Landbuch Karls IV.

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Landbuch in der Hand von Karl IV., Denk­mal in Burg Tangermünde, diese baute der Kaiser zur Zweitresidenz aus[1]

Das Landbuch der Mark Brandenburg oder Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 zählt zu den bedeutenden statistischen Erfassungen des Mittelalters. Seine Daten dien(t)en der Erforschung verschiedener Aspekte, darunter Landschaften, Lasten, Siedlungen, Wirtschaft, gesellschaftliche und staatliche Strukturen.[2][3][4][5][HOL 1][6][7][8]

Das Urbar liefert für hunderte Ortschaften einen näheren Einblick, erwähnt viele von ihnen erstmals urkundlich, markiert damit den Bezugspunkt ihrer Jubiläen. Es entwirft in Verbindung mit weiteren Quellen ein facettenreiches Panorama der spätmittelalterlichen Mark Brandenburg. Darüber hinaus formte das Amtsbuch das Bild der Geschichte von Deutschland und vom Heiligen Römischen Reich mit.[XM 1][1][9][10]

Hintergrund und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bankett mit Karl IV., Karl V., König von Frank­reich und Wenzel, dem eigent­lichen Mark­grafen von Branden­burg, Buchmalerei von Jean Fouquet, 15. Jahr­hundert.[11]

Im Jahr 1371 kam es zum Krieg zwischen Karl IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (1355–1378) sowie Otto V., Markgraf von Brandenburg (1364/1365–1373). Zum einen ging es Karl um die Kurstimme, zum anderen strebte er danach seine Länder der Böhmischen Krone nach Norden auszudehnen, sie möglichst mit dem Meer zu verbinden. Am 15. August 1373 schlossen der siegreiche Luxemburger und der unterlegene Wittelsbacher den Vertrag von Fürstenwalde. Der Kaiser bekam von seinem Schwiegersohn die Markgrafschaft Brandenburg. Um die öffentliche Meinung im Reich nicht zu gefährden, spielte am Ende Geld die entscheidende Rolle beim Übergang der Herrschaft.[11][12][13]

Karl IV. zeigte im Gegensatz zu seinem Vorgänger reges Interesse an der Mark. Zunächst folgten die üblichen Huldigungen und das Bestätigen der Rechte. Dann musste eine Darstellung des neu hinzugewonnenen Territoriums erstellt werden. Schon im Herbst 1373 wurde dafür die Landesbeschreibung der Mark Brandenburg verfasst. Vermutlich gleichzeitig mit ihr gab der Kaiser das Landbuch in Auftrag. Als Vorbild dienten ähnliche Verzeichnisse aus Schlesien, das zum luxemburgischen Herrschaftsbereich gehörte. Nach den Jahren der Schwäche am Ende der askanischen und besonders während der wittelsbachischen Zeit sollte es einer geordneten Landesverwaltung dienen. Aus dem Hauptzweck, einer Übersicht der dem Landesherrn bzw. Markgrafen verbliebenen Rechte, ergab sich eine Aufstellung zu den Verhältnissen der gesamten Mark. Das Amtsbuch war wohl nicht für den praktischen Einsatz vor Ort gedacht, sondern für die nur ansatzweise vorhandene märkische Zentralverwaltung.[1][12][XM 1][14][15][16][17]

Der Hauptteil 1 Übersicht der allgemeinen Einkünfte wurde größtenteils aus den vorhandenen Unterlagen der Kammerverwaltung übernommen. Die Arbeiten kamen zu keinem richtigen Abschluss. Im Hauptteil 2 Übersicht der Dörfer beruhte das Dorfverzeichnis ebenfalls auf älteren Akten. Einige dort aufgeführte Ortschaften existierten 1375 gar nicht mehr. Der wichtigste Abschnitt, das Dorfregister, entstand hauptsächlich durch Erkundigungen vor Ort. Das Landbuch selbst überlieferte den entsprechenden Fragebogen. Die Aufnahme der Daten übernahmen markgräfliche Schreiber. Ihnen standen die Landreiter und Vögte zur Seite. Zunächst erfolgte eine Ermahnung, die Wahrheit zu sagen und eine Drohung, verschwiegenes Gut fiele an den Kaiser. Danach wurden die Antworten notiert. Außer dem Grundherrn, Pfarrer und Schultheißen erteilten wohl die übrigen Dorfeinwohner Auskunft. In Glasow im Teltow (Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow) sagten der Grundherr Heine Karre und die Vollbauern über den Hufenzins Unterschiedliches aus. In wenigen Fällen verhinderten die Grundherren die Datenerhebung. Ein entsprechender Vermerk fand sich z. B. über Wentz von Holtzendorf in Birkenwerder. Vielleicht waren solche Vorgänge die Ursache für weitere Lücken im Register. Neben der mündlichen Aufnahme wurden Aufzeichnungen einzelner Grundherrschaften verwendet, so in der Herrschaft Bartensleben (späterer Stendalischer Kreis), in den Dom- und Hochstiften Brandenburg oder bei den Kloster- und Stiftsdörfern. Darauf ließ die Gleichartigkeit dieser Texte schließen.[XM 1][LB 1][LB 2][LB 3][LB 4][LB 5][LB 6]

Bereits ab 1336 erfolgte unter Ludwig I., Markgraf von Brandenburg (1323–1351) eine Bestandsaufnahme. Davon blieb in Abschriften das Landbuch der Neumark erhalten. Trotzdem gilt das Landbuch der Mark Brandenburg als erste umfassende statistische Erfassung des Landes. Anno 1375 waren die Arbeiten zum Großteil abgeschlossen, deshalb erfolgte die Datierung der Historiker üblicherweise auf dieses Jahr. Weitere Angaben wurden bis 1376 erhoben. Einzelne Notizen im Werk zeigten, dass Karl sich persönlich an der Erstellung beteiligte. Für seine mit dem Urbar verbundenen Absichten wurden verschiedene Deutungen angeboten. Johannes Schultze sprach von der Rückgewinnung dem Landesherrn entfremdeter Rechte und Güter. Hans K. Schulze betonte die Absicht, Brandenburg als einheitlichen Herrschaftsraum unter der alleinigen Hoheit des Markgrafen darzustellen. Für Gerd Heinrich stand die fürstliche Finanzkontrolle im Vordergrund, vor Ort sollten mehr Einnahmen generiert werden. Ernst Schubert nahm an, dass der Kaiser einen Verkauf der Mark plante und daher ihren Wert taxierte. Nicht undenkbar, dass ein Herrscher mit dem Weitblick von Karl IV. all diese Ziele im Auge hatte.[XM 2][18][1][12][19][LB 7][17]

Inhalt des Landbuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Kronensammler im Heiligen Röm­ischen Reich während des Spät­mittel­alters, die Mark Branden­burg wurde zum Zank­apfel zwischen den Häusern Wittels­bach und Luxem­burg[20]

Hauptteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landbuch sprach auf Mittellateinisch, streute auf Mittelniederdeutsch Worte (alle Manuskripte) und Absätze (verstärkt Handschrift C) ein. Die Form folgte dem Urbar. Der Inhalt listete umfangreich Lasten-, Grundeigentums- und weitere Rechtsverhältnisse auf. Die Rechte gehörten anfangs größtenteils dem Markgrafen, aber auch Anderen. Dort lagen sie zur Zeit des Landbuchs noch immer oder waren per Belehnung, Verkauf, Verpachtung, Verpfändung bzw. anderweitig in die Hände Dritter gelangt. Für 72 größere und 51 kleinere Städte, Flecken und Burgen der gesamten Mark sowie rund 730 Dörfer der Alt- und Mittelmark wurden entsprechende Daten aufgeführt.[LB 8][21][LB 9][LB 10][LB 11][XM 3][LB 12][12][LB 1][22][1][XM 1]

Ob das Dorfregister der Mark über Oder verloren ging oder nicht angefertigt wurde, blieb ungeklärt. Das oben erwähnte Landbuch der Neumark stellte vermutlich nur einen Teil der Erfassung der Mark Brandenburg dar. Daher kam es nicht als Ursache für diese Auslassung in Frage. Im Dorfregister fehlten zudem die späteren Seehausenschen und Arneburgischen Kreise, die Landschaften Prignitz, Land Lindow und Land Lebus sowie der Norden des Havellands mit den Ländchen Rhinow, Friesack, Bellin und Glien. Letzteres schloss die Gegend um Bötzow mit ein. Auch die vorhandenen Gebiete wiesen immer wieder örtliche und inhaltliche Lücken auf.[12][23][LB 13][24][HOL 2][LB 14][25]

Einen Hinweis auf den ursprünglichen Umfang des Landbuchs lieferten die markgräflichen Mühlenabgaben. Sie summierten sich auf 730,1131 Zählstücke. Die zusammen- und umgerechnet 730,0000 Zählstücke des Abschnitts 1 Inhaltsverweise entsprachen dem fast exakt. Für dessen Berechnung verwendete die Kammerverwaltung des 14. Jahrhunderts lediglich die auch heutzutage existierenden Landbuch-Abschnitte.[LB 15][LB 16][LB 17]

Die Übersicht der allgemeinen Einkünfte nannten wegen deren farblicher Foliierung bereits die Schreiber den Roten (rubricata):[26]

Hauptteil 1 Übersicht der allgemeinen Einkünfte[LB 8][LB 13]
Abschnitt Deutsch Lateinisch
1 Inhaltsverweise
2 Zölle De theoloneἱs
3 Mühlen De molendinis
4.1 Gewässer De aquἱs seu aquarum proventibus
4.2 Wälder De silvis seu silvarum proventibus
5 Burgen
5.1 Burgverzeichnis Summe reddituum ad castra pertinentium
5.2 Burgregister Teltow De castrἱs super Teltow
5.3 Burgregister Havelland De castris super Obula
5.4 Burgregister Barnim De castris [in Barnim]
5.5 Burgregister Uckerland De castris in Ukera
5.6 Burgregister Prignitz De castrἱs ἱn Prignitz
5.7 Burgregister Altmark De castris antἱque Marchie
6 Städte De civitatibus
6.1 Stadtregister Land Sternberg[Anm. 1][LB 18][LB 19] Civitates districtus Sterneberg
6.2 Stadtregister Land Lebus[Anm. 1]
6.3 Stadtregister Barnim[Anm. 1]
6.4 Stadtregister Teltow Terrἱtorium Teltow
6.5 Stadtregister Havelland Territorium Obule et merἱce
6.6 Stadtregister Altmark Antiqua Marchia
6.7 Stadtregister Prignitz Territorium Prignitz
6.8 Stadtregister Uckerland Territorium Ukere
6.9 Stadtregister Mark über Oder De civitatἱbus trans Oderam
7 Unbestimmte Einkünfte usw.
7.1 Markgräfliche Gerichtsverfassung Propter quod notandum, quod dominus habet in Marchia quadruplex iudicium
7.2 Höhere Gerichte in Städten und Flecken im Eigentum des Markgrafen Hec sunt civitates et opida, in quibus dominus habet iudicium supremum
7.3 Holzverkäufe De lignorum vendicionibus
7.4 Verpfändetes De inpignoracionibus
8 Belehntes De inpheudacionibus
9 Kirchliche Pfründen mit Präsentationsrecht des Markgrafen Beneficia ad presentacἱonem spectantἱa domini marchionis
10 Vermögen der Kirche De monasteriis
In Königsberg in der Neumark waren die Urbede über 60 Branden­burg­ische Barren­mark an Silber und das Höhere Gericht an den Stadt­rat verpfändet, das Rathaus Königs­berg, 1890[LB 20]

