Lampedusa

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lampedusa (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lampedusa
Schrägluftbild Lampedusas
Schrägluftbild Lampedusas
Gewässer Mittelmeer
Inselgruppe Pelagische Inseln
Geographische Lage 35° 30′ 35″ N, 12° 36′ 0″ OKoordinaten: 35° 30′ 35″ N, 12° 36′ 0″ O
Lage von Lampedusa
Länge 8 km
Fläche 20 km²
Höchste Erhebung Albero Sole
113 m s.l.m.
Einwohner 4500 (2005)
225 Einw./km²
Hauptort Lampedusa
Blick auf den Ort Lampedusa
Blick auf den Ort Lampedusa

Lampedusa ist die größte der Pelagischen Inseln im Mittelmeer zwischen Tunesien und Sizilien. Die Insel gehört zur Gemeinde Lampedusa e Linosa in der italienischen Provinz Agrigent.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lampedusa liegt rund 205 Kilometer südlich von Sizilien und auf der kürzesten Strecke 138 Kilometer östlich der tunesischen Küste,[1] etwa auf gleicher Breite wie die Stadt Monastir.

Lampedusa gilt als südlichste Insel Italiens.[2] Südlichere Punkte der EU und Europas im Mittelmeer gibt es u.a. auf Gavdos.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fläche beträgt etwa 20 km², der höchste Punkt ist Albero Sole mit 113 m s.l.m.

Die neun Kilometer lange und bis zu drei Kilometer breite Insel erstreckt sich in Ost-West-Richtung. Die Nordküste ist geprägt von steilen Klippen, an der Südküste befinden sich mehrere Buchten mit Sandstränden.

Der Hauptort der Insel an der Ostküste heißt ebenfalls Lampedusa. Im Jahre 2005 wohnten etwa 4.500 Menschen dauerhaft auf Lampedusa, in der Hauptreisezeit allerdings zeitweilig bis zu 10.000. Die Bewohner leben vom Tourismus, vom Fischfang und von der Produktion von Fischkonserven.

Klima/Bewuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lampedusa besitzt typisches Mittelmeerklima. Dank der Position zum europäischen Kontinent und geologisch zu Afrika gehörend hat die Insel eine der höchsten Durchschnittstemperaturen am Mittelmeer (22,3 °C). Selbst im Februar beträgt die Durchschnittstemperatur 15 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge ist mit 300 mm sehr gering.

Durch Rodungen und fehlende Quellflüsse ist das Inselinnere verödet.

Nachbarinseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

45 km nordöstlich von Lampedusa liegt die bewohnte Insel Linosa, 17 km nordwestlich die unbewohnte Insel Lampione. Vor der Südküste liegt die kleine Insel Isola dei Conigli (dt. Kanincheninsel).

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier und in den Buchten von Lampedusa suchen die vom Aussterben bedrohten Unechten Karettschildkröten ihre Plätze zur Eiablage. Um den Bestand der Schildkröten zu wahren, wurden im Jahr 2002 Teile Lampedusas und die Isola dei Conigli unter Naturschutz gestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Lampedusa (früher auch Lopadusa, von phönizisch-griechisch Lopadoussa)[4] befinden sich Spuren griechischer (sie besaßen dort zwei oder drei Türme), römischer, byzantinischer und arabischer Siedlungen. Zudem diente die Insel vielfach Seefahrern als Stützpunkt. Allerdings waren die meisten der zu Sizilien gehörenden Inseln wie auch Lampedusa, seit der normannischen Zeit, also dem 11. Jahrhundert unbewohnt. So berichtet Idrisi von den unbewohnten Inseln.[5] 812/813 wurde Lampedusa Opfer eines Überfalls muslimischer Seeräuber, die auf 13 Schiffen kamen.[6] Da es der byzantinischen Flotte gelang, die gegnerischen Schiffe zu versenken, dürfte Lampedusa noch für einige Jahre byzantinisch geblieben sein. Archäologisch lässt sich die byzantinische Siedlung nur bis Ende des 7. Jahrhunderts nachweisen. Allerdings fand sich eine der Hl. Maria geweihte Kapelle, und möglicherweise bot die Insel, auf der sich noch Siedlungsspuren fanden, noch im 16. und 17. Jahrhundert Unterschlupf für flüchtige Sklaven aus Nordafrika.[7]

Im September 1843 ging der Kapitän Bernardo Maria Sanvisente, ein Gesandter von Ferdinand II., mit 120 Männern und Frauen an Land, um die Insel dauerhaft zu besiedeln. Von Sanvisente stammt auch der vorher wechselnde Inselname ‚Lampedusa‘.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel als strategisch wichtiger Punkt Ziel von Bombenangriffen („Operation Corkscrew“). Am 13. Juni 1943 kapitulierte die italienische Besatzung der Insel kampflos.[8]

Im Jahr 1986 schlugen auf Lampedusa zwei Scud-Raketen ein, vermutlich abgefeuert von Libyen als Antwort auf Angriffe der US Air Force auf Tripolis und Bengasi (Operation El Dorado Canyon). Es gab keine Verletzten.[9]

Migranten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit vielen Jahren transportieren Schlepper Migranten (darunter auch Bügerkriegsflüchtlinge) mit Booten z.B. von Libyen oder von Tunesien aus ('zentrale Mittelmeerroute') z.B. nach Lampedusa, nach Sizilien oder nach Malta.

