Löwinger-Bühne

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Das Neuigkeits-Welt-Blatt zu Paul Löwingers (1844–1913) 50. Bühnen-Jubiläum (6. Januar 1912, S. 11).

Die Geschichte der Löwinger-Bühne als selbständiges Theaterunternehmen beginnt 1892 mit der Übernahme des schon zuvor von Paul Löwinger (1844–1913) rund zehn Jahre lang artistisch geleiteten Wandertheaters der Theaterdirektorin Josefine Maggauer. Bis 1925 gastierte die „Theatergesellschaft Löwinger“ vorwiegend in Ober- und Niederösterreich. Nach dem Tod von Josef (1872–1921) und Ferdinand (1867–1923) Löwinger spezialisierte sich das von Josefs Witwe Cilli fortgeführte Wandertheater ab 1926/27 auf weniger anspruchsvolles Bauerntheater.[1] Im 20. Jahrhundert war die Löwinger-Bühne in Österreich sehr populär, weil viele ihrer Stücke ab den 1950er Jahren vom ORF übertragen wurden. In den Stücken und Filmen (ab ca. 1935) treten meist mehrere Familienangehörige auf, bekanntester Exponent ist der Schauspieler Paul Löwinger.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garser Fremdenliste (Juli 1904) mit Löwinger-Familienverhältnissen.
Der Grabstein der Familie Löwinger in Persenbeug nennt das amtlich verbürgte Sterbejahr von Josef Löwinger, 1921, sowie das amtlich verbürgte Geburtsjahr von Josef (alias Heinz) Löwinger, 1899.

Anfang 1892 übernahm das Ehepaar Anna (1845–1912) und Paul Löwinger (1844–1913) das Wandertheater Maggauer, das vorwiegend in Ober- und Niederösterreich auftrat. In den Jahren 1897, 1908 und 1909 sowie 1911, 1912 und 1913 gastierte die „Theatergesellschaft Löwinger“ als Sommer-Theater in der Kamptal-Sommerfrische Gars, wo der Theaterprinzipal Paul Löwinger gestorben und begraben ist. Seither leiteten Anna und Paul Löwingers Söhne, Ferdinand Löwinger (1867–1923) und Josef Löwinger (1872–1921), die Theatertruppe.[1] Nach dem Tod der beiden Theaterdirektoren führte Josefs Witwe Cäcillie (Cilli Löwinger) (* 30. Dezember 1877 in Poneggen, † 1949) gemeinsam mit ihren Kindern Josef Heinz (1899–1935), Paul (* 10. November 1904, † 17. Dezember 1988) und Margaret, genannt Gretl/Gretel (* 3. Dezember 1919, † 21. Juli 1973), das Wandertheater fort, spezialisierte sich aber ab 1926/27 auf weniger anspruchsvolles Bauerntheater. Schon 1922 schloss sich Sepp Grabmaier der Schauspieltruppe an. Er war als Schauspieler, Tischler und Fahrer für das Unternehmen tätig und erhielt von Cilli den Künstlernamen Pepi Löwinger, später Sepp Löwinger, zugewiesen, weshalb er häufig für Pauls Vater, älteren Bruder bzw. entfernten Verwandten gehalten wurde.

Aus der dem Volksstück, der Posse und dem Lustspiel verpflichteten „Theatergesellschaft Löwinger“ wurde Mitte der 1920er Jahre das „Bauerntheater Löwinger“, das ab den 1930er Jahren als „Löwinger-Bühne“ österreichweit bekannt und populär wurde. 1935 trat die Familie im Film Die beiden Stoffl auf, dessen Außenaufnahmen in der Kamptal-Gemeinde Rosenburg gedreht wurden.[2] Einige Monate nach dem Anschluss Österreichs trat das Löwinger-Bauerntheater 1938 im Rahmen eines Fernseh-Probebetriebs mit ein, zwei Theaterstücken live im Berliner Fernsehen auf, was insofern beachtlich ist, als Paul und Gretl Löwinger väterlicherseits einen jüdischen Großvater [Paul] sowie jüdische Urgroßeltern [Jakob und Sofie] hatten.[1] Während des Zweiten Weltkriegs wirkten die Löwinger als Front-Theater bei der Truppenbetreuung.[3]

Paul Löwinger (1904–1988) heiratete 1938 Liesl Meinhardt (1918–1980). Deren Tochter Guggi (* 1939) wurde Operettensängerin, die anderen Kinder, Sissy (1941–2011) und Paul jun. (1949–2009) spielten und inszenierten auf der Bühne. Unter Pauls Leitung wurde die Bühne in Wien endgültig sesshaft. Um 1950 liefen in Österreich die beiden Filme Der keusche Adam sowie Valentins Sündenfall (1951) mit Auftritten mehrerer Familienmitglieder sehr erfolgreich. Die Domäne der Löwingers blieb aber die Bühne, die Aufzeichnungen ihrer Bühnenaufführungen erzielten im österreichischen und im deutschen Fernsehen große Reichweiten.