Die Registerangaben der Städte fielen unterschiedlich lang aus und enthielten im Wesentlichen:

Die Übersicht der Dörfer hieß bei den Schreibern die schwarzen Zahlen (nigrἱ numerἱ), weil hier die Foliierung in schwarzer Tinte erfolgte:[LB 21]

Hauptteil 2 Übersicht der Dörfer[LB 8][LB 13]
Abschnitt Deutsch Lateinisch Bemerkung
11 Landesbeschreibung nicht zu verwechseln mit Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373
11.1 Mark Brandenburg Marchia Brandeburgensis
11.2 Altmark Marchia transalbeana alio nomine antiqua Marchia
11.3 Mittelmark Marchia media untergliedert in:
11.4 Mark über Oder Marchia transoderana untergliedert in:
  • Hauptteil über Warthe (pars maior trans flumen Warte) und
  • Land Sternberg (territorium Sterneberg),

der noch in der Landesbeschreibung von 1373 für die Mittelmark verwendete Begriff Nova Marchia – Neumark wanderte erst 1397 über die Oder[LB 22][28]

12 Fragebogen für die Aufnahme
13 Dorfverzeichnis der Mittelmark nur Namensnennung, nicht alle aufgeführten Ortschaften tauchen im Dorfregister auf
13.1 Dorfverzeichnis des Teltows Nomina villarum Teltow
13.2 Dorfverzeichnis des Barnims Nomina vἱllarum Barnym
13.3 Dorfverzeichnis des Havellands Nomina villarum terre Obule et merἱce
13.4 Dorfverzeichnis der Zauche Nomina villarum Czůche
14 Dorfregister Mittelmark detaillierte Angaben
14.1 Dorfregister Teltow Teltow nur der sogenannte Hauptkreis Teltow (siehe im Kapitel Teltow)[HOL 3]
14.2 Dorfregister Barnim Barnym untergliedert in:
14.3 Dorfregister Havelland Obule et Merice mit:
14.4 Dorfregister Zauche Czucha mit Dörfern:
  • vom Kloster Lehnin (Monachorum in Lenyn) und
  • der Herrschaft Rochow (Bona Wἱchardἱ et Wi. de Rochow)
14.5 Dorfregister Uckerland Uker[mark] ohne die pommerschen und mecklenburgischen Teile (siehe im Kapitel Uckerland)[29]
15 Dorfregister Altmark Antiqua marchia detaillierte Angaben
15.1 Dorfregister Bezirk Stendal untergliedert in:
15.2 Dorfregister Bezirk Salzwedel mit:
  • Mühlen der Stadt Salzwedel (Molendina civitatis Soltwedel) sowie

untergliedert in:

  • Landreiterei Salzwedel vor Perver Tor, späterer Arendseeischer Kreis (Registrum terre Soltowedel ante Portam Perwer) und
  • Landreiterei Salzwedel vor Bockhorner Tor, späterer Salzwedelischer Kreis (Equitatura terre Soltowedel foris Portam Buchornighe)
Herzsprung in der Prignitz war eine der wenigen Ort­schaften dieser Land­schaft mit Angaben im Land­buch. Das in den Neben­teilen über­lieferte Dorf­register der Vogtei von Fretzdorf (Orts­teil von Witt­stock an der Dosse) umfasste 10 Dörfer und 1 Mühlen­einzel­siedlung.[LB 24]

Das Dorfregister war die ureigene Leistung des Landbuchs Kaiser Karls IV. Es vermerkte neben Hebungen und Rechten der Landesherren auch die Anderer. Seine Struktur legte der Abschnitt 12 Fragebogen für die Aufnahme fest. Dessen Vor- folgten die jeweiligen Angaben mit örtlichen und regionalen Unterschieden:[30][31][LB 25][XM 1]

Nicht in das vom Fragebogen eingeforderte Schema passten:[LB 25][38]

Das Dorfregister Altmark gab häufiger Anzahl, Namen und anteiligen Besitz der Vollbauern an, in der Mittelmark fehlten solche Informationen meist. Zumindest die Gesamtanzahl der Vollbauernhufen ließ sich indirekt aus den anderen Werten ermitteln (Gesamthufen minus nichtbäuerliche Hufen gleich Vollbauernhufen). Die Besitzer des Ritterhofs, der Abgaben und der Dienste wurden namentlich aufgeführt. Helmut Assing arbeitete am Beispiel des Dorfregisters Teltow heraus, dass nicht jede Angabe im Landbuch glaubwürdig war. Ein anderes Problem stellte der Zeitraum zwischen einem Rechtsakt und dessen Beurkundung dar. Er betrug oft Jahre oder sogar Jahrzehnte. So schrieb das Urbar Bornsen bereits dem Stift Diesdorf zu, während die Kaufurkunde auf 1380 datierte.[LB 26][42][43][44][LB 28][45]

Nebenteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere, zusammen mit dem Landbuch überlieferte Teile gehörten im engeren Sinn nicht dazu. Dazu zählten Tabellen als Rechenhilfsmittel für die Kämmerer und einige buchhalterische Aufstellungen. Das beigefügte Dorfregister der Vogtei von Fretzdorf (Ortsteil von Wittstock an der Dosse) ähnelte denen aus den anderen Gebieten. Vermutlich war es ein Bruchstück des Dorfregisters der Prignitz, das verloren ging oder nie angefertigt wurde.[LB 29][LB 30]

Nebenteile des Landbuchs[LB 30][LB 29]
Abschnitt Deutsch Lateinisch
1 Rechentabellen
1.1 Indische Zahlen 1 bis 60
1.2 Umrechnung der Mark (Einheit) in Schock und Böhmische Groschen (1. Variante)
1.3 Umrechnung der Böhmischen Groschen in Silber De grossis quid faciunt in argentum
1.4 Umrechnung der Schock in Silber De Sexagenis grossorum
1.5 Umrechnung der Berlinischen Zählmark in Böhmische Groschen Berlinensis marca
1.6 Umrechnung der Vinkenaugen Vincones
1.7 Umrechnung der Stendalischen Pfennig Denarii Stendalienses
1.8 Umrechnung der Berlinischen Pfennig Denarii Berlinenses
1.9 Geldwerte der Getreidemaße De blado
1.10 Werte der Rechnungswährungen, Gegenwerte der Naturalien De talento, frusto, annona, pipere, pisis
1.11 Umrechnung der Mark in Schock und Böhmische Groschen (2. Variante)
1.12 Wert der Gulden Valor florenorum
2 Buchhalterische Aufstellungen
2.1 Urbede über Oder Orbete trans Oderam
2.2 Markgräfliche Einkünfte in Mittelmark am Martinstag 1370 Hii sunt redditus, quos habet dominus in media marchia super festum beati Martini sub anno domini 1370
2.3 Anordnung des Kaisers über Burgen vom 15. Dezember 1377[LB 31] Dispositio castrorum sub anno domini 1377 feria 3 post festum S. Lucie per dominum imperatorem facta
2.4 Landbede 1377 Anno domini 1377 stura sive lantbete sic fuit imposita
3 Dorfregister der Vogtei von Fretzdorf (Ortsteil von Wittstock an der Dosse) Fredericstorp
Die Indischen Zahlen in den Neben­teilen des Land­buchs[46]

  • Der Nebenabschnitt 1.1 Indische Zahlen 1 bis 60 verwies auf eine der großen Errungenschaften des Mittelalters – die Indische Zahlschrift. Sie gab jeder Zahl bis Neun inklusive der eingeführten Null ein eigenes Zahlzeichen und ermöglichte das Dezimalsystem. Der Wert einer Zahl hing nun von ihrer Stellung in der Zahlenreihe ab. Beispielsweise steht bei der Zahl 333 die Rechte für Drei, die Mittlere für Dreißig und die Linke für Dreihundert. Das heute so vertraute System revolutionierte die Arithmetik. Anno 1202 veröffentlichte Leonardo Fibonacci sein Buch Liber abbaci über das neue Zahlenrechen und verbesserte es bis 1228 zu einem System. Ausgehend von Pisa verbreitete sich die Neuerung in Europa. Offenbar waren die Indischen Zahlen den Schreibern des Jahres 1375 in der Mark Brandenburg nicht vertraut. Das verband die allgemeine Aussage – sie setzten sich zögerlich durch – hierzulande mit einem konkreten Zeitpunkt.[46][47][48]
Das Landbuch verwendete nach wie vor die Römische Zahlschrift. Sie machte in Kombination mit der fehlenden Null schon das Addieren und Subtrahieren umständlich, dafür wurde der Abakus eingesetzt. Das Multiplizieren und Dividieren blieb professionellen Mathematikern vorbehalten. Dies erklärte ein immer wieder festzustellendes Phänomen – die Probleme der Schreiber bei der Anwendung der Grundrechenarten. Beispiele dafür waren die Dorfregister Lunow (Ortsteil von Lunow-Stolzenhagen, für die drei grundherrlichen Abgaben: 47 abgabenpflichtige Hufen × 15 Schilling/abgabenpflichtige Hufe = 35 Pfund, 5 Schilling = 8460 Pfennig, aber angegeben 35,5 Pfund, 5 Schilling = 8580 Pfennig), Roskow (für die Hufenbede: 13 Hufen × 6 Schilling/Hufe = 4 Pfund minus 2 Schilling, aber angegeben 4 Pfund minus 1 Schilling) und Dorf Boitzenburg (für den Schneidepfennig: 71 Kossätenwörden × 1 Schilling/Kossätenwörde = 3,5 Pfund, 1 Schilling = 852 Pfennig, aber angegeben 3,5 Pfund, 2 Schilling = 864 Pfennig). Auch schlichte menschliche Fehler kamen vor. In Bagow folgten auf die Gesamtanzahl von 20 Hufen die Inhaber von 19 Hufen. Bei Einem wurde wohl 1 Hufe vergessen.[LB 32][47][LB 33][LB 34][LB 35][LB 36]
Johannes Schultze ersetzte der besseren Lesbarkeit wegen in seiner Edition die Römischen durch Indische Zahlen. Hier lohnte ein Blick auf die beiden älteren Editionen und eine Aussage bzw. Untersuchung darüber, wann sich die neue Zahlschrift in der Mark etablierte.[LB 32][LB 37][47]

