Lützow-Kaserne (Schwanewede)

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DeutschlandFlag of Germany (state).svg Lützow-Kaserne
Land Deutschland
Status seit 2015 aufgegeben
Gemeinde Schwanewede
Koordinaten: 53° 13′ N, 8° 35′ OKoordinaten: 53° 13′ 14″ N, 8° 34′ 38″ O
Erbaut 1956 bis 1958
Ehemals stationierte Einheiten
Siehe Ehemals stationierte Bundeswehr-Einheiten
Lützow-Kaserne (Niedersachsen)
Lützow-Kaserne

Lage der Lützow-Kaserne in Niedersachsen

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Die Lützow-Kaserne war von 1958 bis 2015 einer von mehreren Standorten der deutschen Bundeswehr in der niedersächsischen Gemeinde Schwanewede, die nord-nord-westlich von Bremen gelegen ist. Sie befindet sich im gleichnamigen Kernort von Schwanewede. Die Kaserne soll nach der 2015 erfolgten Aufgabe der militärischen Nutzung abgewickelt werden und wurde im Zuge der Flüchtlingskrise vom Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 vorübergehend als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Seither steht sie leer.

Der westlich an das Kasernengelände anschließende Standortübungsplatz wird weiterhin von anderen Bundeswehreinheiten aus der Region genutzt. Seine Nutzungsaufgabe soll frühestens 2021 erfolgen.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Anfang 1939 auf dem Gelände der späteren Lützow-Kaserne und des späteren Standortübungsplatzes von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft mbH (Wifo) begonnen, für die Kriegsmarine der deutschen Wehrmacht das Kriegsmarinetanklager Farge zu erbauen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Juli 1941 der weitere Ausbau gestoppt, da nach der Besetzung Frankreichs der Großteil der Marineeinheiten an die französische Küste verlegt wurde. Von 1943 bis kurz vor Kriegsende wurde das Lager als Unterkunft von Zwangsarbeitern des im Bau befindlichen U-Boot-Bunker Valentin verwendet. Unter anderem wurden von der SS in dem Lager auch KZ-Häftlinge untergebracht. Im April 1945 wurde das Lager geräumt.

Von 1956/58 bis 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 wurde auf dem Ostteil des Geländes mit dem Bau der Kaserne begonnen. Im Februar 1958 wurden die ersten Einheiten der Bundeswehr stationiert. 1966 wurde die Kaserne nach dem preußischen Generalmajor Ludwig Adolf Freiherr von Lützow (1782–1834) benannt. Die Namensgebung erfolgte am 18. November 1966 durch den Kommandeur der 11. Panzergrenadierdivision, Generalmajor Otto Uechtritz.[1]

1967 wurde auf einem nordöstlich an die Kaserne angrenzenden Areal ein neu erbautes Offiziersheim eingeweiht. Es diente fortan den Offizieren und Beamten der Standorte Schwanewede (Lützow-Kaserne) und Neuenkirchen (Weser-Geest-Kaserne in der damals noch selbständigen Nachbargemeinde Neuenkirchen, die 1974 in die Gemeinde Schwanewede eingegliedert wurde und seitdem einen Ortsteil von Schwanewede bildet).[2]

Während des Kalten Krieges bis in die jüngste Vergangenheit war die Lützow-Kaserne vor allem Standort von Panzergrenadier-Einheiten.

Im Stationierungskonzept 2011 vom 26. Oktober 2011 von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) gehörte die Lützow-Kaserne in Schwanewede zu denjenigen Standorten, die geschlossen werden sollten. Die 2013 angepasste Realisierungsplanung zum Stationierungskonzept sah dann die Schließung der Kaserne im 3. Quartal 2015 vor[3] und wurde später auf Ende September 2015 festgelegt. Aufgrund der kurzfristig umgesetzten Nachfolgenutzung als Notunterkunft für Flüchtlinge wurde die Kaserne vorzeitig am 14./15. September 2015 von der Bundeswehr aufgegeben und an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben.[4]

Ehemals stationierte Bundeswehr-Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere ehemalige Standorte in Schwanewede, Standortübungsplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Schwanewede sowie einige weitere standortbezogene Dienstleistungs- und Versorgungseinrichtungen, die nördlich gegenüber der Lützow-Kaserne gelegen sind, wurden ebenfalls von der Bundeswehr im September 2015 aufgegeben. Weiterhin in Betrieb ist u. a. noch die Geländebetreuung für den weitergenutzten Standortübungsplatz. Das Schwaneweder Offiziersheim wurde bereits Ende 2014 geschlossen. Der zweite ehemalige Hauptstandort in der Garnison Schwanewede, die nahe gelegene Weser-Geest-Kaserne im Ortsteil Neuenkirchen, wurde bereits 2004 aufgegeben und dient seitdem größtenteils als Gewerbegebiet.

