La République en Marche

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La République en Marche !
Logo-LREM-noir.svg
Partei­vorsitzende Catherine Barbaroux (kommissarisch)
General­sekretär Richard Ferrand
Gründung 6. April 2016
Gründungs­ort Amiens
Haupt­sitz 99, rue de l’Abbé-Groult
75015 Paris
Aus­richtung Liberalismus,
Sozialliberalismus[1],
Progressivismus,[2]
Dritter Weg,[3][4]
Pro-europäische Politik[5]
Nationalversammlung 2017
309/577
Senat 2014
29/348
Mitglieder­zahl 333.320 (Stand: 12. Mai 2017)
Europaabgeordnete
0/74
Website www.en-marche.fr

La République en Marche ! [la ˌʁepybˈlik ɑ̃ maʁʃ] (Akronym: REM, LRM oder LREM, deutsch Die Republik in Bewegung!) ist eine politische Partei in Frankreich, die auch unter dem früheren und teils weiterhin als Kurzbezeichnung verwendeten Namen „En Marche !“ bekannt ist. Sie wurde 2016 von Emmanuel Macron im Vorfeld seiner erfolgreichen Kandidatur für die französischen Präsidentschaftswahlen gegründet und wird von ihm als Bewegung bezeichnet; ihre Mitglieder können gleichzeitig in anderen republikanischen Parteien Mitglied bleiben. Die Partei will der liberalen Europapartei ALDE beitreten.[6][7]

Positionierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei bezieht sozialliberale, europäisch-integrationistische Positionen.[8][9] Im Programm für die Präsidentschaftswahl befinden sich Ideen, die eher von der französischen Linken vertreten werden (z. B. die Durchsetzung der Gleichstellung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt, die besondere Förderung von Schülern in sozialen Brennpunkten), wie auch Ideen der politischen Rechten (z. B. Liberalisierung des Arbeitsrechts, Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung). Macron selbst erklärte wiederholt, er wolle die Spaltung der politischen Landschaft Frankreichs in Rechts und Links überwinden, die er als überholt ansieht, und bezeichnet die ideologische Ausrichtung seiner Partei als „Progressivismus“.[10]

Sie wird mit der spanischen Partei Ciudadanos verglichen und Macron mit deren Parteivorsitzendem Albert Rivera. Andere Beobachter verglichen Macron mit Matteo Renzi, Valéry Giscard d’Estaing, Justin Trudeau oder Tony Blair und seiner New Labour.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei wurde als politische Bewegung unter dem Namen En Marche ! gegründet und hat so die gleichen Initialen wie der Parteigründer Emmanuel Macron. Am 8. Mai 2017 erfolgte die Umbenennung in La République en marche. Der Name des eigentlichen Vereins lautet Association pour le renouvellement de la vie politique (deutsch „Verein für die Erneuerung des politischen Lebens“).[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteigründer Emmanuel Macron

En Marche wurde am 6. April 2016 in Macrons Geburtsort Amiens in Nordfrankreich gegründet. Macron selbst bezeichnete En Marche bei der Gründung als eine progressive soziale Bewegung, die er begonnen hatte, um die seiner Ansicht nach „als steril empfundenen Spaltungen zwischen den Parteien“ zu überwinden.[12][13]

Generalsekretär Richard Ferrand trat als erster Abgeordneter in die Partei ein

Als erster Abgeordneter erklärte der Sozialist Richard Ferrand seinen Eintritt in die Partei und wurde im Oktober 2016 zum Generalsekretär ernannt. Ferrand hatte als parlamentarischer Berichterstatter der Regierungsreformen mit Macron während dessen Zeit als Wirtschaftsminister eng zusammengearbeitet. Unterstützung erhielt En Marche in der Anfangszeit von weiteren Politikern, darunter Florent Boudié,[14] Nicole Bricq,[15] Christophe Castaner,[16] Gérard Collomb,[17] Corinne Erhel († 2017),[18] Jean-Paul Huchon [19] und Pascal Terrasse[20] von der Parti socialiste (PS), Joël Giraud[21] und Jacques Krabal[22] von der PRG, Renaud Dutreil[23] von der UDF sowie Jean Arthuis[24] von der Alliance centriste.

