Lambert-beersches Gesetz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das lambert-beersche Gesetz oder bouguer-lambert-beersche Gesetz beschreibt die Abschwächung der Intensität einer Strahlung bei dem Durchgang durch ein Medium mit einer absorbierenden Substanz, in Abhängigkeit von der Konzentration der absorbierenden Substanz und der Schichtdicke. Das Gesetz bildet die Grundlage der modernen Photometrie als analytische Methode. Es ist ein Spezialfall der Strahlungstransport-Gleichung ohne Emissionsterm.

Geschichte[Bearbeiten]

Das bouguer-lambertsche Gesetz wurde von Pierre Bouguer vor dem Jahre 1729 formuliert und beschreibt die Schwächung der Strahlungsintensität mit der Weglänge beim Durchgang durch eine absorbierende Substanz. Es wird auch Johann Heinrich Lambert zugeschrieben, teils sogar kurz als lambertsches Gesetz bezeichnet, obwohl Lambert selbst Bouguers Werk „Essai d’optique sur la gradation de la lumière[1] in seiner „Photometria“ (1760)[2] anführt und sogar daraus zitiert.

Als lambertsches Gesetz wird auch das lambertsche Kosinusgesetz bezeichnet.

Im Jahre 1852 erweiterte August Beer das bouguer-lambertsche Gesetz, indem er die Konzentration des Absorbanten in Abhängigkeit zum transmittierten Licht stellte.[3] Dieser Zusammenhang wird als lambert-beersches Gesetz oder seltener als bouguer-lambert-beersches Gesetz[4] bezeichnet.

Das Gesetz[Bearbeiten]

Die Extinktion E_\lambda (Absorbanz des Materials für Licht der Wellenlänge \lambda) ist gegeben durch

 E_\lambda = \lg \! \left(\frac{I_{0}}{I_{1}}\right) = \varepsilon_{\lambda} \cdot c \cdot d

mit

  • I_1: Intensität des transmittierten Lichtes (Einheit: W·m−2)
  • I_0: Intensität des einfallenden (eingestrahlten) Lichtes (Einheit: W·m−2)
  • c: Stoffmengenkonzentration der absorbierenden Substanz in der Flüssigkeit (Einheit: mol·l−1)
  • \varepsilon_{\lambda}: dekadischer Extinktionskoeffizient (oft auch als spektraler Absorptionskoeffizient bezeichnet) bei der Wellenlänge \lambda. Dieser ist eine für die absorbierende Substanz spezifische Größe und kann unter anderem vom pH-Wert oder vom Lösungsmittel abhängen. Bei einer Konzentrationsangabe in Mol wird \varepsilon_{\lambda} als dekadischer molarer Extinktionskoeffizient angegeben, beispielsweise in der Einheit m2·mol−1
  • d: Schichtdicke des durchstrahlten Körpers (Einheit: m)

Herleitung[Bearbeiten]

Die differentielle Abnahme der Strahlungsintensität \mathrm dI_1 durch Absorption ist proportional zur Intensität  I_1, zum Extinktionskoeffizienten  \varepsilon^* , der molaren Konzentration  c der absorbierenden Substanz und ihrer differentiellen Schichtdicke  \mathrm d d :

\mathrm d  I_1=  -I_1\cdot \varepsilon^*\cdot c \cdot \mathrm d d ;        oder       \frac{\mathrm dI_1}{I_1}= -  \varepsilon^*\cdot c \cdot \mathrm d d          und nach Integration
\ln I_1=- \varepsilon^* \cdot c \cdot d+ \ln I_0      oder      \ln \frac{I_1}{I_0}= -\varepsilon^* \cdot c \cdot d ,

nachdem die Integrationskonstante für d=0   zu   \ln I_0 bestimmt wurde. Daraus erhält man die fallende Exponentialfunktion, mit der die Abnahme der Lichtintensität beim Durchqueren einer Probelösung mit der Konzentration c beschrieben werden kann:

 I_1 = I_0 \, e^{-\varepsilon^* c\, d}

Durch Umformen der Gleichung ergibt sich:

 - \ln \! \left(\frac{I_1}{I_0}\right) = \varepsilon^* c\, d .

