Lüchtringen

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Lüchtringen
Stadt Höxter
Wappen von Lüchtringen
Koordinaten: 51° 47′ 38″ N, 9° 25′ 39″ O
Höhe: 94 m ü. NN
Fläche: 5,9 km²
Einwohner: 3004 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 509 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 37671
Vorwahl: 05271
Karte
Lage von Lüchtringen in Höxter

Lüchtringen ist ein nordöstlicher Stadtteil von Höxter im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen (Deutschland) und die bevölkerungsreichste Ortschaft der Stadt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lüchtringen ist im Kreis Höxter neben Würgassen der einzige Ort rechts der Weser und befindet sich am Westfuß des Sollings im Oberen Wesertal zwischen Höxter im Südwesten und Holzminden im Nord-Nordosten auf 94 m ü. NN. Es wird etwa in Ost-West-Richtung vom kleinen Otterbach durchflossen, der einen östlichen Weserzufluss darstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lüchtringen in der Nachbarschaft von Schloss Corvey (seit 2015 UNESCO-Welterbe)

Im Jahre 854 wird Lüchtringen unter dem Namen Lutringi (12 verschiedene Schreibweisen, u. a. Luhtringi, Luchtringi), zum ersten Mal in den Annalen des Klosters Corvey erwähnt. 1060 gibt es bereits Höfe in Lüchtringen. In einer weiteren Urkunde wird erwähnt, dass im Jahr 1060 in Lutringi im Angagau die Ernte in die Scheune des Abtes Saracho von Rossdorf gebracht wurde. 1261 wird der Ritter Lambert von Lüchtringen (ca. 1225–1283) urkundlich erwähnt, der Güter und Höfe in dem Dorf besitzt. Im Wappen führt er einen fünfarmigen Leuchter mit Helmzier, auf das heute das seit 1952 bestehende Wappen des Ortes zurückgeht. Das Geschlecht ließ sich bis 1469 nachweisen und hatte viele hohe Ämter in der Stadt Höxter inne, wie Bürgermeister, Ratsmann, Konsul, Gildemeister für Schneider, Kürschner und Schmied. In Lüchtringen ist der Lambertweg nach ihm benannt.

Oberhalb von Lüchtringen existierte eine in Lehnbriefen des 14. Jahrhunderts erwähnte Weserinsel.

Im Dreißigjährigen Krieg überquerten im April 1634 sechs kaiserliche Kavallerieregimenter bei Lüchtringen die Weser und rückten über Holzminden bis nach Bevern vor. Diese wurden dann von dem schwedischen General James King in Bevern wieder zurückgeschlagen. Von 1794 bis 1803 gehört Lüchtringen zum Bistum Corvey und der Kirchenprovinz Mainz. Ab 1803 gehört der Ort zum Fürstentum Oranien-Nassau unter Wilhelm I. in Fulda.[2] Ab 1813 zum Königreich Preußen. Am 18. Januar 1806 wurde im Corveyer Intelligenzblatt (Amtsblatt) die damals in Lüchtringen durchgeführte Volkssitte indirekt untersagt, bei der bei einer Hochzeit nach dem Ja-Wort in der Kirche der Bräutigam mit Prügel- und Faustschlägen aus der Kirche begleitet wurde. Ab Dezember 1807 gehört Lüchtringen unter französischer Herrschaft zum Königreich Westphalen, Departement der Leine mit Regierung in Göttingen, Distrikt Einbeck, Kanton Fürstenberg.

1808 wird die Landstraße Holzminden-Fürstenberg östlich von Lüchtringen als Chaussee ausgebaut und bildet heute die niedersächsische Landesstraße 550. Ab 1815 wird Lüchtringen zusammen mit dem Fürstentum Corvey dem Königreich Preußen zugesprochen.

