LNG als Brennstoff für Schiffe

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Verflüssigtes Erdgas (LNG) als Kraftstoff zum Antrieb von Schiffen wird aufgrund der Vorschriften zum Umweltschutz in der Schifffahrt zukünftig eine größere Rolle spielen.[1]

In der Ost- und Nordsee sowie den amerikanischen Küstengewässern erfordern die Abgasvorschriften schwefelfreie Kraftstoffe oder Scrubber zur Abgasreinigung.[2]

LNG-Tanker mit Dampfantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LNG-Tanker zum Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) nutzen die Ladung als Treibstoff, da ein geringer Teil der Ladung ständig verdampft (Boil Off). Anfangs wurde das LNG im Schiffskessel verfeuert und der damit erzeugte Dampf trieb über die Dampfturbine den Propeller des Schiffes an. Die ersten LNG-Tanker entstanden 1959 als Umbau wie z. B. die Methane Pioneer.

LNG-Tanker mit Motorantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau eines LNG-Tankers mit Motorantrieb

Sogenannte Dual-Fuel-Dieselmotoren lassen sich wahlweise mit Gas oder mit Schweröl betreiben. Da der Wirkungsgrad dieser Motoren mit 45 bis 50 % deutlich besser ist als der Wirkungsgrad der Dampfanlagen, werden Neubauten von LNG-Tankern überwiegend mit Motorantrieb ausgestattet. Diese Schiffe wurden zum Teil auch mit aufwändigen Rückverflüssigungsanlagen ausgestattet. LNG-Tanker dürfen nur dafür zugelassene LNG-Terminals in bestimmten Häfen anlaufen. LNG ist ein sehr „sauberer“ Kraftstoff und verursacht geringere Emissionen als die anderen Schifffahrtskraftstoffe Schweröl und Dieselöl.

Andere Schiffstypen mit LNG-Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Einrichtung von besonders sensiblen Meeresgebieten, sogenannten SECA- (bzw. ECA-) Zonen, wurden für die darin fahrenden Schiffe sehr strenge Umweltauflagen festgeschrieben. Der Ausstoß von Stickoxiden und Schwefeldioxid darf vorgegebene Grenzwerte, die zukünftig noch strenger werden, nicht überschreiten. Dies war der Hauptgrund, LNG als Treibstoff in diesen Fahrtgebieten in Betracht zu ziehen. Jedoch fehlen für die Verwendung und Lagerung von LNG in normalen Schiffen bisher allgemein verbindliche internationale Vorschriften und Zulassungen, daher können diese Schiffe Häfen bisher nur mit Sondergenehmigungen anlaufen.

Norwegen als Pionier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit einiger Zeit hat sich die Zulieferindustrie den Herausforderungen gestellt und geeignete Schiffsmotoren stehen für den Antrieb und auch zur Stromerzeugung für das Bordnetz zur Verfügung bzw. befinden sich in der Einführungsphase. Norwegen ist Pionier beim Bau und Betrieb von Schiffen mit LNG-Antrieb, etwa vierzig Fährschiffe und Versorger werden erfolgreich mit LNG betrieben. Hier gibt es inzwischen entsprechende Vorschriften und auch die notwendige Infrastruktur zum Betanken derartiger Schiffe.[3]

Die in Hamburg liegende LNG-Powerbarge von Becker Marine versorgt die AidaSol mit Strom

Deutschland als Nachzügler holt auf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umbau der Ostfriesland auf LNG-Antrieb in Bremerhaven
Die Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge, hat am 17. Juni 2015 in Borkum im Rahmen der Gästefahrt angelegt

In Deutschland gibt es derzeit noch keine Infrastruktur für die Versorgung von Schiffen mit LNG. Pläne für den Aufbau von LNG-Lagern und Schiffsbetankungsmöglichkeiten gibt es in Bremen, Bremerhaven, Brunsbüttel, Hamburg und Rostock.[4] Die Werft Theodor Buschmann in Hamburg entwickelte eine LNG-Bunkerbarge („TB-X“), die die zu versorgenden Schiffe auf dem Wasserweg ansteuern kann. Die Technologie zum Umgang mit dem LNG (Tanks, Pumpen, Druck- und Wärmeregulierung) stammt dabei vom Hamburger Unternehmen Marine Service.[5]

Ab 2015 erfolgt die Nutzung von LNG als Schiffsantrieb auch in Deutschland. Ab Mitte Juni 2015 als Umbau für die Borkum-Fähre Ostfriesland in Bremen und Bremerhaven, als Neubau für die LNG-Hybrid-Barge im Hafen Hamburg zur Versorgung von Kreuzfahrtschiffen und als Neubau für das Bäderschiff Helgoland, das seit Dezember 2015 zwischen Cuxhaven und Helgoland verkehrt. Auf dem Rhein sind bereits zwei niederländische Schiffe des Typs LNG Greenstream Tanker und die Argonon unterwegs, die seit 2013 unter anderem auch im Hafen Mannheim durch Lkw mit LNG betankt werden.[6]

2017 wurde als erstes Containerschiff das 1000-TEU-Feederschiff Wes Amalie der Harener Reederei Wessels mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur auf LNG-Antrieb umgerüstet.[7]

Politisches Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftverschmutzung durch schweröl-verbrennende Seeschiffe ist ein Objekt der EU-Politik und internationaler Gremien:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Reuß: Gas als alternativer Kraftstoff und bestmögliche Nutzung der Primärenergie. In: Hansa, Heft 12/2011, S. 28–30, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2011, ISSN 0017-7504
  • Hanns-Stefan Grosch: Hoffnungsträger LNG. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 4/2013, S. 54–57, Verband Deutscher Reeder e.V., Hamburg 2013
  • Sverre Gutschmidt: LNG auf dem Weg in ein neues Zeitalter der Schifffahrt. In: Hansa, Heft 8/2013, S. 62–64, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2013, ISSN 0017-7504
  • Michael vom Baur: LNG – ein neuer Kraftstoff in den Häfen der Ostsee. In: Hansa, Heft 8/2013, S. 66–69, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2013, ISSN 0017-7504
  • Georg Ehrmann, Jan Schubert: "Potenziale von LNG als Kraftstoff für die Schifffahrt", energie | wasser-praxis, Nummer 9, September 2014, Seite 16–19
  • Hermann Garrelmann: LNG mit Zukunft – 2.000 Schiffe bis 2020. In: Hansa, Heft 3/2017, S. 54/55

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Meyer: LNG-Orderbuch wächst. In: Täglicher Hafenbericht, 4. September 2013, S. 13.
  2. Karl-Heinz Hochhaus: Alternative Kraftstoffe in der Seeschifffahrt. In: https://hochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com/alternative-kraftstoffe-in-der-seeschifffahrt/
  3. Georg Ehrmann, Jan Schubert: Potenziale von LNG als Kraftstoff für die Schifffahrt. In: energie | wasser-praxis. Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., September 2014, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  4. Gazprom plant Terminal für flüssiges Erdgas. Ostsee-Zeitung, 18. Juli 2014, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  5. Michael Meyer: Gute Resonanz auf LNG-Bunkerbarge. In: Hansa, Heft 12/2014, S. 50/51.
  6. Erste LNG Bunkerung in Deutschland im Hafen Mannheim durchgeführt. Bonapart, 15. November 2013, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  7. „Wes Amelie“ erstmals mit LNG betankt. In: Schiff & Hafen, Heft 10/2017, S. 31