La Fraineuse

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Die Villa La Fraineuse 1920

La Fraineuse (frz. Château de la Fraineuse) ist ein Sportzentrum (Centre sportif de la Fraineuse) in der Kur- und Bäderstadt Spa in Belgien. 1918 diente es als Residenz des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.

Anwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Villa liegt in einem bewaldeten Gebiet von ca. 27 ha.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ende des 19. Jahrhunderts erwarb der Industrielle Simonis Peltzer das Grundstück. Er war durch die Wollproduktion in Verviers zu Geld gekommen. Die Besitzungen zogen sich um den Course de Sauveniére hinab bis zum Stausee Lac de Warfaaz.[1] Inspiriert durch das Petit Trianon ließ er sich dort 1908 nach Plänen des belgischen Architekten Charles Étienne Soubre eine ähnliche Villa errichten.

1914–1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Novemberrevolution entbrannte die Debatte, ob der Kaiser zurücktreten oder den ehrenvollen Soldatentod an der Front suchen sollte. Wilhelm entzog sich dieser Debatte, indem er am 29. Oktober 1918 in den Schutz des Großen Hauptquartiers, das unweit im Hotel Britannique lag, nach Spa reiste und die Villa La Fraineuse bezog. Am 9. November 1918 ließ er Reichskanzler Max von Baden wissen, dass er zwar preußischer König bleiben, aber auf die Kaiserkrone verzichten wolle. Am Nachmittag, zu spät, traf das Telegramm vom Thronverzicht in Berlin ein. Angesichts der bis ins Regierungsviertel vorgedrungenen Demonstranten hatte Prinz Max um die Mittagszeit eigenmächtig Wilhelms Verzicht auf beide Kronen verkündet. Ob er in der Villa La Fraineuse oder im Hotel Britannique seine Abdankungsurkunde vom 9. November 1918 unterzeichnet hat, ist nicht geklärt. Von Spa reiste Wilhelm am 10. November 1918 an die nahe Grenze der Niederlande und bat Königin Wilhelmina um Asyl.[2]

Bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 5. bis zum 16. Juli 1920 tagte hier die Konferenz von Spa. 1947 kaufte die Stadt Spa das Gebäude in der Absicht, ein Freizeitzentrum zu errichten. Das Projekt scheiterte an Geldmangel. In Kooperation mit der INEPS wurde 1964 ein Jugendheim mit Lager auf dem Gelände errichtet. 1967 kaufte der belgische Staat die Immobilie für 500.000 Franc. Am 13. Juni 1978 wurde das Sportzentrum eingeweiht.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irene Strenge: Spa im Ersten Weltkrieg (1914-1918): Lazarett und Großes Hauptquartier. Deutsche Besatzungspolitik in Belgien. Würzburg 2007. ISBN 382603693X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Irene Strenge: Spa im Ersten Weltkrieg (1914-1918): Lazarett und Großes Hauptquartier. Deutsche Besatzungspolitik in Belgien. S. 15.
  2. Biografie Wilhelm II.

Koordinaten: 50° 29′ 46,9″ N, 5° 53′ 13,9″ O