La Juive

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Werkdaten
Titel: Die Jüdin
Originaltitel: La Juive
Bayerische Staatsoper München 2016,mit Roberto Alagna (Éléazar) und Ain Anger (Kardinal Brogni)

Bayerische Staatsoper München 2016,
mit Roberto Alagna (Éléazar) und Ain Anger (Kardinal Brogni)

Originalsprache: französisch
Musik: Jacques Fromental Halévy
Libretto: Eugène Scribe
Uraufführung: 23. Februar 1835
Ort der Uraufführung: Opéra (Salle Le Peletier), Paris
Ort und Zeit der Handlung: Konstanz, 1414
Personen
  • Kaiser Sigismund (Stumme Rolle)
  • Kardinal Johannes Brogni, Präsident des Konstanzer Konzils (Bass)
  • Reichsfürst Leopold (Tenor)
  • Eudoxie, seine Gemahlin, Nichte des Kaisers (Sopran)
  • Éléazar, ein reicher jüdischer Juwelier (Tenor)
  • Rachel, seine Tochter (Sopran)
  • Ruggiero, Oberrichter von Konstanz (Bariton)
  • Hofdamen und -herren, Geistliche, Offiziere, Soldaten, Wachen, Herolde, Ausrufer, Henker, Volk

La Juive („Die Jüdin“) ist eine Oper in fünf Akten von Jacques Fromental Halévy mit einem Libretto von Eugène Scribe. La Juive gilt als das bedeutendste Werk Halévys.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung der Oper spielt in Konstanz zur Zeit des Konzils von 1414. Die politischen Ereignisse dieser bewegten Zeit bestimmen die Geschicke der handelnden Personen. Im Mittelpunkt stehen der jüdische Goldschmied Éléazar und seine Tochter Rachel.

Vorausgegangen ist folgende Geschichte: Der in Rom lebende jüdische Goldschmied Éléazar hat bei einem Überfall neapolitanischer Truppen die Tochter des Magistrats Brogni aus den Flammen gerettet, obwohl der seine beiden Söhne hatte hinrichten lassen. Éléazar zieht das Mädchen ohne dessen Wissen als seine eigene Tochter Rachel im jüdischen Glauben auf und nimmt es als Verbannter mit nach Konstanz. Der Goldschmied ist wegen dieser Vorgeschichte hart, dogmatisch und unbeugsam geworden und sinnt auf Rache. Inzwischen ist Brogni, nach dem vermeintlichen Verlust seiner Familie durch die Feuersbrunst in den geistlichen Stand getreten und zum Kardinal aufgestiegen, nach Konstanz gekommen, wo er das bevorstehende Konzil eröffnen soll.

Weil er durch seine hörbare Hämmerarbeit die Ruhe des wegen der Konzilseröffnung verordneten christlichen Feiertages stört, soll Éléazar als Ketzer bestraft werden. Der Großvogt fordert in einem Schnellurteil den Tod für ihn und seine Tochter.

Rachel hat sich in einen Mann verliebt, der nur vorgibt, Jude zu sein, in Wirklichkeit aber der christliche Reichsfürst Leopold ist. Hinzu kommt, dass Leopold mit Eudoxie, der Nichte des Kaisers, verheiratet ist. Aus Eifersucht denunziert Rachel ihren Geliebten als Verführer, und ein von Kardinal Brogni angeführtes Tribunal verurteilt das Liebespaar und Éléazar zum Tode. Rachel lässt sich durch die flehentliche Bitte der Prinzessin Eudoxie zur Zurücknahme ihrer Anschuldigung gegen Leopold überreden und erwirkt damit seine Begnadigung. Sie selbst könnte durch Konversion zum christlichen Glauben am Leben bleiben, entscheidet sich aber für den gemeinsamen Tod mit ihrem vermeintlichen Vater. Im Augenblick ihres grausamen Todes im siedenden Wasserkessel enthüllt Éléazar dem früheren Magistrat und jetzigen Kardinal Brogni Rachels wahre Identität: Sie ist dessen verlorengeglaubte Tochter, die Eléazar seinerzeit unbemerkt aus einer Feuersbrunst gerettet hatte. Während Éléazar triumphierend in den Tod geht, bricht Brogni zusammen. (Eine ähnliche Konstellation findet sich in Lessings Nathan der Weise oder innerchristlich in Verdis Il trovatore.)

