Labatut (Pyrénées-Atlantiques)

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Labatut
Labatut (Frankreich)
Labatut
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Pau
Kanton Pays de Morlaàs et du Montanérès
Gemeindeverband Communauté de communes Adour Madiran
Koordinaten 43° 25′ N, 0° 1′ WKoordinaten: 43° 25′ N, 0° 1′ W
Höhe 199–325 m
Fläche 8,44 km2
Einwohner 174 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 21 Einw./km2
Postleitzahl 64460
INSEE-Code

Labatut (inoffiziell auch Labatut-Figuières) ist eine französische Gemeinde mit 174 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Pau und zum Kanton Pays de Morlaàs et du Montanérès (bis 2015: Kanton Montaner).

Die Bewohner werden Labatutais oder Labatutaises genannt.[1] Der Name in der gascognischen Sprache lautet ebenfalls Labatut.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labatut liegt ca. 45 km nordöstlich von Pau in der historischen Provinz Béarn an der östlichen Grenze zum benachbarten Département Hautes-Pyrénées.

Umgeben wird Labatut von den Nachbargemeinden:

Monségur Larreule (Hautes-Pyrénées)
Vidouze (Hautes-Pyrénées) Nachbargemeinden Caixon (Hautes-Pyrénées)
Castéra-Loubix Lamayou

Labatut liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour, dessen Zufluss, der Louet, einen großen Teil der westlichen Grenze des Gemeindegebiets markiert. Ein Zufluss des Louet, der Laysa, durchquert die Gemeinde. Der Ruisseau de Héouga entspringt und mündet in den Laysa auf dem Gebiet der Gemeinde.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erstmalige Erwähnung von Labatut erfolgte im 14. Jahrhundert, als im Jahre 1382 Truppen von Jean II., genannt „der Fette“ oder „der Bucklige“, Graf von Armagnac, Fézensac und Rodez, das Dorf angriffen. Die Folgen waren bei der Volkszählung des Béarn drei Jahre später zu erkennen, als nur 13 Haushalte gezählt wurden. Labatut gehörte zur Bailliage von Montaner.[4][5]

Am Ende des 15. Jahrhunderts erstand die Familie Navailles die Grundherrschaft, die sie bis zur Französischen Revolution behalten sollte. Ein Jahrhundert später heiratete François de Navailles-Labatut Marguerite d’Albret, eine Tochter von Johann III., König von Navarra, der auch unter dem Namen Jean d’Albret bekannt ist. Einer lokalen Erzählung nach kam François de Navailles-Labatut, Soldat von Beruf, ins Gefängnis und ließ seine schwangere Frau allein. Nachdem sie die Nachricht von ihrem Mann erhalten hatte, fiel Marguerite in Ohnmacht. Sie wurde in eine Kapelle verbracht, wo sie aufwachte, als Diebe ihren Ring stehlen wollten. Einige Tage später gebar sie ihr erstes Kind.[4]

Die Beschwerdehefte der Französischen Revolution offenbaren, dass viele Bewohner der Gemeinde handwerklichen Aktivitäten zu der Zeit nachgingen, wie z. B. der Verarbeitung von Lein, dem Sammeln von Kieselsteinen oder der Holzschuhmacherei.[4]

Toponyme und Erwähnungen von Labatut waren:

