Lamaštu

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Lamaštu in Keilschrift

Lamaštu (auch Lamaschtu, Labartu; sumerisch dDIM-ME, dLU.GAM.ME, dLUGAL.ME) war ursprünglich als Tochter des Gottes Anu eine Himmelsgöttin. Nach der im Atraḫasis-Epos geschilderten Sintflut übernahm sie seit der altbabylonischen Zeit (2000–1600 v. Chr.) in der mesopotamischen Mythologie die Rolle einer Dämonin, die Krankheit und Tod verursachte, um in göttlichem Auftrag eine Überbevölkerung der Menschheit zu verhindern. Sie zählte zum Umkreis der „sieben bösen Dämonen“.

Mythologische Rolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die ungehemmte Vermehrung der Menschen zu unterbinden, erhielt Lamaštu im Atraḫasis-Epos den Beinamen Tilgerin, der auf ihre neue mythologische Funktion anspielt:

„Es wirke unter den Menschen die Tilgerin; sie ergreife das Baby auf dem Schoß derer, die es geboren hat.“

Atraḫasis-Epos, Tafel 3, VII, Verse 3 bis 5

Die häufige Bezeichnung „Dämonin des Kindbettfiebers“ kennzeichnet nur einen kleineren Ausschnitt ihrer Tätigkeiten. Die Texte beziehen sich hauptsächlich auf tödliche Krankheiten, die mit Fehlgeburten, Schüttelfrost und Fieber einhergingen. Ihre Opfer waren in diesem Zusammenhang zumeist Schwangere, Wochenbetterinnen und Säuglinge. In assyrischen Erzählungen raubte sie Müttern die Säuglinge von der Brust und verseuchte beide mit ihrem Pestatem.

Markant ist ihr „Arbeitsumfeld“, das sich oft auf die Bereiche von Morast, Tierkot und unhygienische Materialien konzentrierte, die schwere Infektionen verursachten. Sie ließ auch erwachsene Männer oft tödlich erkranken und konnte auch Viehkrankheiten verursachen.

Darstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Assyrische Schutztafel aus dem Louvre, die von Pazuzu gehalten wird. Unten ist Lamaštu dargestellt.

Sie wird beschrieben mit haarigem Körper, dem Kopf eines Hundes oder eines Löwen, dem Oberkörper einer Frau, mit Klauen an den Füßen wie ein Adler. Sie lässt einen Hund und ein Schwein an ihren Brüsten saugen. In ihren ausgestreckten Händen hält sie jeweils eine Schlange. In babylonischen Beschwörungstexten wird sie auch mit Löwenkopf und Eselskörper beschrieben. In den Händen, welche Fangnetze sind, hält sie Kamm und Spinnwirtel.

Die Dämonin wird als der schlimmste weibliche Dämon der mesopotamischen Mythologie bezeichnet. Sie ist Teil der dämonischen Fiebertriade von Labasu, Lamaschtu und Aḫḫazu.

Die Assyrer beschrieben Lamaštu so:

Sie ist wütend, sie ist wild, sie ist gefährlich,
sie verbreitet Schreckensglanz.
Sie ist eine Wölfin, die Tochter des Anu.
Ihre Füße sind die des Anzu,
ihre Hände sind unrein.
Ihr Gesicht ist das Gesicht eines hungrigen Löwen.
... Ihr Haar ist wirr, ihr Lendenschurz zerrissen. ...
Ihre Hände triefen von Fleischfetzen und Blut.
Sie kommt zum Fenster herein, auf dem Bauch kriechend wie eine Schlange.
Sie kommt und geht in ein Haus (wie sie will).

Lamaschtu kann mit einem Amulett oder einer Statue, auf dem das Abbild von Pazuzu ist, gebannt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Farber: Lamaštu. An Edition of the Canonical Series of Lamaštu Incantations and Rituals and Related Texts from the Second and First Millennia B.C. (= Mesopotamian Civilizations 17). Eisenbrauns, Winona Lake 2014. ISBN 978-1-57506-258-7
  • Helmut Freydank u. a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien. VMA-Verlag, Wiesbaden 1997. ISBN 3-928127-40-3
  • Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen. Artemis & Winkler, Stuttgart 2004. ISBN 3760823068

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]