Lady Godiva

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Lady Godiva von John Collier, ca. 1898
Godiva-Statue von William Reid Dick in Coventry

Godiva (oder Godgifu; † um 1085) war eine angelsächsische Adlige des 11. Jahrhunderts. 1043 stifteten Leofric, Earl of Mercia, und seine Gemahlin Godiva eine Benediktinerabtei in Coventry und statteten sie mit reichem Besitz aus.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Godiva ist Gegenstand einer Legende, die seit dem 13. Jahrhundert belegt ist: Das Volk litt unter der Steuerlast, für die ihr Ehemann verantwortlich war. Lady Godiva ertrug es nicht, die Menschen leiden zu sehen. Sie bemühte sich, ihren Mann dazu zu überreden, die Steuerlast zu senken. Er erwiderte, er würde die Steuern erst senken, wenn sie nackt durch die Stadt reite. Denn Leofric rechnete nicht damit, dass seine Frau dies wagen würde. Doch sie ritt daraufhin, nur von ihrer offen getragenen, ungeschnittenen Haarfülle bedeckt, durch die Stadt. Leofric, vom Mut seiner Frau beeindruckt, habe daraufhin alle Steuern erlassen, außer jene auf Pferde.

Seit 1678 wurde der Ritt der Lady Godiva in Coventry durch eine Prozession gefeiert. Im 17. Jahrhundert wurde die Geschichte weiter ausgeschmückt: Nur ein einziger Bürger (Peeping Tom) habe es gewagt zuzuschauen – und sei daraufhin erblindet.

Rosenkranz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem Testament (überliefert durch Wilhelm von Malmesbury in seiner Gesta pontificum anglorum) findet sich die älteste schriftliche Erwähnung eines Rosenkranzes, einer Gebetskette als Zählhilfe in der katholischen Kirche: "...eine Kreiskette von Edelsteinern, den sie an eine Schnur aufgenäht hatte, damit sie die Anzahl ihrer Gebete nicht überschreitet, indem sie jede von Anfang an nacheinander berührt; sie hatte deshalb befohlen, diese Edelsteinkette um den Hals des Bildnisses der Heiligen Maria zu hängen."[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmplakat des Stummfilms von 1921
Plakat der Verfilmung von 1955

Als Alfred Tennyson 1840 in Coventry auf den Zug wartete, formte er die Legende der Stadt zu einem 79zeiligen Gedicht.[2] Es gibt zahlreiche Gemälde mit der Darstellung des Motivs, u. a. von dem englischen Präraffaeliten John Collier (1898) bis hin zu Salvador Dalí (1971).

Vítězslav Novák schrieb 1907 die Symphonische Dichtung Lady Godiva (Op. 41) als Ouvertüre zu der „dramatischen Legende in vier Akten“ Godiva von Jaroslav Vrchlický.[3] Die Oper Isabeau von Pietro Mascagni aus dem Jahre 1911 beruht teilweise auf der Geschichte von Lady Godiva.

1902 erschien mit Joseph I. C. Clarkes Lady Godiva. A Play in Four Acts eine Dramatisierung des Stoffes[4] und 2001 mit Godiva eine kindgerechte Bearbeitung der Sage von Lynn Cullen (illustriert von Kathryn Hewitt)[5] 2004 erschien unter demselben Titel ein auf intensiven Recherchen basierender Roman von David Rose (* 1949), der mit Lady Godiva verwandt ist.[6] Ebenfalls unter dem Titel Godiva erschien 2008 ein historischer Roman von Nerys Ann Jones (1962–2007).[7] und 2015 Eliza Redgolds Roman Naked. A novel of Lady Godiva.[8]

1911 erschien ein zehnminütiger Stummfilm von J. Stuart Blackton nach einem auf Tennysons Gedicht basierenden Skript von Eugene Mullin mit Julia Swayne Gordon in der Titelrolle der Lady Godiva.[9] 1921 kam ein Stummfilm von Hubert Moest mit Hedda Vernon in der Titelrolle heraus. In dem US-amerikanischen Spielfilm Lady Godiva of Coventry von 1955 (dt. Titel: Die nackte Geisel, Regie: Arthur Lubin) spielte Maureen O’Hara die Hauptrolle.[10] Als Galionsfigur einer Protestkundgebung reitet Gina Lollobrigida in dem Spielfilm Fremde Bettgesellen (1965) als Lady Godiva in einem hautfarbenen Anzug durch Soho.

