Laffer-Kurve

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Symbolische Darstellung der Laffer-Kurve

Die Laffer-Kurve beruht auf einer These des Ökonomen Arthur B. Laffer, der zufolge die Steuereinnahmen mit steigendem Steuersatz nur bis zu einem Scheitelpunkt ansteigen und bei weiter steigendem Steuersatz wieder fallen. Die Idee tauchte bereits in Jonathan Swifts Steuereinmaleins (1728) auf. Der Laffer-Kurve liegt keine mathematische Formel zugrunde, mit deren Hilfe der konkrete Scheitelpunkt errechnet werden könnte.[1] In der wirtschaftspolitischen Praxis der Angebotspolitik, insbesondere der Reagonomics, wurde unter Bezug auf die These formuliert, dass durch Senkung des Steuersatzes das Steueraufkommen gesteigert werden könne.[2] Die These ist theoretisch und wirtschaftspolitisch umstritten. Da sie keine konkreten Aussagen erlaubt, ist sie nicht falsifizierbar.[3] Viele Ökonomen sehen die These durch die Realität widerlegt.[4][5]

Begründung[Bearbeiten]

Entwicklung der Umsatzmengen von versteuerten Tabakwaren und der Tabaksteuereinnahmen

Wird der Steuersatz, ausgehend von einem Satz von null, sukzessive erhöht, so steigen auch die Steuereinnahmen, allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt, an dem die Besteuerten ausweichen. Wird der Steuersatz über diesen Punkt hinaus weiter erhöht, dann nehmen die Steuereinnahmen wieder ab; dieses Phänomen entsteht, weil höhere Steuersätze auch den Steuerwiderstand erhöhen. Daraus kann ein Rückgang der Besteuerungsgrundlage, z.B. durch geringeren Verbrauch der höher besteuerten Güter, resultieren.

Mathematisch können nur 2 Punkte der Kurve bestimmt werden:

Ist der Steuersatz t gleich 0 %, so ist das Steueraufkommen T am Umsatz Y demnach auch 0.

 T = t \cdot Y entspricht T = 0 \cdot Y = 0

Beträgt der Ertragssteuersatz 100 %, so ist das Steueraufkommen an einer Steuer auf Einnahmen ebenfalls 0.

 T = t \cdot Y entspricht T = 1 \cdot 0 = 0

Es besteht kein Anreiz an dieser Einnahmeform. Daher setzt die Laffer-Kurve an diesem Punkt auch die Steuereinnahmen auf null.

Verlauf und Scheitelpunkt der Kurve (bei dem der Steuerertrag maximal wäre) können nicht genau angegeben werden. Insbesondere lässt sich für eine Steuer nicht angeben, ob sie sich links oder rechts vom Scheitelpunkt befindet. Die Laffer-Kurve illustriert lediglich den von Swift formulierten Zusammenhang: Wird ein Steuertarif bzw. eine Steuerquote über einen bestimmten Punkt erhöht, führt dies aufgrund der Reaktionen der Besteuerten zu abnehmenden Steuereinnahmen.[6]

Als Beispiel für den von Laffer beschriebenen Effekt werden oft die Tabaksteuererhöhungen dargestellt: Obwohl die Steuereinnahmen nach den Steuererhöhungen auf Tabakwaren, insbesondere Zigaretten, steigen müssten, sind sie im ersten Halbjahr 2005 gefallen. Viele Menschen konsumieren nun alternative, niedriger besteuerte Tabakprodukte, wie Schnitttabak oder beschaffen sich Schmuggelware (vgl. Prohibitivpreis). Dieser Zustand wird durch einen Punkt auf der Laffer-Kurve rechts des Scheitelpunkts beschrieben. Aussagen, ein bestimmter Preis p(x) garantiere maximale Steuereinnahmen oder ein bestimmter Preis p(y) werde alle Raucher zum Aufhören (also T = 0) bringen, können aus dem Laffer-Diagramm nicht abgeleitet werden; hierzu sind entsprechende empirische Studien notwendig. Der Konsum von Zigaretten sinkt auch aus außersteuerlichen Gründen seit 1991 kontinuierlich.

Rezeption[Bearbeiten]

Defizit des US-Bundeshaushalts zwischen 1971 und 2001 in Milliarden Dollar; Reagans Amtszeit lag zwischen 1981 und 1989.

