La Punt-Chamues-ch

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La Punt-Chamues-ch
Wappen von La Punt-Chamues-ch
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Maloja
Kreis: Oberengadin - Bis 31. Dezember 2017
BFS-Nr.: 3785i1f3f4
Postleitzahl: 7522
Koordinaten: 790640 / 161436Koordinaten: 46° 34′ 37″ N, 9° 55′ 34″ O; CH1903: 790640 / 161436
Höhe: 1687 m ü. M.
Fläche: 63,27 km²
Einwohner: 749 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 12 Einw. pro km²
Website: www.lapunt.ch
La Punt

La Punt

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La Punt-Chamues-ch (Audio-Datei / Hörbeispiel [lɐˌpʊnt tɕamuˈe:ʃtɕ]?/i, italienisch und bis 1943 offiziell Ponte-Campovasto) ist eine politische Gemeinde im Kreis Oberengadin, in der Region Maloja des Schweizer Kantons Graubünden.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz auf silbernem (weissem) Schildfuss im Wellenschnitt eine goldene (gelbe) Bogenbrücke überhöht von einer silbernen Glocke mit Andreaskreuz

Die Brücke als redender Bestandteil des Wappens und Sinnbild für die Verbindung beider Gemeindeteile über den Inn hinweg, ist verbunden mit der Glocke als Hinweis auf den Patron der Pfarrkirche von Chamues-ch, den Heiligen Andreas.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Punt-Chamues-ch
Bahnhof an der Bahnstrecke Bever–Scuol-Tarasp mit stündlich verkehrendem Regionalzug

Am Fusse des Albulapasses wird bei La Punt die Engadiner Talstrasse und der Inn (rät. En) erreicht. Von hier aus erreicht man flussaufwärts beim Taleinschnitt von Pontresina das Berninamassiv bzw. über Celerina das bekannte St. Moritz.

Von dem früher selbständigen Dorf La Punt (1697 m) führt eine Brücke über den Inn nach Chamues-ch (1708 m). Die Römer nannten es Camogascum, woraus italienisch Campovasto wurde. Beide Dörfer bilden heute eine politische Gemeinde.

