La Punt Chamues-ch

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La Punt Chamues-ch
Wappen von La Punt Chamues-ch
Wappen von La Punt Chamues-ch
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Maloja
BFS-Nr.: 3785i1f3f4
Postleitzahl: 7522
Koordinaten: 790640 / 161436Koordinaten: 46° 34′ 37″ N, 9° 55′ 34″ O; CH1903: 790640 / 161436
Höhe: 1687 m ü. M.
Höhenbereich: 1680–3265 m ü. M.[1]
Fläche: 63,28 km²[2]
Einwohner: 698 (31. Dezember 2022)[3]
Einwohnerdichte: 11 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
23,2 %
(31. Dezember 2022)[4]
Website: www.lapunt.ch
La Punt
La Punt

La Punt

Lage der Gemeinde
Karte von La Punt Chamues-chAlbignaseeLej da ChampfèrLago BiancoLago di LeiLago di GeraLago di LivignoLago di S. Giacomo-di FraéleLago di PoschiavoLago di Monte SplugaLai da MarmoreraSilserseeSilvaplanerseeSt. MoritzerseeStazerseeSufnerseeItalienRegion AlbulaRegion BerninaRegion ViamalaRegion Engiadina Bassa/Val MüstairRegion PlessurRegion Prättigau/DavosBever GRBever GRBregagliaCelerina/SchlarignaMadulainMadulainPontresinaLa Punt Chamues-chSamedanSamedanS-chanfSils im Engadin/SeglSilvaplanaSt. MoritzZuozZuoz
Karte von La Punt Chamues-ch
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La Punt Chamues-ch (bis Ende September 2020 offiziell La Punt-Chamues-ch,[5] am Ort selbst aber zuvor schon La Punt Chamues-ch geschrieben,[6] [lɐˌpʊnt tɕamuˈeːʃtɕ]/?, italienisch und bis 1943 offiziell Ponte-Campovasto) ist eine politische Gemeinde in der Region Maloja des Schweizer Kantons Graubünden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamues-ch mit Piz d’Esan im Hintergrund; Luftbild von Werner Friedli von 1954

Sehr wahrscheinlich ist Chamues-ch der ältere Siedlungsteil. La Punt, lateinisch pontem (Brücke), ist ein sprechender Name. Der Name Chamues-ch ist nicht zu trennen vom Wildbach Chamuera, der als Ableitung von camox (Gemse) mit dem lateinischen Suffix -ārĭa (Gemsenbach, -tal) gedeutet wird. Der Erstbeleg 1137/39 Campolouasto (Feld das grosse) stammt aus einer Kopie des 15. Jahrhunderts.[7] 1296 wurde La Punt Chamues-ch erwähnt als Cambescasco, 1244 als Ponte, bis 1943 (und ital.) als Ponte-Campovasto.[8]

Vom Mittelalter bis 1851 teilte La Punt Chamues-ch die politische Geschichte des Hochgerichts Oberengadin. 1543 bildete La Punt-Chamues-ch eine Nachbarschaft von Suot Funtauna Merla. 1370 wurde die Kirche S. Andrea in Chamues-ch (mit romanischem Turm) erstmals erwähnt, 1505 erfolgte ein spätgotische Neubau durch Bernardo da Poschiavo. Bei der Kirchenrenovation von 1981 wurden ausgedehnte Mauerreste eines romanischen Vorbaus mit gotischen Malereien gefunden. 1561 wurde die Reformation eingeführt. 1680 folgte der Bau einer barocken Filialkirche in La Punt, die 1974/75 renoviert wurde. Ab dem 17. Jahrhundert errichtete die Familie Albertini in La Punt Herrschaftshäuser. 1566, 1772 und 1843 wurde La Punt Chamues-ch von Überschwemmungen und 1803 von einer Feuersbrunst teilweise zerstört.[8]

Neben Säumerei und Landwirtschaft fanden die Einwohner in der früh einsetzenden gewerblichen Auswanderung und in den Söldnerdiensten ein Auskommen. Einen wirtschaftlichen Aufschwung brachte der Waren- und Personenverkehr auf der 1865 errichteten Fahrstrasse über den Albulapass bis zur Eröffnung der Albulabahn 1903 und der Bahnstrecke Bever–Scuol-Tarasp 1913. Nach 1960 fand La Punt Chamues-ch den Anschluss an die Oberengadiner Fremdenindustrie. Zahlreiche Wohnungen und Ferienhäuser entstanden nördlich von Chamues-ch und in La Punt/Arvins. Die beiden Dorfteile wuchsen praktisch zusammen. Seit den 1970er Jahren haben viele Zuzüger und eine grosse Zahl von Wegpendlern (2000 53 %) die Dorfstruktur verändert.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz auf silbernem (weissem) Schildfuss im Wellenschnitt eine goldene (gelbe) Bogenbrücke überhöht von einer silbernen Glocke mit Andreaskreuz

