Lüftung

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Lüften bezeichnet den Austausch von Luft zwischen Außen- und Innenraum zur Abführung unerwünschter Stoffe aus der Innenraumluft. Der nötige Luftwechsel durch Öffnungen kann auf natürliche Weise durch thermische Konvektion und Winddruck oder durch maschinelle Lüftung erfolgen. Besonders im Winter und an sehr heißen Tagen wird die Behaglichkeit und der Energieverbrauch von Heizung und Klimaanlage maßgeblich von der Art und Effizienz der Lüftung bestimmt.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlendioxid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige Grundlage des aeroben Lebens ist Sauerstoff (O2), im Gegenzug wird Kohlenstoffdioxid (CO2) produziert, wobei erhöhte CO2-Konzentrationen eher als unangenehm empfunden werden, als die entsprechende O2-Abnahme.

Feuchte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Körper eines nicht körperlich tätigen, erwachsenen Menschen gibt stündlich 35–40 g Wasser über den Atem und die Haut an die Raumluft ab, also knapp einen Liter pro Tag.[1] [2]

Beim Trocknen von 4,5 kg geschleuderter Wäsche kann von einer Feuchtigkeitsabgabe von 1–1,5 Liter Wasser ausgegangen werden. Durch ein warmes (Dusch-)Bad entsteht pro Person und Tag etwa 0,5–1 Liter Wasserdampf. Ungefähr die gleiche Menge kommt beim Kochen und Backen sowie durch die Verdunstung von Zimmerpflanzen jeweils noch einmal dazu.

In einem Vierpersonenhaushalt werden so täglich insgesamt rund 8–15 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben.[3]

Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann, als warme, ist der Feuchtigkeitsgehalt von kalter Außenluft niedriger als derjenige der Innenluft (auch wenn die relative Luftfeuchtigkeit gleich hoch sein sollte). Je kälter die Außenluft, desto trockener ist sie also und kann entsprechend große Feuchtigkeitsmengen aufnehmen, wenn sie beim Lüften gegen die warme Raumluft ausgetauscht wird.

Wird die komplette Innenraumluft durch kurzzeitiges, weites Öffnen der Fenster einmal ausgetauscht, verringert sich der Feuchtegehalt der Raumluft in einer 90-m²-Wohnung im Winter um etwa ein bis zwei Liter. Ein Vergleich mit den oben genannten Werten zur Feuchtebelastung der Luft zeigt, dass es in einem luftdichten Neubau ohne mechanische Lüftung in der Übergangszeit nötig wäre, 8- bis 15-mal täglich einen kompletten Luftaustausch durchzuführen (wenn die Fenster ansonsten geschlossen bleiben). Demgegenüber kann es an einem sehr kalten Wintertag ausreichen, 4- bis 7-mal täglich für einige Minuten gut durchzulüften, da die kalte Winterluft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.[3]

Da in der Praxis ein durchschnittlicher Nutzer eines Gebäudes auch bei gutem Willen selten ausreichend häufig und regelmäßig lüftet, bieten sich für luftdichte Neubauten folgende Alternativen:

  • Es wird im Wandaufbau auf Dampfbremsen und sonstige sperrende Baumaterialien verzichtet, um zu ermöglichen, dass kondensierende Feuchte kapillar und sorptiv nach außen fortgeleitet werden kann. Besonders traditionelle mineralische und natürliche Baustoffe sind bei entsprechendem Wandaufbau in der Lage, auch größere Mengen Feuchtigkeit sorptiv aufzunehmen und kapillar nach außen abzuleiten. Durch die Erhöhung des Feuchtegehalts der Außenwand sinkt der Wärmedämmwert der Wand. Der Verlust an Dämmwirkung hält sich in Grenzen, wenn die Baustoffe das Kondensat relativ zügig nach außen abführen können. Zur planmäßigen Entstehung von Tauwasser in der Außenwand siehe auch: Innendämmung
  • Es wird zumindest in der kalten Jahreszeit darauf geachtet, ausreichend häufig kurz zu lüften. In der Übergangszeit werden die Fenster stattdessen während der Anwesenheit der Nutzer mehrmals täglich über einen längeren Zeitraum in der Kippstellung belassen. Bei gleichzeitigem Betrieb der Heizung muss dann der höhere Wärmeverlust durch die vorübergehende „Dauerlüftung“ in Kauf genommen werden. Wie unten beschrieben können die Wärmeverluste stark begrenzt werden, indem der Fensterflügel nur einen Spalt weit geöffnet wird, statt die volle Kippstellung der Fenster zu nutzen.
  • Es wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert. Wenn die Anlage gut geplant wird, lässt sich die zum Antrieb der Ventilatoren nötige elektrische Energie gering halten, sodass diese Variante trotz höherer Investitionskosten eine gute Alternative sein kann. Dies gilt insbesondere wenn:
    • nicht von kooperativem Nutzerverhalten ausgegangen werden kann,
    • ein ungünstiger (z. B. nach außen dichter werdender) Wandaufbau mit Dampfsperre oder hohem Kunstharzanteil gegeben ist,
    • aus anderen Gründen mit hoher Feuchtelast bzw. mit Schimmelschäden zu rechnen ist.

