Laisa

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Laisa
Koordinaten: 50° 59′ 44″ N, 8° 37′ 48″ O
Höhe: 369 m ü. NHN
Fläche: 7,63 km²[1]
Einwohner: 568 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1972
Postleitzahl: 35088
Vorwahl: 06452

Laisa ist ein Stadtteil von Battenberg (Eder) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Der Ort liegt im Ederbergland an der B 253.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wurde erstmals 778 als „Lihesi“ im Zusammenhang mit einer Schlacht zwischen den Franken und Sachsen erwähnt.[3] Das fränkische Heer soll sich einer Sage nach einen Tagesmarsch weit entfernt südlich bei Bottenhorn auf den Bottenhorner Hochflächen versammelt haben, bevor es auf der Heerstraße (Altstraße auf der Perf/Dautphe-Wasserscheide verlaufend) zur Schlacht zog. Diese Schlacht fand in unmittelbarer Nähe von Laisa statt.

Weitere Zeugnisse sind für das Jahr 1226 bekannt, als sich das Dorf im Besitz der Grafen von Battenberg befand. 1291 erfolgte der Besitzwechsel zum Bistum Mainz. Im Jahr 1296 wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1464 kam Laisa an die Landgrafschaft Hessen. 1624 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, aus der 1806 das Großherzogtum Hessen wurde, neuer Besitzer des Ortes.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Laisa:

„Leisa (L. Bez. Battenberg) evangel. Filialdorf; liegt 34 St. von Battenberg, hat 1 Kirche, 53 Häuser und 332 Einwohner, die bis auf 1 Katholiken evangelisch sind. – Leisa wurde durch die Niederlage bekannt, die die Sachsen im Jahr 778 in der Gegend erlitten haben. Die meisten Schriftsteller nennen den Ort der Niederlage Liesi oder Lihesi (Leisa) und den benachbarten Fluß Adarnia oder Aderna (Eder). Nur einer nennt Baddenfeldum, Adernam juxta fluvium. Aber diese beiden Orte liegen so nahe beisammen, daß füglich einer für den andern, als den Ort der Niederlage gesetzt werden konnte. Leisa kam mit andern Orten, 1291, an das Erzstift Mainz, und wahrscheinlich durch Verpfändung, 1464, an den Landgrafen Heinrich III. Die Kapelle erhielt 1296 zu ihrer Unterstützung einen Ablaß, der aber zugleich zur Ausbesserung der Kirche zu Bromskirchen verwendet wurde.“[4]

1838 wurde hier eine erste Eisenerzgrube eröffnet; sie blieb bis 1880 in Betrieb. 1866 wurde Laisa mit dem gesamten Hessischen Hinterland preußisch. 1868 vernichtete ein Brand nahezu das komplette Dorf.[5] 1921 erhielt es eine Stromversorgung. 1926 wurde eine Wasserleitung gebaut. 1932 wurde der Ort dem Amt Battenberg zugeteilt.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständige Gemeinde Laisa auf freiwilliger Basis in die Stadt Battenberg eingemeindet[6] Für Laisa, sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kerngemeinde, wurden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[7]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Laisa lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8][9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1577: 039 Hausgesesse[1]
• 1629: 032 Haushaltungen
• 1712: 046 Haushaltungen[1]
• 1791: 271 Einwohner[12]
• 1800: 274 Einwohner[13]
• 1806: 280 Einwohner, 51 Häuser[14]
• 1829: 332 Einwohner, 53 Häuser[4]
Laisa: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
271
1800
  
274
1806
  
280
1829
  
332
1834
  
355
1840
  
367
1846
  
440
1852
  
424
1858
  
436
1864
  
421
1871
  
380
1875
  
436
1885
  
390
1895
  
391
1905
  
374
1910
  
363
1925
  
395
1939
  
399
1946
  
558
1950
  
513
1956
  
507
1961
  
507
1967
  
541
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
564
2015
  
568
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]; Zensus 2011[15]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 331 evangelische (= 99,70 %), ein katholischer (= 0,30 %) Einwohner[4]
• 1885: 390 evangelische (= 100 %) Einwohner[1]
• 1961: 445 evangelische (= 87,77 %), 50 katholische (= 9,86 %) Einwohner[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche, Ansicht und Turmkreuz (vor 1910)

