LNG als Brennstoff für Schiffe

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Verflüssigtes Erdgas (LNG) als Kraftstoff zum Antrieb von Schiffen wird als eine Möglichkeit emissionsärmerer Schifffahrt gehandelt.[1] Aufgrund von Vorschriften zum Umweltschutz in der Schifffahrt, finden entsprechende Antriebe zunehmend Verbreitung.[2]

In der Ost- und Nordsee sowie den amerikanischen Küstengewässern erfordern die Abgasvorschriften (vgl. Emission Control Area) schwefelfreie Kraftstoffe oder Scrubber zur Abgasreinigung.[3]

LNG-Tanker mit LNG-Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 gab es 224 LNG-Tanker mit LNG-Antrieb bei der Seeschifffahrt, weitere 89 sind bestellt.

LNG-Tanker mit Dampfantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LNG-Tanker zum Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) nutzen die Ladung als Treibstoff, da ein geringer Teil der Ladung ständig verdampft (Boil Off). Anfangs wurde das LNG im Schiffskessel verfeuert und der damit erzeugte Dampf trieb über die Dampfturbine den Propeller des Schiffes an. Die ersten LNG-Tanker entstanden 1959 als Umbau wie z. B. die Methane Pioneer.

Aufbau eines LNG-Tankers mit Motorantrieb

LNG-Tanker mit Motorantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sogenannte Dual-Fuel-Dieselmotoren lassen sich wahlweise mit Gas oder mit Schweröl betreiben. Da der Wirkungsgrad dieser Motoren mit 45 bis 50 % deutlich besser ist als der Wirkungsgrad der Dampfanlagen, werden Neubauten von LNG-Tankern überwiegend mit Motorantrieb ausgestattet. Diese Schiffe wurden zum Teil auch mit aufwändigen Rückverflüssigungsanlagen ausgestattet. LNG-Tanker dürfen nur dafür zugelassene LNG-Terminals in bestimmten Häfen anlaufen. LNG ist ein sehr sauberer Kraftstoff und verursacht geringere Emissionen als die anderen Schifffahrtskraftstoffe Schweröl und Dieselöl.

Andere Schiffstypen mit LNG-Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Einrichtung von besonders sensiblen Meeresgebieten, sogenannten SECA- (bzw. ECA-) Zonen, wurden für die darin fahrenden Schiffe sehr strenge Umweltauflagen festgeschrieben. Der Ausstoß von Stickoxiden und Schwefeldioxid darf vorgegebene Grenzwerte, die zukünftig noch strenger werden, nicht überschreiten. Dies war der Hauptgrund, LNG als Treibstoff in diesen Fahrtgebieten in Betracht zu ziehen. Jedoch fehlen für die Verwendung und Lagerung von LNG in normalen Schiffen bisher allgemein verbindliche internationale Vorschriften und Zulassungen, daher können diese Schiffe Häfen bisher nur mit Sondergenehmigungen anlaufen.

Im Jahr 2019 gab es insgesamt 321 Seeschiffe im Frachtverkehr mit LNG-Antrieb, für weitere 510 lag eine Bestellung vor. Dabei handelt es sich um folgende Schiffstypen: 224 LNG-Tanker (+ 313 in Order), 12 LPG-Tanker (+20), 44 sonstige Tanker (+ 84), 22 Offshore-Schiffe (+ 26), 8 Containerschiffe (+ 33), 8 Bulker (+ 23) und 2 Autotransporter (+ 10).[4]

Situation in Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit einiger Zeit hat sich die Zulieferindustrie den Herausforderungen gestellt und geeignete Schiffsmotoren stehen für den Antrieb und auch zur Stromerzeugung für das Bordnetz zur Verfügung bzw. befinden sich in der Einführungsphase. Norwegen ist Pionier beim Bau und Betrieb von Schiffen mit LNG-Antrieb, etwa vierzig Fährschiffe und Versorger werden erfolgreich mit LNG betrieben. Hier gibt es inzwischen entsprechende Vorschriften und auch die notwendige Infrastruktur zum Betanken derartiger Schiffe.[5]

Die in Hamburg liegende LNG-Powerbarge von Becker Marine versorgt die AidaSol mit Strom

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umbau der Ostfriesland auf LNG-Antrieb in Bremerhaven
Die Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge, hat am 17. Juni 2015 in Borkum im Rahmen der Gästefahrt angelegt

In Deutschland gibt es derzeit noch keine Infrastruktur für die Versorgung von Schiffen mit LNG. Bis 2019 war das nur von Tanklastwagen möglich.

