La belle saison – Eine Sommerliebe

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Filmdaten
Deutscher TitelLa belle saison – Eine Sommerliebe
OriginaltitelLa Belle Saison
ProduktionslandFrankreich,
Belgien
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr2015
Länge105 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieCatherine Corsini
DrehbuchCatherine Corsini,
Laurette Polmanss
ProduktionElisabeth Perez
MusikGrégoire Hetzel
KameraJeanne Lapoirie
SchnittFrédéric Baillehaiche
Besetzung

La belle saison – Eine Sommerliebe ist ein französisch-belgisches Melodram der Regisseurin Catherine Corsini aus dem Jahr 2015. Der Film feierte seine Premiere am 6. August 2015 beim Locarno Festival, wo er mit dem Variety Piazza Grande Award ausgezeichnet wurde.[2][3] Er lief am 5. Mai 2016 in den deutschen Kinos an.[4]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptfigur von La belle saison – Eine Sommerliebe ist die 23-jährige Delphine, die als Einzelkind auf dem Bauernhof ihrer Eltern aufwuchs und schon früh an die Arbeit dort gewöhnt wurde. Als sie schließlich 1971 nach Paris zieht, wird sie mit dem rasanten Stadtleben konfrontiert. Bald schließt sie sich einer Gruppe junger Frauen an, die zahlreiche Aktionen im Kampf für Frauenrechte organisieren. Dabei trifft Delphine auch auf die Spanischlehrerin Carole, die ihr mit ihrem freien Lebensstil imponiert. Die Liebesbeziehung, die sich zwischen den beiden Frauen entwickelt, wird aber jäh gefährdet, als Delphine nach einem Schlaganfall ihres Vaters Paris verlassen muss, um die Arbeit auf dem Bauernhof zu übernehmen.

Carole entschließt sich, ihrer großen Liebe Delphine hinterherzureisen, und besucht sie auf dem Bauernhof. Bei gemeinsamer Arbeit auf dem Hof verbringen die beiden einen glücklichen Sommer. Jedoch muss die lesbische Beziehung wegen der konservativen Einstellungen auf dem Land geheim bleiben. Als Delphines Mutter Monique die beiden schließlich nach einer gemeinsamen Liebesnacht auffindet, kommt es zur Konfrontation. Die Mutter fordert Carole auf, den Hof und Delphine zu verlassen. Delphine entscheidet sich jedoch, Carole nicht allein abreisen zu lassen und mit ihr nach Paris zurückzukehren. Auf der Zugfahrt dorthin kommen ihr Zweifel und sie lässt Carole allein weiterfahren, was die Trennung der beiden Frauen bedeutet.

Der Film endet mit einer Zeitblende ins Jahr 1976: Carole, die nun Frauen in Fragen sexueller Gesundheit berät und sich in einer neuen lesbischen Beziehung befindet, erhält einen Brief von Delphine. Darin drückt diese ihr Bedauern aus, Carole verlassen zu haben, erkennt aber auch an, dass die Zeit nicht zurückgedreht werden kann. Sie hat den Hof ihrer Eltern verlassen und besitzt nun einen eigenen Bauernhof in Südfrankreich.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde im Zeitraum vom 22. Juli bis zum 16. September 2014 in Limousin und in Paris gedreht.[5] Das Budget für den Film lag bei rund 4,8 Millionen Euro.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die französische Presse nahm den Film überwiegend wohlwollend auf. Einig sind sich die französischen Kritiker hinsichtlich des Spiels der Hauptdarstellerinnen: In Le Monde und Les Inrockutibles bescheinigt man Cécile de France und Izïa Higelin, „großartige“ („deux magnifiques actrices“)[7] bzw. „sensationelle Schauspielerinnen“ („deux actrices sensationnelles“)[8] zu sein; in der Zeitung La Croix wird das Lob auch auf die Verkörperung der Mutterrolle durch Noémie Lvovsky ausgeweitet („magnifique trio d’actrices“)[9]. Positiv wird in L’Humanité und L’Obs hervorgehoben, dass die feministischen Befreiungskämpfe, die die Charaktere im ersten Abschnitt des Films ausfechten, einer akribischen Rekonstruktion der Bewegung in den 1970er-Jahren („une reconstitution minutieuse de l'époque“) entsprächen,[10] aber dennoch so dargestellt würden, dass diese alten kämpferischen Themen in einem modernen, jubilierenden Film („film moderne et jubilatoire“) Platz fänden und die Relevanz in der Gegenwart eindrücklich werde.[11] Während die Kritiker in La Croix und Les Inrockutibles den zweiten Abschnitt des Films, der nach Delphines Rückkehr aus Paris auf dem Land spielt, als besser bewerten,[8][9] erkennt der Kritiker des Télérama zwar die Zärtlichkeit und „den lobenswerten Wunsch [der Hauptcharaktere], der Intoleranz zu trotzen“ („le désir louable de braver l'intolérance“) an, zeigt sich aber nicht gänzlich überzeugt.[12]

