Lanškroun

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Lanškroun
Wappen von Lanškroun
Lanškroun (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Ústí nad Orlicí
Fläche: 2064 ha
Geographische Lage: 49° 55′ N, 16° 37′ OKoordinaten: 49° 54′ 44″ N, 16° 36′ 41″ O
Höhe: 373 m n.m.
Einwohner: 10.000 (1. Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 563 01
Kfz-Kennzeichen: E
Verkehr
Bahnanschluss: Rudoltice v Čechách–Lanškroun
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Radim Vetchý (Stand: 2014)
Adresse: Nám. J. M. Marků 12
563 16 Lanškroun
Gemeindenummer: 580511
Website: www.lanskroun.eu

Lanškroun (deutsch: Landskron) ist eine Stadt am Fuß des Adlergebirges in Tschechien. Sie gehört dem Okres Ústí nad Orlicí an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im östlichen Böhmen in unmittelbarer Nähe der früheren Grenze zu Mähren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus in Lanškroun
Marktplatz
Stadtschloss
Magdalenenkirche

Landskron wurde 1241 erstmals erwähnt. Es wurde vermutlich durch den Lokator Ulrich von Dürnholz am Rande des Schönhengstgaues gegründet. 1290 wurde der Ort von der königlichen Kammer eingezogen und 1292 durch den böhmischen König Wenzel II. dem Zisterzienserkloster Königsaal übertragen. 1304 galt es als ein Zentrum des Landskroner Distriktes (districtus Landeschronensis). 1322 wird es als Marktort, 1356 als Oppidum bezeichnet. Nachdem es 1358 in den Besitz des Bistums Leitomischl überging, wurde es Sitz eines Archidiakonats. Bischof Peter Jelito gründete 1371 in Landskron ein Kloster der Augustiner-Chorherren. 1393 entstand neben der St.-Wenzel-Dekanatskirche ein neuer Augustinerkonvent, der in den Hussitenkriegen 1421 geplündert wurde.

Nach dem Untergang des Bistums Leitomischl ging Landskron in weltlichen Besitz über. Unter den Stadtherren Kostka von Postupitz wurde es nach 1430 ein Zentrum der Waldenser sowie der Böhmischen Brüder, die 1547 Landskron verlassen und auch die Brüderschule schließen mussten. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind sowohl die Brüder als auch die Brüderschule erneut nachweisbar. Daneben verbreitete sich nach 1550 das Luthertum.

Im 16. Jahrhundert war Landskron im Besitz der Adelsfamilien von Pernstein und von Boskowitz. Ab 1588 gehörte es Adam Felix Hrzan von Harras. Dieser ließ 1601 die Reste des ehemaligen Augustinerkonvents zu einem Schloss umbauen. Nach der Schlacht am Weißen Berge kam die Herrschaft Landskron, die auch die Städte Wildenschwert und Böhmisch Trübau sowie 39 Dörfer umfasste, an die Adelsfamilie von Liechtenstein, die innerhalb weniger Jahre die Gegenreformation durchsetzte. Die Böhmischen Brüder emigrierten daraufhin nach Sachsen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Landskron sowohl von schwedischen als auch von kaiserlichen Truppen mehrmals verwüstet.

Johann Adam Andreas von Liechtenstein förderte Anfang des 18. Jahrhunderts die Entwicklung der Stadt durch eine rege Bautätigkeit. 1791 wurde Landskron zur Munizipalstadt erhoben. Ein wirtschaftlicher Durchbruch gelang Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Gründung der Leinwand- und Kattunfabrik Erxleben, die mehrere hundert Arbeiter und Hausweber beschäftigte. In dieser Zeit entstanden die Bürgerhäuser am Marktplatz. Trotzdem stagnierte die Entwicklung, da Landskron erst 1884–1885 Eisenbahnanschluss erhielt.

Nach dem Münchner Abkommen bildete die Stadt ab 1939 das Zentrum und den Verwaltungssitz des Landkreises Landskron, Regierungsbezirk Troppau, im Reichsgau Sudetenland. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fand vom 17. bis 21. Mai 1945 das Blutgericht von Landskron statt, in dessen Verlauf zahlreiche Bewohner von Stadt und Umland gewaltsam zu Tode kamen. Anschließend wurde hier, wie im gesamten ehemaligen Reichsgau Sudetenland, die Mehrheit der deutschböhmischen Bevölkerung aufgrund der Dekretes des Präsidenten Nr. 33 vom 2. August 1945 enteignet und vertrieben.

Nach 1945 verlor die Stadt die Bezirksbehörden. Die Bevölkerungszahl wuchs erst nach 1968 wieder an.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1900 6.112 deutsche Einwohner[2]
1910 6.828
1930 6.497 davon 1.093 Tschechen[3]
1939 6.210 [3]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 1947 1970 1980 1991 2001 2003 2006
Einwohner 4.952 8.702 9.593 9.873 9.990 9.847 9.911

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerhäuser am Marktplatz
  • Friedhofskirche St. Anna (1700–1705)
  • Dekanatskirche St. Wenzel aus dem 14. Jahrhundert (1645 ausgebrannt, später barock umgebaut)
  • Maria-Magdalena-Kirche (1828)

Bürgermeister 1789 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • bis 1789: Augustin Poppler
  • 1791–1822: Josef Ohnsorg (erster frei gewählter Bürgermeister)
  • 1823–1845: Franz Rieß
  • 1845–1850: Eduard Erxleben
  • 1850–1861: Eligius Deml
  • 1861–1891: Josef Niederle
  • 1891–1907: Berthold Schmeiser
  • 1907–1919: Franz Neugebauer
  • 1919–1932: Leo Winter
  • 1932–1938: Rudolf Zoffl
  • 1938–1942: Dr. Franz Nagl († 1. Juni 1945, KZ Theresienstadt)
  • 1942–1945: Karl Franz (zur Wehrmacht eingezogen 1945)
  • 1945–: Eduard Hiesl (bis zur Absetzung durch tschechische Truppen am 9. Mai 1945)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 317–318.
  • Franz J. C. Gauglitz: Heimat Kreis Landskron. Heimatbuch für Stadt und Kreis Landskron. Zusammengestellt und bearbeitet. Zluhan, Bietigheim 1978.
  • Franz J. C. Gauglitz: Landskroner Not und Tod. F. Gauglitz, Wiesentheid 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lanškroun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig und Wien 1908, S. 127.
  3. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. sud_landskron.html#ew39lndslandskrn. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  4. Hamburger Abendblatt: Adolf Hitler bleibt Ehrenbürger 4. April 2007