Lajtabánság

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Flagge von Lajtabánság
Wappen von Lajtabánság
Provisorische Briefmarke zu 20 Filler vom 12. Oktober 1921

Lajtabánság (deutsch Leithabanat oder Leitha-Banschaft) war ein von ungarischen Freischärlerverbänden als unabhängig proklamiertes Gebiet im heutigen Burgenland.[1] Das Burgenland gehörte bis zum Vertrag von Trianon zum Königreich Ungarn. Lajtabánság existierte zwischen dem Verlassen des Ungarischen Heeres am 4. Oktober 1921 und endete mit der Besetzung durch das österreichische Bundesheer, die am 13. November 1921 begann und bis Ende November abgeschlossen war. Offiziell wurde das Gebiet am 5. Dezember 1921 von Ungarn an Österreich übergeben.

Als Ende August 1921 das Burgenland entsprechend den Friedensverträgen von Trianon und Saint Germain an Österreich übergeben werden sollte, wurde dies durch militärischen Widerstand ungarischer Freischärler, die aus Zentralungarn eingedrungen waren, verhindert, welche die österreichische Gendarmerie zurückschlugen. Zwar mussten die regulären Truppen Ungarns auf Anordnung der Botschafterkonferenz der Siegermächte des Ersten Weltkriegs das Burgenland räumen, doch hatte die Regierung keinen Einfluss auf die Freischärler, deren Befehlshaber Pál Prónay am 4. Oktober 1921 in Felsőőr/Oberwart die „Republik Lajtabánság“ ausrief. Ziel Prónays, der auch eigene Briefmarken herausgab, war der erneute Anschluss an Ungarn nach Durchführung einer Volksabstimmung. Lajtabánság war damit die erste Diktatur auf Österreichs Boden.

Die „Republik Lajtabánság“ war jedoch nicht von Dauer. Einerseits nahm der Zwist zu zwischen den „freien Königswählern“, denen auch Prónay angehörte, und den „Karlisten“, die die Restaurationsversuche des ehemaligen österreichischen Kaisers und ungarischen Königs Karl I. unterstützten, und andererseits übte die ungarischen Regierung Druck aus, das Burgenland zu räumen, um selbst außenpolitische Sanktionen der Siegermächte zu vermeiden. Der „Operettenstaat“[2] endete mit dem Abzug der Freischärler mit 10. November 1921 und dem endgültigen Einrücken der österreichischen Gendarmerie. Außer einiger weniger Briefmarken und zwei Ausgaben eines Amtblattes gibt es keinerlei Hinterlassenschaften des Leithabanats.[3]

Für Westungarn wurden 1921 insgesamt 79 Freimarken und sechs Portomarken verausgabt. Es wurde kein Wasserzeichen verwendet.[4]

Der zuständige Diözesanbischof richtete ein Generalvikariat für das Gebiet ein, für das er den Dechanten von St. Michael bei Güssing einsetzte.[5]

Unterlagen wurden teils im Ungarischen Staatsarchiv verwahrt, teils im Archiv des Leithabanats, die 1945 vernichtet wurden. Pál Prónay fand ca. 15 Briefe der Korrespondenz zwischen Gyula Gömbös und dem Führungsrat der Etelközi Szövetség. Einzelne Briefe befinden sich um Staatsarchiv, der Wortlaut ist zum Teil nur deshalb erhalten, weil Prónay für seine Memoiren Abschriften anfertigte. [6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Trianon-Museum in Várpalota ist Lajtabánság und seinem Diktator Pál Prónay ein eigener Raum gewidmet.

