Kyocera

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Kyocera

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Rechtsform Kabushiki-gaisha (Aktiengesellschaft)
ISIN JP3249600002
Gründung 1. April 1959
Sitz Kyōto, JapanJapan Japan
Mitarbeiterzahl 76.683 (2018)[1]
Umsatz 1,6 Bio. Yen (13 Mrd. EUR) (2018)[1]
Branche Mischkonzern
Website www.kyocera.com

Kyocera-Konzernzentrale in Fushimi-ku, Kyōto, Japan

Die Kyocera K. K. ['kjoː.'sɛ.ɾə] (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) (jap. 京セラ株式会社, Kyōsera Kabushiki-gaisha, engl. Kyocera Corporation), gelistet im Nikkei 225, ist ein japanischer Konzern mit Sitz in Kyōto.

Kyocera ist Privatanwendern in Europa hauptsächlich durch die Drucker, Kopierer und Multifunktionsgeräte seines Tochterunternehmens Kyocera Document Solutions (früher: Kyocera Mita) bekannt. Weiterhin zählt das Unternehmen zu führenden Herstellern im Bereich der Photovoltaik und vertreibt weltweit seit Mitte der 1970er Jahre Photovoltaikmodule. Im industriellen Bereich ist Kyocera weltweit als Hersteller von Zerspanwerkzeugen aktiv.

Der Konzern Kyocera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kyocera Corporation mit Hauptsitz in Kyoto ist einer der weltweit führenden Anbieter feinkeramischer Komponenten für die Technologieindustrie. Strategisch wichtige Geschäftsfelder der aus 298 Tochtergesellschaften (31. März 2020) bestehenden Kyocera-Gruppe bilden Informations- und Kommunikationstechnologie, Produkte zur Steigerung der Lebensqualität sowie umweltverträgliche Produkte. Der Technologiekonzern ist weltweit einer der erfahrensten Produzenten von smarten Energiesystemen, mit mehr als 40 Jahren Branchenfachwissen. 2020 belegte Kyocera Platz 549 in der „Global 2000“-Liste des Forbes Magazins, die die größten börsennotierten Unternehmen weltweit beinhaltet.

Mit etwa 75.500 Mitarbeitern erwirtschaftete Kyocera im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Netto-Jahresumsatz von rund 13,33 Milliarden Euro. In Europa vertreibt das Unternehmen u. a. Drucker und digitale Kopiersysteme, Halbleiter-, Feinkeramik-, Automobil- und elektronische Komponenten sowie Druckköpfe[2] und keramische Küchenprodukte. Seit 2014 zählt Kyocera zu den “Top 100 Global Innovators”.[3][4]

Kyocera ist in Deutschland mit fünf eigenständigen Gesellschaften vertreten:

- der Kyocera Europe GmbH in Neuss und Esslingen,
- der Kyocera Fineceramics Precision GmbH in Selb,
- der Kyocera Fineceramics Solutions GmbH in Mannheim,
- der Kyocera Automotive and Industrial Solutions GmbH in Dietzenbach
- sowie der Kyocera Document Solutions GmbH in Meerbusch.

Das Unternehmen engagiert sich auch kulturell: Über die vom Firmengründer ins Leben gerufene und nach ihm benannte Inamori-Stiftung wird der imageträchtige Kyoto-Preis als eine der weltweit höchstdotierten Auszeichnungen für das Lebenswerk hochrangiger Wissenschaftler und Künstler verliehen (umgerechnet zurzeit ca. 828.000 Euro*).

Innovationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1982 wurde ein bei Kyocera gebauter Dreizylinder-Dieselmotor in einen Pkw von Isuzu vorgestellt. Durch die hohe Hitzebeständigkeit der keramischen Bauteile benötigte der Motor weder einen Wasserkühler noch Kühlrippen am Zylinderkopf für eine Luftkühlung.[5]

Innovationen bei den Kleinbildspiegelreflexkameras CONTAX RTS III und CONTAX AX: Dort wurden erstmals perforierte keramische Filmandruckplatten verwendet, bei denen während der Aufnahme der Film durch Unterdruck angesaugt wurde. Bei der AX wurde erstmals die Autofocusfunktion durch eine in Keramik gelagerte, verschiebbare Filmebene im Kameragehäuse realisiert. Somit konnten alle vorhandenen manuellen Objektive weiter eingesetzt werden.