Glossar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

reife, trockene Hülsen der Ackererbse
Weitere Begriffe erläutert Wiki­pedia, da­run­ter das Zähl­stück. Bei ihm und anders­wo steht das mittel­latein­ische pisum für ‚Erbse‘ und nicht für ‚Bohne‘. Die Hüselitzer führten beide Natu­ral­ien ab.[LB 38][49][50][LB 39][LB 40]

Im Landbuch selbst oder in seinem Zusammenhang traten verschiedene erklärungsbedürftige, teils heute nicht mehr gebräuchliche oder mehrdeutige Worte auf:

  • Die Burghut stand für die Bewachung und Verteidigung einer Burg durch eine ständige Burgbesatzung. Die Entlohnung erfolgte oft mittels Burglehen, einer Sonderform des Lehnwesens.[XM 4][XM 5]

  • Das Wort Mark verlangte eine Beachtung des Kontextes. Beim Amtsbuch spielten von den insgesamt zahlreicheren, drei Grund- und deren Unterbedeutungen eine Rolle:

1) Mark (marca, Einheit): Dabei war zwischen der Barrenmark als Gewichtseinheit und der Zählmark als Währungseinheit zu differenzieren. 1 Brandenburgische Barrenmark entsprach 233,85 Gramm. Die Urkunden bezeichneten sie als Mark Brandenburgischen oder Stendalischen Gewichts. Die Zählmark war keine Währungseinheit im engeren Sinn, sondern diente als Rechenhilfe, um z. B. nicht mit ihrem Gegenwert von 480 Pfennig agieren zu müssen (siehe auch im Kapitel Geld und Währung). In der Praxis wurden beide Begriffe nicht klar auseinandergehalten.[LB 43][LB 44]

2) Mark (Territorium): Erst Mark (Grenze), dann Mark (umgrenztes Gebiet) führte zu Grenzgebiet, Grenzland (unter einem Markgrafen). Das Landbuch behandelte die Mark Brandenburg (Marchia Brandeburgensis) oder kurz Mark (Marchia). Markgraf (marchio, siehe auch Kapitel Markgraf [Adel]) stand stets für den Markgrafen von Brandenburg. Das war anno 1375 Wenzel. Sein Machtbereich umfasste im Grunde nicht die Herrschaft Lindow, die Hochstifte Brandenburg, Havelberg und Lebus. Da Karl IV. das anders sah, betrachtet auch der Artikel sie weitgehend als Teil des damaligen Brandenburgs. Einen zweiten Markgrafen enthielt die Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373. Den Titel Markgraf von Lausitz (marchionatus Lusacia) führte ebenfalls Wenzel.[59][LB 45][60][LB 46][61][LB 22][62]

3) Mark (umgrenztes Gebiet): Aus diesem Wortsinn heraus entwickelten sich spezifischere. Die Ortsmark umfasste alle zum Wirtschafts- und Rechtsbereich einer Siedlung gehörenden Grundstücke. Dem entsprach das heutige Gemarkung. Die Gemeine Mark hieß eindeutiger Allmende. Die Feldmark (mittelniederdeutsch mark, marke) definierte die Geschichtswissenschaft als die parzellierte landwirtschaftliche Nutzfläche (Äcker, Weiden, Wiesen) einer Siedlung. In den Wörterbüchern war sie hingegen ein Synonym für Ortsmark/Gemarkung. Aus naheliegenden Gründen entschied sich der Artikel stattdessen für die Verwendung von Feldflur.[59][63][64][22][65][66]

  • Die Pertinenz (pertinentium, pertinentius) ließ sich mit Zubehör übersetzen. Bei einer landesherrlichen Burg stand der Begriff für die ihr zugeordneten Lasten. Für den Inhaber bedeuteten sie Einnahmen. Mit ihrer Hilfe wurden auch die baulichen Anlagen errichtet und instandgesetzt sowie das Personal versorgt. Das Wort erschien ebenfalls, um die rechtliche Herrschaft über ein ganzes Dorf oder einzelnes Rechtsgut auszudrücken.[67][68][LB 15][69]

Geld und Währung [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl IV. hatte viel aufgewandt, um an die Mark Brandenburg zu gelangen. Die Herzöge von Bayern erhielten Einmalzahlungen, Leibrenten und oberpfälzische Ländereien. Der Gegenwert der Abfindungen betrug die Unsumme von rund 500.000 Gulden (florenἱ). Dazu kamen das Auslösen von Verpfändungen und der laufende Etat. Selbstverständlich war der Kaiser, neben einer Stabilisierung der Verhältnisse, an Einnahmen interessiert. Dabei sollte u. a. das Landbuch helfen. Jährlich flossen ihm zirka 33.000 Mark aus der Mark zu. Das entsprach ungefähr 2 Zentner Gold.[70][12][LB 9][1]

Wichtigste Währungsverhältnisse zur Zeit des Landbuchs[LB 47][71]
1 Brandenburgische Barrenmark an Silber = 4 Goldgulden = 480 Brandenburgische Pfennig
1 Brandenburgische Barrenmark Silber = 40 Schilling = 2 Pfund
1 Brandenburgische Barrenmark Silber = anfänglich 60, dann 64 Böhmische Groschen = schließlich 68 und unter Karl IV. 70 Böhmische Groschen
1 Böhmischer Groschen = 6 Brandenburgische Pfennig = 7 Stendalische Pfennig = 8 Berlinische Pfennig
1 Berlinische Zählmark anno 1375 = 56 Böhmische Groschen = 448 Berlinische Pfennig
1 Stendalische Zählmark anno 1369 = 40 Schilling = 2 Pfund = 480 Pfennig
1 Berlinischer Schock anno 1375 = 60 Böhmische Groschen = 2 Pfund = 480 Berlinische Pfennig
1 Zählstück = 20 Schilling = 1 Pfund = 240 Brandenburgische Pfennig

In den Zeiten der Wittelsbacher und Luxemburger war das Land in Münzbezirke eingeteilt. Jeder besaß mindestens eine Münzprägestätte. Im 12. Jahrhundert wurden aus 1 Barrenmark (marca) Silber 240 Pfennig (denariἱ, nummἱ) geschlagen, in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts verdoppelte sich diese Anzahl auf 480. Der Brandenburgische, Stendalische und Berlinische Pfennig unterschieden sich im Fein- und Raugewicht. Außerdem wurden ein Halbstück (obulus, = 12 Pfennig) und in der Neumark das Vinkenauge (denarius slavicalis, vincones) hergestellt. Letzteres hatte sich von Mecklenburg und Pommern aus verbreitet. Das Umtauschverhältnis lag ab 1352 zum Brandenburgischen Pfennig bei 3 : 1. Der Leichte Pfennig (denarius levis) trat durch die Hanse im Bezirk Salzwedel häufiger auf. Dieser stand zu den drei Schweren Pfennigen (denariἱ graves) im Verhältnis 112 : 1. Bei größeren Summen wurden mitunter Böhmischer (grossus) und Meißnischer Groschen (grossus lati, wörtlich ,breiter Groschen‘) als Zahlungsmittel angegeben. Ihre Durchdringung nahm nach Norden ab.[LB 47][LB 9]

Während alle bisher aufgeführten Münzen tatsächlich physisch existierten, waren Pfund (talentum) und Schilling (solidus) Rechnungswährungen. Beide wurden im Brandenburg des 14. Jahrhunderts nicht geprägt, bei höheren Beträgen aber am häufigsten benutzt. Ihr Gegenwert ergab sich aus der entsprechenden Menge Pfennig. Auch der Schock (sexagena) und das Zählstück (frustum) dienten als Rechenhilfen, wobei die Funktion von Letzterem darüber hinaus ging. Die Gegenwerte der vier Rechnungsmünzen fielen im jeweiligen Kontext unterschiedlich aus. 1 Pfund entsprach z. B. 240 Brandenburgischen, Stendalischen oder Berlinischen Pfennig. Für die Einschätzung des heutigen Geldwerts war der schwankende Feingehalt der Münzen hinderlich. Den jährlichen Münzverruf in den Münzbezirken Stendal und Berlin beendete die Einführung des Ewigen Pfennigs anno 1369. Die spätmittelalterliche Zersplitterung der Währungen blieb. Dementsprechend enthielt das Landbuch weitere Münzen und Rechnungswährungen: Heller (assis, quadrans), Lot (= 116 Zählmark), Beelitzscher (Belitzensus) und Lübischer Pfennig (denarius Lubicensius), Quent (quentinus, = 14 Lot = 712 Pfennig) sowie Vierdung (ferto, = 14 Mark).[LB 47][LB 9][72][LB 30][27][XM 9][XM 10][LB 48][LB 49]

Maß- und Zähleinheiten [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter existierte eine schier unüberschaubare Vielzahl an Maßeinheiten für Länge, Fläche, Raum und Gewicht, die sich zudem bei derselben Bezeichnung regional unterschieden. Dies sowie die geringe Verbreitung von Lesen und Schreiben eröffnete Händlern und Handwerkern Möglichkeiten zum Betrug. Die Städte ergriffen verschiedene Gegenmaßnahmen. Dazu zählten strenge Strafen, ständige Kontrollen, sichtbares Anbringen von Maßeinheiten und Anfertigung von Eichmaßen. Blieben letztere Beide oder auswertbare Schriftquellen erhalten, ließen sich mittelalterliche auf heutige SI-Einheiten umrechnen. Für die Mark Brandenburg vermerkte die Sekundärliteratur immer wieder die Aussage „nicht überliefert und ermittelbar“.[73]

