LWL-Klinik Lengerich

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LWL-Klinik Lengerich
Logo
Trägerschaft Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Ort Lengerich (Westfalen)
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 11′ 38″ N, 7° 51′ 20″ OKoordinaten: 52° 11′ 38″ N, 7° 51′ 20″ O
Ärztlicher Direktor Christos Chrysanthou
Betten 408 Betten und 51 Tagesklinikplätze
Zugehörigkeit LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Gründung 1.Oktober 1864
Website Website der Klinik
Lage
LWL-Klinik Lengerich (Nordrhein-Westfalen)
LWL-Klinik Lengerich
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Die LWL-Klinik Lengerich ist eine Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für Psychiatrie und Psychotherapie. In Westfalen ist sie die älteste Klinik, die speziell für geistig und psychisch Kranke erbaut wurde.[1] Neben dem Hauptstandort in Lengerich (Westfalen) betreibt die LWL-Klinik Lengerich weitere Tageskliniken in Rheine, Steinfurt-Borghorst und Ibbenbüren und bietet folglich stationäre, teilstationäre und ambulante Angebote im Kreis Steinfurt.[2]

An die Klinik angeschlossen sind der LWL-Wohnverbund Kreis Steinfurt und das LWL Pflegezentrum Lengerich.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1852 plante die Provinzial-Verwaltung den Bau einer neuen Heilanstalt aufgrund mangelnder Kapazitäten. Nach der Übergabe des Grundstückes durch die Stadtverwaltung Lengerich startete der Bau der neuen Heilanstalt im Jahr 1861 mit den Erdarbeiten, ehe Albert Vorster am 1.Oktober 1864 erster Direktor der neuen Heilanstalt wurde. Zu Beginn wurden ausschließlich evangelische Patienten aufgenommen. 1866 folgte dann die Änderung des Namens auf „Provinzialheilanstalt Bethesda“. Nachdem der Bau im Jahr 1967 vollständig abgeschlossen wurde, ist die Anlage von 1876 bis 1879 und dann erneut von 1901 bis 1904 durch umfangreiche Baumaßnahmen erweitert worden.[4]

Während des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Euthanasieprogrammes der Nationalsozialisten wurden auch psychisch erkrankte Menschen aus der damaligen Provinzialheilanstalt Lengerich abtransportiert. Insgesamt sind 440 Patienten deportiert und umgebracht worden. Der erste Abtransport erfolgte am 21. September 1940, als sieben jüdische Patienten zuerst nach Wunstorf und dann weiter in das Zuchthaus Brandenburg an der Havel gebracht wurden. Im weiteren Verlauf der Aktion T4 wurden 222 Patienten am 21. September 1940 in die Landesheilanstalt Eichberg und weitere 211 Erkrankte am 26. August 1941 in die Landesheilanstalt Weilmünster deportiert. Die Landesheilanstalten fungierten dabei sowohl als Durchgangsstation zu anderen Tötungsanstalten wie der Tötungsanstalt Hadamar als auch als Tötungsort.[5][6] Während der gesamten NS-Zeit wurden in der Landesheilanstalt Lengerich keine Patienten getötet, dafür aber ab dem Jahr 1933 zwangssterilisiert. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs diente die Heilanstalt als Militärkrankenhaus.[7][8] Seit dem Jahr 2017 erinnern eine Gedenktafel mit allen Namen und ein Gedenkpfad an die Morde der 440 Personen zur Zeit des Nationalsozialismus.[9]

Gegenwärtiger Klinikbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute hat die Klinik neben den Fachbereichen für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und für Psychiatrie und Psychotherapie auch eine Abteilung für Gerontopsychiatrie. Dazu zählen auch ein Behandlungszentrum für Hörgeschädigte und ein Behandlungszentrum für Suchtmedizin. In den verschiedenen Abteilungen können Patienten stationär, tagesklinisch und ambulant behandelt werden. Die Mitarbeiter der Klinik bedienen sich bei der Behandlung der Geschädigten unter anderem der Psychoanalyse, störungsspezifischen Therapien und weiteren spezialtherapeutische Methoden. Um die Therapien umsetzten zu können, arbeitet in der der Klinik sowohl ärztliches und psychologisches Fachpersonal als auch Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Sport-, Physio- und Ergotherapeuten.[10][11]

Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lengerich - Hauptgebäude LWL-Klinik

Umgeben von einem Landschaftspark liegt das unter Denkmalschutz stehende Ensemble der Klinik am Rande des Teutoburger Waldes. Gebaut wurden die Gebäude vor über 150 Jahren nach den Plänen des Architekten Maximilian August Nohl. Sechs historische Einzelbauten wurden zwischen 1862 und 1867 erbaut und erben eine schlossartige Gebäudeanlage. Aus den Plänen der Garten- und Parkanlagen, die der Generaldirektor der königlichen Gärten Berlin, Peter Joseph Lenné übernahm, wurde lediglich ein Teil umgesetzt. Bis heute zeichnet sich die Klinik jedoch durch ihren Krankenhauspark aus, zu dem auch ein umfangreich gestalteter Innenhof mit altem Baumbestand gehört. Dazu zählt unter anderem eine ca. 80 Jahre alte Blutbuche.[12] [13][14]

Für das Jahr 2021 ist der Beginn umfangreicher Bauarbeiten geplant. Unter Berücksichtigung der Denkmalpflege und des Artenschutzes sollen vorhandene Gebäude saniert und neue Gebäude angebaut werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. LWL-Klinik Lengerich, Wir über uns Website der LWL-Klinik Lengerich. Abgerufen am 11. März 2021.
  2. LWL-Klinik Lengerich, Tagesklinischie Behandlung Website der LWL-Klinik Lengerich. Abgerufen am 11. März 2021.
  3. LWL-Klinik Lengerich, Wir über uns Website der LWL-Klinik Lengerich. Abgerufen am 11. März 2021.
  4. LWL-Klinik Lengerich, Geschichtliche Eckdaten zur Entstehung Website der LWL-Klinik Lengerich. Abgerufen am 11. März 2021.
  5. LWL-Klinik Lengerich, Lengericher Gedenkpfad Website der LWL-Klinik Lengerich. Abgerufen am 11. März 2021.
  6. Westfälische Nachrichten, Geschichte der LWL-Klinik Lengerich - Schluss mit dem Verdrängen Website der Westfälischen Nachrichten. Abgerufen am 11. März 2021.
  7. Springer Link, Wanderausstellung in der LWL-Klinik Lengerich Website Springer Link. Abgerufen am 11. März 2021.
  8. Westfälische Nachrichten, Geschichte der LWL-Klinik Lengerich - Schluss mit dem Verdrängen Website der Westfälischen Nachrichten. Abgerufen am 11. März 2021.
  9. Lengericher Gedenkpfad Website der LWL zum Gedenkpfad. Abgerufen am 11. März 2021.
  10. Behandlungszentrum SuchtmedizinBehandlungszentrum der Suchtmedizin. Abgerufen am 11. März 2021.
  11. Psychosomatische Medizin und PsychotherapiePsychosomatische Medizin und Psychotherapie der LWL-Klinik. Abgerufen am 11. März 2021.
  12. Parkanlagen der LWL-Klinik LengerichIn: LWL-GeodatenKultur. Abgerufen am 11. März 2021
  13. Pressemitteilung LWLWebsite LWL Pressemitteilung. Abgerufen am 11. März 2021.
  14. Projektplanung AGN ArchitekturbüroProjektplan der AGN. Abgerufen am 11.03.2021.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Schneider: erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und Behinderte im Nationalsozialismus, Springer, Berlin, Heidelberg, ISBN 978-3-662-60372-7
  • Susanne Biermann: 150 Jahre LWL-Klinik Lengerich, LWL-Klinik Lengerich, Lengerich, 2016, ISBN 978-3-00-054431-6

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste von Psychiatrien in Nordrhein-Westfalen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Website des LWL

Website der LWL-Klinik Lengerich