Nach den Unruhen in Nordafrika Anfang 2011 (Arabischer Frühling), vor allem nach dem Sturz Zine el-Abidine Ben Alis in Tunesien, erreichten in kurzer Zeit tausende Flüchtlinge Lampedusa auf dem Seeweg. Die damalige Regierung Italiens (Berlusconi IV) erklärte daraufhin den humanitären Notstand und erhob durch Innenminister Roberto Maroni Kritik an der Untätigkeit anderer europäischer Staaten in dieser Frage.[10]

Nachdem die Anzahl der Flüchtlinge im März 2011 auf fast 6000 gestiegen war, begann die italienische Marine damit, mehrere hundert nach Sizilien zu bringen. Nach einem Plan der Regierung Berlusconi sollte die illegale Immigration bekämpft werden und zugleich die italienischen Regionen 1000 Flüchtlinge pro Million Einwohner aufnehmen, insgesamt bis zu 50.000 Menschen.[11]

2011 wurde in Libyen der langjährige Diktator Gaddafi gestürzt; 2014 begann in Libyen ein jahrelanger Bürgerkrieg. Dies begünstigt das Agieren von Schlepperbanden.

Papst Franziskus besuchte am 8. Juli 2013 die Insel. Er machte auf das Leid der Boots-Flüchtlinge aufmerksam und gedachte der Toten durch einen Kranz, den er ins Meer warf. er zelebrierte zusammen mit etwa 10.000 Menschen eine Messe im Stadion der Insel.[12]

Am 3. Oktober 2013 sank vor Lampedusa ein mit etwa 545 Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea beladener Kutter, der aus der libyschen Hafenstadt Misrata kam. Nach einem Motorschaden steckte laut Zeugenaussagen der Kapitän eine Decke als Notsignal in Brand. Das Feuer geriet außer Kontrolle. Durch die Panik der dicht gedrängt stehenden Passagiere kenterte das Schiff. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer konnten 155 Menschen retten.[13] Schätzungsweise 390 Menschen ertranken.[14] Der tunesische Kapitän wurde wegen mehrfachen vorsätzlichen Totschlags und Havarie festgenommen.[15]

Die italienische Staatsanwaltschaft leitete gegen die Überlebenden Ermittlungsverfahren wegen illegaler Einwanderung ein.[16]

Am 11. Oktober 2013 ertranken weitere 34 Flüchtlinge zwischen Malta und Lampedusa im Mittelmeer, 206 Menschen konnten von der maltesischen Marine aus einem gekenterten Boot gerettet werden. Erzbischof Reinhard Marx sagte dazu: „Auch wenn Europa nicht jeden aufnehmen kann, dürfen wir niemanden an den Grenzen zu Tode kommen lassen.“[14] UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte, die internationale Gemeinschaft müsse derartige Tragödien verhindern; die Menschenrechte der Flüchtlinge müssten geschützt werden.[17][18]

2015 und 2016 versuchten weitaus mehr Migranten die Überfahrt als in den Jahren davor (→ Flüchtlingskrise in Europa seit 2015). Im August 2017 sank die Zahl der Ankömmlinge in Lampedusa stark.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lampedusas Hafen

Von und nach Palermo und Catania gibt es am Flughafen Lampedusa täglich eine Flugverbindung.

Während der Hauptreisezeit wird der Inselflughafen, der im Osten nahe dem Hauptort liegt, mehrmals täglich und auch von italienischen Großstädten aus angeflogen.

Fähren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von und nach Porto Empedocle bei Agrigent verkehrt täglich eine Fähre. Zur Nachbarinsel Linosa pendeln mehrmals täglich Tragflügelboote.

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Inselbus entlang der Küstenstraßen Lampedusas fährt in den Sommermonaten stündlich.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutendes Bauwerk ist eine Kirche an der Südküste mit einer Statue der Madonna di Porto Salvo, die Schutzheilige der Insel ist.

Traditionelles Fest auf Lampedusa ist alljährlich das Festa di San Bartolo am 24. August.

Giulio Tomasi erhielt 1667 von Karl II. von Spanien den Titel eines Fürsten von Lampedusa. Einer seiner Nachfahren, Giuseppe Tomasi di Lampedusa, schrieb den weltberühmten Roman Der Gattopardo.

Der 2002 produzierte Spielfilm Lampedusa unter der Regie von Emanuele Crialese porträtiert das alltägliche Leben und die Traditionen der Inselbewohner.

Der 2011 produzierte Spielfilm Terraferma, ebenfalls unter der Regie von Emanuele Crialese, thematisiert die Migration afrikanischer Flüchtlinge, die über die Insel Lampedusa den Weg nach Europa suchen, und schildert die dadurch entstehenden Probleme der Inselbewohner.

