Labretonie

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Labretonie
Wappen von Labretonie
Labretonie (Frankreich)
Labretonie
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Lot-et-Garonne
Arrondissement Marmande
Kanton Tonneins
Gemeindeverband Lot et Tolzac
Koordinaten 44° 29′ N, 0° 22′ OKoordinaten: 44° 29′ N, 0° 22′ O
Höhe 49–138 m
Fläche 11,80 km2
Einwohner 176 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 15 Einw./km2
Postleitzahl 47350
INSEE-Code

Labretonie ist eine französische Gemeinde mit 176 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Lot-et-Garonne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Marmande und zum Kanton Tonneins (bis 2015: Kanton Castelmoron-sur-Lot).

Der Namen hat seinen Ursprung in einer Kolonie von Bretonen, die sich in der Umgebung während des Baus des Schlosses Bonaguil niedergelassen haben.[1]

Die Einwohner werden Labretoniens und Labretoniennes genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labretonie liegt ca. 16 km östlich von Marmande in der historischen Provinz Agenais.

Umgeben wird Labretonie von den fünf Nachbargemeinden:

Saint-Barthélemy-d’Agenais Tourtrès
Agmé Nachbargemeinden
Hautesvignes Verteuil-d’Agenais

Labretonie liegt im Einzugsgebiet des Flusses Garonne.

Die Canaule, ein Nebenfluss des Trec de la Greffière, durchquert das Gebiet der Gemeinde zusammen mit ihrem Nebenfluss, dem Rieucaud.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert ist ein Schrein aus Kupfer gefunden worden, der Schmuck, Edelsteine, Barren und Münzen aus der Zeit um 270 enthielt und somit eine Besiedelung während dieser Epoche belegt.

Im Jahre 1217 trat Labretonie auf die Bühne der Geschichte, als das Dorf während des Albigenserkreuzzugs verwüstet wurde. Trotz seiner relativ geringen Größe besaß das Dorf gleich drei Pfarrkirchen im Lauf der Jahrhunderte, was den Stellenwert der Kirche verdeutlicht.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 515. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zur Jahrtausendwende auf rund 160 Einwohner, bevor eine Phase mit moderatem Wachstum einsetzte.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 2016
Einwohner 223 186 180 192 169 159 171 178 176
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[4] INSEE ab 2011[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Pfarrkirche befand sich am Standort des Friedhofs. Sie war in einem verfallenden Zustand, als sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen und nach Plänen des Architekten des Arrondissements Dupont neu gebaut wurde. Ihr heutiger Platz war von Jacques Delfieux im Jahre 1871 zur Verfügung gestellt worden. Die Arbeiten wurden vom Unternehmer Jean Roumanès unter der Bauleitung von Jacques Delfieux in den Jahren 1872 bis 1876 durchgeführt. Der Helm des Glockenturms, der 1882 erbaut wurde, musste bereits im Jahre 1894 durch Etienne Constantin ausgebessert werden. Das Bauwerk zeigte allerdings Anzeichen von Brüchigkeit. Deshalb wurden 1901 zur Erhöhung der Stabilität Anker unter der Leitung des Architekten Touron aus Marmande verbaut.

Die Kirche ist strukturiert in ein Langhaus mit einem Kirchenschiff und zwei Seitenkapellen, die ein falsches Querschiff bilden, einer Apsis mit abgeschnittenen Ecken und einem frei stehenden Glockenturm mit Vorhalle. Die Wände sind aus Bruchstein aus Tuff, die des Glockenturms sind aus Werksteinen gebaut.

Im Kircheninneren sind Kapitelle mit Blattwerk verziert. Die Namen des Pfarrers Ada und des Bischofs von Agen, Hector-Albert Chaulet-d’Oultremont, die zur Zeit des Neubaus in ihren Ämtern waren, sind auf Schlusssteinen aufgetragen worden. Der erste Schlussstein zeigt ein Winkelmaß und einen Zirkel, der zweite das Wappen des Bischofs Hector-Albert Chaulet-d’Oultremont, der dritte das Wappen des Papstes Pius IX., der vierte ein Ziborium und ein Messbuch, der des Chors schließlich das Agnus Dei.[6]

Keines der Einrichtungsgegenstände der früheren Kirche wurde bei dem Neubau übernommen, da vor 1806 das Dach des alten Baus eingestürzt war und sie fortan den Witterungseinflüssen ausgesetzt waren. Die gesamte Einrichtung der heutigen Pfarrkirche wurde demnach kurz nach dem Bau neu beschafft. Ein neuer Hauptaltar des Marmorschleifers Charles Rigo wurde 1997 eingeweiht.[7]

Dreizehn Glasfenster sind Werke des Glasmalers Joseph Villiet aus Bordeaux, die er 1873 geschaffen hat.

