Lagonda

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Lagonda M45 Tourer, Baujahr 1933
Lagonda Rapier, Baujahr 1934
Lagonda LG 45 Rapide, Baujahr 1936
Lagonda V12 Le Mans, Baujahr 1938
Lagonda V 12 (1939)
Lagonda 3 Litre (1953–1958)
Lagonda Rapide (1961–1964)
Aston Martin Lagonda Series 2 (1976–1986)

Lagonda war eine englische Automobilmarke, die insbesondere in den 1930er-Jahren durch Erfolge beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans bekannt wurde, später in Aston Martin aufging und 1964 als eigenständige Marke eingestellt wurde. Ab 1974 nutzte Aston Martin den Namen nochmals als Modellbezeichnung für eine Reihe viertüriger Luxuslimousinen.

Firmengründung[Bearbeiten]

Firmengründer war der frühere Opernsänger Wilbur Gunn († 1920), ein US-Amerikaner schottischer Abstammung, der um 1900 nach England auswanderte und zunächst am Bau von Dampfschiffen mitarbeitete. Danach begann er in Staines, Middlesex, Motorräder zu bauen, denen er den indianischen Namen eines kleinen Flusses nahe seiner Heimatstadt OhioLagonda – gab. Damit folgte er dem Beispiel anderer Amerikaner, die den Namen von Häuptlingen oder Indianerstämmen wie z. B. Pontiac als Markennamen für ihre Fahrzeuge wählten.

Außer den Motorrädern entwickelte Gunn bereits Ende 1904 zusammen mit A. H. Cranmer ein Dreirad mit Zweizylindermotor, eine sogenannte Voiturette, die er ebenfalls als Lagonda mit Erfolg verkaufte, sodass der Name beibehalten wurde.

Drei Jahre danach brachte Gunn die ersten vierrädrigen Autos mit Vier- und Sechszylindermotoren heraus.

Modelle und sportliches Renommee[Bearbeiten]

Auch der ab 1907 gebaute leichte Vierradwagen mit 1100-cm³-Viertaktmotor, der 11 PS leistete, trug den Namen Lagonda. Da der Wagen unerwartet auch Prominenten wie dem russischen Zaren Nikolaus II. gefiel, wurde das Auto mit geringfügigen Modifikationen bis 1920 gebaut.

In den 1920er-Jahren und dem anschließenden Jahrzehnt begründeten die Sportwagen mit Zwei- und Dreilitermotoren den Ruf der Marke Lagonda, da diese Wagen mehrere Sportwagenrennen gewannen und 1935 ihre Laufbahn mit einem Sieg in Le Mans krönten. Der Siegerwagen war ein Lagonda Rapide M 45. Allerdings brachten Fahrzeuge wie dieses keinen wirtschaftlichen Erfolg, sodass Alan Good 1935 Lagonda übernahm. Neuer technischer Leiter wurde Walter Owen Bentley, dessen Firma Rolls-Royce 1931 übernommen hatte. Unter Bentley entstand 1936/37 auf der Basis des LG5 unter anderem ein Luxuswagen mit 12-Zylinder-V-Motor, einem Hubraum von 4,5 Liter und einer Leistung von 175 PS (SAE). Der Absatz dieses Wagens blieb jedoch hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Bentley entwickelte außerdem einen leistungsstarken Reihensechszylindermotor, der allerdings infolge des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs zunächst nicht in Produktion ging.

