Lagune von Venedig

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Die Lagune von Venedig ist ein durch Landzungen und Inseln weitgehend abgetrenntes Haff im Norden der Adria. Sie entstand um 4000 v. Chr. durch Ablagerungen der Brenta und anderer die Poebene entwässernder Flüsse. In ihr liegt die Stadt Venedig.

Karte der Inseln in der Lagune
Satellitenbild der Lagune

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lagune reicht vom Fluss Sile im Norden zur Brenta im Süden und hat eine Fläche von ca. 550 km². Rund 8 % der Oberfläche bestehen aus Inseln (darunter Venedig selbst und eine Reihe kleinerer Inseln), nur 11 % sind dauerhaft von Wasser bedeckt (inklusive der verschiedenen Kanäle), der Rest besteht aus den Fischgründen, der weit überwiegende Teil besteht aus Watt und Marschland. Die Lagune bildet das größte Feuchtgebiet mit Anschluss ans Mittelmeer.[1]

Die Lagune hat drei Verbindungen zur Adria, welche nach den naheliegenden Städten Lido, Malamocco and Chioggia benannt sind.

Durch die Lage am nördlichen Ende des langen Meeresarms der Adria werden die von nördlichen und insbesondere die von südlichen Winden verursachten Wasserbewegungen verstärkt und führen zu Springtiden, die als Acqua Alta bezeichnet werden und Venedig regelmäßig unter Wasser setzen. Die östlich gelegene Schwester-Lagune von Marano hat eine Fläche von rund 160 km².

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit des römischen Reichs erstreckte sich ein System von Ästuaren (Mündungslagunen) von Ravenna im Süden bis nach Trieste im Osten. Im sechsten Jahrhundert suchte die romanisierte Bevölkerung auf den Inseln der Lagune Schutz vor den Invasionen der Hunnen und anderen östlichen Völkern. Durch die geschützte Lage entwickelte sich die Republik Venedig zu einer bedeutenden Seemacht. Heute noch existieren der bedeutende Seehafen, die ehemaligen Werften des Arsenale und die Fischgründe der Lagune, die sich zu einer modernen Aquakultur entwickeln.

Vor sechstausend Jahren flutete der gegen Ende der letzten Eiszeit steigende Meeresspiegel die oberen adriatischen Küstenebenen, während die Ablagerung von Flüssen dem teilweise entgegenwirkte. Die große Sedimentfracht des Po wurde von Meeresströmungen an der Küste entlang getrieben und schloss Meeresbuchten durch vorgelagerte Sandbände von der Adria ab.

Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert wurden die in die Lagune mündenden Flüsse umgeleitet, um die Lagune von weiteren Ablagerungen freizuhalten und die Entnahme von Grundwasser führte zu Absenkungen. Sumpfige Inseln wurden trockengelegt, um sie bewohnbar zu machen und einige wurden gänzlich neu angelegt. Speziell der Hafen von Mestre wurde durch Landgewinnung vergrößert. Viele Inseln bestanden früher nur aus Sandbänken und Dünen; so auch die den Küstenstreifen bildenden langgezogenen Inseln Lido di Venezia, Pellestrina und Cavallino-Treporti.

Die Lagune ist seit langer Zeit besiedelt, doch erst nach dem Niedergang des weströmischen Reichs siedelten genügend Menschen aus dem Hinterland auf den Inseln, um die Stadt Venedig entstehen zu lassen. Daneben entstand Chioggia am südlichen Ende der Lagune und die Inseln Lido und Pellestrina wurden besiedelt.

Das wirtschaftliche Zentrum mit Hafen und Flughafen befindet sich heute auf dem westlichen Festland, wo in den ehemals selbstständigen Städten Mestre und Marghera auch der Großteil der Bevölkerung lebt.

Am nördlichen Ende der Lagune liegen der bekannte Ferienort Jesolo und Cavallino-Treporti.

Laguna morta, laguna viva[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nördliche Teil, etwa ab Torcello, enthält vorwiegend Süßwasser und wird vom Gezeitenwechsel kaum erreicht. Er heißt daher laguna morta (‚tote Lagune‘). Die Salzwasserlagune, deren Wasserstand mit Ebbe und Flut sinkt und steigt und die vom Meerwasser durchspült wird, heißt laguna viva (‚lebende Lagune‘).

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohne weitere menschliche Eingriffe würde sich die zentralen Teile der Lagune um Venedig herum in ein tieferes Wasserbecken verwandeln und einige Sandbänke und Salzmarschen (Barene) darin verschwinden lassen. Denn einige kleinere Flüsse, die ursprünglich in die Lagune mündeten, wurden von der Republik Venedig direkt in die Adria umgeleitet, um eine Verlandung zu verhindern. Damit erhielt sich die Stadt ihren Schutz durch das sie umgebende Wasser. Doch es wurde nur noch wenig Sand, Schlick und Geröll herantransportiert, Material, das durch die Auslässe zur Adria langsam entwich. Diese Entwicklung wurde im 19. und 20. Jahrhundert dadurch verschärft, dass die Ausgänge für die erheblich angewachsenen Schiffe, vor allem der Industrieregion um Mestre und Marghera, stark verbreitert und vertieft wurden. Fehlender Nachschub und verstärkte Erosion veränderten die Lagune stetig. So verliert die Lagune jedes Jahr rund 500.000 m³ Land.