Flächenmaße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urkunden erwähnten flämische, fränkische, holländische und slawische Hufen. Überprüfbare Angaben folgender Jahrhunderte legten nahe, dass sich ihre Werte größtenteils von Ortschaft zu Ortschaft unterschieden. Die Kontributionsrolle der Uckermark vom 1. Januar 1718 führte fast 200 Dörfer auf. Lediglich in 2 hatten die Hufen den gleichen Umfang. Sogar innerhalb einer Feldflur traten Unterschiede auf. Die Breite der Ackerstreifen wurde bei der Ortsgründung zwar einheitlich vermessen, aber die Länge konnte unterschiedlich ausfallen. Die unter Friedrich Wilhelm I., König in Preußen (1713–1740) festgelegten Maße boten für das Mittelalter bestenfalls eine Orientierung. Seitdem galt in der Mittelmark 1 Hufe gleich 30 Magdeburgische Morgen, umgerechnet etwa 7,66 Hektar, die flämische Hufe entsprach zirka 16,8 Hektar.[75][22][42]
Im Laufe der Zeit änderten sich bisweilen die verwendeten Hufenmaße, wurde die Hufeneinteilung geändert oder ging das Wissen über ihre anfängliche Ausgestaltung verloren. So vermerkte schon das Dorfregister von Tiefensee, dass die Hufenanzahl unbekannt sei. Zahlreiche Ortschaften wiesen über die Jahrhunderte aber auch eine Konstanz auf. Zumindest ansatzweise ließe sich die Frage der Hufengrößen durch die Auswertung von erhaltenen Flurkarten des 17. Jahrhunderts und den Abgleich mit den Daten vorangegangener Perioden klären.[76][LB 50][75]

Das Landbuch trennte in Ketzin zwischen deutschen Hufen (mansi teutunici, gemeint waren fränkische) und slawischen Hufen (mansi slavici, das Hufenland eines der 12-Hufen-Dörfer). Die Deutschen zahlten 1 Wispel Roggen und 0,5 Wispel Hafer, die Slawischen jeweils 1 Wispel Roggen und Hafer an Hufenpacht. Aus den Werten schloss Eckhard Müller-Mertens, dass die fränkischen kleiner waren als die slawischen Hufen. In Wildenbruch bot sich allerdings ein umgekehrtes Bild. Der dortige slawische Acker hieß Wendemarke. Für dessen Hufen lag die Abgabenhöhe deutlich niedriger als für die übrigen im Dorf. Welchem Maß die Hufen kleinen Wertes (mansi minoris valoris, mansi sunt modici valoris) in Ossemoor (später Schmoor, Wüstung bei Hohenwulsch) und Querstedt entsprachen, erschloss sich nicht.[LB 51][LB 9][77][75][LB 48][78][LB 52][LB 53][HOL 4]
Siehe auch: Hufe, Kapitel dörfliches und städtisches Hufenland

  • Der Morgen (iugerum) umfasste ursprünglich soviel Ackerfläche, wie mit einem Gespann an einem Morgen gepflügt wurde. Eine markgräfliche Urkunde für Stendal von 1249 setzte 1 Hufe mit 30 Morgen gleich. Zumindest im westlichen Brandenburg galt womöglich dieses Verhältnis der beiden Flächeneinheiten zueinander. Die Rixdorfer Gründungsurkunde von 1360 wies 1 Hufe mit 10 Morgen aus.[79][LB 9][74][80]
Siehe auch: Morgen und Kapitel Morgen (Flurstück)

  • Das Viertel (quartale) war ein altes deutsches Flächenmaß. Langensalzwedel bestand aus 17 Hufen minus 0,25 Hufe, davon besaß Tide Ebel 3 Viertel. In Ostheeren hielt Hans Tangermünde 3 Hufen minus 1 Viertel. 1 Hufe teilte sich demnach in 4 Viertel.[81][LB 57][LB 58][82]
Siehe auch: Kapitel Viertel (Raummaß)

Raummaße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fuder wurde in Jeeben zur Ver­messung von Holz­kohle ver­wendet[LB 59]

  • Das Fuder (plaustrum) entsprach entweder ungefähr der Ladung eines zweispännigen Wagens oder dem Volumen des an ihm angebrachten, kippbaren Weidenkorbs. Es diente u. a. zur Vermessung von Heu, Holz oder Holzkohle.[83][LB 9][84]

  • In Metze (Raummaß, indirekt durch Metzner) wurden die verschiedenen Mühlenprodukte gemessen. Es bestand keine landesweit einheitliche Größe. Für Prenzlau verfügten die brandenburgischen Markgrafen anno 1305 kupferne oder eiserne Messgefäße. Dort entsprachen 16 Füllungen 1 Scheffel. Für ein anderes Verhältnis der beiden Raummaße nannte Werner Peschke lediglich ein (zutreffendes) Beispiel. Durch die Bezugnahme auf den Scheffel hing von dessen genauer Abmessung auch die konkrete Größe der Metze (Raummaß) ab.[85][86]
Siehe auch: Metze (Raummaß), Kapitel Metzner und Metze (Abgabe)

  • Der Scheffel (modius) war eine geläufige Maßeinheit für Schüttgüter, besonders Getreide. Die zugehörigen Messgefäße bestanden aus Holz. Die Register erwähnten in Kliestow den slawischen Scheffel (slavicus modius) und in Beesewege den Scheffel kleinen Maßes (modius parve mensure).[87][LB 63][LB 64]

  • Das Viertel (quartale, virdenat) stand beispielhaft für die Unübersichtlichkeit der Maßeinheiten. Bei Schüttgütern umfasste es gelegentlich 2,00 Scheffel, meist aber 0,25 Scheffel. Es war das mittlere Bier-, aber das kleinste Honigmaß. Letzteres ergab sich aus dem Burgregister Teltow. In Christinendorf gaben Herman, Heyneke und Rehagen je 0,50 Krug, Klaus und Hensel Mertens je 1,00 Viertel sowie Hermann Lüdersdorf 0,50 Viertel Honig, zusammengerechnet 2,00 Krug plus 0,50 Viertel Honig. Das entsprach zumindest ungefähr der für das Dorf angegebenen Summe von 2,00 Krug Honig. Dazu kam der Gebrauch des Viertels als Flächenmaß.[81][LB 9][LB 60][LB 67]
Siehe auch: Kapitel Viertel (Flächenmaß)

Gewichtsmaße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Stein (lapis) war eine Gewichtseinheit für Talg (cepum, sepum) und Bienenwachs.[LB 9]

Zähleinheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis weit ins 20. Jahr­hundert blieb das Auf­stellen von Garben, wie hier in Perwenitz (Ortsteil von Schönwalde-Glien), eine gän­gige landwirt­schaft­liche Praxis im Branden­burgischen[90]

Siehe auch: Schock (Währung) im Kapitel Geld und Währung

Menschen und soziale Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dreiklang des Mittelalters lautete Arbeitende (laboratores), Betende (oratores) und Kämpfende (bellatores). Die Kritik der Geschichtswissenschaft an dieser ständischen Gliederung der Gesellschaft blieb berechtigt. Dennoch beschrieb sie treffend die Wirklichkeit.[52][94]

Adel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landbuch der Mark Branden­burg verband sich auf das Engste mit der Person Karls IV., Fresko von Andrea di Bonaiuto, 1365[12]

Neben den Askaniern kamen nur vereinzelt hochadelige Geschlechter in das entstehende Brandenburg um eigene Herrschaftsrechte auszuüben oder Territorien zu gründen. Den Markgrafen gelang es im Laufe der Zeit fast alle Edelfreien zu verdrängen oder als Vasallen in ihr Territorium einzubinden. Nur die Grafen von Lindow-Ruppin konnten in der Herrschaft Lindow ihre Reichsunmittelbarkeit bewahren. Die vom Landbuch postulierte Zugehörigkeit zur Mark war mehr politisches Programm als Realität.[95][LB 45][60][96]

Die Wurzeln der meisten Adeligen lagen bei unfreien (Ministerialen) und freien Dienstmannen. Diese gründeten als Lokatoren Ortschaften, standen als Krieger im Dienst des märkischen oder angrenzender Landesherren. Zur Belohnung und Finanzierung erhielten sie in den Dörfern eigene Höfe und Hebungen. Noch 1375 ließ sich aus dem Landbuch der Mark Brandenburg ihre unterschiedliche Beteiligung am Landesausbau herauslesen. Grundsätzlich nahm die Anzahl der Ritterhöfe von West nach Ost zu. Für die einzelnen Landschaften wurden aufgeführt: Altmark 67, Havelland 80, Zauche 12, Teltow 35, Barnim 114 und Uckerland 190 Ritterhöfe. Knapp vier Jahrzehnte früher zählte das Landbuch der Neumark 62 auf. In der Mark über Oder hatte der Schwung der Siedlungsbewegung bereits abgenommen. Dies zwang die Askanier dort wenigen großen Adelsfamilien umfangreiche Ländereien zu überlassen.[95][97][98]

Im Laufe des 13. Jahrhunderts verschwanden die rechtsständischen Unterschiede zwischen Unfreien und Freien. Sie verschmolzen zum brandenburgischen Adel, einem berufsständischen Kriegerstand. Dabei spielte das aus Frankreich übernommene Ritterideal eine Rolle. Zum Auslöser einer neuen Differenzierung sollte der Besitz werden:[95]

  • Das Landbuch dokumentierte, wie schmal die finanzielle Basis des Landesherrn geworden war. Trotzdem nahm der Markgraf (marchio, mittelniederdeutsch marggrave), Herr Markgraf (dominus marchio, mittelniederdeutsch here marggrave) den höchsten Rang unter Adeligen Brandenburgs ein. Seit 1373 saß Wenzel auf dem Thron, in Wahrheit regierte sein Vater Karl IV. Die Kurfürstenwürde behielt Otto V. bis zu seinem Tod 1379. Einige Textpassagen verwiesen auf ihn, seine Vorgänger und Nachfolger:[60][12][11][LB 71]
  • Otto V. (marchio Otto): Dorfregister Dyrotz sowie
Siehe auch: Karl IV., Wenzel und Kapitel Markgraf (Glosse)
Der Familie von Bredow gehörte von 1335 bis 1409 Burg und Flecken Friesack. Das Gemälde zeigte den Zustand während des Dreißig­jährigen Kriegs (1618–1648), von Albert Bode, 1894.[99]

