La Jamais Contente

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Jenatzy
Jamais contente.jpg

Illustration der „La Jamais Contente“ mit dem Fahrer und Konstrukteur Camille Jenatzy

La Jamais Contente
Präsentationsjahr: 1898
Fahrzeugmesse:
Klasse: Rennwagen
Karosseriebauform: Monoposto
Motor: Elektromotor
Serienmodell: keines

La Jamais Contente (frz: Die nie Zufriedene)[Anm. 1] war ein elektrisch betriebener Geschwindigkeitsrekordwagen, der als erstes Straßenfahrzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h erreichte. Der Geschwindigkeitsrekord wurde am 29. April 1899 in Achères (Département Seine-et-Oise, heute im Département Yvelines) bei Paris erzielt.

Umstände der Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „La Jamais Contente“ auf dem Mondial de l’Automobile, Oktober 2014

Konstruiert und gefahren wurde die Contente vom belgischen Ingenieur und Rennfahrer Camille Jenatzy.[1] Jenatzy war damals Direktor der Compagnie Générale des Transports Automobiles, einer Firma, die Pkw und Lkw mit Elektroantrieb baute. In dem bestehenden Geschwindigkeitsrekord von Gaston de Chasseloup-Laubat, der 1898 mit einem Jeantaud Duc eine Geschwindigkeit von 62,78 km/h erreichte, sah Jenatzy eine Herausforderung. Für den Wettstreit, der von der Zeitung La France Automobile ausgeschrieben wurde, konstruierte er zuerst den CGA Dogcart. Nachdem es zu mehreren Duellen mit de Chasseloup-Laubat im Januar und März 1899 bei Achères kam, bei denen die beiden Kontrahenten abwechselnd neue Rekorde aufstellten, behielt de Chasseloup-Laubat mit einer Geschwindigkeit von 92,78 km/h vorerst den Rekord. Jenatzy verwarf sein bisheriges Fahrzeug und konstruierte innerhalb weniger Wochen das Modell C.I.T.A. No. 25,[2] bekannt unter dem Namen La Jamais Contente, ein als Elektroauto ausgeführtes Automobil.[3]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum mit Lenkstock und Handbremse

Die Form der blau-grau lackierten Karosserie war von Léon Auscher gezeichnet. Sie lagerte auf einem Kastenrahmen.[3] Der Karosseriebauer Rothschild hatte sie aus Partinium anfertigt, einer leichten Legierung aus Aluminium, Wolfram und Magnesium. Die Bauweise in Form eines Torpedos war eine der ersten, die nach aerodynamischen Gesichtspunkten entwickelt wurde. Das Konzept von Jenatzy hatte jedoch zwei Schwächen: Zum einen ragte der Oberkörper des Fahrers aus der Karosserie heraus, zum anderen war das Fahrwerk mit den kleinen, dicken Reifen freistehend unter den Rumpf montiert. So bot der Wagen trotz der strömungsgünstigen Karosserie eine große Angriffsfläche für den Fahrtwind.[1]

Außer einem Lenkstock, einem Fußhebel, der die Beschleunigung regelte, und einer Handbremse hatte das Fahrzeug keine weiteren Bedienelemente. Zwei 25-kW-Elektromotoren des französischen Ingenieurs André Étienne Postel-Vinay, die mit 200 Volt und 125 Ampere arbeiteten, trieben den Wagen an.[4] Der Strom wurde in einer Batterie aus 82 Fulmen-Elementen gespeichert. Der französische Hersteller Société de l'accumulateur Fulmen in Clichy bot mit seinem Typ Fulmen B 17 die damals höchste Speicherkapazität an. Ein Akkumulatorelement wog 10,4 kg, bei einer Kapazität von 135 Amperestunden bei 27 A Entladestrom.[5] Auf rote Speichenräder waren 65 mm dicke Luftreifen von Michelin aufgezogen.[3]

Rekord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Camille Jenatzy mit der La Jamais Contente bei der Siegesparade am 1. Mai 1899

Auf der zwei Kilometer langen Strecke bei Achères wurden seit 1898 die Concours de Vitesse (Geschwindigkeitswettkämpfe) durchgeführt. Die Strecke wurde in je zwei Hälften unterteilt, der erste Kilometer für die Beschleunigung bei stehendem Start, die zweite Hälfte für den fliegenden Start. Drei Gruppen von Zeitnehmern mit Stoppuhren (Genauigkeit 0,2 Sekunden) und Signalflaggen sorgten für die Durchführung der Messungen. Nach einem fehlgeschlagenden Versuch am 31. März 1899 durchfuhr Jenatzy mit dem 1450 kg schweren Fahrzeug am 29. April 1899 den Kilometer mit fliegendem Start in genau 34 Sekunden. Dies bedeutete eine Höchstgeschwindigkeit von 105,882 km/h.[2] Damit übertraf er den Rekord des Kontrahenten de Chasseloup-Laubat und war der erste Rekordhalter über der 100-km/h-Marke. Durch die Rekordfahrt von Léon Serpollet mit dem eiförmigen Dampfwagen Oeuf de Pâques (Osterei) vom 13. April 1902 ging der Rekord verloren. Serpollet erreichte eine Geschwindigkeit von 120,80 km/h und war damit der erste Fahrer eines nicht-elektrisch angetriebenen Fahrzeuges, der den Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge brach.[3]

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rekordwagen wurde ab Juli 1899 vom Reifenhersteller Michelin als Testwagen eingesetzt. Nach zahlreichen Ausstellungen gelangte der Wagen 1931 in das Musées du Château in Compiègne. Der heute zu besichtigende Wagen ist allerdings ein Nachbau.[2]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Französische Zeitschriften kolportierten, dass sich der Name auf Jenatzys Ehefrau zurückführen lässt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: La Jamais Contente – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert 2007: Automobildesign und Technik, Vieweg+Teubner Verlag, ISBN 978-3-8348-9411-3, S. 7
  2. a b c Ferdinand C.W. Käsmann: Weltrekordfahrzeuge. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89602-527-9, S. 16 ff
  3. a b c d Peter Borscheid 2004: Das Tempo-Virus Campus Verlag, ISBN 3-593-37488-9, S. 205
  4. Beschreibung der Contente (englisch; PDF; 259 kB)
  5. Dinglers Polytechnisches Journal: Bd.315 (1900), S. 240 - Nachdruck: ISBN 978-3-931965-16-7