Ökologische Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteidigungs- und Wirtschaftsmotive haben eine Situation geschaffen, die durch das Verschwinden der vielfältigen Abfolge von Salzmarschen, Sandbänken und Untiefen die Artenvielfalt bedroht. Dabei verlandet der nördliche Teil, die laguna morta, während das Wasserbecken im Süden, die laguna viva, immer tiefer und lebensfeindlicher wird. Während im Norden die Marschen wachsen, verschärft das regelmäßige Ausbaggern der Zufahrten nach Mestre und Marghera, die Situation im Süden. Dazu kommt, dass Grundwasser abgepumpt wird, was den Lagunenboden weiter absenkt.

Auch treten seit einigen Jahren Nahrungskonkurrenten auf, die inzwischen erhebliche ökonomische Bedeutung erlangt haben, wie die Philippinische Venusmuschel. Die sogenannten Caparozzolante graben mit ihren Fangkörben den Lagunenboden auf und setzen damit eine Verschärfung des Materialverlusts in der Lagune in Gang.

Dabei ist der Schutz durch Pflanzenbewuchs von großer Bedeutung. In Salzmarschen und auf Sandbänken brechen Pflanzen die Kraft der Wellen und ihre Wurzeln halten den Boden. Algen- und Bakterienmatten verlangsamen den Verlust von Sand und Schlick. Ihre Zerstörung durch Muschelfischer verschärft die Materialverluste.

Die Philippinische Venusmuschel und die Caparossolanti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sog. ‚Caparossolanti’, die Muschelmänner, wie sie im venezianischen Dialekt heißen sorgen seit einiger Zeit für Missstimmung zwischen Venedig und Chioggia. Ende der 80er Jahre wurde von Züchtern die philippinische Venusmuschel, das ‚schwarze Gold der Lagune’ angesiedelt und hat die heimischen Muscheln verdrängt. Sie gedeiht besonders in den von Industrie verschmutzen und erwärmten Gewässern von Chioggia. Die Caparossolanti fangen die Muscheln in PS–starken Booten mit eisernen Fangkörben in Sperrgebieten und reißen dabei den Lagunenboden auf. Über 1000 Muschelmänner arbeiten 2006 in den Gewässern zwischen Chioggia und Venedig und verdienen dabei mehr als die traditionellen Fischer, deren Lebensgrundlage sie gefährden. Innerhalb von 15 Jahren veränderte sich die Wasserwelt der Lagune durch die neue Muschelart. Bekämpft werden die Caparossolanti von der venezianischen Polizei in ihren ‚gelbe Flammen’ genannten Booten, die in Chioggia äußerst unbeliebt sind. Vor allem nachts ist die Jagd der venezianischen Polizei gefährlich. Bereits fünf Muschelfischer sind dabei ums Leben gekommen.

Die Boote der Muschelfischer sind mit Radar ausgerüstet und kommunizieren miteinander, um auch nachts und im Nebel arbeiten zu können.

Die Einwohner von Chioggia betrachten die Philippinische Venusmuschel als Gottesgeschenk. Sie habe die Wirtschaft der Stadt beflügelt und die Kriminalität ausgerottet. Vor 15 Jahren war das Gefängnis von Venedig gefüllt mit Chioggiotti. Heute seien die ehemaligen Kriminellen alle im Muschelgeschäft. Die Caparossolanti sind der neue wirtschaftliche Motor der Stadt, in der es mittlerweile mehr Banken und Juweliergeschäfte gibt als Bäckereien.

Hochwasserschutz-Bauwerk Mose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funktionsschema von MO.S.E.:
A: Laguna B: Mittelmeer
1: Meeresgrund
2: Stau-Tor (abgesenkt: Bodenplatte)
3: Druckluft
4: Wasser, das aus dem Tank ausgepresst werden kann

Durch Fluttore zum Schutz vor massiven Überschwemmungen soll das winterliche Hochwasser in der Stadt (it. Acqua Alta) in der Lagune kontrolliert werden. Das umstrittene MO.S.E-Projekt (für MOdulo Sperimentale Elettromeccanico)[2] ist ein dreiteiliges Wasserstauwerk an den Ausfahrten der Lagune und soll 2016 fertiggestellt werden.

Stabilisierende Eingriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lagune, wie sie heute besteht, ist ein Biotop aus Menschenhand, welches unter Beibehaltung der derzeitigen Bedingungen unerwünschten Veränderungen unterworfen ist. Daher wird darüber nachgedacht, einige Flüsse zeitweise in die Lagune zu entwässern und durch Nutzung künstlicher Kanäle die Verteilung der Sedimente zu unterstützen.

Trotz Anstrengungen zur Reinhaltung der Lagunge gelangen noch Fäkalien, Abfälle und Industrierückstände in das Wasser. Die zahlreichen Motorboote belasten die Lagune mit ölhaltigen Betriebsstoffen.

Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lagune

Die größten Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Inseln und Landzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lagune von Venedig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sylvia Poggioli: MOSE Project Aims to Part Venice Floods. In: Morning Edition, NPR, 7. Januar 2008. 
  2. Il sistema MOSE - Dal sito della Città di Venezia progetto e iter processuali, legislativi e cantieristici.

Koordinaten: 45° 24′ 47″ N, 12° 17′ 50″ O