Lakhdar Ben Tobbal

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Lakhdar Ben Tobbal (* 1923 in Mila, Französisch-Algerien; † 21. August 2010 in Algier, Algerien) war Guerillakämpfer, Offizier und Politiker der Front de Libération Nationale während des Algerienkriegs.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ben Tobbal stammte aus einer türkischstämmigen Familie aus Algerien.

Lakhdar Ben Tobbal engagierte sich politisch in der für die Unabhängigkeit des Landes eintretenden Parti du peuple algérien (PPA). Ab 1950 war er Teil des antikolonialen Untergrunds. Er gehörte zur Organisation Spéciale, die als bewaffneter Arm der PPA fungierte. Zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges gegen Frankreich gehörte er zu den Führungskadern der FLN und bekleidete den militärischen Rang eines Obersten.[1] Er gehörte zu den Planern des Massakers von Philippeville am 20. Juli bei dem die FLN bewusst algerische Zivilpersonen zur Gewalt gegen europäische Zivilisten aufgehetzt wurden um daraus politisches Kapital zu schlagen.[2]

Er gehörte zum Machtblock der Trois B zusammen mit Krim Belkassem und Abdelhafid Boussouf der ab 1957 eine dominante Machtposition innerhalb der FLN gegen der zivilen politischen Führung erlangte. 1957 nahm er als einer von sechs Delegierten an der programmatischen Konferenz von Soummam teil.[3] Im Sommer 1957 fungierte er als Gesandter der FLN in Kairo. Bis 1961 fungierte er als Innenminister in der provisorischen Exilregierung der FLN.[1]

Ben Tobbal war Teil der Verhandlungsdelegation welche die Verträge von Évian mit Frankreich abschloss und somit die Unabhängigkeit Algeriens erreichten. Innerhalb der FLN sprach er sich gegen eine politische Machtbeteiligung von Algerienfranzosen und sephardischen Juden in der Nachkriegsordnung aus, weil dies dem algerischen Volk nicht zu vermitteln sei. Im Machtkampf zwischen der Provisorischen Regierung und der Führung des Exilmilitärs um Houari Boumedienne stand er mit der Regierung auf der Verliererseite und wurde nach dem Sieg Boumediennes verhaftet.[4] Er zog sich daraufhin weitgehend aus politischen Aktivitäten zurück.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gilbert Meynier: Histoire intérieure du FLN 1954 - 1962. Paris, 2004, S. 140
  2. Martin Evans: Algeria: France’s undeclared War. Oxford, 2012, S. 140
  3. Martin Evans: Algeria: France’s undeclared War. Oxford, 2012, S. 177, S. 229f
  4. Martin Evans: Algeria: France’s undeclared War. Oxford, 2012, S. 333–335