Löwengrube (Serie)

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Seriendaten
Deutscher Titel Löwengrube
Produktionsland Deutschland
Jahr(e) 1989–1992
Länge 60 Minuten
Episoden 32 in 3 Staffeln
Genre Drama
Regie Rainer Wolffhardt
Idee Willy Purucker
Musik Walter Traub
Pasadena Roof Orchestra
Erstausstrahlung 14. November 1989 auf Das Erste
Besetzung

Löwengrube ist eine Familien- und Kriminalserie für das Fernsehen, die in 32 einstündigen Folgen das Schicksal zweier Münchner Familien über Generationen hinweg vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre verfolgt.

Vom Radio ins Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Löwengrube

Ihren Ursprung hat die Serie in einer Hörspielserie namens Die Grandauers und ihre Zeit, die von 1979 bis 1985 im Bayerischen Rundfunk lief und die das Schicksal der gleichen Familien nachzeichnet wie die Fernsehserie. Die Hörspielserie endet allerdings mit dem Kriegsende 1945. Weitere geplante Hörspielepisoden wurden nicht mehr produziert, da der Hauptdarsteller Karl Obermayr, der in der Hörspielserie den Ludwig Grandauer sowie dessen Sohn Benno Grandauer verkörperte, verstarb. Benno Grandauer heißt in der Fernsehserie zu Ehren Karl Obermayers nun Karl Grandauer. Einige Hörspielfolgen wurden nicht als TV-Folge übernommen. Zunächst beginnt die „Löwengrube“ erst mit der Hochzeit von Ludwig und Agnes (Folge 3 der Radioserie: „Hochzeit“), und dann passten einige Folgen aus den 1920er-Jahren nicht ganz zur Abteilung, in der Karl Grandauer Dienst tat, nämlich der Mordabteilung, da es hier um Fälle ging, die Betrug als Inhalt hatten.[1][2]

Die Fernsehserie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fernsehserie wurde von 1987 bis 1991 gedreht. Die erste Staffel (13 Folgen) lief vom 14. November 1989 bis Februar 1990 zum ersten Mal im Fernsehen. Die zweite Staffel (13 Folgen) war 1991 und die dritte Staffel (6 Folgen) vom Oktober 1992 bis November 1992 zum ersten Mal zu sehen. Drehbuchautor war Willy Purucker, Regie führte Rainer Wolffhardt. Die Aufgabe bestand darin, die großen Ereignisse der Geschichte Deutschland des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel der ganz normalen, sogenannten kleinen Leute zu zeigen. Zu diesem Zweck wurden bestimmte politische und weltanschauliche Positionen einzelnen Figuren zugeschrieben, um so die Auseinandersetzungen und Entwicklungen in der „großen Politik“ in die Erlebnisse der Familie Grandauer und ihres Umfelds zu übertragen. So ist Adolf Grandauer beispielsweise ein überzeugter Nationalsozialist, Karl Grandauer entspricht weitgehend dem Klischee vom „deutschen Beamten“, Adelgunde Soleder spielt die Rolle des naiv-halbgebildeten Hausmütterchens und Kurt Soleder die des jugendlichen Rebellen, der sich gegen jede Art von Obrigkeit auflehnt.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Name der Serie geht zurück auf die Adresse der früheren Polizeiinspektion in München: Löwengrube 1, wo sich noch heute die Werbestelle des Polizeipräsidiums München befindet.
  • Die Schauspielerin Sandra White verstarb während der Dreharbeiten. Ihr Tod wurde in die Serie eingebaut.
  • Zahlreiche historische Personen tauchen als Randfiguren auf: Karl Scharnagl, der einstige Oberbürgermeister von München; Heinrich Himmler als Schüler; Adolf Hitler, der sich polizeilich anmeldet und später als Putschist in die Löwengrube gebracht wird; Rosa Luxemburg hält in München eine Rede; Pater Rupert Mayer als Häftling; und mit Georg Elsers versuchtem Attentat beschäftigt sich sogar eine ganze Folge.
  • Franziska Stömmer (Adelgunde Soleder), Peter Pius Irl (Hauswart Uhl) und Joachim Wichmann (Vater Kampensi) übernahmen ihre Rollen, die sie schon in Die Grandauers und ihre Zeit gesprochen hatten, auch in der Fernsehserie. Zahlreiche Sprecher der Hörfunkserie kamen in anderen Rollen zurück. So spielte Gerd Anthoff in der TV-Serie den Amtmann Deinlein, in der Hörfunkserie hatte er den Adolf Grandauer gesprochen.
  • Passend zur Ära der Episoden konnte das britische Pasadena Roof Orchestra zur Einspielung des Soundtracks gewonnen werden.
  • Auffällig ist die Mehrdeutigkeit vieler Episodentitel, die auf mindestens zwei der drei verschiedenen Handlungsebenen bezogen werden können: auf das Privatleben der Grandauers, auf aktuelle Kriminalfälle und auf die politische Lage. So spielt etwa „Umzüge“ sowohl auf den privaten Wohnungswechsel der Grandauers an als auch auf den Aufmarsch im Rahmen der Hitlerputsches; „Schlafzimmergeschichten“ bezieht sich auf das rege Liebesleben einer jungen Frau, das zum Mordmotiv wird, und gleichzeitig spielt es auf Querelen zwischen den Eheleuten Grandauer um die Anschaffung eines neuen Ehebetts an; „Erbschaft“ bezeichnet sowohl die private Erbschaft, die die Grandauers vom verstorbenen Amtmann Grüner erhalten, als auch das schwere Erbe, das die deutsche Bevölkerung nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches antritt.
  • Nach 32 Folgen war die Löwengrube im Serienjahr 1954 angekommen, als der Bayerische Rundfunk ihr Ende beschloss. Der Regisseur Rainer Wolffhardt hätte die Geschichte gerne noch bis in die 1970er Jahre ausgedehnt und bedauert das Ende.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 wurde die Serie mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 1992 erhielten Willy Purucker, Rainer Wolffhardt, Jörg Hube und Christine Neubauer dafür den Adolf-Grimme-Preis mit Gold.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Ulrici: Willy Puruckers Löwengrube. Die Grandauers und ihre Zeit 1897 – 1933, München 1989, ISBN 3-485-00594-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Zehentmeier: Anfänge im Funk. In: br.de, 8. April 2016. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
  2. Michael Kubitza: Der Purucker und seine Zeit. In: br.de, 9. Februar 2015. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
  3. Josef Grübl: Löwenstark. In: sueddeutsche.de. 25. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 26. August 2017]).