Auch im angelsächsischen Raum wurde La Belle Saison mit weitgehend positiven Kritiken bedacht.[13] Boyd van Hoeij lobt im Hollywood Reporter die Chemie der Hauptdarstellerinnen („their chemistry is so real and natural you can’t help but root for them to be together“) und die Charakterisierung bis in die Nebenrollen.[14] Er bemängelt jedoch, dass es Corsini nicht gelinge, die politischen Themen des ersten Filmabschnitts auf natürliche Weise mit den persönlichen Schwierigkeiten der Charaktere im zweiten Abschnitt zu verbinden.[14] Englischsprachige Filmkritiker ziehen häufig einen Vergleich zu Abdellatif Kechiches Blau ist eine warme Farbe, einem anderen international bekannten französischen Film der 2010er-Jahre über eine Frauenbeziehung: Wendy Ide attestiert La Belle Saison im Observer, zwar weniger direkt Intimität als Blau ist eine warme Farbe, aber dennoch „eine nicht weniger überzeugende Sinnlichkeit“ zu zeigen („a sensuality here that is no less persuasive“).[15] Anthony Oliver Scott hebt in der New York Times lobend hervor, dass die Beziehung zwischen Delphine und Carole anders als in Kechiches Film nicht in einem Vakuum stattfinde, sondern sich ins Leben der Protagonistinnen einfügen müsse.[16] Zudem verfolge Corsini den „radikalen Ansatz“ („a radical proposition“), dass weibliche Leidenschaft nur unter Beachtung weiblicher Freiheit im gesamtgesellschaftlichen Kontext verstanden werden könne, weshalb Feminismus in ihrem Film eine größere Rolle einnehme.[16]

Deutsche Kritiker schlossen sich den grundsätzlich guten Rezensionen an. Luitgard Koch lobt Corsini für Programmkino dafür, wie sie in ihrem Film auch die „sinnlich-erotischen Aspekte“ der Frauenbeziehung herausarbeitet, ohne jedoch voyeuristisch zu sein.[17] Die „vitalen Bilder vom Landleben“ weckten „Sehnsucht auf unbeschwertes Lebensgefühl“.[17] Die Hauptdarstellerinnen überzeugen seiner Meinung nach „durch ihr authentisch-leidenschaftliches Spiel“.[17] Thomas Vorwerk bewertet La Belle Saison für Filmstarts als „[g]efühlvolles Liebesdrama mit kleinen dramaturgischen Schwächen“.[18] Simon Hauck vergleicht den Film, der „Lebens- und Liebesträume zweier Frauengestalten im 68er Gesellschaftstaumel“ schildere, für Kino-Zeit mit einem „luftige[n] – aber nicht ausschließlich leichte[n] – Roséwein.[19] Insgesamt setzten die Filme Carol von Todd Haynes und Blau ist eine warme Farbe von Abdellatif Kechiche das Thema lesbischer Beziehungen aber besser um.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für La belle saison – Eine Sommerliebe. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 158860/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Palmarès 2015. In: Locarno Festival. 15. August 2015, abgerufen am 19. Februar 2019 (italienisch).
  3. Redaktion movies.ch: La Belle Saison – Ein Film von Catherine Corsini. In: movies.ch. Abgerufen am 19. Februar 2019.
  4. Gerhard Midding: Kritik zu La belle saison – Eine Sommerliebe. In: epd-film. 21. April 2016, abgerufen am 19. Februar 2019.
  5. Fabien Lemercier: Summer shoot for La belle saison by Catherine Corsini. In: cineuropa. 30. Juni 2014, abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
  6. La Belle saison (Summertime) (2015) – JPBox-Office. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  7. Franck Nouchi: « La Belle Saison » : un fervent désir de libération. In: Le Monde. 12. August 2015, abgerufen am 22. März 2019 (französisch).
  8. a b Serge Kaganski: "La Belle Saison": une beau mélo entre amour saphique et émancipation féministe. In: Les Inrockuptibles. 14. August 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (französisch).
  9. a b Marie Soyeux: « La belle saison », un amour à contre-temps. In: La Croix. 18. August 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (französisch).
  10. Sophie Joubert: L’échappée belle de Catherine Corsini. In: L'Humanité. 19. August 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (französisch).
  11. Jérôme Garcin: "La Belle saison", la lesbienne et la féministe. In: BibliObs. 17. August 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (französisch).
  12. Pierre Murat: La Belle Saison. In: Télérama. August 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (französisch).
  13. Summertime (La Belle Saison) (2016). In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
  14. a b Boyd van Hoeij: 'Summertime' ('La belle saison'): Locarno Review. In: The Hollywood Reporter. 8. Juli 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (amerikanisches Englisch).
  15. Wendy Ide: Summertime review – potent romance. In: The Guardian/The Observer. 17. Juli 2016, abgerufen am 22. März 2019 (britisches Englisch).
  16. a b Anthony Oliver Scott: Review: Warm Burst of Romantic Bliss in ‘Summertime’. In: The New York Times. 21. Juli 2016, abgerufen am 9. April 2019 (amerikanisches Englisch).
  17. a b c Luitgard Koch: La Belle Saison – Eine Sommerliebe. In: Programmkino.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  18. Thomas Vorwerk: La Belle Saison – Eine Sommerliebe. In: Filmstarts.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  19. a b Simon Hauck: La Belle Saison – Eine Sommerliebe. In: Kino-zeit.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.