Die Situation in Altbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Fugen in Fenstern, Türen und Undichtigkeiten der gesamten Baukonstruktion fand stets ein gewisser Luftwechsel statt. Wenn die Luftströmung an einer Stelle so groß wurde, dass die Nutzer einen kalten Luftzug spürten, dichteten sie den ursächlichen Spalt in der Regel ab und regulierten den Luftwechsel auf diese Weise auf ein funktionales Minimum. Eine vollständige Abdichtung des Baukörpers, wie sie heute in Niedrigenergiehäusern üblich ist, hätte das Nachströmen der Verbrennungsluft für den Betrieb der früher üblichen Holz- und Kohleöfen behindert. Zugleich sorgte der Unterdruck des Schornsteinzugs im Winter konstant für einen gewissen Luftabzug aus den Wohnräumen, auch wenn die Öfen nicht in Betrieb waren.

Wenn etwa in der Küche die Entfeuchtung der Innenraumluft über Undichtigkeiten und Kaminzug nicht ausreichte, kam es zur Kondensation an kalten Bereichen der Außenwände. Bei einfach verglasten Fenstern ist die Glasscheibe immer die kälteste Oberfläche im Raum, sodass sich die Luftfeuchtigkeit dort niederschlägt. Zum Sammeln des Kondensats, welches sich besonders in (Wasch-)Küchen und Bädern am Fenster bildete und herablief, befand sich in Fensterbrettern bis Mitte des 20. Jahrhunderts meist eine Rinne unmittelbar unter der Tropfkante des Fensterrahmens. In der vertieften Mitte der Sammelrinne war oft ein Röhrchen angebracht, um das Kondensat nach außen oder in einen Sammelbehälter zu leiten.

Da sich an den kalten Glasscheiben der einfach verglasten Fenster frühzeitig Tauwasser bildete, wurde die Raumluft zuverlässig so weit entfeuchtet, dass an anderen Flächen der Außenwände noch keine Kondensation auftrat. Durch das regelmäßige Entfernen des Kondensats in den Sammelrinnen wurde insofern dafür gesorgt, dass die Außenwände trocken blieben und Schimmel sich lediglich an der Kittfuge und am Rahmenholz der Fenster bildete, wo er leicht entfernt werden konnte.

Modernisierung der Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einbau von modernen, doppelverglasten und wärmegedämmten Fenstern in ungedämmte Altbauten trägt also auf zwei Arten zur Auffeuchtung der Wände bei:

  • Da die Luftfeuchte nicht mehr am Fenster kondensiert, schlägt sie sich bei mangelnder Lüftung an der gesamten Außenwandfläche nieder. Der Wärmedämmwert der Außenwand sinkt mit steigendem Feuchtegehalt. Je niedriger der Dämmwert, desto niedriger die Temperaturen der inneren Wandoberfläche, wodurch die Kondensation erneut befördert wird. Dieser selbstverstärkende Effekt kann bei bauphysikalisch ungünstigem Wandaufbau zu einer Durchfeuchtung der Außenwände (und gegebenenfalls Dachflächen) führen, die oft erst im Verlauf des folgenden Sommers wieder vollständig austrocknen.
  • Moderne Fenster besitzen meist Dichtprofile und sind aufgrund präziser Fertigung und dreifacher Überfalzung sogar nach Entfernung der Dichtlippen noch deutlich luftdichter als traditionell gefertigte Fenster. Früher ergab sich durch die Fugen zwischen Fensterflügel und Fensterrahmen ein konstanter Luftaustausch, durch den jederzeit ein gewisser Anteil der entstehenden Luftfeuchte abgeführt wurde. Da die Menge der ins Gebäude gelangenden kalten Außenluft vom Winddruck abhängig und somit nicht genau kalkulierbar war, wird heute auf eine dichte Gebäudehülle wert gelegt, sodass der notwendige Luftwechsel durch manuelles Lüften oder eine Lüftungsanlage sichergestellt werden muss.