Der westlich an die Lützow-Kaserne anschließende Standortübungsplatz wird gegenwärtig (2015) weiterhin von Bundeswehreinheiten aus dem etwa 10 Kilometer entfernten Garlstedt genutzt, insbesondere von der dort befindlichen Logistikschule der Bundeswehr. Über die Beendigung der militärischen Nutzung des Standortübungsplatzes wurde noch nicht endgültig entschieden; die Nutzungsaufgabe soll per Planungsstand 2015 frühestens 2017 erfolgen.

Zivile Nutzung seit 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konversion Lützow-Kaserne Schwanewede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Umsetzung des neuen Stationierungskonzepts der Bundeswehr und der Standortaufgabe leitete die Gemeinde Schwanewede 2013 ein Konversionsverfahren für die zivile Nachnutzung der Lützow-Kaserne ein und begann in Zusammenarbeit mit externen Planungsbüros mit der Erstellung eines Integrierten Städtebaulichen (Standort-)Entwicklungskonzepts (ISEK) für das Kasernengelände. Das verfügbare Gesamtareal, über das die Gemeinde seit Rückgabe durch die Bundeswehr die kommunale Planungshoheit ausübt und für das sie zudem eine Erstzugriffsoption hat, grenzt nahezu unmittelbar westlich an das Ortszentrum von Schwanewede und ist im östlichen Teil eingebettet von Wohngebieten und der Waldschule, einer Kooperativen Gesamtschule. Es wird somit als „ideal für eine städtebauliche Weiterentwicklung der Ortschaft“ und als ein „Schlüsselgrundstück der Innenentwicklung“ angesehen.

Das etwa 81,5 Hektar (ha) große Gesamtareal, das sich seit Aufgabe durch die Bundeswehr im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) befindet, besteht aus folgenden Teilflächen:

  • das eigentliche Kasernengelände (67,1 ha)
  • die gegenüber der Kaserne und nördlich der Straße „An der Kaserne“ gelegenen Liegenschaften rund um das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (ca. 12,8 ha)
  • das Areal des nordöstlich an die Kaserne angrenzenden Offiziersheims (1,6 ha)

Vorübergehende Nutzung als Flüchtlingsunterkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 stieg der Zuzug von Flüchtlingen und Migranten nach Europa und insbesondere auch nach Deutschland stark an, was 2015 zu einer Flüchtlingskrise in Deutschland führte. Die hohe Zahl der nach dem Königsteiner Schlüssel auf die einzelnen Bundesländer verteilten Asylsuchenden stellte die Länder zunehmend vor Versorgungs- und Unterbringungsprobleme. Anfang September 2015 beschloss das Land Niedersachsen, die kurz vor Schließung durch die Bundeswehr stehende Lützow-Kaserne in Schwanewede als Notunterkunft für rund 1.000 Flüchtlinge zu nutzen. Für diesen Zweck forderte das Land die Kaserne bei der Bundes-Immobilienanstalt BImA zunächst bis Ende Mai 2016 an.[5]

Mit dem Betrieb und der Betreuung der Flüchtlingsunterkunft wurde der DRK-Kreisverband Wesermünde beauftragt. Nach Herrichtung und technischer Ausstattung von mehreren Unterkunftsgebäuden zogen am 14. September 2015 die ersten Flüchtlinge in die neue Notunterkunft ein.[6]

Von der Ökumenischen Initiative für Flüchtlinge und Asylsuchende in Schwanewede wurde eine Kleiderkammer und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet und Deutschkurse organisiert. In Schwanewede gründete sich unterstützt von Rechtsextremisten aus Bremen-Nord eine Bürgerwehr. Die sogenannte Bürger-Patrouille geht auch auf dem Kasernengelände und dessen Umkreis Patrouille. Gerüchte von erhöhter Kriminalität und Vergewaltigungen durch die Bewohner der Kaserne wurden über eine Schwanewedener-Facebook-Gruppe gestreut. Die Polizei dementierte.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schwaneweder Kaserne nach Lützows Freikorps benannt. In: Weser-Kurier. 19. November 1966, S. 13.
  2. Neues Offiziersheim in Schwanewede fertig. In: Weser-Kurier. 13. Januar 1967, S. 13.
  3. Stationierungskonzept 2011 >> Realisierungsplanung: Schließungen in Niedersachsen. In: Website der Bundeswehr (www.bundeswehr.de). 17. April 2013, abgerufen am 25. Dezember 2015.
  4. Gabriela Keller: Bundeswehr gibt Kaserne ab. In: Die Norddeutsche. 16. September 2015, S. 5 (online [abgerufen am 25. Dezember 2015]).
  5. Gabriela Keller, Barbara Wenke, Julia Ladebeck: Schwanewede bereitet sich auf die Flüchtlinge vor. In: Die Norddeutsche. 5. September 2015, S. 11 (online [abgerufen am 25. Dezember 2015]).
  6. Gabriela Keller: Die ersten Flüchtlinge sind da. In: Die Norddeutsche. 15. September 2015, S. 5 (online [abgerufen am 25. Dezember 2015]).
  7. Schwanewede hat eine Bürgerwehr – gegen Flüchtlinge (Memento vom 21. Oktober 2015 im Internet Archive), NDR, 20. Oktober 2015