2008 begann Kyocera eine haptische Rückmeldung für Touchscreens auf Basis der Piezotechnik zu entwickeln, was gegenüber Magnetspulentechnik eine kompaktere Bauweise ermöglicht. Die ersten Displays für Maschinensteuerungen konnte Kyocera im zweiten Quartal 2019 liefern. Im Automobilbereich soll die Technik 2020 oder 2021 erstmalig bei europäischen Herstellern eingesetzt werden.[6]

Bei Laserdruckern bietet Kyocera die patentierte Ecosys-Technologie mit langlebigen[7] Keramik-beschichteten Trommel und recht geringem Stromverbrauch an.[8][9]

2017 meldete Kyocera 1.144 US-Patente an.[10] 2019 hielt das Unternehmen 98 technologie-unabhängige Patente bezüglich Druckmessung und haptischer Rückmeldung.[6]

Zu den jüngeren Innovationen gehört eine Silberlegierung, die den Glanz von Silberschmuck auch im Laufe der Zeit beibehält, und eine neue Beschichtungstechnologie, die die Lebenserwartung künstlicher Hüftgelenke verlängert.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1959 von Kazuo Inamori als Kyoto Ceramics gegründet.[11] 1969 nahm die US-amerikanische Niederlassung ihre Geschäfte auf. Seit den frühen 1970er-Jahren ist Kyocera auch auf dem europäischen Markt vertreten.

1985 stiftete der Unternehmensgründer den renommierten Kyoto-Preis in den Kategorien Hochtechnologie, Grundlagenforschung sowie Kunst und Philosophie.

Optik und Kameraherstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 begann Kyocera die Zusammenarbeit mit Carl Zeiss Oberkochen und startete die Auftragsproduktion für Zeiss-Objektive für das Contax-Kamera-Programm.[12]

1983 benannte sich der Konzern von Kyoto Ceramic Co., Ltd. in Kyocera Corporation um. Im selben Jahr fusionierte Kyocera mit Yashica Camera Co., Ltd.[13] Damit gelangte auch Nutzungsrechte an der nach wie vor der Carl Zeiss AG gehörenden Traditionsmarke Contax in das Produktportfolio des Kyocera-Konzerns. Die Kameras wurden weiterhin unter den Marken „Contax“ und „Yashica“ verkauft, durch kompatible Objektive und Motorantriebe bildeten die Contax- und Yashica-Spiegelreflexkameras ein System.

Leica mini Zoom (1993–1997)
gebaut bei Kyocera

Kyocera Optec fertigte auch Wechselobjektive für die Leica R-Spiegelreflexkamera.[12] Auch die Kompaktkamera Leica Mini Zoom, die 1993 auf den Markt kam, wurde bei Kyocera hergestellt.[14]

Im Jahr 2000 wurde das Contax-N-System vorgestellt. 2002 konnte die digitale Version N Digital geliefert werden; sie hatte als erste digitale Spiegelreflexkamera einen Vollformatsensor, also einen Sensor in voller Größe des Kleinbildformats.[15] Im November 2003 wurde die Kyocera Finecam S3R mit professioneller Serienbildfunktion vorgestellt: Ihr Bildprozessor ermöglichte Aufnahmeserien von mehr als 180 Bildern pro Minute.[16][17]

Von 1996 bis 2004 wurden unter dem Namen „Kyocera“ auch Digitalkameras angeboten.[18]

Im April 2005 kündigte Kyocera an, sich aus dem Kamerageschäft zurückzuziehen.[19] Im September 2005 wurde die Lieferung von Kameras und Zubehör der Marke Contax eingestellt.[20]

Nachdem schon 2012 die Fortführung im optischen Bereich mit Entwicklung und Fertigung von Wechselobjektiven und Objektivbaugruppen angekündigt war,[12] wurde dies 2018 bestätigt: Der Bereich heißt Kyocera Optec.[25]

Übernahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde der Kondensatorenhersteller AVX Corporation übernommen; dazu gehörten 17 Produktionsstätten.[26]

Im August 1999 übernahm der Konzern das Unternehmen Golden Genesis Company of Scottsdale, Arizona,[27] das in Kyocera Solar, Inc. (KSI) umbenannt wurde, sowie 2000 das Unternehmen Mita Industrial Co., Ltd.[28] 2002 wurde die Toshiba Chemical Corp. reorganisiert und in die Kyocera Chemical Corp. umgewandelt.

