Laisierung

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Laisierung von Klerikern. Siehe auch Laisierung (Buddhismus)

Als Laisierung bezeichnet man die in verschiedenen Konfessionen, insbesondere der römisch-katholischen Kirche, erfolgende kirchenrechtliche Aussetzung der Pflichten und Rechte eines Klerikers, die ihm aufgrund des Empfangs des Weihesakramentes zukommen.

Da Sakramente nach kirchlicher Lehre zum Heil notwendig sind, können sie nicht rückgängig gemacht oder aufgehoben werden. Überdies gehört das Weihesakrament ebenso wie Taufe und Firmung zu denen, die der Seele ein untilgbares Prägemal verleihen; solche Sakramente werden unwiderruflich gespendet und sind unwiederholbar. Trotzdem kann ein Kleriker – unter Beibehaltung des unverlierbaren Weihecharakters – gegebenenfalls wieder in den Laienstand zurückversetzt werden. Diese sogenannte Laisierung ist von den seltenen Fällen zu unterscheiden, in denen das Sakrament von vornherein nicht zustandegekommen ist, weil es unter falschen oder unzureichenden Voraussetzungen gespendet wurde.

Rechtsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Laisierung betrifft demnach nur die äußeren Rechtsfolgen der Weihe: Der laisierte Amtsträger verliert die Berechtigung zur Vornahme der Amtshandlungen, die seinem Stand entsprechen. Entgegen diesem Verbot vollzogene sakramentale Handlungen sind damit unerlaubt, werden jedoch – soweit sie zu ihrer Gültigkeit keiner besonderen Beauftragung („Delegation“) bedürfen – an sich nicht ungültig gespendet (das betrifft etwa die Taufe, die Eucharistie, die Krankensalbung und im Fall von Bischöfen auch Firmung und Weihe). Ferner wurde um des Heils der Seelen willen vom kirchlichen Gesetzgeber bestimmt, dass bei Todesgefahr auch Bußsakrament und Krankensalbung gültig und erlaubt gespendet werden können.

Mit der Laisierung verliert der Kleriker im Übrigen auch solche kirchlichen Ämter und Dienste, die nicht an die Weihevollmacht gebunden sind, die ein gewöhnlicher Laie also ausüben dürfte. Zugleich werden dem Kleriker üblicherweise bestimmte Tätigkeiten untersagt, so etwa grundsätzlich die Lehrtätigkeit in theologischen Fächern oder an kirchlichen Hochschulen und die Predigt und Verkündigung im Gottesdienst. Mit Ausnahme der Zölibatsverpflichtung, über die gesondert entschieden wird, ist der Betroffene auch von allen Pflichten entbunden, die sich aus dem Klerikerstand ergeben (etwa der Verrichtung des Stundengebets, Kleidungs- und sonstige Standesvorschriften).

Die Laisierung kann auf zwei Arten ausgesprochen werden: entweder auf Bitten des Klerikers vom Papst in Form einer per Reskript erteilten Dispens von den Weiheverpflichtungen oder – und das auch vom Bischof – durch Entlassung (Dimission) aus dem Klerikerstand. Letztere gilt als schwere Kirchenstrafe, die etwa verhängt werden kann, wenn der Kleriker hartnäckig auch nach Feststellung der Exkommunikation in einer Häresie verharrt, oder wenn er nach erfolgter Suspendierung, z. B. wegen unerlaubter Zivilehe, keine Anstalten macht, sein Verhalten zu ändern bzw. die ihm verbotene Verbindung wieder aufzulösen. Die Entlassung legalisiert nicht einen vorangegangenen und nach Lehre der Kirche ungültigen Versuch einer Eheschließung, vielmehr bleibt die Zölibatsverpflichtung in diesem Fall erhalten. Dagegen kann ein freiwillig und im Voraus erbetenes und gewährtes Reskript eine aus kirchlicher Sicht gültige Eheschließung mittels gesonderter Dispens ermöglichen.

Bei geänderten Lebensumständen eines Betroffenen kann die Laisierung ihrerseits durch die entsprechende kirchliche Behörde aufgehoben werden, was einer Wiedereinsetzung in das kirchliche Amt gleichkommt.

Prüfverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den weitaus meisten Fällen erfolgt die Laisierung auf Bitten des betroffenen Klerikers. Um die Laisierung auf eigenen Wunsch zu erlangen, bedarf es seit einer Neufassung der entsprechenden Richtlinien durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 1980 eines meist mehrjährigen kircheninternen Prüfverfahrens, in dem dem Antragsteller der Status eines Bittstellers zukommt.

Mit dieser Neuregelung verfolgte der Papst das Ziel, die Befreiung vom Zölibatsversprechen nicht mehr als bloßen Verwaltungsakt zu betrachten und zu verhindern, dass Kleriker in der Laisierung eine schnelle Lösung für persönliche Krisen suchen. Priester unter 40 Jahren hatten danach zunächst nur geringe Aussichten, in den Laienstand zurückversetzt zu werden, und viele Anträge wurden gar nicht erst zur Prüfung angenommen. Seit einem Rundschreiben des damaligen Leiters der Sakramentenkongregation, Erzbischof Jorge Medina, im Juni 1997 wurde das Verfahren jedoch in der Praxis wieder erleichtert und die lange Verfahrensdauer gestrafft.[1] Sofern die Verhältnisse beim Bittsteller selbst sowie zwischen ihm und dem Ortsbischof oder Ordensoberen als Befürworter seines Antrags nicht zerrüttet sind und die Begründung bzw. die aktuelle Lebenssituation des Bittstellers es ratsam erscheinen lassen, entspricht der Heilige Stuhl dem Gesuch heute in der Regel.

Die seltene Strafe der Entlassung aus dem Klerikerstand wurde 2009 Erzbischof Emmanuel Milingo auferlegt, nachdem er sich der Mun-Sekte angeschlossen, geheiratet und anschließend unerlaubte Bischofsweihen vollzogen hatte.[2] Auch im Zuge der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker wurden überführte Täter in den letzten Jahren verschiedentlich aus dem Klerikerstand entlassen.

Bekannte Beispiele für eine Laisierung auf eigenen Wunsch sind etwa der 2008 laisierte Bischof Fernando Lugo, der erste laisierte Bischof überhaupt in der Kirchengeschichte, der anschließend zum Staatspräsidenten von Paraguay gewählt wurde, oder der ehemalige Franziskaner und Befreiungstheologe Leonardo Boff, der 1992 wegen seines Konfliktes mit der Glaubenskongregation um die Versetzung in den Laienstand nachsuchte.[3][4] Dagegen sind Eugen Drewermann (trotz Kirchenaustritts) und Ernesto Cardenal entgegen landläufiger Meinung weiterhin Kleriker, obwohl ihre jeweiligen Kirchenstrafen auch ihnen die Ausübung der klerikalen Rechte verbieten.

Suspendierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Laisierung zu unterscheiden ist die Suspendierung, das einfache Verbot der Amtsausübung eines Priesters, das in der katholischen Kirche der Diözesanbischof aussprechen kann. Meist handelt es sich hierbei um eine disziplinarische Maßnahme, um weitere priesterliche Amtshandlungen oder die unerwünschte Verkündigung eines Klerikers zu unterbinden. Weiheverpflichtungen wie der Zölibat sind davon nicht berührt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Althaus: Die Laisierung von Priestern – Ein Akt der Gnade oder der Gerechtigkeit? In: De Processibus Matrimonialibus. Fachzeitschrift zu Fragen des Kanonischen Ehe- und Prozeßrechtes 8/2 (2001), S. 215–241 PDF
  • A. M. Dorn u. a. (Hrsg.): Redaktionshandbuch Katholische Kirche, München 1996
  • Karlheinz Schmidthüs (Hrsg.): Die Neuordnung von Laisierungsverfahren (Text), in: Herder-Korrespondenz 25 (1971), S. 194–197

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitungsartikel zur Erleichterung des päpstlichen Laisierungsverfahrens 1997
  2. Nachricht von Radio Vatikan über die Dimission Milingos
  3. Lebenslauf von Leonardo Boff in einem Zeitungsartikel zum 70. Geburtstag im Tagesspiegel
  4. Lebenslauf von Leonardo Boff in englischer Sprache auf seiner Website