  • Die Schlossgesessenen formten den Hochadel. Der Aufstieg in den verschiedenen Landschaften und der einzelnen Familien begann zu unterschiedlichen Zeitpunkten. In der Prignitz banden die Askanier die mit dem Wendenkreuzzug ins Land gelangte Gans zu Putlitz in ihre Herrschaft ein, die anderen drei Geschlechter erlangte ihre Stellung erst in der Zeit der Wittelsbacher. Im pommerschen Uckerland beteiligten sich neun Familien stärker am Landesausbau. Aus ihnen stiegen im Laufe des 13. Jahrhunderts drei der unten Genannten, nicht Deren von Holtzendorff, noch weiter empor. In der Mark über Oder startete der Vorgang mit der Eingliederung nach Brandenburg.[100][12][95][101][102][97]
Allen gemein war, dass sie die Chancen der Kommerzialisierung der landesherrlichen Lasten stärker nutzten als die anderen Adeligen. Landesweit zeigte sich ihre gehobene Stellung während des Brandenburgischen Interregnums (1319/1320–1323). Sie besiegelten die Landfriedensvereinbarungen, mit deren Hilfe versuchten die Landschaften aus sich heraus das Chaos der Wirren in Ordnung zu überführen. Die Wittelsbacher verliehen der ziemlich konstanten Gruppe das Prädikat Edle (nobiles). Die Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 nannte unter dieser Titulierung 29 Adelsfamilien. Das vorrangige Kriterium für die Aufnahme in die Liste war der Besitz ehemals landesherrlicher bzw. für die Landesverteidigung wichtiger Burgen oder Städte. Dazu trat die Vergabe von Afterlehen. Die Schlossgesessenen hoben auffällig oft die Hufenbede. Als Kreditgeber des Landesherrn wurden sie zu Pfandherren über Zölle und Vogteien. Einige bauten kleine Herrschaften über ein Dorfkomplex auf, die Familie von Wedel sogar eine über ein ganzes Ländchen. Trotz der Machtfülle blieben die Schlossgesessenen stets Vasallen des Markgrafen.[100][103][LB 22][12]
Schlossgesessener Adel anno 1373[LB 22]
Schlossgesessene mit Bemerkung
   Altmark
von Alvensleben Burg Kalbe, Burg Klötze
von Bartensleben Das Landbuch vermerkte die Wolfsburg als Lehen.[LB 77]
von Bodendik
von Erxleben Burg und Flecken Erxleben in der Magdeburger Börde
von Jagow Burg Aulosen
von Oberge
Schenk von Arneburg
Schenk von Flechtingen Burg Flechtingen
von der Schulenburg Burg Beetzendorf, Burg und Stadt Groß Apenburg
von Wederden Das Landbuch vermerkte Calvörde als Besitz.[LB 78]
   Barnim
von Lochow Stadt Wriezen
von Stegelitz Burg Biesenthal im Barnim Die Familie von Stegelitz wurde auch im Uckerland aufgeführt.
   Havelland
von Bredow Burg und Flecken Friesack
   Land Lebus
von Wulkow Burg und Flecken Falkenhagen im Land Lebus
   Mark über Oder
von Brederlow Burg Dertzow, Burg Rützow bei Dramburg
von der Osten Burg und Flecken Driesen
von Uchtenhagen Burg und Flecken Zantoch Das Landbuch vermerkte Freienwalde an der Oder im Barnim als Besitz.[LB 79]
von Vockenrode Burg und Flecken Sonnenburg
von Wedel Burg und Flecken Berneuchen, Burg und Stadt Falkenburg, Stadt Freienwalde an der Krampehl, Flecken Fürstenfelde, Stadt Groß Mellen (existiert nicht mehr), Stadt Küstrin, Burg und Stadt Neuwedell, Stadt Nörenberg, Burg und Stadt Reetz in der Neumark, Stadt Schivelbein, Stadt Tütz, Burg und Flecken Uchtenhagen
   Prignitz
von Boesel Burg Stavenow
Gans zu Putlitz Burg Putlitz
von Rohr
von Quitzow Burg Quitzow
   Teltow
von der Groeben Burg Beuthen, Insel Potsdam Die Familie von der Groeben ließe sich wegen Insel Potsdam auch bei Havelland einordnen.
von Torgow Burg und Stadt Zossen
   Uckerland
von Blanckenburg Burg Blankenburg Der Name der Burg wurde nicht ausdrücklich genannt, es hieß schlicht mit Burg oder mit Burg ebenda.
von Greiffenberg Burg und Flecken Greiffenberg
von Holtzendorff Burg Warnitz
von Stegelitz Flecken Brüssow Die Familie von Stegelitz wurde auch im Barnim aufgeführt.
   Zauche
von Rochow Burg und Flecken Golzow in der Zauche
Eine Burg war eine Burg. Die Klassifizierungen der anderen Ortschaftstypen durch die Landesbeschreibung von 1373 trafen nicht immer zu, beispielsweise handelte es sich bei Zossen um einen Flecken.[104][LB 22][105]

  • Der Niederadel wohnte hauptsächlich in den Dörfern. Er lebte von seinem Ritterhof und den Lasten der Bauern. Daher wirkten sich die Folgen der spätmittelalterlichen Agrarkrise bei ihnen stark aus. Viele Adelsfamilien des 13. Jahrhunderts erlitten einen sozialen Abstieg oder starben aus. Um einen Rückfall des Lehens zu verhindern, änderte sich im 14. Jahrhundert die Familienstruktur. Gründeten zuvor die jüngeren Söhne zumeist eine eigene Linie, ließen sich jetzt Verwandte gemeinsam belehnen. Das Landbuch sprach von Bruder (frater, hieß auch ,Mönch), Neffe (patruelis), Onkel (patruus), Sohn (filius) und Vater (pater). Ebenfalls gut ablesen ließ sich die Ungleichheit der sozialen Stellung. In der Altmark reichte die Bandbreite der Hebungen, inklusive der Dienstmannen,[Anm. 4] von 0,03 Zählstück eines Kune bis 160,57 Zählstücke der Familie von Büste. Die reichen Niederadeligen konnten sich mit den Schlossgesessenen (siehe oben) messen.[106][107][LB 15]
Siehe auch: Niederer Adel und Kapitel Niederadel (Verwaltung)

Wenig hilfreich für die Gruppierung des Adels waren die im Landbuch verwendeten Adelstitel, dazu gehörten Derer (ille, ipse, hier in einer gehobenen Bedeutung), Knappe (famulus) und Ritter (miles). Vasall (vasallus) kennzeichnete lediglich einen Lehnempfänger und fand auch für Bürger Verwendung. Das Wort Herr (dominus) umfasste noch mehr Bedeutungen.[108][LB 15][LB 9][55]

Bauern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bauern siehe im Kapitel Dorfeinwohner und -höfe.

Bürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bürgern siehe im Kapitel Städte.

Frauen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Frauen­darstellung: Rück­seite des Třeboňer Altar­bilds mit Katha­rina von Alex­andrien, Maria Magda­lena und Marga­reta von Antio­chia, vom Meister von Wittin­gau, um 1380

Kirche und Ständegesellschaft wiesen den Frauen eine mindere Rolle zu. Als Begründung dienten die Bibel sowie vermeintliche biologische Besonderheiten. Das Weib sei dem Manne untertan sowie ein wankelmütiges, schwaches und weniger begabtes Wesen. Der heimische Herd und das Gebären von Kindern galten als einzige Aufgaben. Rechtsnormen schränkten die Entfaltungsmöglichkeiten ein, so standen Töchter oder Gattinnen unter männlicher Munt (Vormundschaft). Politische Tätigkeit blieb Frauen des Hochadels vorbehalten. Letztlich konnte mehr die soziale Stellung als das Geschlecht das Leben bestimmen.[109][110][111]

In den Städten zeigte sich, bei regionalen Unterschieden, im Ansatz eine Gleichberechtigung. Die Frau leistete den Bürgereid, wurde in die Bürgerrolle eingetragen, war als Händlerinnen geschäftsfähig sowie erbberechtigt. Das galt als Gemüseverkäuferin auf dem Markt sowie als Vertreterin für den auf Geschäftsreise weilenden oder erkrankten bzw. Erbin des verstorbenen Ehemanns. Sie ging einer abhängigen Beschäftigung nach, arbeitete im familiären Unternehmen oder betrieb ein eigenes Gewerbe. Mitunter war die Frau die alleinige Ernährerin der Familie. Den Schriftquellen nach setzten die Männer diese Freiheiten durch. Dabei ging es nicht um Emanzipation, sondern um die wirtschaftlichen Interessen der kaufmännisch-handwerklichen Bevölkerung – das Kapital sollte in der Stadt bleiben. In den Dörfern bestand weiterhin das auf den Stammestraditionen beruhende Recht. Der Sachsenspiegel bevorzugte beim Erbe klar die Söhne. Funktion und Status der Frauen lagen innerhalb des bäuerlichen Haushalts zwischen niedrig und nicht eindeutig bestimmt. Zum weiblichen Pensum gehörten Feldarbeit, Schlachten von Tieren, Nähen von Kleidung usw.[110][111][112][113]

Die Ehe diente der Reproduktion und der wirtschaftlichen Absicherung. Vor der Hochzeit musste der Bräutigam das Wittum (dotalicium) bezahlen. Der deutsche Name erklärte schon fast den Zweck. Es diente als Vorsorge für den Fall der Witwenschaft. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des zukünftigen Ehemanns entschieden über die Höhe der Reserve. In der Rolle als bürgerliche oder adelige Witwe (relicta, vidua) wurden Frauen im Landbuch greifbar. Immer wieder erwähnten die Register entsprechende Hebungen, so erhielt in Reesdorf die Witwe von Oldenbach aus Beelitz in der Zauche 25 Schilling und 2 Wispel Roggen als Einkommen. Auch bei Wiederheirat, dann hieß es Ehefrau, Gattin (uxor), blieb das Wittum auf Lebenszeit (ad vitam) im Besitz der Frau, z. B. ersichtlich in Schmargendorf. Dass Stiefmutter (noverca), Dorfregister Seelübbe (Ortsteil von Prenzlau), und alte Frau (vetula antiqua), Dorfregister Borstel, nicht nur im Märchen vorkamen, belegte auch das Landbuch.[113][109][LB 9][LB 15][LB 80][LB 81][LB 82][LB 83]

Juden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anwesenheit von Juden in der Mark Brandenburg ließ sich ab 1244 mit einem Grabstein in Spandau für Jona, Sohn des Dan nachweisen. Nach ersten schriftlichen Erwähnungen wurden ab dem Ende des 13. Jahrhunderts Judenordnungen und -bestimmungen überliefert, die älteste 1297 für Stendal. Sie regelten rechtliche und wirtschaftliche Angelegenheiten, keine religiösen Fragen. Das 1344 erlassene Privileg für die Mark über Oder galt erstmals für eine ganze Landschaft. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts belegten Schriftquellen in fast allen Städten jüdische Einwohner. Gemeinden konnten nur in Berlin, Brandenburg an der Havel, Frankfurt, Spandau und Stendal festgestellt werden. Friedhöfe, sie wurden nur von bedeutenden Gemeinden betrieben, gab es vor 1350 lediglich in Frankfurt und Spandau.[114][115][116]