Pläne für den Aufbau von LNG-Lagern und Schiffsbetankungsmöglichkeiten gibt es in Bremen, Bremerhaven, Brunsbüttel, Hamburg und Rostock.[6] Die Werft Theodor Buschmann in Hamburg entwickelte eine LNG-Bunkerbarge („TB-X“), die die zu versorgenden Schiffe auf dem Wasserweg ansteuern kann. Die Technologie zum Umgang mit dem LNG (Tanks, Pumpen, Druck- und Wärmeregulierung) stammt dabei vom Hamburger Unternehmen Marine Service.[7]

Im Herbst 2019 wurde durch die Firma Nauticor zum ersten Mal in einem deutschen Hafen ein Schiff mit LNG-Antrieb von einem anderen Schiff aus betankt.[8]

Ab 2015 erfolgt die Nutzung von LNG als Schiffsantrieb auch in Deutschland. Ab Mitte Juni 2015 als Umbau für die Borkum-Fähre Ostfriesland in Bremen und Bremerhaven, als Neubau für die LNG-Hybrid-Barge im Hafen Hamburg zur Versorgung von Kreuzfahrtschiffen und als Neubau für das Bäderschiff Helgoland, das seit Dezember 2015 zwischen Cuxhaven und Helgoland verkehrt. Auf dem Rhein sind bereits zwei niederländische Schiffe des Typs LNG Greenstream Tanker und die Argonon unterwegs, die seit 2013 unter anderem auch im Hafen Mannheim durch Lkw mit LNG betankt werden.[9]

2017 wurde als erstes Containerschiff das 1000-TEU-Feederschiff Wes Amalie der Harener Reederei Wessels mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur auf LNG-Antrieb umgerüstet.[10]

Politisches Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftverschmutzung durch schweröl-verbrennende Seeschiffe ist ein Objekt der EU-Politik und internationaler Gremien:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Reuß: Gas als alternativer Kraftstoff und bestmögliche Nutzung der Primärenergie. In: Hansa, Heft 12/2011, S. 28–30, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2011, ISSN 0017-7504
  • Hanns-Stefan Grosch: Hoffnungsträger LNG. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 4/2013, S. 54–57, Verband Deutscher Reeder e.V., Hamburg 2013
  • Sverre Gutschmidt: LNG auf dem Weg in ein neues Zeitalter der Schifffahrt. In: Hansa, Heft 8/2013, S. 62–64, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2013, ISSN 0017-7504
  • Michael vom Baur: LNG – ein neuer Kraftstoff in den Häfen der Ostsee. In: Hansa, Heft 8/2013, S. 66–69, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2013, ISSN 0017-7504
  • Georg Ehrmann, Jan Schubert: "Potenziale von LNG als Kraftstoff für die Schifffahrt", energie | wasser-praxis, Nummer 9, September 2014, Seite 16–19
  • Hermann Garrelmann: LNG mit Zukunft – 2.000 Schiffe bis 2020. In: Hansa, Heft 3/2017, S. 54/55
  • LNG Report 2019/2020 – Wasser · Schiene · Straße. Schiff & Hafen, Beilage zum Heft 12/2019, DVV Media Group, Hamburg 2019, ISBN 978-3-87154-647-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. LNG – Neue Energie für Schiff und LKW? In: LNG Report 2019/2020 – Wasser · Schiene · Straße. Schiff & Hafen, Beilage zum Heft 12/2019, S. 50–53
  2. Michael Meyer: LNG-Orderbuch wächst. In: Täglicher Hafenbericht, 4. September 2013, S. 13.
  3. Karl-Heinz Hochhaus: Alternative Kraftstoffe in der Seeschifffahrt. In: https://hochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com/alternative-kraftstoffe-in-der-seeschifffahrt/
  4. Durst nach Flüssigerdgas. In: Hansa, Heft 12/2019, S. 14/15
  5. Georg Ehrmann, Jan Schubert: Potenziale von LNG als Kraftstoff für die Schifffahrt. (PDF) In: energie | wasser-praxis. Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., September 2014, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  6. BMWI-Monatsbericht 05/2019
  7. Michael Meyer: Gute Resonanz auf LNG-Bunkerbarge. In: Hansa, Heft 12/2014, S. 50/51.
  8. Logistik-Heute vom 11. Oktober 2019
  9. Erste LNG Bunkerung in Deutschland im Hafen Mannheim durchgeführt. Bonapart, 15. November 2013, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  10. „Wes Amelie“ erstmals mit LNG betankt. In: Schiff & Hafen, Heft 10/2017, S. 31