Bedarfsgerechte Lüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein einfach zu erkennender Hinweis auf mangelnde Lüftung ist die dauerhafte Präsenz von Kondenswassertröpfchen am unteren Rand der Fensterscheiben sowie auf der Dichtfuge zwischen Glas und Rahmen. Sofern die Außenwände gedämmt sind und keine gravierenden Kältebrücken vorliegen, sind oft die Randbereiche von Isolierglasscheiben die kältesten Flächen im Raum, an denen sich die Luftfeuchtigkeit zuerst niederschlägt.

Die Bildung von Kondensat am Rand der Fensterscheiben eignet sich nicht als Hinweis auf mangelnde Lüftung, wenn moderne Wärmeschutzverglasung (mit „warmem Randverbund“ oder Dreischeiben-Isolierglas) verbaut wurde, während die Wände einen schlechten Wärmedämmwert aufweisen (weil sie beispielsweise ungedämmt und dünn sind). In diesem Fall kann sich das Tauwasser an den kältesten Oberflächen der Wände niederschlagen, ohne dass der Nutzer zuvor durch Kondensatbildung an den Fenstern einen Hinweis auf erhöhte Luftfeuchtigkeitswerte erhalten würde. Das Kondensat entsteht dann typischerweise zunächst an Fensterlaibungen, Raumecken oder Bereichen hinter Möbeln, die ohne Abstand an der Außenwand stehen. Dort wird es im Regelfall nicht wahrgenommen. Wenn die Wände nicht in der Lage sind, das Kondensat umgehend aufzunehmen und fortzuleiten, besteht die Gefahr der Schimmelbildung.

In der Küche sowie in Feuchträumen ist die Bildung von Kondensat am Fenster oft nicht zu vermeiden. Jedoch sollten die Wassertröpfchen einige Stunden nach dem Kochen, Baden oder Trocknen von Wäsche wieder verdunstet sein. Ist dies nicht der Fall, muss häufiger gelüftet werden, um langfristigen Bauschäden und Schimmelbildung vorzubeugen.

Wenn das Kondensat im Winter über längere Zeit nicht abtrocknen kann, bilden sich an der inneren Kante des Fensterflügels in der Nähe der Glasscheibe schwarze Flecken. Von Lack-, Kunststoff- und Metalloberflächen sind diese meist leicht zu entfernen, während dies bei nicht deckend behandeltem Holz und Silikon oft nur durch Materialabtrag möglich ist.

Zur Verringerung der Luftfeuchte ist sowohl kurzes, intensives als auch konstantes Lüften geeignet, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Taupunkt der Außenluft ist niedriger als der Taupunkt der Innenluft. Dies ist üblicherweise der Fall, wenn es draußen kälter ist als innen. Im Sommer können sich bei sehr warmem, schwülen Wetter die Verhältnisse umkehren. Die Fenster und insbesondere die Lüftungsöffnungen zum Keller und sollten dann geschlossen gehalten werden, damit die warme, feuchte Außenluft nicht zu Kondensat auf kalten Innenraumflächen führt.[2]
  • Die Lüftung muss kontrolliert erfolgen. Bei kurzer, intensiver Lüftung sollen die Fenster nach einigen Minuten wieder geschlossen werden, da sich die Wirkung der Entfeuchtung drastisch reduziert, nachdem die Raumluft einmal vollständig ausgetauscht wurde. Wird die Lüftung fortgesetzt, kühlen die Oberflächen von Wänden und Fußböden ab, was die weitere Austrocknung der Wände behindert. Bei konstanter Lüftung muss der Luftaustausch so stark reduziert werden, dass sich bei kalten Außentemperaturen und windigem Wetter in unmittelbarer Nähe der Lüftungsöffnungen ein minimaler, gerade eben noch spürbarer Luftzug einstellt.[4]

Wärmeverlust durch Lüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der konventionellen Lüftung über Fenster- und Türöffnungen wird in der kalten Jahreszeit neben der verbrauchten Luft auch Wärme nach außen abgegeben.

