Lac des Dix

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Lac des Dix
Staumauer Grande-Dixence mit Stausee Lac des Dix
Staumauer Grande-Dixence mit Stausee Lac des Dix
Lage: Kanton Wallis
Zuflüsse: diverse Bergbäche
Abflüsse: Dixence
Lac des Dix (Wallis)
Lac des Dix
Koordinaten 597010 / 10205446.077.42365Koordinaten: 46° 4′ 12″ N, 7° 24′ 0″ O; CH1903: 597010 / 102054
Daten zum Bauwerk
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 3,65 km²
Maximale Tiefe 227 m
Besonderheiten:
  • Volumenmässig grösster Stausee der Schweiz
  • Weltweit höchste Gewichtsstaumauer
  • Weltrekord grösster Arbeitsdruck einer Wasserkraftwerks-Turbine (> 180 bar)
Karte Lac des Dix.png
Installations hydroélectriques de la Grande Dixence de.svg

Der Lac des Dix [ˌlakdeˈdis] ist ein Stausee, der am südlichen Ende des Val d’Hérémence im Bezirk Hérens des Kantons Wallis in der Schweiz liegt. Der See wird durch die Staumauer Grande Dixence auf das Stauziel von 2364 Meter Höhe über Meer aufgestaut. Sie liegt 17 km südlich der Kantonshauptstadt Sion und war 2015 die vierthöchste Staumauer der Welt. See und Staumauer gehören zur Kraftwerksanlage Grande Dixence, werden aber auch von der Anlage Cleuson-Dixence genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Von 1926 bis 1934 baut die Energie de l’Ouest Suisse S.A. (EOS) die erste Dixence-Staumauer. Diese Pfeilerstaumauer mit 85 m Kronenhöhe wurde von den Ingenieuren Alfred Stucky und Jean Landry entworfen. Die Stromerzeugung erfolgte ab 1934 im Kraftwerk Chandoline.

Zwischen 1947 und 1951 wurde ein Zulaufstollen vom Lac de Cleuson zum Lac des Dix gebaut, um die Stromerzeugung zu erhöhen.

1950 wurde die Grande Dixence SA als Tochtergesellschaft der EOS gegründet mit dem Ziel das Wasser aller Seitenflüsse der Rhone zwischen der Vispa und Dranse de Bagnes zu nutzen. Es soll eine neue Staumauer gebaut werden und ein über 100 km langes Netz von Zulaufstollen um den See zu füllen. Die Wasserrechte an der Dranse de Bagnes werden aber wider erwarten nicht an die Grande Dixence SA abgegeben, sondern an die Forces Motrices de Mauvoisin SA, welche den Lac de Mauvoisin mit den zugehörigen Kraftwerken baut. Die Planung der Anlage wurde durch das firmeneigenen Büro mit Unterstützung durch Alfred Stucky durchgeführt.

Zur Finanzierung des Grossprojektes und zur Nutzung der von der Anlage erzeugten Energie sucht EOS nach weiteren Partnern, die in der Deutschschweiz gefunden werden. Es sind dies die BKW, die NOK und die Stadt Basel. EOS bleibt aber der Hauptaktionär der Grande Dixence SA mit 60 % Anteil an der Gesellschaft.

Der Bau der neuen Grande Dixence Staumauer dauerte von 1951 bis 1965. Am Bauprojekt waren über 3000 Arbeiter beteiligt.

Die Flutung wurde am 17. Juli 1957 durch das Öffnen der alten Staumauer eingeleitet. Die anderen Anlagenteile wurden zwischen 1961 und 1965 etappenweise in Betrieb genommen. Neben der Staumauer waren dies der 24 km langer Hauptstollen in 2400 Metern Höhe, der von vier Pumpstationen mit Wasser beschickt wird, und zwei neue Kraftwerke, welche zusammen mit dem bestehenden Kraftwerk Chandoline das Wasser des Sees in elektrische Energie umwandeln. Die Pumpstationen befinden sich in Zmutt und Stafel oberhalb von Zermatt, sowie in Ferpècle und Arolla im Val d’Hérens befinden, die Kraftwerke in Fionnay im Val de Bagnes und bei Nendaz im Rhonetal.

