von Kurzwellensendern. Es gibt keine Frequenzknappheit oder Probleme mit der Wellenausbreitung. Die per Internet zu erzielenden Reichweiten sind groß – allerdings werden gerade jene Gegenden nicht erreicht, die technisch unterversorgt sind oder in denen abweichende Ansichten aus politischen Gründen staatlicherseits unterdrückt werden und in denen folglich auch das Internet zensiert wird (z. B. China, Iran, Nordkorea). In diesen Gebieten ist der Kurzwellenrundfunk nach wie vor eine der wenigen echten Informationsquellen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal: Hörfunk – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Hörfunk

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Kniestedt, Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesem (Hrsg.), Postfach 80 01, 5300 Bonn 1, 1979: 50 Jahre Kurzwellen-Rundfunk aus der Sicht der Deutschen Fernmeldeverwaltung, Sonderdruck aus dem Archiv für das Post- und Fernmeldewesen Heft 3/1979.
  • Michael Schmitz, Wolf Siebel: Sender & Frequenzen 2017 – Jahrbuch für weltweiten Rundfunkempfang, 34. Jahrgang. vth – Verlag für Technik und Handwerk neue Medien GmbH, Baden-Baden, ISBN 978-3-88180-896-5.
  • WRTH Editors (Hrsg.): World Radio TV Handbook (WRTH) 2019, 2019, ISBN 978-1999830014.
Frequenzplan

Audiosendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz W. Behn: Der Kurzwellensender. Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1939
  2. Übersicht. In: oe1.ORF.at. Österreichischer Rundfunk, 24. März 2011, abgerufen am 14. September 2019.
  3. NASB: About us
  4. swcountry.be
  5. Radio Channel292 International Broadcasting Shortwave Kurzwelle Rundfunk Sender Sendezeit - Home. Abgerufen am 3. September 2021.
  6. Einen Überblick über offene WebSDR bietet websdr.org. Beliebt ist der WebSDR der Universität Twente in den Niederlanden.
  7. websdr.org. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
  8. DRM-Empfänger / Empfänger-Chips (Memento vom 12. Juli 2015 im Internet Archive). In: Deutsches DRM Forum. Abgerufen am 11. Juli 2015 (Überblick über im Handel erhältliche DRM-Radios)
  9. Digitaler Rundfunk – Deutsche Welle plant einen gemeinsamen DRM-Kanal mit der BBC. Abgerufen am 3. Dezember 2020 (deutsch).
  10. Radio-Kurier – weltweit hören 17/2001 (PDF)