Innerhalb der Städte formten die Juden eine Sondergruppe. Sie galten zwar als Bürger, unterlagen aber ursprünglich der Rechtsprechung und dem Schutz des Markgrafen. Ab 1317 übertrug der Landesherr das Judenregal zunehmend an die Städte. Von den meisten Berufen ausgeschlossen, lebten sie größtenteils von der Kreditvergabe, der Pfandleihe und, aus religiösen Gründen, vom Vieh- und Fleischhandel. Jüdische Siedlung bedeutete in der Mark nicht Ghetto. Die Judendörfer von Perver (Vorstadt von Altstadt Salzwedel) und Prenzlau lagen vor dem oder innerhalb des Stadtkerns. Diese ältere Siedlungsform lösten die Judenstraßen ab. Sie beherbergten jüdische Einrichtungen und viele jüdische, aber auch christliche Einwohner. Stadtpläne verzeichneten z. B. eine Berliner, Eberswalder und Spandauer Jüdenstraße.[116][117][118][119][120][121][122]

Während der Zeit der Askanier kam es wohl zu keinen Verfolgungen. 1349/1350 erreichte der Schwarze Tod den Norden Deutschlands. Für den Ausbruch wurden die Juden verantwortlich gemacht. Auch wenn die Mark offenbar kaum betroffen war, kam es in mehreren Städten zu Pestpogromen. Die Wittelsbacher, ebenso später die Luxemburger, orientierten ihre Politik weiterhin am finanziellen Nutzen. Die Städte büßten die Morde mit Geldzahlungen, ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten vielerorts wieder Juden.[114][116][117]

Siehe auch: Kapitel Judenregal

Slawen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Westslawen besiedelten nach ihrer Einwanderung im 7. Jahrhundert fast die gesamte zukünftige Mark Brandenburg. Nur Teile der späteren Altmark gehörten zum deutschen Altsiedelland. In Brandenburg trafen die beiden slawischen Haupteinwanderungsströme aus Richtung Osten und Süden aufeinander. Im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung kamen Sachsen, Thüringer, Flamen, Holl-, See- und Rheinländer ins Land. Die Bevölkerungsgruppen verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte zum neudeutschen Stamm der Brandenburger. Dieser Prozess kam nach Gerd Heinrich bereits am Ende der Askanierzeit weitgehend zum Abschluss. Joachim Herrmann schlussfolgerte gegenteilig: Frühestens ab den 1350er Jahren, verstärkt seit dem späten 14. Jahrhundert fügten die Zünfte den Wendenpassus den Ehrbarkeitsanforderungen hinzu. Die Regelung richtete sich vor allem gegen Zugezogene. Dies setzte voraus, dass ein erheblicher Anteil der in die Städte strömenden Landbevölkerung Slawen (slavἱ) waren.[123][22][97][124][125][126]

Letztlich unterschied sich die Geschwindigkeit der Verschmelzung in den einzelnen Regionen und Ortschaften. Besonders an den Rändern der Mark hielten sich lange Zeit slawische Sprachinseln. Eine länderübergreifende oder durch Grenzen getrennte lag an der unteren Mittelelbe. Im Wendland (westliche Altmark in Brandenburg, Weningen und Darzin im Herzogtum Mecklenburg und Hannoversches Wendland im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel) wurde bis ins 18. Jahrhundert Drawänopolabisch gesprochen. Am Ostrand des Oderbruchs reihten sich vier slawische Dörfer. In der Mark über Oder stritten Polnisch und Niederdeutsch um die Vorherrschaft.[127][128][129][130][131]

Das Landbuch lieferte wenige direkte Erwähnungen. Im Dorfregister von Schinne zahlten zweimal Wenden (mittelniederdeutsch Wendeschen) Abgaben. Als slawisches Dorf (villa slavica) wurde nur Liepe an der Finow bezeichnet. Gemäß Eckhard Müller-Mertens verwies das anno 1375 lediglich auf das fehlende Hufenland, die nicht erfolgte Umwandlung in ein Hufendorf. Werte der deutschen Heimat schrieb von weiterhin slawischen Einwohnern. Laut Wolfgang H. Fritze stand der Begriff eher für die speziellen Rechts- und Besitzverhältnisse. Neben eingedeutschten gab es nach wie vor slawische Kietze (vicἱ). Dies belegten drei Stellen: In Potsdam lautete die Formulierung „Item Slavi de vico…[LB 84] – Außerdem Slawen vom Kietz… Für Colbu (in Tangermünde aufgegangen) hieß es „slavi ibidem morantur[LB 85] – Slawen wohnen ebendort. Vor Freienwalde an der Oder lebten Slawen in den zwei dort aufgeführten Kietzen.[LB 86][LB 87][LB 88][LB 89][132][133][134][LB 9][126][68][135][136][LB 90][137]

Noch im 14./15. Jahrhund­ert gab es viele slawische Sied­lungen in der Mark. Das Land­buch nannte lediglich das Dorf Liepe an der Finow und vier Kietze, Luft­auf­nahme von Liepe.[138][LB 87]

Der Zusatz Wendisch oder Slawisch bei mehreren Ortsnamen sprach für eine zumindest anfangs solchermaßen geprägte Siedlung. Auffallend war, dass in der Altmark ausschließlich das Wort Wendisch verwendet wurde, während östlich der Elbe Slawisch vorherrschte. Lediglich Buch bei Berlin brach diese Regel.[LB 91][LB 8]

Dörfer mit Namenszusatz Slawisch/Wendisch im Landbuch
Dorf Ortsname im Landbuch Bemerkung
   Altmark
Großbierstedt Wendischen Bierstede[LB 92] südwestlich liegt Kleinbierstedt (Dutschen Birstede)[LB 93]
Hohenböddenstedt Wendeschen Bodenstede, Vendeschen Bodenstede[LB 94] liegt östlich von Diesdorf, das namensverwandte Böddenstedt (Bodenstede) hingegen westlich von Salzwedel[LB 95]
Hohenlangenbeck Wendischen Langebeke[LB 96] östlich liegt Siedenlangenbeck (Langebeke)[LB 97]
Klein Chüden Wendischen Chůden[LB 69] südlich liegt Groß Chüden (Chůden)[LB 98]
Klein Gischau Wendischen Gischow[LB 99] westlich liegt Groß Gischau (Gischow)[LB 100]
Klein Grabenstedt (Ortsteil von Salzwedel) Wendeschen Gravenstede, Vendeschen Gravenstede[LB 101] südlich liegt Groß Grabenstedt (Gravenstede)[LB 102]
   Barnim
Buch bei Berlin Buch slavica, Wentschenbug, Wentzschenbůk, Wentschenbůk[LB 103][LB 104]
Woltersdorf bei Köpenick im Burgregister Waltersdorf slavἱca, im Dorfverzeichnis Waladstorf slavἱca, Waladstorp slavἱca, Waltersdorf slavἱca, im Dorfregister Wolterstorff[LB 105][LB 103][LB 106] jenseits von Spree und Dahme liegt Waltersdorf im Teltow: im Burgregister Waltersdorf teutunica, im Dorfverzeichnis Walterstorff, im Dorfregister Wolterstorff[LB 107][LB 108][LB 109]
   Teltow
Großbeuthen Buten slavica[LB 108] nordwestlich liegt Kleinbeuthen (Buten)[LB 110]
Wendisch Wusterhausen Wusterhuse slavica[LB 108] westlich liegt Deutsch Wusterhausen (Wusterhuse theutunica, Důdeschen Wusterhusen)[LB 108][LB 111]
Slawisch Stahnsdorf Stanstorpp Slavica, Stanstorpp slavica, Stanstorp slavica, Stanstorff slavica[LB 112][LB 108][LB 113] lag etwa auf halber Strecke zwischen Stahnsdorf (Stanstorp teutunica und Schreibweisen ohne Namenszusatz) im Osten und Potsdam im Westen[HOL 5][LB 113][LB 114]
   Zauche
Alt Bork (Ortsteil von Linthe) Bork slavica, Borck slavica[LB 115] südlich liegt Deutsch Bork (Duschen Bork)[LB 116]

Speziell bezeichnete Äcker verwiesen mit drei Möglichkeiten auf eine slawische Siedlung: 1) in späteren Jahrhunderten lediglich vermutet, 2) in frühdeutscher Zeit fortbestehend, aber dann im daneben angelegten deutschen Dorf aufgegangen oder 3) bereits in slawischer Epoche untergegangen. Das Landbuch enthielt drei solcher Erwähnungen:[139][64][78][LB 117]

Im Burgregister Teltow hieß es bei Nudow: „Tota villa 1 talentum de glandibus…[LB 119] Die nicht eindeut­ige Formulierung hieß übersetzt wohl: Das ganze Dorf gibt 1 Pfund Pfennig für die Eicheln… [an die Burg Saarmund].

Ein Dorf nach deutschem Recht konnte teilweise oder komplett von Slawen besiedelt sein. Das slawische Recht war bei den Feudalabgaben komplexer. Tauchten seine Elemente im Landbuch auf, durfte von einer zunächst slawischen Siedlung ausgegangen werden:[142][127]

  • Flachspfennig (mittelniederdeutsch flaspenninge, vlaspennighe) und -bede (mittelniederdeutsch flasbede) sowie Schweinepfennig (swinpenninghe) wertete Joachim Stephan als in Geld umgewandelte Sachleistungen von Bauern zu slawischem Recht, in beiden Fällen boten sich alternative, mit der Wirtschaftsweise verbundene Deutungen an,[143][144][40]
  • eine als Gemeinschaft, Genossenschaft (universum, communitas) oder insgesamt, im Ganzen (simul, totus) von Fischern, Kossäten oder Vollbauern abzuführende Abgabe, davon waren Zahlungen für den Besitz der Dorfgemeinde zu unterscheiden,[145][146][XM 12][39]

Ein weiteres Indiz bildeten die slawischen Amts- und Berufsbezeichnungen:

Auch entsprechende Maßeinheiten galten als Hinweis:

Ortschaften und Orte [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlungskunde kategorisierte ihren Forschungsgegenstand nach mehreren Grundkriterien wie Wirtschaftsweise, Rechtsstellung, Grundriss und Größe. Aufgrund der Quellenlage fiel die Einsortierung nicht immer leicht. Einwohner änderten ihre Hauptbeschäftigung, Rechtsbezeichnungen wechselten ohne Eintreten einer Qualitätsveränderung der Rechte, Ausgrabungen ließen sich (noch) nicht verallgemeinern, Nachrichten über Siedlungsstrukturen flossen spärlich und ließen sich schwer deuten.[XM 13][153][154][155]

Während der Zeit des Landbuchs waren nach der Rechtsstellung folgende Ortschaftstypen zu unterscheiden: Dorf, Stadt, Flecken, Vorstadt, Burg, Dienstsiedlung, Kloster, Stift und Einzelsiedlung.[156][157][104][158][159][XM 14][160][161]