Laffers theoretischer Zusammenhang, den er laut eigenen Angaben zum ersten Mal auf einer Serviette eines Washingtoner Restaurants skizzierte, wurde vor allem unter angebotsseitigen Ökonomen populär. Die keynesianische Fiskalpolitik stützt ihre Argumentation dagegen auf das Haavelmo-Theorem.

Die oft als Reaganomics bezeichnete Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan wurde durch Laffer maßgeblich beeinflusst. Viele Ökonomen halten den Laffer-Effekt aufgrund der Erfahrungen mit der Steuerpolitik unter Präsident Ronald Reagan für widerlegt.[7] Die abrupten Steuersenkungen verursachten demnach extreme Haushaltsdefizite.[8] Andere Ökonomen sehen den Laffer-Effekt nicht als widerlegt an.[9] Die Laffer-Kurve lässt sich nicht zweifelsfrei verifizieren oder falsifisieren, da die hypothetische Einnahmenentwicklung unter anderen Steuersätzen immer nur geschätzt werden kann.[10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Udo H. Raab, Öffentliche Transaktionskosten und Effizienz des staatlichen Einnahmesystems, ISBN 3-428-08248-6, S. 119-220
  2. Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon, Laffer-Kurve
  3. Udo H. Raab, Öffentliche Transaktionskosten und Effizienz des staatlichen Einnahmesystems, ISBN 3-428-08248-6, S. 119-220
  4. N. Gregory Mankiw, Principles of Economics, ISBN 978-0-538-45305-9, S. 165
  5. Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon, Laffer-Kurve
  6. Peter Bohley: Die öffentliche Finanzierung: Steuern, Gebühren und öffentliche Kreditaufnahme. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2003, ISBN 3486273744, S. 127
  7. N. Gregory Mankiw, Principles of Economics, ISBN 978-0-538-45305-9, S. 165
  8. Jürgen Pätzold: Stabilisierungspolitik, zitiert nach http://www.juergen-paetzold.de/stabpol/BG+Infl/Stabpol%20Strategien.html
  9. N. Gregory Mankiw, Principles of Economics, ISBN 978-0-538-45305-9, S. 165
  10. Udo H. Raab, Öffentliche Transaktionskosten und Effizienz des staatlichen Einnahmesystems, ISBN 3-428-08248-6, S. 222
  11. N. Gregory Mankiw, Principles of Economics, ISBN 978-0-538-45305-9, S. 165

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Schumann u.a.: Grundzüge der mikroökonomischen Theorie. Springer, Berlin 1999. ISBN 3-540-66081-X.
  • Gustav Dieckheuer: Makroökonomik. Theorie und Politik. 5. Auflage. Springer, Berlin 2003. ISBN 3-540-00564-1.
  • E. Görgens; K. Ruckriegel; F. Seitz: Europäische Geldpolitik. 4. Auflage Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2004. ISBN 3-8282-0286-1
  • Gudehus, Timm, Dynamische Märkte, Praxis, Strategien und Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft, Springer, Berlin-Heidelberg-New York, 2007, ISBN 978-3-540-72597-8 (s. S. 277ff u. Abb. 15.13)
  • Dalamagas, Basil (1998): Endogenous growth and the dynamic Laffer curve, Applied Economics Vol. 30, Nr. 1: 63-75.
  • Agell, Jonas / Persson, Mats (2001): On the analytics of the dynamic Laffer curve, Journal of Monetary Economics Vol. 48, Nr. 2, 397-414.
  • Heijman, W.J.M. / van Ophem, J. A. C. (2005), Willingness to pay tax - The Laffer curve revisited for 12 OECD countries, The Journal of Socio-Economics Vol. 34, Nr. 5, 714-723.
  • Becsi, Zsolt (2000): The Shifty Laffer Curve (PDF; 254 kB), Economic Review - Federal Reserve Bank of Atlanta Vol. 85, Nr. 3, 53-64.
  • Claessens, Stijn (1990): The Debt Laffer Curve: Some Estimates, World Development Vol. 18, Nr. 12, 1671-1677.
  • Sander, H. (1990): Die „Debt-Relief-Laffer-Kurve“, Zur Ökonomik freiwilliger Schuldenrückkäufe im Rahmen des Brady-Plans, WiSt, Sept. 1990, 463-466.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laffer-Kurve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien