La Manif pour tous

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Demonstration am 13. Januar 2013 in Paris

La Manif pour tous (französisch für „Die Demo für alle“) ist eine Bewegung, die sich in Frankreich als Reaktion auf die Gleichgeschlechtliche Ehe (französisch mariage pour tous „Ehe für alle“) und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gebildet hat. Sie tritt für den Schutz und die Förderung der traditionellen Familie ein, während gleichgeschlechtliche Ehen, Regenbogenfamilien und „Gender-Theorie“ abgelehnt werden. Sie wurde 2012 von Béatrice Bourges, Frigide Barjot und Ludovine de La Rochère als Zusammenschluss verschiedener Interessengruppen gegründet und hat seit April 2015 den Status einer Partei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Februar 2013 beschloss die mehrheitlich sozialistische Nationalversammlung einen Gesetzesentwurf, der die Ehe und das Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Paare ermöglichte.[1] Damit erfüllte François Hollande sein Wahlkampf-Versprechen, die gleichgeschlechtliche Ehe einzuführen.[2]

Die römisch-katholische Kirche in Frankreich spielte eine wesentliche Rolle bei der Mobilisierung und Organisation der Demonstrationen gegen die Öffnung der Zivilehe für homosexuelle Paare.[3]

Im Januar 2013 demonstrierten zwischen 300.000 (laut Polizei) und 800.000 (laut Veranstalter) Menschen gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe.[4] Kurz darauf demonstrierten zwischen 125.000 (Polizei) und 400.000 (Veranstalter) Menschen für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe.[5] Zwischen den Abstimmungen in den verschiedenen Kammern gab es weitere Protestaktionen von La Manif pour tous, unter anderem eine weitere Massendemonstration Ende März in Paris,[6] die je nach Quelle zwischen 300.000 (Polizei) und 1,4 Millionen (Veranstalter) Personen versammelte.[7]

Der Bewegung wurde durch Beschluss der staatlichen Kommission für Parteifinanzierung vom 13. April 2015 der Status einer politischen Partei erteilt.[8]

In Deutschland finden inhaltlich und optisch deutlich an die „Manif pour tous“ angelehnte, aber bedeutend kleinere Demonstrationen unter der deutschen Übersetzung Demo für Alle seit 2014 vor allem in Stuttgart statt. Kontext ist die Kontroverse um den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg und die in diesem geplante stärkere Förderung der Akzeptanz gegenüber homo- und transsexueller Identität in der Schule.[9][10]

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewegung wird mit der römisch-katholischen Kirche und der politischen Rechten in Verbindung gebracht, sieht sich aber als unpolitisch und überkonfessionell.[11]

Im März 2013 musste Béatrice Bourges aufgrund ihrer Radikalisierung[12] den Führungszirkel verlassen.[13] Auch danach wurde der Bewegung weiter vorgeworfen, von Rechtsradikalen unterwandert zu sein.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: La Manif pour Tous – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Analyse du scrutin: Scrutin public sur l'ensemble du projet de loi ouvrant le mariage aux couples de personnes de même sexe. Assemblée nationale, 12. Februar 2013, abgerufen am 28. April 2013 (französisch).
  2. Queer.de: Frankreich: Ehe-Öffnung für 2013 angekündigt
  3. a b Thomas Hanke: Das gespaltene Frankreich. handelsblatt.de vom 27. Mai 2013, abgerufen am 27. Mai 2013
  4. Hunderttausende gegen Homo-Ehe. tagesschau.de, 13. Januar 2013, archiviert vom Original am 9. Januar 2014; abgerufen am 3. März 2016.
  5. Queer.de: Massendemo für die Ehe-Öffnung
  6. Bilderstrecke leFigaro.fr, 27, März 2013
  7. Artikel LeMonde.fr lemonde.fr, 24. März 2013
  8. John Lichfield: Décisions du 13 avril 2015 portant agrément d'associations de financement d'un parti ou d'une organisation politique, Journal officiel de la République française n°0096, texte n° 64, vom 25. April 2015 auf Legifrance (Verkündungsplattform der Französischen Republik)
  9. Lucius Teidelbaum: Eine „Demo für alle“ gegen die „Genderideologie“. In: hagalil.com. 1. März 2016, abgerufen am 14. April 2016.
  10. Sabine Hark, Paula-Irene Villa, Anti-Genderismus - Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen, 2015, Transcript Verlag
  11. La Manif pour Tous est apolitique. La Manif pour Tous, abgerufen am 15. Juli 2014 (französisch).
  12. Laure Mentzel: Béatrice Bourges, l’autre égérie des anti-mariage gay. In: Le Monde, 19. Mai 2013.
  13. John Lichfield: “I’m no homophobe – but the law on gay marriage undermines humanity”: Is Béatrice Bourges of Printemps Français the most dangerous woman in France?. In: The Independent, 10. Juni 2013.