Die Brücke als redender Bestandteil des Wappens und Sinnbild für die Verbindung beider Gemeindeteile über den Inn hinweg ist verbunden mit der Glocke als Hinweis auf den Patron der Pfarrkirche von Chamues-ch, den heiligen Andreas.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

La Punt Chamues-ch
Bahnhof an der Strecke Bever–Scuol-Tarasp mit stündlich verkehrendem Regionalzug

Die Gemeinde La Punt Chamues-ch besteht aus zwei Siedlungskernen, La Punt (1697 m ü. M.) links des Inns (rät. En) als Verkehrsknotenpunkt und Chamues-ch (1697 m ü. M.) in der Ebene am Ausgang des Tals der Chamuera. Am Fusse des Albulapasses wird bei La Punt die Engadiner Talstrasse und der Inn erreicht. Von hier aus erreicht man flussaufwärts beim Taleinschnitt von Pontresina das Berninamassiv bzw. über Celerina das bekannte St. Moritz. Bei La Punt Chamues-ch fliesst der Bach Ova Chamuera in den Inn. Richtung S-chanf erstreckt sich die Landschaft La Plaiv.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1870 1900 1950 2000[8] 2005 2010 2012 2014 2020
Einwohner 232 289 245 223 660 694 748 759 752 686

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amts- und Schulsprache ist der Oberengadiner Dialekt (Puter) des Rätoromanischen, zusammen mit Deutsch. Bis zum Aufkommen des Fremdenverkehrs sprachen die Bewohner alle Romanisch. Die Sprache wich bis 1880 stark zurück. Damals gaben noch 71,6 % Romanisch als Muttersprache an. Danach stieg der Anteil bis zur Jahrhundertwende wieder an (1900: 80 %), sank dann aber bis 1910 auf 69 %, ein Wert, der sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr änderte (1941: 68 %). Dann setzte bis 1970 ein geringer, seit den 1970er-Jahren starker Rückgang des Romanischen ein. Dennoch konnten sich 1990 noch 48,3 % und im Jahr 2000 47,6 % der Bewohner auf Romanisch verständigen. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in La Punt Chamues-ch
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 156 40,00 % 341 59,93 % 436 66,06 %
Rätoromanisch 162 41,54 % 145 25,48 % 136 20,61 %
Italienisch 39 10,00 % 52 9,14 % 51 7,73 %
Einwohner 390 100 % 569 100 % 660 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Gallicius (1504–1566) wirkte 1524 bis 1526 als Kaplan in La Punt und verbreitete reformatorische Gedanken. Aber erst 1561 wurde in der Gemeinde die Reformation eingeführt, sie ist seitdem mehrheitlich evangelisch.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 694 (Stand Ende 2005) Bewohnern waren 568 (= 81,84 %) Schweizer Staatsangehörige.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Gallicius (1504–1566), Theologe, Reformator und Kirchenlieddichter; als Kaplan 1524–1526 in La Punt Chamues-ch
  • Familie Albertini
    • Jakob Albertini (* um 1575 in La Punt; † 1624 ebenda), Doktor beider Rechte, war einer von den fünf reformierten Bündnern, die 1620 dem Veltlinermord in Tirano entgingen.[9]
    • Jakob Ulrich Albertini (1630–1697), Sohn des Hauptmanns Ulrich, Doctor juris, veröffentlichte 1675 Trattato dei casi di coscienza.[10]
    • Jakob Ulrich Albertini (1667–1726), Sohn des Jacob Ulrich, trat 1686 in spanische Kriegsdienste. 1695 wurde er Oberst des in spanischen Diensten stehenden Bündnerregiments.[11]
    • Johann Baptist Albertini (1769–1831), Sohn des Hauptmanns Jakob Ulrich, der 1763 nach Neuwied zog und sich dort der Herrnhuter Brüdergemeine anschloss. Er trat 1782 als Zögling in das Pädagogium in Niesky und 1785 in das theologische Seminar zu Barby ein.[12]
    • Christoph Albertini (* Februar 1776 in La Punt; † 23. Dezember 1848 in Chur), Sohn des Landeshauptmanns Peter, Präsident des Gotteshausbundes und Bürgermeister von Chur.[13]
    • Jacques Albertini (* 21. März 1861 in La Punt Chamues-ch; †), studierte in Zürich, München, Pisa, Jena und Berlin und wurde 1887 zum Doktor juris promoviert; 1909 Oberst der Infanterie; 1913 Grossratsabgeordneter dea Kreises Oberengadin.[14]
  • Martina Linn, Musikerin[15]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühgotische Kirche San Andrea in Chamues-ch ist das klassische Beispiel einer gotischen Gebirgswallfahrtskirche mit einem schlanken weissen Turm und romanischem Portal. Sie zeigt Sgraffito-Motivik auf den Türklopfern und hat ein gotisches Gewölbe. Das Schiff und das Chor tragen Freskomalereien von Bernhard von Puschlav von 1505.