Bei La Punt-Chamues-ch beginnt die Landschaft La Plaiv.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amts- und Schulsprache ist der Oberengadiner Dialekt (Puter) des Rätoromanischen, zusammen mit Deutsch. Bis zum Aufkommen des Fremdenverkehrs sprachen die Bewohner alle Romanisch. Die Sprache wich bis 1880 stark zurück. Damals gaben nur noch 71,6 % Romanisch als Muttersprache an. Danach stieg der Anteil bis zur Jahrhundertwende wieder an (1900: 80 %), sank dann aber bis 1910 auf 69 %. Ein Wert, der sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr änderte (1941: 68 %). Dann setzte bis 1970 ein geringer, seit den 1970er-Jahren starker Rückgang des Romanischen ein. Dennoch konnten sich 1990 noch 48,3 % und im Jahr 2000 47,6 % der Bewohner auf Romanisch verständigen. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in La Punt-Chamues-ch
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 156 40,00 % 341 59,93 % 436 66,06 %
Rätoromanisch 162 41,54 % 145 25,48 % 136 20,61 %
Italienisch 39 10,00 % 52 9,14 % 51 7,73 %
Einwohner 390 100 % 569 100 % 660 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Gallicius (1504–1566) wirkte 1524 bis 1526 als Kaplan in La Punt und verbreitete reformatorische Gedanken. Aber erst 1561 wurde in der Gemeinde die Reformation eingeführt, sie ist seitdem mehrheitlich evangelisch.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 694 (Stand Ende 2005) Bewohnern waren 568 (= 81,84 %) Schweizer Staatsangehörige.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Gallicius (1504–1566), Theologe, Reformator und Kirchenlieddichter; als Kaplan 1524-1526 in La Punt-Chamues-ch
  • Familie Albertini
    • Jakob Albertini (* um 1575 in La Punt; † 1624 ebenda), Doktor beider Rechte, war einer von den 5 reformierte Bündnern, welche 1620 dem Veltlinermord in Tirano entgingen.[2]
    • Jakob Ulrich Albertini (1630–1697), Sohn des Hauptmanns Ulrich, Doctor juris, veröffentlichte 1675 Trattato dei casi di coscienza.[3]
    • Jakob Ulrich Albertini (1667–1726), Sohn des Jacob Ulrich, trat 1686 in spanische Kriegsdienste. 1695 wurde er Oberst des in spanischen Diensten stehenden Bündnerregiments[4]
    • Johann Baptist Albertini (1769–1831), Sohn des Hauptmanns Jakob Ulrich, der 1763 nach Neuwied zog und sich dort der herrnhutischen Brüdergemeinde anschloss. Er trat 1782 als Zögling in das Pädagogium in Niesky und 1785 in das theoligischen Seminar zu Barby ein. [5]
    • Christoph Albertini (* Februar 1776 in La Punt; † 23. Dezember 1848 in Chur), Sohn des Landeshauptmanns Peter, Präsident des Gotteshausbundes und Bürgerm eister von Chur[6]
    • Jacques Albertini (* 21. März 1861 in Punt-Chamues; †), von Punt-Chamues, er studierte in Zürich, München, Pisa, Jena und Berlin und wurde 1887 zum Doktor juris promoviert; 1909 Oberst der Infanterie; 1913 Grossratsabgeordneter den Kreis Oberengadin.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühgotische Kirche San Andrea in Chamues-ch ist das klassische Beispiel einer gotischen Gebirgswallfahrtskirche mit einem schlanken weissen Turm und romanischem Portal. Sie zeigt Sgraffito-Motivik auf den Türklopfern und hat ein gotisches Gewölbe. Das Schiff und das Chor tragen Freskomalereien von Bernhard von Puschlav von 1505. Sehenswert ist auch die 1680 gebaute reformierte Barockkirche in La Punt.

Über den Dörfern wacht im nahen Dorf Madulain die Burg Guardaval als ehemalige Talwarte und Zollstation. Schöne alte Engadiner Häuser wie zum Beispiel das Patrizierhaus der Familie Nereda-Albertini (Chesa Merleda) aus dem 17. Jahrhundert[8] und das Haus Feldscher von 1594 haben sich trotz aller Brände, Naturkatastrophen und moderner Bautätigkeit erhalten.

Sehenswert sind auch:

  • Albertini-Häuser[9]
  • Haus Sandoz[10]
  • Wohnhaus Bernardi-Albertini[11]
  • Wohnhaus Colani[12]
  • Restaurant Chesa Pirani[13]
  • Kindergarten, Architekten: Ernst Schmid, Robert Obrist [14]
  • Acla Serlas, in Val Chamuera[15]
  • Chesa Lony, das älteste noch bewohnte Wohnhaus in La Punt Chamues-ch

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Skischule, Eislauf- und Curlingplatz gibt es eine Langlaufloipe, wo auch Hunde zugelassen sind. Ein 11 km langer Rollerblade-Weg führt von La Punt bis nach S-chanf, auch Fahrrad und Mountainbike sind hier erlaubt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Constant Wieser: Punt-Chamues-ch, La. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Erwin Poeschel:Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.
  • Diego Giovanoli, mit einem Beitrag von Constant Wieser: La Punt-Chamues-ch. Siedlung und Bauten. Hrsg. von der Denkmalpflege Graubünden. Chur 1990, unveränderte zweite Auflage 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: La Punt-Chamues-ch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: La Punt-Chamues-ch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Jakob Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  3. Jakob Ulrich Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  4. Jakob Ulrich Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  5. Johann Baptist Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  6. Christoph Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  7. Jacques Albertini auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 9. Mai 2017).
  8. Chesa Merleda
  9. Albertini-Häuser
  10. Haus Sandoz
  11. Wohnhaus Bernardi-Albertini
  12. Wohnhaus Colani
  13. Restaurant Chesa Pirani
  14. Kindergarten
  15. Acla Serlas