Die Extinktion und der Extinktionskoeffizient werden allerdings nicht über den natürlichen Logarithmus definiert. Da der dekadische und der natürliche Logarithmus linear zusammenhängen, entspricht der Übergang einem konstanten Faktor in der Gleichung. Dieser wird einfach in die Gleichung einbezogen: Aus \varepsilon^* wird \varepsilon=\lg(e) \varepsilon^*\approx 0{,}434 \varepsilon^*.

 - \lg \! \left(\frac{I_1}{I_0}\right) = \varepsilon\, c\, d .

Dabei ist \epsilon der dekadische molare Extinktionskoeffizient.

Mit der Potenzregel des Logarithmus ergibt sich die übliche Schreibweise:

 \lg \! \left(\frac{I_0}{I_1}\right) = \varepsilon\, c\, d .

Die Extinktion ist (wie der Brechungsindex eines Stoffes) von der Wellenlänge \lambda des eingestrahlten Lichtes abhängig (vgl. Dispersion), in Formulierung der Wellenlängenabhängigkeit mit dem Extinktionskoeffizienten k (Imaginärteil der komplexen Brechungsindex):

 \varepsilon' = \frac{4 \pi k}{\lambda}.

Gültigkeit[Bearbeiten]

Das Gesetz gilt für:

  • homogene Verteilung der absorbierenden Substanz;
  • vernachlässigbare Mehrfachstreuung (insbesondere für klare Medien);
  • vernachlässigbare Variation des Absorptionskoeffizienten innerhalb des gemessenen Spektralbereiches (insbesondere für monochromatische Strahlung);
  • vernachlässigbare Eigenemission (die transmittierte Strahlungsintensität muss erheblich über der (insbesondere thermischen) Eigenstrahlung liegen);
  • niedrig konzentrierte Lösungen (meist kleiner 0,01 mol·l−1) (bei hohen Konzentrationen führen Wechselwirkungen zu Abweichungen).

Anwendung in der Chemie[Bearbeiten]

Die Wellenlängenabhängigkeit des Absorptionskoeffizienten einer Substanz wird durch ihre molekularen Eigenschaften bestimmt. Unterschiede zwischen Substanzen bewirken ihre Farbigkeit und erlauben die quantitative Analyse von Substanzgemischen durch photometrische Messungen. Malachitgrün gehört zu den intensivsten Farbstoffen mit einem molaren Absorptionskoeffizienten von 8,07 ·104 l mol−1cm−1 (622 nm, Ethanol).

Strahlungsdämpfung allgemein[Bearbeiten]

Das gleiche Gesetz gilt allgemein für den Abfall der Intensität von sich in dämpfenden Stoffen ausbreitender elektromagnetischer Strahlung. Es beschreibt also die Dämpfung optischer Strahlung in Lichtwellenleitern (LWL) oder in dämpfenden optischen Medien oder die Abschwächung von Gamma- oder Röntgenstrahlung in Materie. Umgekehrt kann mit diesem Zusammenhang bei Kenntnis beider Intensitäten eine Dickenmessung erfolgen.

Die durch ein Medium der Länge d hindurchtretende Strahlungsleistung P(d) ist:

P(d) = P_0 \cdot e^{-\varepsilon'd}.

mit

Dabei ist \varepsilon' oft stark von der Wellenlänge \lambda und vom Material abhängig.