Luft hat zwar annähernd dieselbe spezifische Wärmekapazität wie Bauteile aus Ziegel oder Beton – 1,0 kJ/(kg·K). Aufgrund der geringen Masse der Luft gegenüber Wänden und Decken ist die tatsächliche Wärmekapazität der Raumluft jedoch fast zu vernachlässigen.

Wird die Raumluft innerhalb eines kurzen Zeitraums einmal ausgetauscht, geht nur die geringe Menge, der in der Luft gespeicherte Wärmeenergie verloren. Die Wärmeenergie der Bauteile bleibt hingegen fast erhalten, da die zugeführte kalte Außenluft von diesen rasch wieder aufgewärmt wird.

Bei konstanter Lüftung mit unnötig hoher Luftwechselrate kühlen die massiven Bauteile ab. Es kommt zu Energieverlusten und steigenden Heizkosten.

Durch eine bedarfsgerechte Heizung und Lüftung lässt sich eine bedeutende Menge Energie einsparen, etwa durch eine anwesenheits- oder aktivitätsbeeinflusste Steuerung der Heizung und Lüftung.

Natürliche Lüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Bürogebäude enthalten heute eine aufwändige Klimatechnik und lassen das Öffnen der Fenster nicht zu. Der Aufwand zur Installation, Unterhaltung und zum hygienischen Betrieb der Anlagen ist groß.

Für das Wohlbefinden ist jedoch in Wohngebäuden ein direkter Außenbezug und Einfluss des Nutzers auf die Lüftung durch öffenbare Fenster wichtig. Die Luftwechselrate ist leicht zu kontrollieren. Allerdings führt die Luftmenge, welche über gekippte Fenster ins Zimmer strömt, oft zu Unbehaglichkeiten, sodass eine Vorrichtung zur Arretierung des nur leicht angekippten Fensterflügels vorgesehen werden sollte. Je nach räumlicher Situation können sich Umwelteinflüsse wie Verkehrslärm, Wind, Luftverschmutzung usw. bemerkbar machen.

Eine winterliche Zuluftvorwärmung kann mithilfe einer Doppelfassade, durch Wärmetauscher im Zuluftstrom oder durch Erdwärmeübertrager erreicht werden. An heißen Sommertagen sollte der Luftwechsel tagsüber auf das hygienisch erforderliche Maß beschränkt werden, um die Räume kühl zu halten. Der Straßenlärmeintrag kann durch Kastenfenster, eine Doppelfassade oder durch schallgedämmte Lüftungsöffnungen vermindert werden.

Stoßlüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sehr energiesparende und gesunde Weise, Gebäude ohne mechanische Lüftungsanlage in der kalten Jahreszeit zu belüften, wird häufig empfohlen, die Fenster regelmäßig jeweils gerade nur so lange weit zu öffnen, bis sich die Raumluft spürbar abgekühlt hat.

Am schnellsten erreicht man einen vollständigen Luftaustausch, wenn durch Querlüftung kurzfristig Durchzug geschaffen wird.

Der große Vorteil der Stoßlüftung besteht darin, dass durch die schnelle Abkühlung der Raumluft intuitiv der richtige Zeitpunkt zum Schließen der Fenster erkannt wird.

Ist nach erfolgter Stoßlüftung am Fenster noch Kondensat zu erkennen, werden die Fenster erneut kurz geöffnet, nachdem sich die Raumluft vollständig erwärmt hat. Ist kein Kondensat zu erkennen, genügt es meist, die Stoßlüftung nach zwei bis drei Stunden Aufenthaltsdauer im Raum zu wiederholen.

Auch die nach dem Duschen, Baden, Kochen und Wäschetrocknen von Wänden, Decken und Mobiliar sorptiv aufgenommene Feuchtigkeit lässt sich durch mehrfaches Stoßlüften effektiv nach außen befördern. Die Intervalle zwischen den einzelnen Lüftungsvorgängen können zu diesem Zweck nach und nach verlängert werden, um auch der in tieferen Materialschichten gespeicherten Feuchtigkeit Gelegenheit zu geben, an die Oberfläche zu treten und zu verdunsten.