Macron gab am 16. November 2016 seine Absicht bekannt, als unabhängiger Kandidat zur Präsidentschaftswahl 2017 anzutreten. In der Folgezeit unterstützten ihn weitere Politiker, insbesondere François Bayrou vom Mouvement démocrate, der seine eigene Kandidatur zurückzog,[25] sowie François de Rugy von der Parti écologiste, der an der Vorwahl der Parti Socialiste teilgenommen hatte.[26] Emmanuel Macron gewann den ersten Wahlgang vor der zweitplatzierten Marine Le Pen,[27] am 7. Mai wurde er in der Stichwahl zum französischen Staatspräsidenten gewählt. Er gab daraufhin den Parteivorsitz ab und ernannte Catherine Barbaroux zur Interimsvorsitzenden.[28]

Für die im Juni 2017 stattfindende Parlamentswahl stellt die Partei in den meisten Wahlkreisen eigene Kandidaten auf. Eine Berufungskommission unter Leitung des ehemaligen Wirtschaftsministers und LR-Mitglieds Jean-Paul Delevoye ist für die Auswahl der Kandidaten zuständig. Am 11. Mai 2017 wurden 428 der Kandidaten vorgestellt. Etwas mehr als die Hälfte der Kandidaten kommt aus der Zivilgesellschaft ohne bisheriges politisches Amt. Außerdem ist genau die Hälfte aller Kandidierenden weiblich.[29][30] Im Wahlkreis Essonne I des ehemaligen Premierministers und Mitglieds der sozialistischen Partei, Manuel Valls, verzichtet die Partei auf die Aufstellung eines Gegenkandidaten. Valls hatte eine Kandidatur für En Marche angestrebt, was jedoch mit Hinweis auf die parteiinternen Beschränkung auf drei Amtszeiten abgelehnt worden war.[31]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

En Marche zählt als Mitglieder alle Personen, die ihre persönlichen Daten (Geburtsdatum, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse) angegeben haben und der En-Marche-Charta zugestimmt haben.[32] Im Unterschied zu anderen Parteien ist es also nicht notwendig, einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen.[33] Es ist auch möglich, gleichzeitig Mitglied in anderen republikanischen Parteien zu bleiben. Für die 2017 gewählten Abgeordneten war dies jedoch nicht mehr möglich.

Im Januar 2017 zählte die Partei rund 136.000 Mitglieder und sammelte Spenden in Höhe von 4 Millionen Euro ein.[34] Im Februar stieg die Anzahl auf 185.000 Mitglieder[35] und bis April 2017 waren es rund 230.000 Mitglieder.[36]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidentschaftswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Kandidat 1. Wahlgang 2. Wahlgang Anmerkungen
Stimmen
(absolut)
Stimmen
(in %)
Stimmen
(absolut)
Stimmen
(in %)
2017 Emmanuel Macron 8.656.346 24,01 20.743.128 66,10 Wahlsieger

Parlamentswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1. Wahlgang 2. Wahlgang Sitze insgesamt Anmerkungen
Stimmen
(absolut)
Stimmen
(in %)
Sitze Stimmen
(absolut)
Stimmen
(in %)
Sitze absolut in %
2017[37] 6.390.856 28,21 2 7.826.432 43,06 306
308/577
53,03