Auf das Motiv wird auch in zahllosen Liedern der Popkultur verwiesen, darunter in Songs mit dem Titel Lady Godiva von Alex Day, Boney M., Merve Deniz, Peter & Gordon, Karolina Gočeva (komponiert von Arsen Dedić) und Kristin Hersh etc., in You, Lady Godiva von Silver Darter, Hey, Lady Godiva von Dr. Hook & the Medicine Show, Lady Godiva’s Operation von The Velvet Underground, Lady Godiva And Me von Grant Lee Buffalo, Lady Godiva’s Room von Simply Red, aber auch in Don’t Stop Me Now von Queen, Modern Love von Peter Gabriel oder My Secret Europe von Phantom/Ghost. Die deutsche Metalcore-Band Heaven Shall Burn verwendete das Gemälde von John Collier als Cover für ihr Album Veto und verarbeitete den Stoff der Legende zur Eröffnungsnummer Godiva. Nicht zuletzt benannte sich die deutsche Musikgruppe Lady Godiva nach der historischen Gestalt.

Während des Manhattan-Projekts zum Bau der ersten Atombombe gab es Versuche zur Bestimmung der kritischen Masse der Uranbombe. Einem Versuchsaufbau gab Otto Frisch dabei den Namen Lady Godiva.[11] Außerdem wurde der 1982 entdeckte Asteroid (3018) Godiva nach Lady Godiva benannt.

Stadtflagge von Coventry

Seit 1998 wird vom Coventry City Council jeweils Anfang Juli im War Memorial Park das dreitägige Coventry Godiva Festival „mit Live-Musik aus allen Genres, Geschichts- und Naturschutzzelten, Familienaktivitäten, einem Rummel und vielem mehr“[12] veranstaltet. Seit 2018 hat die Stadt Coventry eine Stadtflagge, auf der Lady Godiva dargestellt ist.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William of Malmesbury (Autor), Michael Winterbottom (Hrsg.): Gesta Pontificum Anglorum 1125 = The history of the English Bishops (Rolls Series 311). Clarendon Press, Oxford 2007 (zweisprachig lateinisch-englisch)
  1. Text and Translation. ISBN 978-0-19-820770-2.
  2. Commentary. ISBN 978-0-19-922661-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Christoph Lichtenberg: Ein sittsamer Gebrauch zu Coventry in Warwickshire. In: Göttinger Taschenkalender 1779, S. 59–61, („Seltsame Moden und Gebräuche“, № 2). Wiederabdruck in: Vermischte Schriften, Neue Original-Ausgabe, Bd. 5, Dietrich, Göttingen 1867, S. 323 ff. (Digitalisat bei Google Books).
  • Philip Carr-Gomm: The Legend of Lady Godiva. In: A Brief History of Nakedness. Reaktion, London 2010, S. 92 ff. (englisch; Digitalisat im Internet Archive).
  • Daniel Donoghue: Lady Godiva : A Literary History of the Legend. Blackwell Publishing, 2003, ISBN 1-4051-0046-X (englisch; Buchvorschau bei Google Books).
  • Elizabeth Reid Boyd: NAKED: Lady Godiva’s Revealing Return to Popular Culture (englisch; online auf academia.edu).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lady Godiva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ...circulum gemmarum, quem filo insuerat, ut singularum contactu singulas orationes incipiens numerum non praetermitteret, hunc ergo gemmarum circulum collo imaginis sanctae Mariae appendi jussit.
  2. “I waited for the train at Coventry / […] and there I shaped / The city’s ancient legend into this: […]”. Beginn und Schluss der einführenden (kursiv gesetzten) vier Verse des Gedichts Godiva, vgl. Digitalisat der zweiten, erweiterten Ausgabe von Poems in Two Volumes, Vol. 2, 1849, S. 51–54 bei Google Books.
  3. Lady Godiva, Op.41 von Vítězslav Novák im IMSLP; dort auch Verweis auf den Kontext.
  4. Digitalisat im Internet Archive.
  5. Digitalisat im Internet Archive.
  6. Digitalisat im Internet Archive.
  7. Digitalisat im Internet Archive; Informationen zur Autorin s. hintere Buchklappe.
  8. Digitalisat im Internet Archive; Vorstellung des Buchs (englisch) auf elizaredgold.com.
  9. Digitalisat des Films im Internet Archive.
  10. Die nackte Geisel im Lexikon des internationalen Films
  11. Hubert Mania: Kettenreaktion. Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-00664-8, S. 298 f.
  12. Festival History auf godivafestival.com.