Dörfer [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf der Mark Brandenburg war bereits im Mittelalter eine juristische Person mit zahlreichen wirtschaftlichen, sozialen, rechtlichen und kulturellen Aufgaben. Die Gemeinschaft aller Inhaber der Hofstellen und Teilhaber an der Feldflur formten die Gemeinde. Dieser Begriff entstand erst später, die zeitgenössischen Schriftquellen sprachen von cives oder buren. Im Landbuch hieß es vergleichbar „omnes burgenses de Bellinge[LB 122] – die Gesamtheit der Bürger von Bellingen, also die Gemeinde Bellingen. Die Rechtsprechung erfolgte in den deutschrechtlichen Ortschaften mithilfe des Sachsenspiegels, in slawischrechtlichen fand wohl das Dedenrecht (Erbenrecht) Anwendung.[156][LB 9][42][143]

Dorfgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museumsdorf Düppel rekon­struierte eine Sied­lung aus dem ersten Drittel des 13. Jahr­hunderts

Die Dörfer mit Hufenland (villæ, mittelniederdeutsch dorpen, weitere Schreibweisen in den Ortsnamen) ernährten sich im doppelten Sinn des Wortes von der Landwirtschaft. Sie ergänzten mehr oder weniger andere Wirtschaftszweige (siehe unvollständiges Kapitel Wirtschaft und Technik). Alle während des Landesausbaus neu angelegten Ortschaften erhielten eine Hufenverfassung. Das Gros der fortbestehenden slawischen Siedlungen wurde rasch in dieses System einbezogen.[75][162][6][163][22][32]

Die Dorfgemarkung umfasste mehrere Bereiche:[XM 15]

Die Dorfkirche überstand oft die Jahrhunderte. Sie wirkte über die geistliche Funktion hinaus als ein/das Zentrum der Ortschaft. Feiern und Versammlungen fanden neben anderen Orten auf dem Kirchhof statt. Dort errichteten die Bauern ihre Speicher, da die Gebäude und Angehörigen der Kirche einem besonderen Rechtsschutz unterlagen.[164][167][144]
Die technische Infrastruktur gehörte der Gemeinde: Anger, Backöfen, Badestuben, Brunnen, Dämme, Dorfzaun, Gräben, Hecken, Straßen (plateæ, stratæ, viæ) und Wege (meatūs).[168][50]

Siehe auch Kapitel Wördenzins

  • Das Hufenland bildete die wirtschaftliche Grundlage. Bestand keine entsprechende Einteilung, gab das Dorfregister es als Besonderheit an. Alle anderen Ortschaften besaßen in Hufen vermessene Äcker, auch wenn die Angabe fehlte. Die vorherrschende Flurform war die Gewannflur. Bei der Ortsgründung wurden die als Äcker vorgesehenen Flächen in Gewanne eingeteilt, üblicherweise in drei Großfelder. Davon jedes wiederum in drei Schläge, was den Erfordernissen der Dreifelderwirtschaft entsprach. Schließlich jeder Schlag in lange, schmale Ackerstreifen, eine Anpassung an den nur schwer zu drehenden Bodenwendepflug. Die Anzahl der Streifen in einem Schlag entsprach ursprünglich der Anzahl der Hufen in einem Dorf. Je ein Streifen in jedem Schlag in allen Gewannen ergab zusammen eine Hufe. Die Ackerstücke des Einzelnen lagen somit in Gemenge mit denen der Anderen, was eine gemeinschaftliche Bodenbearbeitung erforderte. Dem Flurzwang unterlagen alle Hufen, unabhängig von den Besitzverhältnissen. Der Grund und Boden lag anno 1375 zu über 80 % in bäuerlicher Hand, etwa 10 % gehörten zu Ritter- und Lehnschulzenhöfen, die Pfarr- und Kirchhufen fielen kaum ins Gewicht.[75][74][22][166][1][LB 13]
Die Hufenanzahl stieg in östlicher Richtung an. Die Durchschnittswerte für die Landschaften betrugen: Altmark 21, Zauche 31, Havelland 32, Teltow 40, Uckerland 40 und Barnim 49 Hufen. Die bevorzugte Größe in der Mark über Oder waren 64 Hufen. Ob sich mit einer höheren Hufenanzahl eine größere Feldflur verband, darüber gingen die Meinungen der Historiker auseinander. Das Hufenmaß könnte im zeitlichen und räumlichen Ablauf des Landesausbaus abgenommen haben. Der andere Erklärungsversuch argumentierte mit nachlassendem Bevölkerungsdruck und schwerer zu besetzenden Hofstellen. Um die Attraktivität zu erhöhen wurden größere Flächen an den Einzelnen vergeben. In jedem Fall waren die Unterschiede in den Hufenmaßen von Ortschaft zu Ortschaft zu berücksichtigen. Die bei Nachrodungen fälligen Nachvermessungen stießen bei den Vollbauern auf keine Gegenliebe, stieg doch damit die Gesamthöhe der Abgaben an. Wohlhabende Gemeinden kauften sich mit einer Einmalzahlung davon frei oder es kam bei Kriegsfolgen zum Verzicht darauf.[164][171][172][42][173][174]

Die Kossätenhufe (mansus cossati, mittelniederdeutsch costenhove, costenhuve) entstand während Hochkonjunktur und -mittelalter. Sie sollte zum Ansiedeln bzw. Bleiben motivieren. In der Regel erhielten Kossäten keinen Anteil am Hufenland. Im altmärkischen Borstel gab es „de iugeribus diversis a duobus mansis cossati et coloni[LB 83] – von den Morgen [siehe unten] zu unterscheidende, 2 Kossäten- und (Voll-)Bauernhufen. Im Uckerland kamen sie ausschließlich im Landschaftsteil nördlich der Welse vor. Entscheidend war hier nicht der später als im Süden erfolgte Wechsel der Landesherrschaft (Vertrag von Landin), sondern die gute Bodenfruchtbarkeit.[35][175][LB 125][176][177]
Siehe auch: Kapitel Hufe und Hauptsächliche grundherrliche Abgaben

  • Das Überland erweiterte mitunter die Feldflur. Es bestand aus nicht zum eigentlichen Hufenland gehörenden Äckern. Das Kapitel Slawen verwies bereits auf die slawischen Äcker. Fiel ein benachbartes Dorf wüst konnten Flächen aus dessen Hufenland eingebunden werden. Nicht zuletzt erfolgten nach den Ortsgründungen zusätzliche Urbarmachungen. Dafür standen zeitgenössische Wortbildungen auf -land, darunter der Flurname Papenland (papelant) in Miltern. Am häufigsten tauchten die zwei allgemeinen Bezeichnungen Acker (ager) und Morgen (iugerum), Morgenland (mittelniederdeutsch morgenland) auf. Beide Begriffe wurden im Landbuch und in verschiedenen Gegenden Deutschlands synonym verwendet. Diese Gleichsetzung ergab, dass ein Ackerstück wohl einem Morgen (Flächenmaß) entsprach. Ebenfalls auf diese Maßeinheit verwiesen einige Dorfregister beim Kossätenland (costenland, costenlant). Andere später erschlossene Flächen wurden allerdings in Hufen vermessen, z. B. die Berghufen (berchhufen) von Hoppenrade bei Nauen (Ortsteil von Wustermark). Inhaber des Überlands konnten die Gemeinde als Ganzes, ein einzelner Vollbauer (inklusive des Dorfschulzen), die Kossäten, ein Niederadeliger oder in einem Fall die Dorfkirche sein.[39][LB 126][78][178][LB 127][179][LB 128][LB 129][LB 130][LB 131]
Siehe auch Kapitel Überlandabgabe

  • Die Allmende umfasste Wiesen, Weiden, Wälder und Gewässer. Diese erhielt die Ortschaft bei ihrer Gründung, während der Phase des Landesausbaus. Der Gemeindebesitz war unverzichtbarer Bestandteil der dörflichen Wirtschaft. Das Nutzungsrecht haftete an den Bauern-, Wedem- und Ritterhöfen. Je größer der Anteil an der Feldflur ausfiel, je mehr Nutzungsrechte standen dem Hofinhaber zu. Sein Grundbesitzrecht spielte dabei keine Rolle. Die Schaffung von Überland verkleinerte die Allmende, außer es wurde auf zuvor außerhalb der Gemarkung liegenden Grundstücken angelegt. Vergrößerungen erfolgten durch Aufgabe von Ackerland, Einbinden angrenzender Dorfwüstungen und spätere Erwerbungen. Auf Letzteres wiesen weitere grundherrliche Abgaben wie Holzzins, Schweine- und Weidepfennig hin. Die Gemeinde hatte Verträge mit einem Grundherrn abgeschlossen und durfte nun dessen Flächen nutzen.[180][63][40][80]

Die Großallmende lag außerhalb der eigentlichen Gemarkung. Die Bewohner mehrerer Siedlungen bewirtschafteten sie gemeinschaftlich. Die Nutzungsberechtigten schlossen sich in einer Markgenossenschaft zusammen. Zumeist wies der Boden weniger Fruchtbarkeit auf. Darum bestockte ihn Wald oder wurde manchmal sehr extensive Landwirtschaft betrieben. Hans K. Schulze sagte, dass die Großallmende im Bereich der Deutschen Ostsiedlung gänzlich fehlte. Die Heidehafer für die markgräflichen Heiden in Barnim und Teltow warfen daran Zweifel auf.[63][LB 132]
Siehe auch Allmende und Kapitel Allmendeabgabe
Nahmitz gehörte zu den wenigen Dörfern im Land­buch mit unver­hufter Feld­flur[LB 133]

Die Dörfer ohne Hufenland (villulæ) blieben fast eine Seltenheit. Sie waren rechtlich dem anderen Haupttyp gleichgestellt, erhielten aber während der Zeit des Landesausbaus keine Hufenverfassung. Es handelte sich öfter um Fischer- und seltener um Agrardörfer. Die Fischer bestellten in der Regel auch Äcker und hielten Vieh. Der Übergang zwischen Fischerei- und Landwirtschaft verlief fließend, mitunter wechselte im Laufe der Zeit die Hauptbeschäftigungen. Im spätmittelalterlichen Uckerland fiel keines der Fischerdörfer wüst, dies verdeutlichte ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Den unverhuften Dörfern widmete das Urbar unterschiedliche Grade an Aufmerksamkeit. Dies konnten sein 1) Nichtaufnahme, 2) kaum mehr als die bloße Erwähnung des Ortsnamens, 3) Erfassung im Burg- sowie 4) im Dorfregister.[75][181][32][182][183][153][184][LB 8]