Das Unternehmen übernahm im Januar 2009 das deutsche Unternehmen Triumph-Adler.[29][30]

Kyocera übernahm im Oktober 2015 die CEYONIQ-Gruppe,[31] im August 2016 für 400 Millionen US-Dollar den Optikhersteller Melles Griot.[32]

2005–2009 und seit 2014 Sponsor von Borussia

Im Frühjahr 2020 übernahm Kyocera den bislang inhabergeführten Anbieter von Enterprise Content Management-Software (ECM) Optimal Systems. Er hat mehr als 450 Mitarbeiter.[33]

Sponsorentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kyocera war von 2005[34] bis zum 30. Juni 2009 Hauptsponsor des Fußballerstligisten Borussia Mönchengladbach. Seit 2010 unterstützt Kyocera den Deutschen Hockey-Bund (DHB).[35] Das Sponsoring von Borussia Mönchengladbach wurde 2014 wieder aufgenommen. Zwischenzeitlich war Kyocera Sponsor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.[36]

Weltweit entscheiden die Ländergesellschaften von Kyocera selbst, wo investiert wird. In Südafrika wird beispielsweise auch Cricket unterstützt. Eine Abstimmung mit der Zentrale in Japan ist aber erforderlich.[37]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kyocera Ecosys-Laserdrucker
  • Drucker / Multifunktionsgeräte
  • Feinkeramik-Bauteile
  • Mikroelektronische Bauteile
  • Ultrahochvakuum-Bauteile
  • Glasfaser-Optik
  • Industrielle Druck-Komponenten
  • LCDs und Glas/Glas Touch Panels
  • Automotive Komponenten
Kyocera Messer mit Keramikklinge
  • Zerspanungswerkzeuge
  • Photovoltaiksysteme
  • Uhren- und Schmuckindustrie
  • Büroprodukte
  • Küchenprodukte (z. B. Keramikmesser)
  • Mobiltelefone[38]
  • Linsen und optische Systeme,[39] bis 2005 auch Kameras / Digitalkameras[12]
  • DMS- / ECM-Software[40]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kyocera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kyocera digital cameras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Contax digital cameras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Corporate Summary, Stand 31. März 2019
  2. Hans Böckler Stiftung 2020, Branchenanalyse Druckmaschinenindustrie (Seite 78; PDF, 2,4 MB), abgerufen am 26. November 2020.
  3. KYOCERA Group Consolidates Optical Components Business. businesswire (Thomson Reuters), 1. November 2016, abgerufen am 24. November 2020.
  4. a b Kyocera als einer der Derwent Top 100 Global Innovators. umweltdialog.de, 14. März 2019, abgerufen am 24. November 2020.
  5. Eberhard Kimmer. In: Illustrierter Motorsport (Berlin), Heft 10/1983, S. 212–213.
  6. a b Kyocera Automotive nutzt Piezoaktoren für haptische Feedback-Displays. Automobilkonstruktion, 1. Mai 2019, abgerufen am 26. November 2020.
  7. Test Kyocera FS-C5400DN - schneller Farblaser für Arbeitsgruppen. Computerwoche tec, 19. März 2010, abgerufen am 26. November 2020.
  8. KYOCERA MITA 9. April 2010, Umweltschonend Drucken und Kopieren, insbesondere Seite 3 ff, (PDF, 7,6 MB), abgerufen am 24. November 2020.
  9. pc-magazin.de vom 13. Januar 2017, Kyocera Ecosys M5526cdw im Test: Sehr guter Farblaser-Drucker, abgerufen am 24. November 2020.
  10. Kyocera ranked among top 100 Global Innovators. therecycler.com, 30. April 2018, abgerufen am 24. November 2020.
  11. Kyocera-Gründer Kazuo Inamori ist „Entrepeneur for the World“. Elektronik Praxis, 25. November 2009, abgerufen am 24. November 2020.
