L40 (Berlin)

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Linienstraße 40

Das L40 oder auch Black-Maze-Building (schwarzes Labyrinth) ist ein Wohn- und Geschäftshaus am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte. Es wurde für ein dreieckiges Grundstück direkt gegenüber der Volksbühne im Künstlerviertel Nähe Hackescher Markt von den Berliner Architekten Roger Bundschuh und Philipp Baumhauer in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Cosima von Bonin bis Juli 2008 entworfen und bis zur Fertigstellung im Januar 2010 als anthrazit-schwarz, spitz zulaufender Kubus „monolithisch-skulptural“ auf 2.884 Quadratmetern auf die Ecke Rosa-Luxemburg-Platz / Linienstraße gestellt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das umgebende Straßengefüge wurde nach Plänen aus der Zeit vor der ehemaligen DDR rekonstruiert.[1] Das Gebäude selbst ist ein Beispiel minimalistisch-monochromatischer Architektur. Der kubische Monolith wurde als „Wohnhaus für Sammler und Galeristen“ umgesetzt.[2] Die Architekten wenden sich zum Teil gegen die Vorherrschaft der Kritischen Rekonstruktion, die von Hans Stimmann, der von 1996 bis 2006 Senatsbaudirektor in Berlin war, und der durch seine „autoritäre Amtsführung“ Akzente für Richtlinien hinsichtlich historisch nachvollziehbarer Bebauungen setzte, vertreten wurden. Mit dem Siebenstöcker aus Normal-, Leicht- und Ortbeton[2] befürworten sie eine freiere Auffassung von Stadtbebauung. Entstanden ist den Architekten zufolge „ein Haus aus Beton. Dunkel und ernst, aber auch voller Leichtigkeit und Zuversicht. Ein Beitrag zur klassischen Moderne, einladend und abweisend zugleich“.[3] Roger Bundschuh zum L 40 gegenüber der Berliner Morgenpost, 9. März 2013: „Aber wissen Sie, ich kann und will mich damit gar nicht beschäftigen, was die Öffentlichkeit vielleicht schön findet oder nicht.“[4]

Ansicht von Osten

Der Bau bietet auf „sieben Ebenen neun geräumige Eigentumswohnungen mit Größen von 67 bis über 300 Quadratmetern. Im Erdgeschoss stehen zusätzlich drei Gewerbeeinheiten zur Verfügung.“[4] Die Terrassen und Galerien, die ein begehbares Panorama der Gegend ermöglichen, erzielen besonders durch Holzpalettenwege ein wenig eine japanische oder aber schwedische Wirkung. In den schall- und schwingungsarmen Innenräumen[5][4] gibt es keine Stützen. Die Atmosphäre vermittelt die Privatheit der 1970er, der Palast der Republik kann leicht assoziiert werden. Die Innenräume sind bis zu sieben Meter hoch und unterschiedlich geschnitten. Die meisten Räume werden über Oberlichter mit Tageslicht versorgt.[4]

Das gesamte Gebäude berührt an keinem Punkt den Boden; zwischen der Bausubstanz und dem Erdreich befindet sich eine Schicht festen Schaums, die Erschütterungen und Geräuschentwicklungen dämmt.[4]

Anknüpfungspunkte gibt es zu den östlich gelegenen Bauten von Hans Poelzig aus den 1920er Jahren. Das Gebäude ist nach der Idee des offenen Innenhofs gestaltet, der sich in der Gebäudestruktur fortsetzt, um eine Orientierung für weitere städtebauliche Entwicklungen zu bieten.[4] Aufsehen erregten besonders die unterschiedlichen Traufhöhen der Dächer, die bei den Ämtern entsprechend schwer durchzubringen waren.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der expressiv-minimalistische Ansatz sorgt dafür, dass kaum die Rede von Im-Viertel-bauen, eher aber An-der-Stadt-bauen ist. Entsprechend kritisch wird das Gebäude aufgenommen.[4] Der Ursprungsgedanke, ein Gebäude vorliegen zu haben, das wie ein zerklüfteter Monolith aus einem Block geschnitzt ist[4], kann als postmoderne Science Fiction bezeichnet werden und erinnert an Filme wie Matrix,- postmodern besonders, wo zum Beispiel auf das elisabethanische England referiert wird.[4] Die flächigen, glatten Außenfassaden mit versteckten Fensterfronten anstelle von Fenstern wirken konstruktivistisch oder gar futuristisch.

Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wohn- und Geschäftshaus L40, 2010, Linienstraße 40, 10178 Berlin
  • Auftraggeber: Immobiliengesellschaft ALBION mbH, Berlin
  • Architektur: Bundschuh Architekten, Berlin
  • Projektleitung: Carolus Tränkner, Christiane Schmitz, Fabian Schwade
  • Bauleitung: Van Ommen Architekt, Berlin
  • Tragwerksplanung: Ifb Frohloff Staffa Kühl Ecker, Berlin
  • HLS-Planung: B&S Baupartner GmbH, Berlin
  • Bauphysik: Müller BBM GmbH, Berlin
  • Bodengutachten: Steinfeld und Partner, Mehrow
  • Beweissicherung: L41 und U-Bahnhof, Jürgen Westphal VBI, Zeuthen
  • Schwingungsschutz: GuD Consult GmbH, Berlin
  • Vermessung: Ronald Pieczak, Berlin
  • Betontechnologie: FBL Fläming Bausstoff-Labor-GmbH, Treuenbrietzen
  • Kenndaten: 2.884 m²
  • Fotografie: Jan Bitter

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursula Baus – Block mit Eigenart bei German Architects.com
  2. a b L 40. Haus für Kunstsammler. beim Goethe-Institut
  3. Dunkle Skulptur in der Stadt. Roger Bundschuh und Cosima von Bonin - L40 - Berlin bei mapolis Architektur
  4. a b c d e f g h i Interview mit Roger Bundschuh – "L40" - eine Bandbreite diverser Wohnformen bei der Berliner Morgenpost
  5. Benutzer Tony – L40, Berlin! Ein neuer spektakulärer Bundschuh Bau in der Linienstr. 40 bei der Baupedia

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Linienstraße 40 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 31′ 42,2″ N, 13° 24′ 35,6″ O