Sie zeigen in den Lanzetten der spitzbogenförmigen Fenster folgende Motive und biblische Personen:

Pfarrkirche Saint-Jean[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche mit ihrem inzwischen aufgegebenen Friedhof liegt im Weiler Saint-Jean auf einer leichten Anhöhe. Die Wände des Chors und der Nordseite des Langhauses sind von schmalen, runden Lichtöffnungen durchbrochen. Dies lässt auf einen Bau im 12. oder im frühen 13. Jahrhundert schließen. Die Wände der Apsis sind aus Bruchsteinen aus Tuff, die des Langhauses aus Werksteinen erbaut. Die Westfassade besitzt einen Glockengiebel an ihrer Spitze und wird mit zwei Strebepfeilern verstärkt. Ihr eingelassenes rundbogenförmige Eingangsportal ist mit einer Stabornamentik verziert. Die Fassade ist während einer Restaurierung im 17. Jahrhundert entstanden. In jüngster Zeit sind Ausbesserungen an den Nord- und Südwänden des Langhauses vorgenommen worden. Im Inneren trennen Blendsäulen den Chor vom Kirchenschiff.[9]

Pfarrkirche Saint-Vincent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche befindet sich auf einer Geländestufe unweit einer Quelle und dem alten Weg von Saint-Barthélemy-d’Agenais nach Verteuil-d’Agenais. Das westliche Eingangsportal zeigt anhand seiner Stabornamentik der Archivolten, dass die Kirche nicht früher als im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Die Wände sind aus Werksteinen aus Tuff mit einer Außenverkleidung aus schachbrettartig angeordneten Tuff- und Backsteinen an der Außenwand des Langhauses. Die Apsis besitzt abgeschnittene Ecken. Die Westfassade ist durch zwei Strebepfeiler verstärkt und mit einem dreieckigen Glockengiebel mit einer Öffnung für die Glocke bekrönt. Die Jahreszahlen „1764“ und „1765“ sind wie verschiedene andere Graffiti auf Steinen der Fassade und der Nordseite des Chors eingraviert. Die Bronzeglocke aus dem Jahre 1831 wurde 1834 gekauft, nur wenig später nach der Ausbesserung des Gebäudes. Das Ziegeldach der Kirche ist eingefallen, und die südlich gelegene Sakristei ist zerstört.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[11]
Gesamt = 43

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labretonie wird von der Route départementale 314 durchquert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Labretonie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Labretonie (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 8. März 2019.
  2. Lot-et-Garonne (fr) habitants.fr. Abgerufen am 8. März 2019.
  3. Ma commune : Labretonie (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 8. März 2019.
  4. Notice Communale Labretonie (fr) EHESS. Abgerufen am 8. März 2019.
  5. Populations légales 2016 Commune de Labretonie (47122) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. März 2019.
  6. église paroissiale Saint-Martin (fr) Französisches Kultusministerium. 26. Juni 2006. Abgerufen am 8. März 2019.
  7. Le mobilier de l’église paroissiale Saint-Martin (fr) Französisches Kultusministerium. 10. Dezember 2001. Abgerufen am 8. März 2019.
  8. ensemble de 13 verrières : Sacré-Coeur, Les Evangélistes, Mort de saint Joseph, Annonciation, Saint Martin, Saint Bernard, Sainte Philomène, Sainte Germaine, Saint Paul, Saint Pierre (baies 0 à 12) (fr) Französisches Kultusministerium. 10. Dezember 2001. Abgerufen am 8. März 2019.
  9. église paroissiale Saint-Jean (fr) Französisches Kultusministerium. 26. Juni 2006. Abgerufen am 8. März 2019.
  10. église paroissiale Saint-Vincent (fr) Französisches Kultusministerium. 26. Juni 2006. Abgerufen am 8. März 2019.
  11. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Labretonie (47122) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. März 2019.