2014 erhielt der ivorische Schriftsteller Josué Guébo für sein Buch Songe à Lampedusa (dt. Denk an Lampedusa) den Tchicaya-U-Tam’si-Preis. Das Buch bearbeitet die afrikanische Flüchtlingswelle in Richtung Lampedusa in einer lyrischen Langform. Die Jury bezeichnete es als „ein aktuelles Werk, ein Schrei der Verzweiflung an die Adresse der Regierungen, aber auch für die Jugend, um nicht zu verzweifeln“.[20]

Auch der 2016 veröffentlichte Dokumentarfilm Seefeuer von Gianfranco Rosi schildert das Alltagsleben der Inselbewohner und der täglich ankommenden Flüchtlinge.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pietro Bartolo (* 10. Februar 1956), Arzt und Koordinator medizinischer Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge
  • Giuseppina Maria Nicolini (* 5. März 1961), Bürgermeisterin der Gemeinde Lampedusa e Linosa

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lampedusa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anlaufziel für Flüchtlinge – Warum Lampedusa? tagesschau.de, 3. Oktober 2013, Abruf 6. Mai 2017
  2. Lampedusa: Lampedusa, Italiens südlichste Insel - WELT. In: welt.de. Abgerufen am 28. August 2017.
  3. Urlaub wie Robinson: Die schönsten Inseln Europas - SPIEGEL ONLINE. In: spiegel.de. Abgerufen am 28. August 2017.
  4. Johann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Friedrich Brandstetter, 2. Aufl. Leipzig 1893, S. 523
  5. Ferdinando Maurici: Le isole minori della Sicilia in età bizantina. In: Anthony Bonanno, Pietro Militello (Hrsg.): Interconnections in the Central Mediterranean. The Maltese Islands and Sicily in History (= KASA (Koiné archeologica, sapiente antichitá). Bd. 7). Officina di Studi Medievali, Palermo 2008, ISBN 978-88-88615-80-6, S. 69–80, hier: S. 69f.
  6. Ferdinando Maurici: Le isole minori della Sicilia in età bizantina. In: Anthony Bonanno, Pietro Militello (Hrsg.): Interconnections in the Central Mediterranean. The Maltese Islands and Sicily in History (= KASA (Koiné archeologica, sapiente antichitá). Bd. 7). Officina di Studi Medievali, Palermo 2008, ISBN 978-88-88615-80-6, S. 69–80, hier: S. 78.
  7. Ivan Arnaldi: Nostra Signora di Lampedusa. Storia civile e materiale di un miracolo mediterraneo. Leonardo, Mailand 1990, ISBN 88-355-0216-0.
  8. Relman Morin (14 June 1943): "Sergeant Cohen Reigns As "King of Lampedusa"". Youngstown Vindicator. Associated Press. p. 1. Engl. Bericht von der Notlandung des Piloten Sidney Cohen aus Malta, dem die Insel zunächst noch vor der Landung anderer brit. Verbände übergeben wurde.
  9. Kordula Doerfler: In Furcht vor Gaddafis Rache. In: Frankfurter Rundschau. 22. März 2011, abgerufen am 7. Januar 2012 (deutsch).
  10. Hans-Jürgen Schlamp: Tausende Afrikaner planen Flucht über Tunesien. In: Spiegel Online, 13. Februar 2011.
  11. vgl. Lampedusa: 700 Menschen in sizilianisches Flüchtlingsdorf gebracht derstandard.at, 23. März 2011, abgerufen am 7. Januar 2012.
  12. tagesschau.de: Papst Franziskus besucht Lampedusa (8. Juli 2013) (Memento vom 12. Juli 2013 im Internet Archive), abgerufen am 8. Juli 2013
  13. Schreie vor Lampedusa wurden „immer schwächer“. welt.de, 4. Oktober 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013.
  14. a b Das Mittelmeer wird zum Friedhof, die tageszeitung, 12. Oktober 2013. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  15. Jan-Christoph Kitzler, BR: Mehr als 270 Leichen geborgen. tagesschau.de, 8. Oktober 2013, archiviert vom Original am 8. Januar 2014, abgerufen am 8. Oktober 2013.
  16. Tilmann Kleinjung, BR: Straftatbestand: Illegale Einwanderung. tagesschau.de, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 1. September 2014, abgerufen am 8. Oktober 2013.
  17. Ban: Internationale Gemeinschaft muss Flüchtlingstragödien wie bei Lampedusa verhindern, Deutschlandradio, 13. Oktober 2013.
  18. Ban Ki-moon: After latest Lampedusa tragedy, Ban calls for action to protect human rights of migrants, United Nations News Centre, 12. Oktober 2013. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  19. sueddeutsche.de 16. August 2017: Warum viel weniger Flüchtlinge in Italien ankommen als erwartet
  20. 75. Denk an Lampedusa. Lyrikzeitung.com, 22. August 2014, abgerufen am 23. August 2014.