  • Labatut-Figuera (1536, Manuskriptsammlung des 16. bis 18. Jahrhunderts),
  • Labatut-Figuière (1728, Zählung von Labatut),
  • Labatut Figuera (1750, Karte von Cassini),
  • Labatut (1793 und 1801, Notice Communale bzw. Bulletin des lois) und
  • Labatut-Figuère (1863, Dictionnaire topographique Béarn-Pays basque).[5][6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von rund 500 in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Zahl bis zu den 1970er Jahren um rund drei Viertel auf rund 140 gesunken. Seitdem ist ein moderates Wachstum der Gemeinde zu verzeichnen.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2014
Einwohner 153 143 141 148 153 144 151 160 174
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[7] INSEE ab 2009[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche, gewidmet Martin von Tours, wahrscheinlich im 17. Jahrhundert neu gebaut. Gegen 1714 wurde der Glockenturm errichtet oder verändert und vermutlich das nördliche Seitenschiff angefügt, wie die entsprechende Jahreszahl über dem Eingang belegt. Das südliche Seitenschiff wurde zusammen mit Ausbesserungsarbeiten im 17. Jahrhundert hinzugefügt. Der Glockenturm ruht auf einem Turm mit größerem Grundriss, der den Eingangsvorbau bildet. Die mit Schiefer gedeckten Dächer von Eingangsvorbau und Glockenturm sind an den unteren Kanten nach außen geschwungen und zeigen eine gewisse Entwicklung im Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in der Region. Die Bauform wird auch à l’impériale (deutsch kaiserlich) genannt, weil ihre geschwungene und sich nach oben verjüngende Form an eine Kaiserkrone erinnert. Viele Einrichtungsgegenstände der Kirche stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind als nationale Kulturgüter registriert.[9][10]
  • Schloss Navailles. Das ursprüngliche Schloss wurde 1385 als l’ostau deu senhor de la Mote Domenger erwähnt. Als die Familie Navailles am Ende des 15. Jahrhunderts die Grundherrschaft erwarben, erschien das bestehende einfache Schloss nicht adäquat oder als heruntergekommen. Deshalb beschloss die Familie Anfang des 16. Jahrhunderts einen Neubau auf einer Geländestufe über dem Tal des Louet wie das frühere Schloss. Das Gebäude diente der Familie als Adelssitz bis zur Französischen Revolution. Auf der Karte von Cassini 1750 ist das Schloss als Labatut eingetragen. Im 19. Jahrhundert wurde das Schloss grundlegend umgebaut, so dass wenige alte Elemente heute übrig geblieben sind. Eine Ausnahme ist der Treppenturm mit Zwillingsfenstern, Zeuge des Renaissance-Stils im Béarn.[11][12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porc Noir de Bigorre Schinken

Die Wirtschaft wird hauptsächlich durch die Landwirtschaft bestimmt. Labatut liegt in den Zonen AOC der Schweinerasse Porc noir de Bigorre und des Schinkens Jambon noir de Bigorre.[13]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2014[14]
Gesamt = 18

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Pferdesportverein Lou Cassou bietet neben Ausritten zahlreiche andere Aktivitäten rund ums Pferd für Erwachsene und Kinder ab drei Jahren auch pädagogische Projekte bis zu Hippotherapien für Behinderte an.[4][16]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labatut wird durchquert von den Routes départementales 148 und 202.

Eine Buslinie des TER Aquitaine, einer Regionalbahn der staatlichen SNCF, verbindet die Gemeinde mit Dax, Saint-Palais und Mauléon-Licharre.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Labatut (Pyrénées-Atlantiques) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pyrénées-Atlantiques Gentilé (fr) habitant.fr. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  2. Labatut (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  3. Ma commune : Labatut (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  4. a b c d Conseil régional d’Aquitaine: Labatut-Figuières (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  5. a b Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 87. 1863. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  6. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  7. a b Notice Communale Labatut (fr) EHESS. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  8. Populations légales 2014 Commune de Labatut (64293) (fr) INSEE. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  9. Conseil régional d’Aquitaine: Église Saint-Martin (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  10. Eglise paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  11. Conseil régional d’Aquitaine: Château de Navailles (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  12. Château (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  13. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  14. Caractéristiques des établissements en 2014 Commune de Labatut (64293) (fr) INSEE. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  15. GR101 (fr) Fédération française de la randonnée pédestre. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  16. Françoise Lagarde: Lou Cassou diversifie ses activités équestres (fr) Sud Quest. 18. Oktober 2013. Abgerufen am 24. Juni 2017.