Der ORF verlangte in den 1970er Jahren vorwiegend nach Komödien unter Mitwirkung von Paul Löwinger. Liesl Löwinger zog sich ab 1969 aus dem Theatergeschehen zurück und war bis zu ihrem Tode (1980) nur für ihre Familie da. Gretl starb 1973. Ab 1973 dominierten Paul, Sissy, Paul jun. und Sepp in der Löwinger-Bühne.

Noch 1996 wurden einige Aufzeichnungen im ORF wieder ausgestrahlt. Trotz hoher Einschaltquoten wurde die Löwinger-Bühne ab 1996 von den ORF-Verantwortlichen kaum mehr ins Programm genommen. Lediglich Paul Löwinger ist vergleichsweise häufig in den dritten deutschen Programmen und im ORF in Nebenrollen in älteren Kinofilmen zu sehen.

Im Frühjahr 2008 wurden in ORF2 (Samstag Nachmittag) einige Bühnenaufzeichnungen ausgestrahlt (Sissy Löwinger: Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Löwingerbühne nun wieder im Fernsehen zu sehen ist, und ich bin mir sicher, dass sich sehr viele Menschen mit mir freuen. – ORF-Kundendienst).

2016 initiierte die Tochter von Sissy Löwinger, Martina Nöst-Löwinger, einen Neustart. Dieser ging im St. Pöltner Kulturhaus Wagram über die Bühne. Mit auf der Bühne stand auch Karina Nöst-Löwinger, die Enkelin von Sissy Löwinger.[4]

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war die Löwinger-Bühne ein reines Tournée-Theater ohne eigene Spielstätte. Danach folgten:

Seither ist die Löwinger-Bühne wieder zu ihrer ursprünglichen Tradition als Tournée-Theater zurückgekehrt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Rettenmoser: „Allerweil i?“ Siegfried Rettenmoser schreibt die Geschichte der Löwingerischen. In: Express. 1. Oktober bis 6. November 1962 (Fortsetzungsserie in 26 Folgen).
  • Dietgard Rudle: Die Geschichte der Löwinger-Bühne 1945–1985. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1987.
  • Renate Wagner: Die Löwinger-Bühne – Das Burgtheater für den kleinen Mann. Ueberreuter, Wien 1996, ISBN 3-8000-3630-4.
  • Harald Beran: Die Dramaturgie der Komik bei den Löwingern. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2001.
  • Melitta Riegler: Josef Brugger [Schauspieler der Löwinger-Bühne] auf Kreta (1941) und sein Fotoalbum (pdf-Datei). Masterarbeit. Universität Wien, Wien 2016.
  • Andreas Weigel: „Stars in Gars. Schaffen und Genießen. Reich bebilderte Geschichte der Sommerfrische Gars-Thunau von ihren Anfängen bis zur Gegenwart“ (Gars 2017). ISBN 978-3-9504427-0-0. Löwinger-Wandertheater-Kapitel, S. 47–54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Andreas Weigel: Verbriefte Lebensdaten des in Gars am Kamp verstorbenen Wandertheater-Direktors Paul Löwinger (1844-1913).
  2. Stars in Gars: Weitere Kamptal-Verbindungen der Schauspielerfamilie Löwinger.
  3. Melitta Riegler: Josef Brugger [Schauspieler der Löwinger-Bühne] auf Kreta (1941) und sein Fotoalbum (pdf-Datei). Masterarbeit. Universität Wien, Wien 2016.
  4. orf.at - Neustart für die Löwinger-Bühne. Artikel vom 13. Februar 2016, abgerufen am 13. Februar 2016.
  5. Löwinger-Bühne vorm(als) Favoritner Colosseum. Der Riesenerfolg: Komm’ zurück Barbara. 1-Bogen-Plakat. Wien 1942. – Online.
  6. Paul Löwinger: Löwinger-Bühne. Ab 1. Oktober 1948 im Künstler-Theater. 1-Bogen-Plakat. (Wien) 1948, sowie
    Walter Josef Keller, Paul Löwinger, Josef Petrak: Wiener Künstler-Theater (…) Unwiderruflich nur noch bis 31. Mai 1949! (…) Gastspiel der Löwinger-Bühne Paul Löwinger in dem großen Lachschlager Warum – Ursula. Ein Singspiel in 4 Akten (7 Bildern) (…) Dienstag, 31. Mai 150. Fest- und Abschiedsvorstellung (…) Der Ehestreik (…) Der Mann im falschen Bett. 1-Bogen-Plakat. (Wien) 1949.