Der Entstehung von Schimmel kann durch häufiges, kurzes Lüften zuverlässig vorgebeugt werden. Je öfter die Fenster kurz geöffnet werden, desto besser gelingt es, die Wände zu entfeuchten und trocken zu halten. Besonders bauphysikalisch kritische Konstruktionen (z. B. Innendämmung oder ausgebaute Dächer mit ungenügender Hinterlüftung der Dämmung bzw. mangelhafter Dampfbremse) lassen sich so in der kalten Jahreszeit vor dauerhafter Durchfeuchtung bewahren.

Der Vergleich zur Lüftung durch Kippstellung der Fenster zeigt, dass hier die Veränderung der Luftqualität für den Nutzer oft kaum erkennbar ist, da die Vermischung der Raumluft mit der nachströmenden Luft allmählich stattfindet. Zudem gleichen die Thermostate der Heizkörper die Abkühlung der Luft schnell wieder aus, sodass auch der Kältereiz entfällt, der daran erinnern würde, die Fenster zum richtigen Zeitpunkt wieder zu schließen.

Bei Nutzung der Kippstellung der Fenster sollten die Raumthermostate unbedingt heruntergeregelt werden: zum einen, damit die Thermostate nicht aufgrund der einströmenden Kaltluft die Heizleistung erhöhen, wodurch unnötig viel Heizenergie durch die Lüftung verloren ginge, zum anderen, um durch die resultierende Abkühlung des Raumes darauf aufmerksam zu werden, dass bereits ein ausreichender Luftaustausch stattgefunden hat.

Trotz reduzierter Heizleistung ist die in der Gebäudemasse gespeicherte Wärme in der Lage, die durch angekippte Fenster nur langsam einströmende Außenluft noch für einen gewissen Zeitraum auf Raumtemperatur zu erwärmen. Eine spürbare Reduktion der Lufttemperatur im Raum tritt daher oft dann erst dann ein, wenn bereits ein mehrfacher Luftaustausch stattgefunden hat und sich Wandoberflächen und Fußboden unterhalb des Fensters abgekühlt haben. Nach dem Schließen der Fenster kann sich an den abgekühlten Flächen vorübergehend Tauwasser bilden, welches eine Schimmelbildung begünstigt.

Spaltlüftung und einfache Lüftungsvorrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Möglichkeit, um Energieverluste beim Lüften zu minimieren, besteht in der kontrollierten Spaltlüftung oder der Verwendung von einfachen Lüftungsvorrichtungen. Hierbei kommt es darauf an, Fensterflügel bzw. Lüftungsvorrichtungen gerade nur so weit zu öffnen, dass ein minimaler hygienischer Luftaustausch gewährleistet ist und zugleich genügend Feuchtigkeit aus dem Gebäude zu befördert wird, um eine Auffeuchtung der Wände zu vermeiden. Letzteres ist bei kalten Außentemperaturen meist dann der Fall, wenn sich an den Fenstern kein Kondensat bildet (Ausnahme: gut wärmedämmende Fenster in schlecht gedämmter Außenwand, siehe oben).

Problematisch ist es, hierbei die richtige Dosierung zu erkennen und die Öffnungsweite der Lüftungsöffnungen entsprechend zu justieren.

Um kurzfristig entstehende Feuchtigkeitsmengen (besonders beim Baden, Duschen, Kochen und Wäschetrocknen) abzuführen, empfiehlt es sich, zusätzlich zur Spaltlüftung fallweise auch Stoßlüftungen durchzuführen. Der Luftdurchsatz der Spaltlüftung kann dann auf das hygienisch wünschenswerte Minimum eingestellt werden.

Da sich der Luftdurchsatz durch die Luftdruckunterschiede bei fallenden Außentemperaturen erhöht, sollte die Weite der Lüftungsöffnungen entsprechend saisonal nachgeführt werden. Einen großen Einfluss auf den Luftdurchsatz hat auch die Windgeschwindigkeit. Zum Einbau in Fensterrahmen oder in die Außenwand werden Lüftungsvorrichtungen angeboten, welche die Lüftungsöffnung bei erhöhtem Winddruck automatisch verringern. Sofern die regelmäßige Reinigung und Wartung des Mechanismus sichergestellt wird, sind diese Vorrichtungen der einfachen Spaltlüftung vorzuziehen.

