Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl

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Bachkantate
Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl
BWV: 198
Anlass: Bestattung von Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth
Entstehungsjahr: 1732
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: S,A,T,B
Chor: (S,A,T,B)
Instr: 2Ob, Oc, Fg; Vs, 2Vl, Va; Bc
Text
Johann Christoph Gottsched
Liste der Bachkantaten

Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl (BWV 198) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, die er in Leipzig für die Bestattung von Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth komponierte und am 17. Oktober 1727 aufführte. Sie ist auch als Trauerode oder Trauerode: auf den Tod der Königin Christiane Eberhardine bekannt.[1]

Geschichte und Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bach schrieb mehrere musikalische Werke für Feierlichkeiten der Universität Leipzig, Festmusiken zu Leipziger Universitätsfeiern.[2]

Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, für dessen Beerdigung die Kantate geschrieben wurde

Er komponierte diese Kantate auf Wunsch der Universität Leipzig als Trauerfeier für Christiane Eberhardine, die Ehefrau von August II., der Kurfürst des Kurfürstentums Sachsen und König des Königreichs Polen. Die Kantate wurde am 17. Oktober 1727 in der Leipziger Paulinerkirche (Universitätskirche in Leipzig) uraufgeführt. Bach selbst inszenierte das Cembalo. Der Text wurde von Johann Christoph Gottsched, einem Professor für Philosophie und Poesie, verfasst.

Der Text ist rein weltlich und verkündet, wie schockiert das Königreich über den Tod der Prinzessin ist, wie großartig sie war und wie traurig sie vermisst werden wird. Heilige Elemente im Zusammenhang mit der Erlösung und dem Leben nach dem Tod fehlen. Bach bezog jedoch, wie es seine Gewohnheit war, einen kryptischen Hinweis auf die Erlösung in die Musik ein. Der erste Satz des zweiten Abschnitts Der Ewigkeit saphirnes Haus, der nach der Rede aufgeführt wurde, enthält Grundelemente des ersten Satzes der Kantate Ich will den Kreuzstab gerne tragen, BWV 56, das Bach ein Jahr zuvor komponiert hatte. Die Takte 70 bis 75 enthalten ein direktes Zitat (gespielt von der Oboe) der Bass-Solostimme in Takt 91 bis 98 aus Ich will den Kreuzstab gerne tragen, BWV 56, wo der Text Der führet mich nach meinen Plagen zu Gott, in das gelobte Land lautet.

In der Einleitung zum Eröffnungschor drückt Bach die Zurückhaltung dafür aus, die Königin endgültig zu verabschieden, indem er die Harmonien auf eine Weise verlängert, die selbst für ihn ungewöhnlich ist. Nach dem Eröffnungsakkord vermeidet er es, zehn Takte lang zur Endgültigkeit der Tonika zurückzukehren, indem er „trügerische“ Kadenzen, neapolitanischen Sextakkord und andere heimliche Vorsätze einsetzt. Dies spiegelt und verstärkt die beabsichtigte Sehnsucht des Eröffnungstextes „Prinzessin, lass noch einen Lichtstrahl leuchten“. Das Wort „Strahl“ wird in gerade steigenden Tönen gesungen, während „Tränen“ in fallenden, kaskadierenden Tönen gesungen wird, ähnlich wie „Tränen“ im Schlusschor der Matthäus-Passion, BWV 244: „Wir setzen uns mit Tränen nieder“. Das Wort „Fürstin“ wird immer isoliert vom Rest des Textes gesungen.

Später entlehnte Bach Elemente der Kantate für seine Markus-Passion und für Klagt, Kinder, klagt es aller Welt, BWV 244a, einer weiteren 1729 geschriebenen Trauerfeier.

Besetzung und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kantate ist für vier Vokalsolisten (Sopran, Alt, Tenor und Bass) und einen vierstimmigen Chor geschrieben. Besetzt ist sie mit zwei Flöten, zwei Oboe d’amores, zwei Violinen, einer Bratsche, zwei Viola da gambas, zwei Lauten und dem Generalbass.[3]

Die zehn Sätze sind in zwei Teile unterteilt, die vor und nach der Begräbnisrede aufgeführt werden.

Erster Teil
  1. Chor: Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl
  2. Rezitativ (Sopran): Dein Sachsen, dein bestürztes Meißen
  3. Aria (Sopran): Verstummt, verstummt, ihr holden Saiten!
  4. Rezitativ (Alt): Der Glocken bebendes Getön
  5. Arie (Alt): Wie starb die Heldin so vergnügt!
  6. Rezitativ (Tenor): Ihr Leben ließ die Kunst zu sterben
  7. Chorus: An dir, du Fürbild großer Frauen
Zweiter Teil
  1. Aria (Tenor): Der Ewigkeit saphirnes Haus
  2. Rezitativ (Bass): Was Wunder ists? Du bist es wert
  3. Chorus: Doch, Königin! du stirbest nicht

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Sebastian Bach, Johann Christian Gottsched: Trauerode: auf den Tod der Königin Christiane Eberhardine (vocal score). Breitkopf & Härtel, Leipzig, OCLC 27662958.
  2. David Timm: Festmusiken zu Leipziger Universitätsfeiern (German). Leipziger Universitätschor, 2009, S. 8f (Abgerufen am 2. Dezember 2012).
  3. BWV 198. University of Alberta. Abgerufen am 30. Mai 2014.