Am 3. Oktober 2010 hielten Anhänger der Jobbik eine von der zuständigen österreichischen Behörde genehmigten Gedenkfeier für Lajtabánság in Oberwart ab, was zu einer Anfrage des grünen Abgeordneten Karl Öllinger im österreichischen Nationalrat führte.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodó-Artikel: http://carlbeckpapers.pitt.edu/ojs/index.php/cbp

Botlik- Monographie englisch: http://www.hungarianhistory.com/lib/austria/The_Fate_of.pdf

Fogarassy-Artikel: http://www.zobodat.at/pdf/Burgenlaendische-Heimatblaetter_52_0001-0010.pdf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsblatt: Lajtabánság Hivatalos Lapja Nr. 1 vom 30. Oktober 1921

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Béla Bodó, Prónay, in: The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Nr. 2101, Pittsburgh 2011, S. 31 ff.
  • Béla Bodó, Iván Héjjas, in: East Central Europe, Vol. 37, Issue 2 - 3, 2010, S. 247ff.
  • Józef Botlik, The Fate of Western Hungary 1918 - 1921, Buffalo o. J., S. 160ff. Originaltitel Nyugat-Magyarország sorsa 1918 - 1921, Vassilvágy, 2. Auflage 2008
  • Lászlo Fogarassy, Paul Prónays Erinnerungen an das 'Lajta-Banat', in: Burgenländische Heimatblätter, 52. Jahrgang, Heft 1, Eisenstadt 1990, deutsche Zusammenfassung seiner das Thema betreffenden Tagebucheintragungen
  • Andreas Moritsch: Vom Ethnos zur Nationalität: der nationale Differenzierungsprozess am Beispiel ausgewählter Orte in Kärnten und im Burgenland.. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1991, ISBN 3-486-55878-1, S. 110 f.
  • Pál Prónay:

Laut Bodó und Fogarassy liegen seine ausführlichen für die Öffentlichkeit bestimmten Tagebücher/Memoiren im Archiv des Nationalen Sicherheitsdienstes in Budapest und waren bisher nur wenigen Mitarbeitern zugänglich. Endredaktionen durch Prónay laut Bodó in den 30er und 40er Jahren, für den 3. Band zuletzt Frühjahr 1944

1. Band: verschollen Greifbare Bände: maschingeschriebener Text mit handschriftlichen Ergänzungen und Fotoillustrationen

2. Band: Ende Oktober 1918 bis 31.8.1921

3. Band: an den 2. anschließend bis Ende 1922

4. Band: Fogarassy vermutet die Existenz eines solchen, der jedoch nie aufgetaucht ist.

Allgemein zugänglich sind: Auszug Pál Prónay, A hatában a Halál kaszál (übersetzt mit "Der Tod mäht an der Grenze", versehen mit Vorwort und Anmerkungen von Agnes Szabó und Ervin Pamlényi) vor allem zum Weißen Terror, Budapest 1963, allerdings fehlen laut Fogarassy relevante Passagen, obwohl dem Leithabanat ein eigenes Kapitel gewidmet ist.

Englische Auszüge: Béla Bodó, Prónay, The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Nr. 2101, Pittsburgh 2011, S. 1 ff im gesamten Text verteilt

sowie die deutschsprachige Fogarassy-Zusammenfassung

  • Gerald Schlag, Aus Trümmern geboren, Eisenstadt 2001 (Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Bd. 106), S. 430ff, auch als pdf-Book im Internet
  • Katharina Tiwald: KeinFunkenLand. Edition Lex Liszt 12, Oberwart 2014, ISBN 978-3-99016-076-3.

Studentische Arbeit auf dem Stand von 2013: Clemens Ableidinger, Lajtábanság (sic!), geisteswiss. Proseminararbeit, 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Ernst: Geschichte des Burgenlandes. Geschichte der österreichischen Bundesländer. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1991, ISBN 3-7028-0311-4, S. 196.
  2. Andreas Moritsch (Hrsg.): Vom Ethnos zur Nationalität. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1991, ISBN 3-486-55878-1, S. 111.
  3. August Ernst: Geschichte des Burgenlandes. Geschichte der österreichischen Bundesländer. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1991, ISBN 3-7028-0311-4, S. 197.
  4. http://www.phila-lexikon.de/phila_w.html#Westungarn, abgerufen am 17. Februar 2017
  5. Schlag, Aus Trümmern geboren, S. 434
  6. Fogarassy, S. 1 und 4
  7. Kundgebung ungarischer Rechtsextremisten in Oberwart, abgerufen am 31. Mai 2017