Winterdieb

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Filmdaten
Deutscher Titel Winterdieb
Originaltitel L’enfant d’en haut
Produktionsland Schweiz, Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Ursula Meier
Drehbuch Antoine Jaccoud
Ursula Meier
Gilles Taurand
Produktion Ruth Waldburger
Denis Freyd
Musik John Parish
Kamera Agnès Godard
Schnitt Nelly Quettier
Besetzung

Winterdieb (Originaltitel: L’enfant d’en haut, dt.: „Das Kind von oben“, englischsprachiger Festivaltitel: Sister) ist ein Schweizer Film aus dem Jahr 2012. Regie führte Ursula Meier, die auch am Drehbuch beteiligt war. Der Film erzählt die Geschichte des Jungen Simon, der in einem Skigebiet Touristen bestiehlt, um für sich und seine Schwester etwas Geld zu verdienen. Winterdieb lief im Wettbewerb der 62. Berlinale und hatte in diesem Rahmen am 13. Februar 2012 Weltpremiere. Er wurde mit dem Sonderpreis Silberner Bär ausgezeichnet. Am 8. November 2012 kam er in die deutschen Kinos.

Im September 2012 wurde Winterdieb auf dem Festival Delémont-Hollywood in Delsberg von einer Jury als offizieller Kandidat der Schweiz auf eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt.[1]

Kacey Mottet Klein und Léa Seydoux bei der Vorpremiere von «L'Enfant d'en haut» im April 2012 in Paris

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zwölfjährige Simon lebt allein mit Louise, die sich stets als seine ältere Schwester ausgibt, in Wirklichkeit jedoch seine Mutter ist, unter prekären Verhältnissen in einem heruntergekommenen Hochhaus am Fuße eines Schweizer Skigebiets. Die Mittzwanzigerin Louise hat vor kurzem ihre Arbeit verloren, ist mit diversen Freunden oft nächtelang unterwegs und kümmert sich äußerst wenig um Simon. Es ist im Gegenteil so, dass Simon für Louise aufkommt, sich um die Mahlzeiten kümmert, den Haushalt führt. Louise verhält sich vielfach sehr distanziert. Um mit ihr kuscheln zu dürfen, muss er einmal sogar über einen dreistelligen Betrag mit ihr verhandeln. Die offenbare Abwesenheit der Eltern erklärt Simon mal mit Reisen, dann wieder mit einem tödlichen Unfall.

Mit einer kleinen Seilbahn fährt Simon immer wieder hinauf in das Skigebiet, in dem reiche Touristen ihren Urlaub verbringen. Dort stiehlt er — teilweise auf Bestellung — teure Skier, Ausrüstungsgegenstände und auch Verpflegung. Seine Beute bringt er mit einem kleinen Schneetransporter ins Tal und verkauft sie dort an die Kinder in seinem Wohnblock. Auf diese Weise ist er es, der das Einkommen der kleinen Familie sichert. Und so ist er in der Lage, der Mutter eine warme Jacke zu schenken, ihr eine Hose zu spendieren, er sorgt für einen Mikrowellenofen, ja er ist es sogar, der ihr Geld für eine abendliche Verabredung zuteilt. Louise weiß nicht nur von seinen Beutezügen, sie bewundert ihn sogar für das Organisationstalent, das er dabei an den Tag legt. Dreimal jedoch wird Simon beim Stehlen erwischt. Beim ersten Mal bringt der sehr selbstsicher agierende, wortgewandte Junge den Zeugen sogar noch dazu, regelmäßig Diebesgut von ihm zu kaufen, beim zweiten Mal schlägt ihn ein Bestohlener nieder. Schließlich aber wird er des Berges verwiesen, womit sein Lebensunterhalt wegbricht. Nun nimmt Louise eine Putzstelle in einem Chalet an, die sie jedoch bald wieder verliert, weil Simon auch dort stiehlt. Daraufhin prügelt er sich mit ihr, die ihn überführt hat, würgt sie und wird von ihr derb abgewiesen.