Zwischen 1993 und 1998 wurden die bestehenden Anlagen mit dem Projekt Cleuson-Dixence ergänzt, das eine bessere Nutzung des Stauseeinhalts ermöglicht indem ein zusätzliches Kraftwerk an den Stausee angeschlossen wurde. Für das neue Kraftwerk Bieudron mit einer Leistung von 1269 MW musste eine Wasserfassung in die Staumauer gebohrt werden, sowie ein 15,8 km langer Zuführungsstollen und ein 4,3 km langer Druckstollen mit Wasserschloss gebaut werden. Die Anlage kostete 1,3 Mia CHF und liegt vollständig unterirdisch. Sie konnte die Gesamtleistung der vom Lac des Dix versorgten Kraftwerke auf das 2,5-Fache der bereits vorhandenen Kraftwerke steigern, womit es möglich wurde, den Inhalt des Stausees während nur 1000 Stunden zu verarbeiten. Die Leistung des Kraftwerk Bieudron entspricht ungefähr derjenigen eines AKW und kann innerhalb von nur drei Minuten dem Netz zur Verfügung gestellt werden.[1]

Bruch des Druckstollens[Bearbeiten]

Am 12. Dezember 2000 gegen 20:10 Uhr barst die 1999 in Betrieb genommene, dicht unter der Hangoberfläche verlaufende Druckleitung mit einer Nennweite von 3,2 m, die das Wasser vom Wasserschloss Tracouet (2'250 m ü. M.) zum Kraftwerk in Bieudron (540 m ü. M.) führt. Die Leitung wurde zwischen Condémines und Fey (1'234 m ü. M.) auf einer Länge von 9 m und auf eine Spaltbreite von 60 cm aufgerissen. Eine 3 m lange Längsnaht der Stahlverkleidung barst, und der Riss pflanzte sich über weitere zwei Schüsse des Rohres fort. Der Kopfschieber am Wasserschloss wurde sofort automatisch geschlossen. Dennoch traten ungefähr 27 000 m³ Wasser aus, die sich oberhalb der Bruchstelle bis zu diesem Schieber im Rohr befanden.[2]

Dadurch kamen drei Menschen ums Leben und es wurden sieben Berghütten und vier Scheunen von den Wasser-, Fels- und Erdmassen zerstört, 17 andere Berg- und Gartenhütten sowie drei Bauernhöfe beschädigt und etwa 100 Hektar Wald, Weiden und Obstgärten durch Schlamm verwüstet. Die Straße zwischen Sion und Riddes und die Rhone selbst wurden verschüttet.

Das für die Deckung der Spitzenlast konzipierte Kraftwerk Bieudron mit einer Leistung von 1269 MW war seither ausgefallen. Nach erfolgter Instandsetzung wurde die Anlage im Januar 2010 wieder in Betrieb genommen.[3] Der Betriebsleiter und ein Verantwortlicher des Stollen-Herstellers wurden im August 2008 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt.[4]

Der wirtschaftliche Verlust durch den Ausfall der Generatoren in Bieudron ist von besonderer Art: Es handelte sich um einen Leistungsverlust, aber nicht um einen (Energie-)Produktionsverlust, da das Wasser aus dem Lac des Dix immer noch in den bestehenden Kraftwerken von Fionnay, Nendaz und Chandoline genutzt werden konnte.

Staumauer[Bearbeiten]

Staumauer Grande Dixence

Die Gewichtsstaumauer Grande Dixence ist mit einer Höhe von 285 Metern die derzeit vierthöchste Staumauer der Welt, nach der 2010 fertiggestellten, 292 m hohen Xiaowan-Talsperre in China sowie dem 1980 fertiggestellten Nurek-Staudamm mit 300 m Höhe und der 2014 fertiggestellten Mauer der Talsperre Jinping I. Ähnlich verhält es sich mit ihrem derzeitigen Titel als dritthöchstes Absperrbauwerk weltweit, der durch zwei weitere im Bau befindliche Anlagen (Rogun, Tadschikistan, mit 335 m das neue welthöchste Absperrbauwerk sowie Lianghekou, China, mit 295 m) ebenfalls bald der Vergangenheit angehören wird. Da es sich bei den neuen Bauwerken um andere Mauertypen handelt, bleibt die Grande Dixence weiterhin die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Eine Zusammenstellung der höchsten Staumauern ist in der Liste der größten Talsperren der Erde zu finden. Weitere sich im Bau befindlichen Staumauern werden Grande Dixence auf den siebten Platz abdrängen.

An der Basis hat die Grande Dixence eine Dicke von 200 Metern, die Kronenlänge beträgt 695 Meter. Beim Bau wurden über 6 Millionen  Beton verbaut, das Gewicht der Mauer liegt bei etwa 15 Millionen Tonnen. Zur Wartung und Kontrolle sind im Inneren der Mauer über 30 km Stollen angelegt.

Vom Fuss der Staumauer zur Krone verkehrt eine Luftseilbahn. Die 640 m lange Bahn aus dem Jahre 1964 ist als Pendelbahn mit Kabinen für 15 Personen ausgeführt. [5]

See[Bearbeiten]

Der Lac des Dix ist etwa 5,3 km lang, durchschnittlich ungefähr 600 Meter breit und maximal 227 m tief. Seine mit der Füllhöhe variierende Fläche beträgt ungefähr 4 km².