Verbindung mit Aston Martin[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs baute Lagonda zwar einzelne Prototypen,[1] nahm aber die Automobilproduktion aus Mangel an Kapital und aus rechtlichen Gründen zunächst nicht wieder auf. Grundlage hierfür war ein gerichtlich ausgetragener Streit zwischen W.O. Bentley und Rolls-Royce über die Zuordnung von Namensrechten.[2] Alan Good verkaufte Lagonda daraufhin an den Unternehmer David Brown, der zuvor bereits den traditionsreichen Sportwagenhersteller Aston Martin übernommen hatte. Wesentlicher Grund für die Übernahme Lagondas durch Brown war der von W.O. Bentley konstruierte Reihensechszylindermotor, der nach Ansicht Browns den veralteten Vierzylindermotoren von Aston Martin deutlich überlegen war: Brown wollte die Aston-Martin-Sportwagen künftig mit dem Lagonda-Sechszylinder ausrüsten.[3] Dort begründete er im Aston Martin DB2 und seinen Ablegern in den 1950er-Jahren den sportlichen Ruf der Marke.[4]

Nach der Zusammenführung beider Unternehmen nahm Brown 1948 die Automobilproduktion unter dem Markennamen Lagonda wieder auf. In Abgrenzung zur Marke Aston Martin, die weiterhin für offene und geschlossene Sport- und Rennwagen zuständig war, bot Lagonda gesetzte, konservativ gestaltete Oberklassecoupés und -Limousinen an. Das erste Modell der sogenannten David-Brown-Lagondas war der Lagonda 2.6 Litre, der ebenso wie die Aston-Martin-Sportwagen den Bentley-Sechszylindermotor verwendete. Er wurde 1953 durch den technisch sehr ähnlichen Lagonda 3 Litre abgelöst. Nach zehn Jahren, in denen insgesamt etwa 800 Fahrzeuge gefertigt worden waren, endete die Ära der David-Brown-Lagondas. Von 1961 bis 1964 gab es noch den Lagonda Rapide mit Aston-Martin-Technik; dieses sehr teure und stilistisch nicht unumstrittene Auto wurde nur in zweistelliger Stückzahl produziert. Ab 1974 wurde der Begriff Lagonda wiederholt als Markenname für unterschiedliche Aston-Martin-Limousinen (Aston Martin Lagonda Series 1 und Aston Martin Lagonda Series 2–4) verwendet. Der von William Towns futuristisch gestaltete Aston Martin Lagonda Series 2 galt bei seiner Vorstellung 1976 als „absolute Sensation“[5] und polarisierte.[6][7] Beobachter hielten es für das fortschrittlichste Auto seiner Zeit.[6] Ungeachtet vieler Probleme, die insbesondere auf die ambitionierte Elektronik zurückzuführen waren, sicherte das Auto das wirtschaftliche Überleben Aston Martins in den 1980er-Jahren. Es blieb bis 1990 im Programm. Auch vom Aston Martin Virage wurden einzelne Fahrzeuge in Handarbeit als viertürige Limousine und gar als Kombi auf Kundenwunsch mit dem Modell- oder Markennamen Lagonda gefertigt. In Serie gingen diese handgefertigten Einzelstücke jedoch nie.

2009 gab es Pläne, die Marke Lagonda ab 2012 für ein Luxus-SUV mit Aston-Martin-Technik wiederzubeleben.[8] Dazu kam es aber nicht; die Aston-Martin-Geschäftsführung verwarf die Pläne für einen SUV in der Folgezeit wieder.[9]

Im Herbst 2014 wurde der Lagonda Taraf vorgestellt, eine auf 200 Exemplare limitierte Oberklasse-Limousine, die anfänglich Kunden im Mittleren Osten vorbehalten war, ab 2015 aber auch auf anderen Märkten, namentlich in Großbritannien, verkauft wird.

Modelle[Bearbeiten]