Die klassische Spaltlüftung besteht darin, die Öffnungsweite des Fensterflügels auf das jeweils nötige Maß zu beschränken. Um den Eintritt von Regenwasser zu vermeiden, wird dafür in der Regel die Kippstellung des Fensters gewählt. Bei geringer Öffnungsweite oder bei wenig exponierten Fenstern (abgewandt von der vorherrschenden Windrichtung oder unter Dachüberhängen o. ä. angeordnet) kann der Flügel jedoch auch in üblicher Weise geöffnet und fixiert werden.

Als einfachste Maßnahme bietet es sich oft an, einen Holzkeil oder Pappe zwischen Flügel und Rahmen zu klemmen, um den Fensterflügel in der gewünschten Stellung zu halten und den Luftdurchsatz somit kontrollieren zu können.[3] Alternativ kann ein Gummizug zwischen Fensterflügel und -rahmen angebracht werden, welcher den Fensterflügel gegen einen an geeigneter Stelle in den Falz geschobenen Klotz presst. Eine weniger fein justierbare Arretierung des Flügels wird erreicht, indem eine Schraube von außen in den Rand des Fensterflügels geschraubt, aber nicht ganz versenkt wird; am Fensterrahmen wird ein abgewinkeltes Lochband angeschraubt; der Fensterflügel lässt sich dann in verschiedenen Positionen festsetzen, indem eine der Öffnungen des Lochbands über den Kopf der Schraube geschoben wird.

Es sind eine Vielzahl von Lüftungsvorrichtungen erhältlich, die am Fensterrahmen oder -flügel angebracht werden und eine Regulierung der Luftmenge erlauben. Viele davon können auch nachträglich installiert werden.[3] Eine einfache Lösung besteht z. B. darin, in den Fensterrahmen Lüftungsöffnungen zu bohren, die sich mit einer darüber Klappe oder einem Schieber verschließen lassen.

Falls das Fenster mit Gummidichtungen ausgestattet ist, können diese teilweise oder ganz entfernt werden, um eine permanente Spaltlüftung zu erreichen. Der Luftdurchsatz hängt dann von den Spaltbreiten zwischen Fensterflügel und -rahmen ab und lässt sich nicht weiter regulieren. Wenn sich die Dichtungsprofile unbeschädigt aus der Haltenut ziehen lassen, können sie bei kalten Außentemperaturen bei Bedarf auch wieder eingesetzt werden.

Schachtlüftung (ohne Ventilator)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom späten 19. bis ins späte 20. Jahrhundert wurden mehrgeschossigen Bauten besonders in Großstädten bei hoher Siedlungsdichte oft mit einem oder mehreren Abluftschächten pro Nutzungseinheit ausgestattet, welche im Regelfall über Dach geführt wurden. Nach DIN 1946-6 sind Umwege in der Luftführung zu vermeiden.

Da sich der Luftdurchsatz mit den bei fallenden Außentemperaturen steigenden Differenzen des Luftdrucks erhöht, ist eine Regulierung der Öffnungsweite erforderlich, um den Lüftungswärmeverlust zu begrenzen und einen angemessenen Luftwechsel zu erreichen.

Bei der Berliner Lüftung erfolgte die Zuluftführung über die Nachbarräume durch Tür- und Fensterfugen oder speziell vorgesehene Öffnungen. Der Luftdurchsatz hängt dann insbesondere von der Dichtheit der Fenster und gegebenenfalls vorhandenen Undichtigkeiten in der Gebäudehülle ab.

Bei der Dortmunder Lüftung erfolgt die Zuluftführung von der Fassade aus durch einen Querschacht in den Flur. Aufgrund der Vorwärmung der Luft im Flur ist der Zulufteintritt in den umliegenden Zimmern weniger spürbar. Die angemessene Regulierung des Luftzuges erfordert mehr Aufmerksamkeit.

Bei der Kölner Lüftung tritt die Zuluft durch einen eigenen Schacht direkt in den zu belüftenden, meist fensterlosen, Raum. Zugluft ist nicht ausgeschlossen.

Mechanische Lüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Nutzer von der regelmäßigen Kontrolle bzw. Durchführung der Lüftung zu entlasten, werden heute vermehrt automatische Lüftungsanlagen auch in Wohngebäuden vorgesehen. Durch die inzwischen hohen Dämmwerte der Gebäudehülle fallen die Lüftungswärmeverluste vermehrt ins Gewicht. Auch ist der bei älteren Gebäuden immanente Luftwechsel aufgrund der heutigen Baustandards nicht mehr automatisch gewährleistet.

In gewerblichen Gebäuden ist es aus verschiedenen Gründen schon länger üblich, Lüftungs- oder Klimaanlagen zu installieren. Neben der möglichen Energieeinsparung und der einfachen Kontrolle des Raumklimas durch eine präzise Steuerung der Lüftungsfunktionen dient die Lüftungsanlage hier häufig auch dazu, einer Schadstoffbelastung der Innenraumluft vorzubeugen. Wärmeübertrager helfen bei effizienten Anlagen, die Wärmeenergie der Abluft zurückzugewinnen.

Die Quelllüftung ist eine turbulenzarme Verdrängungslüftung, bei der etwas kühlere Frischluft in Fußbodenhöhe in den Raum geleitet wird, um verbrauchte Luft nach oben zu verdrängen und abzusaugen.

Dezentrale Lüftungsgeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kann eine bedarfsgesteuerte, manuelle Lüftung vom Nutzer nicht gewährleistet werden, so bietet sich der Einbau von kleinen Lüftungsgeräten mit reversierendem Betrieb und regenerativem Wärmetauscher in die Außenwand an. Neben einer Wandöffnung mit ca. Ø 160 mm ist lediglich ein Stromanschluss erforderlich. Diese elektrischen Lüftungsgeräte ändern alle paar Minuten ihre Laufrichtung, um die im Wärmetauscher beim Herausblasen der Luft gespeicherte Wärme wieder in den Raum zurückzuführen. Die Wärmerückgewinnung erreicht hierbei einen so hohen Wirkungsgrad, dass die Gesamteffizienz kaum hinter derjenigen von vollwertigen Lüftungsanlagen mit wesentlich aufwendigen Wärmetauschern zurücksteht.[5]

Diese Lösung bietet sich besonders auch dann an, wenn die Fenster aus Gründen des Schallschutzes geschlossen bleiben sollen.

Für einen effizienten und kontrollierten Luftaustausch sollten die Geräte paarweise installiert und so verschaltet werden, dass ein Lüfter jeweils dann auf Zuluftbetrieb geschaltet ist, wenn sich der benachbarte Lüfter im Abluftbetrieb befindet. Wenn die Türspalte einen ausreichenden Luftaustausch zwischen den Räumen zulassen, können sich die einander zugeordneten Lüftungsgeräte auch in verschiedenen Räumen befinden.

Von einer Baufirma können mithilfe eines Kernbohrgeräts auf einfache Weise kreisrunde Öffnungen in der Gebäude-Außenwand hergestellt werden, in welche die Lüftungsvorrichtungen geschoben werden.

Atmende Wand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Behauptungen, dass Wände atmen, also lüften können. Diese Annahme hat sich jedoch als falsch erwiesen. Viele Baustoffe geben Schadstoffe an die Innenluft ab (z. B. das radioaktive Radon).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Lüftung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Wasserdampfabgabe eines körperlich nicht tätigen Menschen beträgt 35–40 g stündlich, also rund 850–1000 g täglich, bei einer Umgebungstemperatur von 20°C, nach VDI-Richtlinie 2078. Zitiert in: Klaus Usemann, Horst Gralle: Bauphysik: Problemstellungen, Aufgaben und Lösungen, S. 18, Springer Verlag; abgerufen im Januar 2017
  2. a b Ratgeber Lüften – aber richtig!, Verband Privater Bauherrn e.V.; abgerufen im Januar 2017
  3. a b c d Dr.-Ing. Helmut Künzel (ehem. Leiter der Freilandversuchsstelle Holzkirchen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik), Stoßlüftung oder Dauerlüftung?, Zeitschrift Holzbau – die neue Quadriga, Ausgabe 4/2012, Verlag Kastner; abgerufen im November 2016
  4. W. Richter et al.: Bestimmung des realen Luftwechsels bei Fensterlüftung aus energetischer und bauphysikalischer Sicht. Abschlussbericht. Bau- und Wohnforschung F 2425, 2003, ISBN 978-3-8167-6002-3.
  5. Anbieter von kompakten Lüftungsgeräten zum Einbau in die Außenwand: Eco (S.8), Cosmo GmbH; E2, Lunos Lüftungsgeräte GmbH; Pico50, Orca Energija d.o.o.; Wandlüfter Airodor30, Limot GmbH & Co; Twinfresh SA 1-50, Allcata