1824 wurde unterhalb der Ortschaft bei Kilometer 73,7 der „Lüchtringer Kopf“, eine hohe, mit Weiden bewachsene Insel innerhalb des Weserstromes durch Sperrwerke an das rechte Ufer angeschlossen und das linke befestigt. 1865 erhält Lüchtringen einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen. 1871 wird die Friedenseiche neben dem Kreuz von Gabriel Krekeler von Kriegsheimkehrern aus dem Deutsch-Französischen Krieg im Ortskern gepflanzt. Diese ging 1878 ein und eine neugepflanzte Eiche hielt bis zum Jahr 2001. Auch ein Sandsteinkreuz an der Kapelle im Murrwinkel wurde errichtet. Im Oktober 1876 erhielt der Ort einen Bahnanschluss an der zweiten Bahnstrecke Holzminden–Scherfede. 1880 wird ein Standesamt eingerichtet, das bis zur Verwaltungsreform 1970 bestand.

Im Zweiten Weltkrieg stürzt im Sommer 1943 ein deutsches Bomberflugzeug vom Typ Heinkel He 111 ab. Dabei kamen die fünf Besatzungsmitglieder ums Leben. Am 21. Februar 1944 stürzte ein US-Bomberflugzeug vom Typ Boeing B-17 bei Lüchtringen ab und tötete 4 Besatzungsmitglieder. Im April 1945 wird der Ort von US-Soldaten eingenommen.

Durch die Gemeindereform verliert Lüchtringen seine Selbständigkeit, das Amt Höxter-Land wurde aufgelöst ebenso das Standesamt in Lüchtringen. Seit dem 1. Januar 1970 gehört die Gemeinde als Ortsteil zur Stadt Höxter.[3] Mehrere Straßen werden umbenannt, darunter die Bahnhofstraße in Westfalenstraße, die Grabenstraße in Lambertweg und die Traubenstraße in Weinstraße.

Der letzte Bürgermeister von Lüchtringen, Wilhelm Beverungen (geb. 1915) wird nach der Kommunalreform bis 1989 zum stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Höxter.

1971 erfolgt die Auflösung der katholischen Hauptschule, es verbleibt die Katholische Grundschule.

Im Oktober 1971 erfolgt nach einem Gebietsänderungsvertrag zwischen beiden Bundesländern die Eingliederung des vormals auf Holzmindener Seite gelegenen Otterbach-Gebietes zu Lüchtringen im Tausch gegen Gebiete am Stahler Ufer, dadurch werden 112 Einwohner Neubürger von Lüchtringen und der Stadt Höxter.

Im August 1977 wird eine 180 m lange Weserbrücke fertiggestellt und der bisher dahin durchgeführte Fährbetrieb im Dezember 1977 eingestellt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lüchtringen (2008)
Jahr Einwohner Quellen
1550 451
1649 394
1700 846
1716 1054
1819 1654
1825 1717
1832 1840
1846 1929
1855 1725
1882 1742
1885 1589 [4]
01.12.1910 1790 [5]
1928 2158
1933 2229 [4]
1939 2173 [4]
1951 2855
06.06.1961 2530 [6]
31.12.1967 2933
31.12.1969 3078
1977 3594
1978 3522
1979 3603
1984 3639
1997 3700
23.06.1998 3428
31.12.2003 3544 [7]
31.12.2005 3534 [7]
31.12.2006 3509 [7]
31.12.2007 3442 [7]
30.06.2008 3423 [7]
31.12.2009 3248 [7]
31.12.2010 3252
30.06.2011 3246
31.12.2012 3243
31.12.2013 3207
31.12.2015 2991
31.12.2016 3004 [1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeindevertreter/Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 000?–1819: Johann Heinrich Buch
  • 1819–1831: Johann Christoph Krekeler
  • 1831–1863: Wilhelm Drüke
  • 1863–1869: Friedrich Moll
  • 1869–1881: Anton Harten
  • 1881–1885: Friedrich Korte
  • 1885–1887: Heinrich Heine
  • 1887–?000: Eduard Harten
  • 1920–?000: Bernhard Hasselhorst
  • 000?–1945: Adam Struck
  • 1945–?000: Franz Heine

Ehemalige Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1960–1964: Alfons Witte
  • 1964–1970: Wilhelm Beverungen

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1977 bestehende Weserbrücke in Lüchtringen verbindet über die K46 Höxter und Holzminden-Süd
Bahnhaltepunkt (früherer Bahnhof) in Lüchtringen (2007)
Eisenbahnbrücke zwischen Corvey und Lüchtringen

Lüchtringen liegt nahe der Bundesstraße 64/83 und ist über die Kreisstraße 46 und der Weserbrücke zu erreichen. Über zwei Auffahrten (Heuweg, Allenbergstrasse) ist östlich des Ortes auf niedersächsischem Gebiet die Landesstraße 550 erreichbar.

Der Haltepunkt Lüchtringen an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen wird im Stundentakt von der „Egge-Bahn“ PaderbornOttbergenHolzminden bedient. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der NordWestBahn, die Bombardier Talent-Triebwagen einsetzt.

Lüchtringen liegt außerdem an der stillgelegten Bahnstrecke Holzminden–Scherfede.

Entlang des Weserufers führt auch der Weserradweg, ein überregionaler Radwanderweg.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maurerdenkmal (eingeweiht 1999)

Geprägt ist der Ort durch die Landwirtschaft und Einzelhandelsbetriebe und galt früher lange Zeit als "Maurerdorf", da viele Bürger im Bauhandwerk tätig waren und dabei bei Bauunternehmen im gesamten Bundesgebiet eingesetzt wurden. Vor Ort gab es früher ebenfalls einige Baufirmen (u.a. WKM Hochbau, MSB Massiv-System-Bau GmbH - Karl J. Beverungen) sowie mit der Firma Heine ein Heizöllieferant, Baustoffbetrieb und Containerdienst, der Anfang der 1990er Jahre nach Holzminden umzog. Viele Arbeitnehmer sind auch bei den angrenzenden Unternehmen in den Kreisstädten Höxter und Holzminden beschäftigt. Neben einigen Einzelhandelsbetrieben gibt es noch einige Landwirtschaftsbetriebe.

1963 gründete Walter Zenker die „Walter Zenker KG“ und auf vormals 1957 errichteten Gelände der ehemaligen Fabrik „WoSch“ des Unternehmers Wolfram Schumacher wurde in der Augustastraße ein Werk errichtet und die Produktion von Fertighäusern aufgenommen. 1988 wurde das Werk der Zenker-Hausbau GmbH in Lüchtringen geschlossen und 1990 erfolgte die Übernahme des Geländes durch die Weser-Fenster Lange GmbH aus Vahlbruch.

1972 gründete Walter Zenker auch das Unternehmen „Zenker-Plastic“, das kurz danach in „Zenker-Fenster“ umfirmierte. Mit der Insolvenz des in der Braunschweiger Straße ansässigen Unternehmens „Zenker-Fenster“ 1998, übernahm die „H&N Fenster Systemtechnik GmbH“ die Einrichtungen und zog im Herbst 2009 in den Wirtschaftspark Höxter zwischen Albaxen und Stahle. 2008 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,8 Millionen Euro. Heute gehört das Firmengelände als Werk 2 zur Laabs GmbH aus Holzminden.

Seit 2005 ist die weser kunststofftechnik GmbH & Co. KG im ehemaligen Zenker-Fenster Werk ansässig. Das PVC-Recycling-Unternehmen erwirtschaftet mit 30 Mitarbeitern einen Umsatz von EUR 7 Millionen (2013).

Das 1985 von Jens Gronemeyer gegründete IT-Unternehmen Gronemeyer GmbH hatte von 1997 bis 2007 ihren Sitz in Lüchtringen und zog später in das Gewerbegebiet Lüre bei Höxter.