Typ Motor Produktionszahl Baujahre
20 3052 cm³ SV 4 Zyl. 1906–1913
30 4578 cm³ SV 4 Zyl. 1911–1913
11 1099 cm³ IOE 4 Zyl. 6000 (einschl. 11.9 und 12) 1913–1921
11.9 1421 cm³ IOE 4 Zyl. 6000 (einschl. 11 und 12) 1920–1923
12 und 12/24 1421 cm³ IOE 4 Zyl. 6000 (einschl. 11 und 11.9) 1923–1926
14/60 und 2 litre Speed 1954 cm³ OHV 4 Zyl. 1440 1925–1933
16/65 2389 (später 2692) cm³ OHV 6 Zyl. 250 1926–1930
3 litre 2931 cm³ OHV 6 Zyl. 570 1928–1934
16/80 1991 cm³ OHV 6 Zyl. Crossley 260 1926–1930
Rapier 1087 cm³ DOHC 4 Zyl. 470 + 300 von Rapier Cars 1934–1935
M45 4467 cm³ OHV 6 Zyl. Meadows 410 + 53 M45R Rapide 1935
3.5 litre 3619 cm³ OHV 6 Zyl. 65 1935
LG45 4467 cm³ OHV 6 Zyl. Meadows 278 + 25 Rapides 1936–1937
LG6 4467 cm³ OHV 6 Zyl. Meadows 85s 1938–1940
V12 4480 cm³ DOHC V12 189 1938–1940
2.6 litre 2580 cm³ DOHC 6 Zyl. 510 1948–1953
3 litre 2922 cm³ DOHC 6 Zyl. 270 1953–1958
Rapide 3995 cm³ DOHC 6 Zyl. 55 1961–1964
Aston Martin Lagonda 5340 cm³ OHC V8 645 1976–1989

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lagonda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersicht über die Lagonda-Prototypen der 1940er-Jahre auf der Internetseite www.db-lagonda.com, abgerufen am 8. Mai 2015.
  2. Hierzu im Detail William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 9 und die Darstellung des Rechtsstreits auf der Internetseite www.db-lagonda.com (abgerufen am 8. Mai 2015).
  3. Andrew Noakes: Faszination Aston Martin. Parragon, Bath 2006, ISBN 978-1-40547-900-4, S. 30.
  4. William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 9.
  5. Giles Chapman: Aston Martin. Warts & all. Markengeschichte in: Octane Classic & Performance Cars, Heft Oktober 2013, S. 90
  6. a b Robert Coucher: Four by four. Four Seater Aston Martins. In: Octane Classic & Performance Cars, Heft April 2010, S. 60 f.
  7. William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 58.
  8. Online-Artikel "Aston Martin Lagonda - Die britische Luxus-SUV-Vision für 2012 im Detail" der Auto-Motor-und-Sport vom 1. Mai 2009
  9. Online-Artikel "Aston Martin Lagonda - Die britische Luxus-SUV-Vision für 2012 im Detail" der Auto-Motor-und-Sport vom 1. Mai 2009
Zeitleiste der Aston-Martin-Modelle von 1948 bis heute
Typ / Motor Ära David Brown 1947–1972 Diverse Besitzer Ab 1986 zu 75 %, von 1993 zu 100 % Teil von Ford Unabhängig
1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6
Kleinstwagen Cygnet
Oberklasse-Limousinen Lagonda 2.6 Litre Lagonda 3 Litre Lagonda Rapide Lagonda Rapide
Taraf
Sportwagen R4 DB1
R6 DB2 DB2/4 DB4 DB5 DB6 DB7
DB2 Vantage DB4 Vantage DB5 Vantage DB6 Vantage
DB4 GT Zagato DBS Vantage
V8 DBS V8 V8 Virage V8
V8 Vantage V8 Vantage V8 Vantage
V8 Zagato
V12 V12 Vantage
DB7 Zagato V12 Zagato
DB7 Vantage DB9
DB7 AR1 Virage
V12 Vanquish DBS Vanquish
One-77
Rennwagen-Prototyp DB3 DBR1 NRA/C2 AMR1 LMP1
DBR2 EMKA
DBR3 DBR4
DBR5
GT-Rennwagen DB2 DP212 DP214 RHAM/1 V8 Vantage N24 / GT4 / GT2
DP215 V12 Vantage GT3
DBR9
DBRS9
  • Unter der Marke Lagonda vertrieben
  • Bodengruppe vom Jaguar XJS
  • Auf Basis des Toyota iQ