Das Fassungsvermögen liegt bei rund 400 Millionen m³. Der Stausee wird durch ein Netz von Zulaufstollen und Pumpwerken mit Wasser befüllt, das aus den 75 Wasserfassungen im 375 km² grossen Einzugsgebiet stammt, in dem sich 35 Gletscher befinden. Die jährlich gesammelte Wassermenge beträgt durchschnittlich 500 Millionen m³, wovon der überwiegende Teil im Sommer anfällt.

Pumpstationen[Bearbeiten]

Der Hauptstollen wird durch die folgenden Pumpwerke mit Wasser versorgt.

Pumpstationen Lage Gemeindegebiet Inbetriebnahme Maschinenhaus
[m.ü.M.]
el.Leistung
in MW
Pumpen Förderhöhe
in m
Ausbaudurchfluss
in m³/s
Bemerkung
Z’Mutt 620952 / 9501046.006327.70912 Zermatt 1965 1972 88 4 370 17,4 Leistungsstärkste Station der Anlage
Stafel 618550 / 9482746.004747.6781 Zermatt 1964 2180 26,4 3 212 9,9
Ferpècle 608505 / 10085646.059187.54854 Evolène 1962 1896 21,3 3 212 8,4
Arolla 603500 / 9577246.013497.48384 Evolène 1963 2009 48,6 3 312 12,6

Kraftwerke[Bearbeiten]

Die potentielle Energie aus dem im See gespeicherten Wasser wird in drei Kraftwerken in elektrische Energie umgewandelt. Das ebenfalls zum System gehörende Kraftwerk Chandoline ist seit Juli 2013 aus wirtschaftlichen Gründen für unbestimmte Zeit stillgelegt worden.[6]

Zentrale Lage Gemeindegebiet Inbetriebnahme Maschinenhaus
[m.ü.M.]
el.Leistung
in MW
Pelton-Turbinen Rohfallhöhe
in m
Ausbaudurchfluss
in m³/s
Bemerkung
Fionnay 589518 / 9825446.035747.30326 Bagnes 1957 1490 290 6 Doppelturbinen 874 45,0 Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kraftwerk des Lac de Mauvoisin
Chandoline 595099 / 11903846.222777.37513 Sion 1934 493 150 5 Doppelturbinen 1748 10,0 seit Juli 2013 stillgelegt[6]
Bieudron 585632 / 11471346.183737.25257 Nendaz 1999 481 1.269 3 Vertikalturbinen 1883 75,0 war ab 12. Dezember 2000 neun Jahre ausser Betrieb wegen Bruch des Druckstollens
Nendaz 585330 / 11455846.182337.24866 Riddes 1960 478 390 6 Doppelturbinen 1008 45,0 trotz dem Namen Nendaz befindet sich das Kraftwerk auf dem Gemeindegebiet von Riddes

Das Regelarbeitsvermögen beträgt jährlich insgesamt 2 Milliarden kWh, die sich zusammensetzen aus etwa 500 Mio. im Sommer und etwa 1,5 Milliarden im Winter. Alles abgearbeitete Wasser fliesst in die Rhône. Der Lac des Dix beinhaltet rund ein Fünftel der in der Schweiz speicherbaren elektrischen Energie und trägt zur Stromversorgung in 18 Kantonen bei. Die Leistung von Grande Dixence und Cleuson-Dixence zusammen beträgt 2 GW.

Trivia[Bearbeiten]

Die Krone des Damms ist nach dem Turmrestaurant des Fernsehturm Ostankino in Moskau der höchste für Touristen zugängliche Bereich eines Bauwerks in Europa. Jean-Luc Godard drehte 1954 seinen ersten eigenen Film Opération Beton, der über den Bau der Staumauer Grande Dixence berichtete. Godard selbst arbeitete dort als Bauarbeiter, um seine Finanzen aufzubessern.

Galerie[Bearbeiten]

180°-Panoramabild von der Mitte der Staumauer aus fotografiert. Blickrichtung: Süden
Grand Dixence gravity dam panorama in Val d'Herens

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lac des Dix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cleuson-Dixence. Alpiq Schweiz, abgerufen am 13. Mai 2015.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDossier "Rupture du puits blindé Cleuson-Dixence". April 2002, abgerufen am 23. August 2009 (PDF, französisch).
  3. Eröffnungsansprache. Abgerufen am 8. Juni 2010 (PDF; 96 kB, deutsch).
  4. Schweizer Fernsehen: SF Videoportal - Tagesschau - Urteil gefällt. 6. August 2007, abgerufen am 23. August 2009 (Video, deutsch).
  5. Seilbahndatenbank - 15-PB Dixence-Lac des Dix (Hérémence). In: www.bergbahnen.org. Abgerufen am 13. Mai 2015.
  6. a b Wasserkraftwerk Chandoline. Alpiq Schweiz, abgerufen am 13. Mai 2015.