Lichtwellenleiter[Bearbeiten]

Für das in Langstrecken-Lichtwellenleitern verwendete Silikatglas verringert sich \epsilon' (\lambda) zwischen dem sichtbaren Bereich um 0,6 µm bis ca. 1,6 µm mit der vierten Potenz der Wellenlänge; an dieser Stelle erfolgt dann eine steile Erhöhung der Dämpfung durch eine Materialresonanz des Glases. Ein weiterer Dämpfungspol liegt im Ultraviolett-Bereich. Hydroxid-Ionen im Glas, die man zwar durch spezielle Herstellungstechnologien zu vermeiden sucht, verursachen eine selektive Dämpfungserhöhung bei etwa 1,4 µm (Infrarotspektroskopie). Die Dämpfungswerte für die in LWL-Kurzstrecken eingesetzten Kunststofffasern sind höher und sind ebenfalls stark material- und wellenlängenabhängig, zweckbestimmt im sichtbaren Bereich am geringsten.

An Stelle der oben angegebenen Schreibweise wird in der Signalübertragungstechnik die Darstellung

P(d) = P_0 \cdot 10^{-(\varepsilon d)/10}

verwendet ( \varepsilon die Dämpfung in dB/km und d die Länge des LWLs in km ist), weil in der Nachrichtentechnik durchweg das Verhältnis von (elektrischen ebenso wie optischen) Leistungen im dezimal-logarithmischen Maß dB (Dezibel) angegeben wird:

\varepsilon d = 10 \cdot \log\frac{P_0}{P(d)}

Fernerkundung/Atmosphäre[Bearbeiten]

Für die Atmosphäre wird das lambert-beersche Gesetz üblicherweise wie folgt formuliert:

I = I_0\,e^{-m\left(\tau_\mathrm{a} + \tau_\mathrm{g} + \tau_\mathrm{NO_2} + \tau_\mathrm{w} + \tau_\mathrm{O_3} + \tau_\mathrm{r}\right)}

wobei m für die atmosphärische Masse und \tau_{x} für die optischen Dicken des enthaltenen Stoffes x steht. Im Beispiel steht x für:

Die Bestimmung von \tau_{a} ist notwendig für die Korrektur von Satellitenbildern und beispielsweise von Interesse bei der Klimabeobachtung.

Computertomographie[Bearbeiten]

In der Computertomographie wird die Abschwächung der Röntgenstrahlung durch das lambert-beersche Gesetz beschrieben. Der Schwächungskoeffizient (Absorptionskoeffizient) \mu ist dabei eine Funktion des Ortes, d. h., \mu variiert innerhalb des Objekts (des Patienten) und nimmt zum Beispiel in Knochen einen größeren Wert an als in der Lunge. Die gemessene Intensität I der Röntgenstrahlung ergibt sich deshalb aus folgendem Integral:

I=I_0 \exp\left(-\int \mu(x) \operatorname dx\right)

wobei I_0 die von der Röntgenröhre emittierte Strahlungsintensität darstellt und das Integral über x den Weg des Strahls parametrisiert. Das computertomographische Bild stellt dann die Funktion \mu(x) als Graustufenbild dar (siehe Hounsfield-Skala). Aufgabe der Rekonstruktion ist es somit, aus den gemessenen Intensitäten I die Absorptionskoeffizienten \mu zu ermitteln, das heißt, das zugehörige inverse Problem zu lösen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Pierre Bouguer: Essai d'optique, Sur la gradation de la lumière. Claude Jombert, Paris 1729, S. 164 ff.
  2.  Johann Heinrich Lambert: Photometria, sive de mensura et gradibus luminis, colorum et umbrae. Sumptibus Vidae Eberhardi Klett, Augsburg 1760 (Digitalisat im Angebot der Universität Straßburg, abgerufen am 12. August 2010).
  3.  August Beer: Bestimmung der Absorption des rothen Lichts in farbigen Flüssigkeiten. In: Annalen der Physik und Chemie. Bd. 86, Erstes Stück, 1852, S. 78–88 (Volltext auf Gallica).
  4.  Lothar Matter (Hrsg.): Lebensmittel- und Umweltanalytik mit der Spektrometrie. Tips, Tricks und Beispiele für die Praxis. VCH, Weinheim u. a. 1995, ISBN 3-527-28751-5.
  5. Avinash C. Kak, Malcolm Slaney: Principles of Computerized Tomographic Imaging