Ferdinand Luthmer schrieb über die Dorfkirche:

„Die Dorfkirche von Leisa, 12 km nordöstlich von Biedenkopf, 2,5 km südlich von Battenberg, dürfte ihre Entstehungszeit an einen 1296 erteilten Ablass knüpfen, wenn auch die primitiven Formen des Schiffs keine genauere Bestimmung zulassen. Der Chor ist laut Inschrift 1723 erbaut. Das Langhaus ist durch zwei sehr nahe an die Seitenwände gerückte Rundpfeiler mit schlichtem Schmiegengesims in drei gleichhohe Schiffe geteilt, mit rippenlosen, roh gemauerten Gewölben, deren Gräte im Scheitel kuppelartig zusammenlaufen. Von den ursprünglichen kleinen Rundbogenfenstern ist nur in der Nordwand eins erhalten. Nach Westen schliesst sich an das Langhaus ein flachgedeckter schmaler Raum, der in der Westwand drei Schiesscharten hat. Der Chorbogen ist spitzbogig und ungegliedert. Über ihm ein viereckiger, beschieferter Dachreiter mit ins Achteck übergeführtem Helm; auf dem First des Chordachs eine eiserne Spitze mit sogenanntem Wiederkreuz, Herz und Sonne.“

Ferdinand Luthmer: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Biedenkopf, Dill, Ober-Westerwald und Westerburg Keller, Frankfurt am Main 1910, S. 46f[16]

Rückersfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauen in sog. evangelischer Marburger Tracht beim Rückersfestzug 2013
Junge Männer in Tracht beim Rückersfestzug 2013

Alle sieben Jahre zu Ostern wird im Ort das Rückersfest gefeiert. Einer der Höhepunkte ist der große Festumzug, bei dem viele Dorfbewohner in örtlicher Tracht durch den Ort ziehen. Die Tradition des Rückersfests lässt sich bis ins Jahr 1842 nachweisen, ist aber wohl deutlich älter. Symbol des Festes ist die Rückersfigur, eine fast drei Meter lange Holzfigur eines pflügenden Bauern mit Knecht hinter einem Gespann mit fünf Pferden. Beim Rückersstecken, das immer am 9. März stattfindet, wird der Rückers erstmals nach sieben Jahren wieder hervorgeholt und auf dem Dachfirst des Alten Rathauses – des heutigen Heimatmuseums – angebracht, wo er 40 Tage lang bleibt, um auf das Rückersfest am Osterwochenende hinzuweisen.[17]

Das für den 11.–13. April 2020 geplante Rückersfest wurde wegen der andauernden COVID-19-Pandemie abgesagt und auf Ostern 2021 verlegt.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Laisa – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Laisa, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Stadt Battenberg, abgerufen im März 2020.
  3. In erhaltenen Urkunden wurde der Ort unter folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): „Lihesi“ (778), „Lichisin“ (802/817), „Liêse“ (831/850), „Lesen“ (1290), „Lyse“ (1291), „Lysen/Leysen“ (1296), „Leysen“ (1577), „Leussa“ (1712), „Leysen“ (1708/10) und „Leisa“ (19./Anfang 20. Jahrhundert) (Laisa, Landkreis Waldeck-Frankenberg, im Historischen Ortslexikon Hessen).
  4. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 162 (Online bei google books).
  5. Brand zu Laisa. In: Starkenburger Provinzial-Anzeiger – Dieburger Kreisblatt, Nr. 66/1868.
  6. Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Punkt 328, Abs. 29 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  7. Hauptsatzung. (DOCX; 26 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Battenberg (Eder), abgerufen im März 2019.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  10. Die Zugehörigkeit des Amtes Battenberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  11. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6e (Online bei google books).
  12. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 182 (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 195 (Online in der HathiTrust digital library).
  14. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 237 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  16. Ferdinand Luthmer: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden. Hrsg.: Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden. IV. Band: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Biedenkopf, Dill, Ober-Westerwald und Westerburg. Kommissionsverlag von Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1910, S. 46 f. ((online)).
  17. Rückers - was ist das?
  18. Wegen Corona: Rückersfest in Laisa abgebrochen und auf Ostern 2021 verlegt