Schließlich versucht Simon, in einem Restaurant auf dem Berg eine Arbeit zu finden, möchte sogar mit den Arbeitern ziehen, deren Saison dort gerade zu Ende geht. Der Leiter des Betriebes erkennt ihn jedoch als den Skidieb wieder. Simon verbringt die Nacht auf dem Berg. Als er am folgenden Tag mit der Seilbahn ins Tal fährt, kommt ihm in einer der letzten Kabinen der Skisaison seine Mutter entgegen, der er offenbar doch nicht gänzlich gleichgültig ist.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Winterdieb handelt es sich um den zweiten Spielfilm der Schweizer Regisseurin Ursula Meier. Im Unterschied zu ihrem Debüt verpflichtet sie sich diesmal stärker dem Realismus und drehte einen sozialkritischen Film. Agnès Godard, die bei diesem Film zum ersten Mal digital drehte, nutzte oftmals eine Handkamera, um dicht bei Kacey Mottet Klein zu bleiben. Der Film wurde von Vega Film, Archipel 35 und Radio Télévision Suisse produziert. Der Verleiher für den französischen Markt ist Diaphana Distribution, für die Schweiz ist es Filmcoopi Zürich. Winterdieb lief im Wettbewerb der 62. Berlinale und hatte in diesem Rahmen am 13. Februar 2012 Weltpremiere. Meier war damit die einzige Regisseurin, die im Wettbewerb vertreten war.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winterdieb erhielt überwiegend positive Kritiken. Daniel Kothenschulte schrieb für die Berliner Zeitung: „Ursula Meier geht es um die emotionalen Fehlstellen, die sie wie eine bildende Künstlerin visuell erfahrbar macht. Indem sie eine nicht mehr hinterfragte ästhetische Ordnung umkehrt – hier ist es die wohlorganisierte Welt des alpinen Freizeitsports – macht sie etwas Unsichtbares sichtbar: die menschliche Mitte, den emotionalen Kern jeder Zivilisation.“[2] Andreas Kilb von der FAZ empfand den Film als erschütternd und die Geschichte als überzeugend. Er kam zu dem Schluss, Winterdieb sei „auf der Berlinale am richtigen Ort, auch wenn man ihn nicht unbedingt gleich als Favoriten für den Goldenen Bären betrachten muss.“[3] Für Christiane Peitz vom Tagesspiegel gehörte Winterdieb bis dahin zu den stärksten Wettbewerbsbeiträgen. Sie lobte vor allem die Kameraführung.[4] Für die Neue Osnabrücker Zeitung erhob Daniel Benedict den Film sogar in den Favoritenkreis für den Goldenen Bären.[5] Jordan Mintzer schrieb für The Hollywood Reporter: „With a moving lead turn from youngster Kacey Mottet Klein and strong craft contributions from Claire Denis regulars Agnes Godard and Nelly Quettier, Sister could slalom around Euro territories all the way to select offshore theatres.“[6] Vor allem die Leistung des jungen Kacey Mottet Klein wurde von vielen Rezensenten positiv herausgehoben; so schrieb z. B. Andreas Borcholte auf Spiegel Online: „Simon ist ... ein großartiger Filmcharakter, der von dem dürren, segelohrigen Talent Kacey Mottet Klein, der bereits in Meiers Debüt mitspielte, herzergreifend verkörpert wird.“[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Internationale Filmfestspiele Berlin (Hrsg.): 62. Internationale Filmfestspiele Berlin. Berlin 2012, ISSN 0724-7117

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winterdieb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „L’enfant d’en haut“ représentera la Suisse aux Oscars en 2013 bei swissinfo.ch, 20. September 2012 (abgerufen am 30. September 2012)
  2. Daniel Kothenschulte: Die Wahrheit im verbeulten Blech: „L’Enfant d’en haut“ und Jayne Mansfield's Car auf berliner-zeitung.de vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  3. Andreas Kilb: Berg- und Talfilme auf der Berlinale – Vom Kloster durch die Welt zur Hölle auf faz.net vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  4. Christiane Peltz: Wenn die Gondeln Trauma tragen Der Junge auf der Piste: „L’enfant d’en haut“ im Wettbewerb auf tagesspiegel.de vom 14. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  5. Daniel Benedict: Ein Kind zahlt fürs Kuscheln – Meiers „L’enfant d’en haut“ hebt den Unterschied der Generationen auf auf noz.de vom 14. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  6. Jordan Mintzer: Sister (L’Enfant d’en haut): Berlin Film Review auf hollywoodreporter.com vom 13. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012
  7. Andreas Borcholte: Armutsdrama "Winterdieb" – Das eiskalte Kind auf Spiegel Online vom 9. November 2012, abgerufen am 10. November 2012