Sehenswert ist auch die 1680 gebaute reformierte Barockkirche in La Punt.

Über den Dörfern steht im nahen Dorf Madulain die Burg Guardaval als ehemalige Talwarte und Zollstation. Alte Engadinerhäuser wie zum Beispiel das Patrizierhaus der Familie Nereda-Albertini (Chesa Merleda) aus dem 17. Jahrhundert[16] und das Haus Feldscher von 1594 haben sich trotz aller Brände, Naturkatastrophen und moderner Bautätigkeit erhalten.

Architektonisch bedeutsam sind ferner die Albertini-Häuser,[17] das Haus Sandoz,[18] das Wohnhaus Bernardi-Albertini,[19] das Wohnhaus Colani,[20] das Restaurant Chesa Pirani,[21] der Kindergarten (Architekten: Ernst Schmid, Robert Obrist),[22] die Acla Serlas im Val Chamuera[23] und die Chesa Lony, das älteste noch bewohnte Wohnhaus in La Punt Chamues-ch.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2010er-Jahren befand sich der Ort laut dem Gemeindepräsidenten in einer «Abwärtsspirale»: Innert zweier Jahre waren 40 Einwohner weggezogen. Der Kanton hatte den Ort zuvor als «Ort ohne Entwicklungspotenzial» eingeordnet.

Inn Hub[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2020 bewilligten die Stimmbürger deutlich eine Revision der Ortsplanung.[24] Im Dorfzentrum planten drei Investoren um Beat Curti sowie der Architekt Norman Foster seit 2016 ein Zentrum mit Büro- und Seminarräumen sowie einer Begegnungszone. Coworking Spaces sollten eine neue Qualität des Arbeitens ermöglichen und dies möglichst antizyklisch zum Tourismus. Die Firma Microsoft hatte sich schon 2019 zur Nutzung des Inn Hub verpflichtet. Beat Curti hatte schon im Jahr 2002 das Hotel «Krone» vor dem Konkurs bewahrt.[25]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Skischule, Eislauf- und Curlingplatz gibt es eine Langlaufloipe, wo auch Hunde zugelassen sind. Ein 11 km langer Rollerblade-Weg führt von La Punt bis nach S-chanf, auch Fahrrad und Mountainbike sind hier erlaubt. Wanderwege führen nach Acla Serlas, einem Maiensäss in einsamer Lage in der Val Chamuera, erbaut 1827.[26]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diego Giovanoli, mit einem Beitrag von Constant Wieser: La Punt-Chamues-ch. Siedlung und Bauten. Hrsg. von der Denkmalpflege Graubünden. Chur 1990, unveränderte zweite Auflage 2007.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band III: Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.
  • Constant Wieser: Punt Chamues-ch, La. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: La Punt Chamues-ch – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Generalisierte Grenzen 2023. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 7. September 2023.
  2. Generalisierte Grenzen 2023. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 7. September 2023.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2022. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2022 zusammengefasst. Abruf am 5. September 2023
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2022. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2022 zusammengefasst. Abruf am 5. September 2023
  5. Änderung des Gemeinde-und Ortschaftsnamens im Gebietsstand des Kantons Graubünden: La Punt Chamues-ch. In: Bundesblatt. Nr. 41, 8. September 2020 (PDF; 332 kB).
  6. Vgl. die archivierte Website der Gemeinde vom März 2020, die archivierte Gemeindeverfassung von 2001 und das Ortsschild in der Engadiner Post vom Juni 2016 (Memento des Originals vom 19. Juli 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.engadinerpost.ch.
  7. La Punt Chamues-ch. In: ortsnamen.ch.
  8. a b c d Constant Wieser: La Punt Chamues-ch. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  9. Jakob Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  10. Jakob Ulrich Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  11. Jakob Ulrich Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  12. Johann Baptist Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  13. Christoph Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  14. Jacques Albertini auf Universitätsbibliothek Bern (PDF; 29,7 MB; abgerufen am 9. Mai 2017).
  15. Portrait bei SRF: «zämestah» vom 17. Dezember 2020
  16. Chesa Merleda (Foto) auf baukultur.gr.ch
  17. Albertini-Häuser (Foto) auf baukultur.gr.ch
  18. Haus Sandoz (Foto) auf baukultur.gr.ch
  19. Wohnhaus Bernardi-Albertini (Foto) auf baukultur.gr.ch
  20. Wohnhaus Colani (Foto) auf baukultur.gr.ch
  21. Restaurant Chesa Pirani (Foto) auf baukultur.gr.ch
  22. Kindergarten (Foto) auf baukultur.gr.ch
  23. Acla Serlas (Foto) auf baukultur.gr.ch
  24. La Punter «InnHub» nimmt nächste Hürde, engadinerpost, 24. Juli 2020
  25. Geschenk vom Himmel. In: Weltwoche. 10.19, S. 38.
  26. Acla Serlas (Foto) auf baukultur.gr.ch