Der seit 1987 in Höxter bestehende und ansässige Lieferant für textile Werbeartikel, die MAPROM GmbH[8], unterhält seit 2009 in Lüchtringen ein Pickinglager und ein Warenannahmelager.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Wahrzeichen von Lüchtringen gilt die im neugotischen Stil erbaute katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist, die aufgrund ihrer großzügigen Gestaltung auch als „Weserdom“ bezeichnet wird. Nachdem im Jahre 1901 die barocke Kirche vom Blitz getroffen und vollständig zerstört wurde, entstand an derselben Stelle die heutige Kirche, welche in den Jahren 2011/2012 renoviert wurde und dabei die Deckenbemalung neu gestaltet.

Oberhalb von Lüchtringen laden Wanderwege im Naturpark Solling-Vogler zum Walken, Joggen und Spazierengehen ein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Venâncio Willeke (Hermann Willeke), * 28. Mai 1906 in Lüchtringen, † 1. April 1978 in Olinda, Brasilien, Franziskaner (OFM), Missionar in Brasilien und Autor
  • Wilhelm Stüwer, * 25. März 1908 in Lüchtringen, † 30. Mai 1982 in Düsseldorf, Staatsarchivdirektor und Autor mehrerer Geschichtsbücher
  • Karl Heinrich Reilmann, * 16. September 1918, † 1. Juni 1994 in Huntsville, Alabama, USA, Versuchs-Ingenieur für Raketentriebwerke (deutsche V2, US-amerikanische PGM-19 Jupiter, H-1)[9]
  • Peter Clemens Otte, *1949 in Lüchtringen, Künstler und Architekt
  • Franz Fromme, Autor und Heimatforscher

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 gibt es die berühmte „Pinsel's Bank“ am Radweg im Weserbogen von Lüchtringen, die durch den Malermeister Bernhard Krekeler entstand. Sie ist seitdem Treffpunkt für Wanderer, Radfahrer und Angler.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fromme, Franz: Lüchtringen, Grenzdorf zwischen Weser und Solling. Heimatgeschichte, 1980, 287 S.
  • Fromme, Franz: Alt-Lüchtringen und seine Meyer-Höfe. Textteil, 1984, 72 S.
  • Fromme, Franz: Alt-Lüchtringen und seine Meyer-Höfe. Bildmaterial, 1984, 25 Bl., nur Illustrationen
  • Fromme, Franz: Halderkeoken un wat süss in Lüchtringen vorr hundert Johren up´n Disch kamm, 1997, 80 S.
  • Würzburger, Ernst: „Die jüdischen Friedhöfe in Stahle und Lüchtringen“. In: OWZ 35, 31. August 1988
  • Würzburger, Ernst: Vor 50 Jahren: Lüchtringen wurde „judenfrei“. In: OWZ 23, 11. Juni 1994 und OWZ 27, 10. Juli 1999
  • Harten, Karl: Lüchtringen - Glaubensstätten unserer Heimat, 1989, 18 Bl.
  • Heimat-Blätter Lüchtringen, Hrsg.: Heimat- und Verkehrsverein e. V. Lüchtringen (E. Heinemeyer, F. Fromme), Heft 1, 1986
  • Heimat-Blätter Lüchtringen, Hrsg.: Heimat- und Verkehrsverein e. V. Lüchtringen (E. Heinemeyer, F. Fromme), Heft 2, 1990
  • Lüchtringen - Festschrift zur 1150-Jahrfeier (854 - 2004), Hrsg.: Der Festausschuss, 2004, 88 S.
  • Katja Szymczak: Rudolf Jahns. Natur und Architektur: Eine Untersuchung zu den „Lüchtringen“-Motiven, 2010, ISBN 379832025X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lüchtringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lüchtringen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zahlen & Fakten 2016
  2. Lüchtringen - Geschichte einer Ortschaft, hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein e. V. Lüchtringen, 1. Aufl., 1998
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 108.
  4. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Gemeindeverzeichnis 1900: Landkreis Höxter
  6. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 219.
  7. a b c d e f Stadt Höxter > Zahlen & Fakten (Memento vom 25. Mai 2011 im Internet Archive)
  8. Firmengeschichte MAPROM
  9. http://www.enginehistory.org/hjohnstone.shtml