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte galt als Mahnmal für den Konflikt zwischen Christen- und Judentum. Von Giuseppe Verdi ebenso geschätzt wie von Richard Wagner und Gustav Mahler, wurde La Juive zum Serienerfolg: Bis 1893 wurde sie allein an der Pariser Oper 550-mal aufgeführt. Das Werk wurde in Wien am 3. März 1836 zum ersten Mal aufgeführt und stand bis 1933 auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper. In München wurde die Oper bis 1931 aufgeführt. In der Zeit des Nationalsozialismus, in der der Komponist im Lexikon der Juden in der Musik als Jude verfemt war, verschwand sie von den Spielplänen in ganz Europa – und blieb auch danach jahrzehntelang vergessen.

Der Regisseur und Intendant John Dew setzte sich vehement für das Werk ein und inszenierte es 1988 in Bielefeld, 1993 in Nürnberg und 1994 in Dortmund. Die internationale Renaissance von La Juive wurde allerdings erst 1999 an der Wiener Staatsoper eingeleitet. Dort inszenierte Günter Krämer, es dirigierte Simone Young. Rachel und Eléazar waren mit Neil Shicoff und Soile Isokoski prominent besetzt. Die Wiener Produktion war 2003 an der New Yorker Metropolitan Opera zu sehen, in der Folge auch an der Israeli Opera in Tel Aviv und am Teatro La Fenice in Venedig.[1][2]

Im Februar 2007 brachte die Opéra National de Paris während der Intendanz von Gerard Mortier eine vielbeachtete Neuinszenierung des Werkes in der Opéra Bastille heraus – in der Regie von Pierre Audi und mit dem Dirigat von Daniel Oren. Den Eléazar verkörperte wiederum Neil Shicoff, die Rachel wurde von Anna Caterina Antonacci übernommen.[3] Die Premiere war beeinträchtigt durch einen Teilstreik der Beleuchtung, welcher dem Publikum nicht bekannt gegeben wurde, erzielte dennoch teils enthusiastische Kritiken.[4] Diese Produktion wurde im Jahr 2009 von De Nederlandse Opera in Amsterdam übernommen.

2008 folgten Neuinszenierungen an der Oper Zürich und an der Württembergischen Staatsoper in Stuttgart, 2016 am Nationaltheater Mannheim und am Staatstheater Nürnberg.[5] Ebenfalls 2016, bei den Münchner Opernfestspielen, fand das Werk – erstmals seit 1931 – wieder Einzug in den Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Es inszenierte Calixto Bieito, es dirigierte Bertrand de Billy. Die Hauptrollen waren mit Aleksandra Kurzak (Rachel), Roberto Alagna (Eléazar), John Osborn (Léopold), Vera-Lotte Böcker (Eudoxie) und Ain Anger (Brogni) luxuriös besetzt. Die Inszenierung Bieitos verzichtete auf Pomp und historische Verortung, versuchte die Reduktion auf elementare Konflikte zwischen Menschen und Ideologien. Im Interview bezeichnete der Regisseur die Oper als „Gesang gegen den Fanatismus“.[6] Auf der Bühne ließ er den Kardinal dem Juden, dessen Söhne er hinrichten hatte lassen, die Füße waschen – und küssen. Während die musikalischen Leistungen vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurden, erntete die Regie gemischte Reaktionen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugh Macdonald: „La Juive.“ In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Opera. London 1992, ISBN 0-333-73432-7.

Aufnahmen / Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arnold Jacobshagen: Zwischen Partitur und Regiebuch, Halévys ›La juive‹ und die Tradition der Operninszenierung. In: Frontal Halévy: La Juive – Die Jüdin, Oper in fünf Akten, Libretto von Eugène Scribe, Programmbuch der Staatsoper Stuttgart, 16. März 2008, S. 53 bis 61.
  2. Michael Jahn: Wiener historischer Opernführer. Band 4. Der Apfel, Wien 2009, ISBN 978-3-85450-174-9.
  3. Forum Opera: Jacques Fromental Halévy (1799-1862): La Juive, abgerufen am 27. Juni 2016.
  4. Opera: Crisis? What Crisis?, April 2007, S 8, abgerufen aus dem Webcache am 27. Juni 2016.
  5. Opern- & Konzertkritik Berlin: KRITIK LA JUIVE PREMIERE OPERNFESTSPIELE MÜNCHEN BIEITO: ALEKSANDRA KURZAK ROBERTO ALAGNA VERA-LOTTE BÖCKER JOHN OSBORN AIN ANGER, 27. Juni 2016, angerufen am selben Tag.
  6. BR-Klassik: Mit der Aufführung "La Juive - die Jüdin", Bericht von Gaby Weber, 26. Juni 2016, abgerufen am 27. Juni 2016.