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: En Marche! – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frankreich: Macron präsentiert sein Wahlprogramm. In: Süddeutsche Zeitung. 2. März 2017, abgerufen am 11. Mai 2017.
  2. Der Hoffnungsträger. In: Tagesanzeiger. 31. August 2017, abgerufen am 11. Mai 2017.
  3. Peter Pelinka: Macron und Corbyn: Wie tot ist die Sozialdemokratie? Gastkommentar. In: diepresse.com. 11. Juli 2017, abgerufen am 5. August 2017.
  4. Philip Rathgeb, Fabio Wolkenstein: Third way à la française: What do Macron's reforms envolve and how likely are they to suceed? In: blogs.lse.ac.uk. London School of Economics and Political Science, 23. Juni 2017, abgerufen am 5. August 2017 (englisch).
  5. Liberation: A Nantes, un Macron pro-européen qui refuse de «désarmer la France», 20. April 2017 (franz)
  6. Emmanuel Macron rejoindra la famille libérale européenne. In: Le Soir. 5. Mai 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  7. Emmanuel Macron viendra renforcer la famille libérale européenne de Verhofstadt. In: La Libre Belgique. 5. Mai 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  8. Frankreichs Hoffnungsträger für das Präsidentenamt. In: The European. 21. Januar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017.
  9. Nora Jakob: Frankreich: Die größten Probleme vor der Präsidentenwahl. In: Wirtschaftswoche. 19. Januar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017.
  10. Martina Meister: Frankreich: Die radikal neue Sichtweise des Emmanuel Macron. In: welt.de. 2. März 2017, abgerufen am 10. Mai 2017.
  11. Tristan Quinault Maupoil: Le mouvement de Macron part maintenant à la chasse aux élus et aux dons. In: lefigaro.fr. 8. April 2016, abgerufen am 18. März 2017 (französisch).
  12. En Marche ! est-il un mouvement ou un parti ? In: la-croix.com. 18. April 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  13. Macron lance «En Marche !», un mouvement politique transpartisan. In: Le Parisien. 6. April 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  14. Emmanuel Macron : ses soutiens lancent "La gauche avec Macron". In: sudouest.fr. 7. November 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  15. Soutien de François Hollande, l'ex-ministre Nicole Bricq n'a pas été invitée au meeting "Hé oh la gauche". In: lelab.europe1.fr. 25. April 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  16. Macron : une annonce de candidature pour engranger de nouveaux soutiens. In: lemonde.fr. 16. November 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  17. Le maire de Lyon Gérard Collomb soutient Macron pour 2017. In: huffingtonpost.fr. 18. Mai 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  18. Paul Laubacher: Les soutiens d'Emmanuel Macron : la liste noire du Parti socialiste. In: L’Obs. 19. Dezember 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  19. Huchon, venu soutenir Macron : « J'ai été très déçu par le PS » (VIDEO). In: videos.leparisien.fr. 15. Januar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  20. «Certains poussent Emmanuel Macron à être candidat». In: lefigaro.fr. 6. Mai 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  21. Le député Joël Giraud appelle à voter Macron. In: ledauphine.com. Abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  22. Bruyères-sur-Fère: Fabien Fraeyman premier à parrainer Emmanuel Macron. In: lardennais.fr. 17. November 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  23. Renaud Dutreil: «Pourquoi je soutiens Emmanuel Macron». In: lopinion.fr. 30. August 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  24. Alan Le Bloa: Jean Arthuis soutient Emmanuel Macron. In: ouest-france.fr. 17. November 2016, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  25. Présidentielle : Bayrou et Macron, une alliance sous conditions. In: lemonde.fr. 22. Februar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  26. Le Télégramme: Présidentielle. L'écologiste De Rugy rejoint le camp Macron. In: letelegramme.fr. 22. Februar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  27. Präsidentenwahl in Frankreich 2017: Alle Ergebnisse im Überblick. In: welt.de. 23. April 2017, abgerufen am 24. April 2017.
  28. Qui est Catherine Barbaroux, la présidente par intérim de La République en marche ? In: lefigaro.fr. 8. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017 (französisch).
  29. Législatives : la liste incomplète de La République en marche. In: www.lemonde.fr. 1. Mai 2017, abgerufen am 15. Mai 2017 (französisch).
  30. Comment Emmanuel Macron recrute ses candidats aux législatives. In: parismatch.com. 9. März 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (französisch).
  31. handelsblatt.com
  32. Adhérer à En Marche ! (französisch)
  33. welt.de: Meine Woche als Macron-Jüngerin
  34. Albrecht Meier: Französischer Präsidentschaftskandidat in Berlin: Macron: "Ich verteidige das europäische Projekt". In: tagesspiegel.de. 11. Januar 2017, abgerufen am Mai 2017.
  35. Camilla Kohrs: Emmanuel Macron: "Er ist ein Typ, mit dem man gern befreundet wäre". In: zeit.de. 10. Februar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017.
  36. Albrecht Meier: Frankreich: Emmanuel Macron will weder links noch rechts sein - ist das glaubwürdig? In: tagesspiegel.de. 7. April 2017, abgerufen am Mai 2017.
  37. REM und MoDem bildeten ein Wahlbündnis und traten in den jeweiligen Wahlkreisen nicht gegeneinander an.