  12. a b c d Kyocera Optec Co., Ltd. will zurück in die Fotooptik. photoscala.de, 12. März 2012, abgerufen am 24. November 2020.
  13. New York Times: Kyocera to Merge With Yashica.
  14. l-camera-forum.com/leica-wiki.en 16. Januar 2015, Mini Zoom (englisch), abgerufen am 3. November 2020.
  15. Meilensteine der Digitalfotografie. fotomagazin.de, 1. März 2006, abgerufen am 24. November 2020.
  16. Kyocera Finecam S3R. Digitalphoto, 21. November 2003, abgerufen am 24. November 2020.
  17. Kyocera Finecam S3R: Edler Serienheld. oe-journal.at, 19. November 2003, abgerufen am 24. November 2020.
  18. a b https://www.digitalkameramuseum.de/de/digitalkameras/category/kyocera-4, abgerufen am 27. November 2020.
  19. Handelsblatt: Vorläufiges Ende auch für in Lizenz gefertigte deutsche Traditionsmarke Contax - Kyocera steigt bei Digitalkameras aus.
  20. photoscala: Kyocera gibt Kamerageschäft auf (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive).
  21. golem.de vom 15. September 2003, Kyocera mit 1,5 cm dünner Digitalkamera mit 3fach-Zoom, abgerufen am 27. November 2020.
  22. https://www.digitalkamera.de/Meldung/Contax_SL300R_T_als_Luxus-Variante_der_Kyocera_Finecam_SL300R/1999.aspx, abgerufen am 27. November 2020.
  23. https://www.digitalkamera.de/Meldung/Kyocera_Finecam_M400_410R_und_SL400R_ausfuhrlich_vorgestellt/2111.aspx, abgerufen am 27. November 2020.
  24. https://www.digitalphoto.de/news/sonstiges/contax-i4r-moderner-klassiker, abgerufen am 27. November 2020.
  25. Notice of Business Consolidation. kyocera.com, 1. Oktober 2018, abgerufen am 24. November 2020.
  26. Ishikawa Akira: Kyoto Model, The: The Challenge Of Japanese Management Strategy Meeting Global Standards. World Scientific, 2005, ISBN 978-9-814-48039-0, S. 51 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  27. IWR Solar: Kyocera International, Inc. vollendet Fusion mit Golden Genesis Company.
  28. channelpartner.de vom 11. Februar 2000, Kyocera Mita lässt zwei Vertriebskanäle verschmelzen.
  29. Kyocera greift nach Triumph-Adler. In: tagesschau.de. 21. Januar 2009, abgerufen am 6. Mai 2020.
  30. Ergebnis belastet: Kyocera übernimmt Mehrheit an Triumph-Adler. In: Handelsblatt.com. 19. Januar 2009, abgerufen am 6. Mai 2020.
  31. Kyocera kauft Ceyoniq-Gruppe. 17. September 2015, abgerufen am 27. November 2020.
  32. Kyocera acquires Melles Griot's Japanese operation. optics.org, 8. Februar 2016, abgerufen am 24. November 2020.
  33. KYOCERA übernimmt OPTIMAL SYSTEMS. In: optimal-systems.de. 10. Januar 2020, abgerufen am 5. Mai 2020.
  34. Japanischer Konzern neuer Hauptsponsor in Gladbach. faz.net, 11. November 2004, abgerufen am 25. November 2020.
  35. Kyocera verlängert Engagement beim Fußball-Erstligisten Borussia Mönchengladbach und Deutschen Hockey-Bund. 21. Januar 2015, abgerufen am 25. November 2020.
  36. Kyocera wieder Co-Sponsor der Borussia. Westdeutsche Zeitung, 1. Juli 2014, abgerufen am 25. November 2020.
  37. IT-Unternehmen: Besseres Image und mehr Aufmerksamkeit durch Sport-Sponsoring. heise.de, 27. August 2012, abgerufen am 25. November 2020.
  38. Golem vom 11. Februar 2015: Kyocera bringt Outdoor-Smartphone nach Deutschland.
  39. global.kyocera.com, Optical Components (Lenses and Optical Units), abgerufen am 24. November 2020.
  40. KYOCERA baut Aktivitäten um DMS und ECM massiv aus