Dörfer ohne Hufenland im Landbuch[LB 8]
Dorf Landschaft Register Bemerkung
Bornsen Altmark S. 406 Der halbe Teil lag wüst.
Nymene Altmark S. 366 Die Ortschaft selbst wurde als gänzlich wüst bezeichnet, aber die Nymener Bauern wohnten vor Borstel und hatten Äcker.
Schelldorf Altmark S. 373 Fischerdorf mit Weiden und kaum Äckern[183]
Schrampe Altmark S. 391 Es wurden eine Mühle und ein Kossätenhof aufgeführt.
Hermsdorf bei Berlin Barnim S. 117 5 Höfe mit Äckern
Hohen Neuendorf Barnim S. 117 8 Höfe mit Ackerstücken
Göttin auf Töplitz Havelland S. 164 im Landbuch 10 Kossätenhäuser, laut Felix Escher von Fischern bewohnt[32]
Schmöckwitz Teltow S. 101–102 15 Fischerhäuser, 1 Krug
Zeuthen Teltow S. 102 Dörfchen (villula) mit 14 Häusern
Liepe an der Finow Uckerland S. 158 23 Häuser, 2 Krüge
Meßdunk Zauche S. 220 Ackerstücke und Acker Herdendung
Nahmitz Zauche S. 216 20 Kossäten, Fischerei

Die Sekundärliteratur enthielt weitere Kategorisierungen als unverhuftes Dorf, für die im Landbuch Kaiser Karls IV. eindeutige Hinweise fehlten:

  • Felix Escher bezeichnete im Havelland Buckow bei Rathenow (Ortsteil von Nennhausen) als mit Sicherheit unverhuft. Das Dorfregister verwendete das lateinische villa, das Dörfern mit Hufenland zustand. So erschien es ebenfalls in früheren Jahren (1161, 1226, 1344), außerdem 1450 mit 14 Hufen. Hennigsdorf ordnete der Historiker in beide Kategorien ein. Unschlüssig blieb auch das Burgregister, zum Einen bestand es aus 9 Häusern, zum Anderen hielten der Dorfschulze 2 und Henning 1 Hufe. Für Pichelsdorf wurden hingegen nie Hufen vermerkt. Es gelangte aufgrund der knapp gehaltenen Information im Landbuch aber nicht in die obige Tabelle.[32][LB 136][75][HOL 6][186][LB 137][HOL 7][LB 138]

Dorfeinwohner und -höfe [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauern bei der Getreide­ernte und Mahl­zeit, Wenzels­werkstatt: Wenzels­bibel, 1390–1400

Das mittelalterliche Dorf der Mark war eine Ortschaft der Bauern. Die Vollbauern und Kossäten lebten seit den Ortsgründungen des Landesausbaus im Wesentlichen frei. Sie besaßen einen günstigen, den Bürgern vergleichbaren Rechtsstatus. Das Sprichwort „Bürger und Bauer scheidet nichts als die Mauer“ beschrieb diesen Zustand. Zur persönlichen Freiheit kam die Freizügigkeit. Niemanden banden Gesetze an die Scholle (Hörigkeit). Jeder konnte die Siedlung verlassen, in Nahe und Ferne, Heimat und Fremde, Stadt und Kloster sein Glück suchen. Das galt auch dort, wo Fischer wohnten, schloss Handwerker, Hirten, Krüger und Schultheißen mit ein.[95][42][187][188][189][22]

Zum Grundbesitzrecht enthielt der Sachsenspiegel Landrecht Buch III § 79 Satz 1 folgende Regelung: (mitteldeutsche Mundart) „Wor gebure ein nuwe dorf besetzten von nuwer wortzelen, den mag des dorfes herre wol geben erbezinsrecht,…[190] – Wenn Bauern ein neues Dorf von wilder Wurzel anlegen, dann kann der Dorfherr volles Erbpachtrecht geben,… Inwieweit dies auf die bäuerlichen Grundbesitzverhältnisse tatsächlich zutraf, untersuchte Lieselott Enders exemplarisch für die Prignitz und unter Verwendung des Landbuchs. Ihr Ergebnis – die Erbpacht war der Normalfall.[191][192][193][27][37]

An Alldem hatte sich bis 1375 nicht viel geändert. Erst in der Frühen Neuzeit entwickelte sich die Gutsherrschaft mit ihren drückenden Einschränkungen und Lasten. Die skizzierten rechtlichen Verhältnisse durften aber nicht über die soziale Ungleichheit oder die Härten des ländlichen Lebens hinwegtäuschen. Da sämtliche oben Genannten mehr oder weniger Landwirtschaft betrieben, bewohnten sie ein Gehöft. Der umgebende Zaun (sepes) bestand aus Flechtwerk, gekreuzten Stäben oder manchmal nur einer Dornenhecke. Er diente dem Schutz des Viehs vor wilden Tieren, weniger der Abwehr von Dieben und Feinden. Die Umgrenzung markierte einen eigenen Rechtsbezirk. Innerhalb galt ein besonderer Friede, an den auch der Adel gebunden war. Hausfriedensbruch zählte zu den schweren Straftaten. Zum bäuerlichen Eigentum gehörten in der Regel nur die Fahrnis und die Bauernhäuser (aber nicht die Hausgrundstücke). Ihre Be- und die anderen Einwohner gliederten sich in verschiedene, im Folgenden näher dargestellte Schichten, Berufe und Stände:[194][195][196][LB 139][197][LB 9][198]

  • Die Vollbauern (agricole, buriste, mansionarii, rustici, villani) definierte ein Anteil am Hufenland. Unerheblich für diesen Status blieben die Anzahl der Hufen und das geltende Grundbesitzrecht. Zur anderen bäuerlichen Schicht – den Kossäten – schuf das Landrecht keine wesentlichen Unterschiede. Auch diesen standen meist eine Stimme in der Gemeinde, eine Nutzung der Allmende und zumindest theoretisch eine Wahl zum Dorfschöffen zu. Als Landschöffen an den Landgerichten arbeiteten nur Vollbauern. So reichte ihr Einfluss über den örtlichen Rahmen hinaus. In wirtschaftlicher Sicht boten sich den zahlenmäßig vielen Mittel- und den beträchtlich oft vorkommenden Großbauern deutlich bessere Möglichkeiten. Daher prägten sie, natürlich nicht allein, das dörfliche Dasein.[199][LB 9][69][189][42][200][201][187]

Zu den Vollbauernhöfen bot das Dorfregister der Altmark aussagekräftige Daten. Evamaria Engel wertete es hinsichtlich der Anzahl in einer Ortschaft und Ausstattung mit Hufen aus. In 74 Dörfern wurden Vollbauern namentlich aufgeführt oder begrifflich klar dieser Schicht zugeordnet. Doch lediglich 33 Dorfregister lieferten ein vollständiges Bild. Dort bestanden 502 Vollbauernhöfe, also im Durchschnitt rund 15 je Dorf. Die Bandbreite reichte von 5 (Häsewig und Molitz) bis 43 Höfe (Groß Schwechten) je Dorf. Wie in den anderen Landschaften erfolgte zumeist nur die Angabe der Gesamtanzahl der Hufen. Für 154 Vollbauern wurde die Hufenanzahl einzeln aufgeschlüsselt. Der Mittelwert der Hofgröße betrug 2 Hufen. Vermutlich war dies die ursprüngliche Größe eines altmärkischen Vollbauernhofs. Anno 1375 bewirtschaftete Lemmeke Belitz in Langensalzwedel mit 18 Hufe das wenigste, Tideke Belkow in Dahlen bei Stendal mit 5 Hufen das meiste Land. In der ganzen Altmark fand sich kein Dorf, in dem alle Vollbauern dieselbe Anzahl Hufen besaßen, verursacht u. a. dadurch, dass Hufen zur Handelsware geworden waren. Die Vollbauernhöfe (mittlere 70,13 %, große 24,03 %) blieben tendenziell etwas kleiner als die Ritterhöfe (mittlere 29,74 %, große 62,16 %). Kleinst- und Kleinhöfe kamen nur bei Vollbauern (5,84 %), Größthöfe nur bei Rittern (8,10 %) vor.[202][82][203][204]
Aus den Reihen der Vollbauern ragten zwei bevorrechtigte Schichten hervor:[205]

Der Lehnbauer erhielt seinen gesamten Hof nach dem Lehnrecht. Dessen konkrete Ausgestaltung glich der bei den Lehnschulzen. Es mussten ein Lehnpferd gestellt, bei Herren- (Tod des Lehnherrn) oder Mannfall (Tod des Vasallen) Lehnware gegeben werden. Nur leibliche männliche Nachkommen durften erben, außer bei Belehnung zur Gesamthand. Dies verwies auf die ursprünglich militärische Funktion (Heerfahrt). Der Schwerpunkt der Verbreitung lag in der Altmark. Einzelne Hinweise sprachen für ein Erscheinen in der Prignitz. Die vier Erwähnungen im Landbuch der Mark Brandenburg östlich der Elbe wurzelten in der vormaligen Zugehörigkeit zum Erzstift Magdeburg. Im Zauche-Dorf Schäpe stellte der Lehnmann (leman) für seine 3 Hufen ein Lehnpferd. Diese Verpflichtung verknüpfte die Begriffe Lehnmann und -bauer. In Schulzendorf bei Trebbin, Kliestow und Neuendorf bei Trebbin, alle Drei ein Teil der Vogtei Trebbin (siehe auch im Kapitel Teltow), hielten die Lehnmänner Hebungen. Dort fehlten Angaben zur Hufenanzahl und der Verpflichtung zum Lehnpferd.[205][206][207][208][LB 140][209][LB 141]

Bei einem Teillehnbauern hieß der Fachbegriff Bauerlehen. Er war mit einzelnen Hufen oder Hebungen belehnt. In der Altmark handelte es sich meist um einen Nachlass (remissius) im eigenen oder eine Hebung in einem anderen Vollbauernhof. Gleich 7 Groß Möringener, dazu noch der Dorfschulze, konnten auf dieses Weise ihre Abgabenhöhe senken. Im Teltow bezogen die Vollbauern regelmäßig die Kossätenabgabe, beispielsweise in Groß Machnow. Dort wohnten 33 Kossäten. Jeder zahlte einst 1 Schilling, jetzt 31 je 6 Pfennig sowie 2 je 1 Huhn und 5 Eier.[205][206][LB 142][LB 143][175][LB 144]

Der Freibauer stand (teilweise) außerhalb der lehnrechtlichen Bindungen. Er verfügte über bäuerliches Allod oder neben grundherrlich gebundenen über freibäuerliches Land (frei von Abgaben und Frondiensten). Die in Quadendambeck vermerkten 13 Hufen gehörten frei den Vollbauern.[206][205][LB 145][210]
Soweit im Dorfregister Altmark erkennbar, ließen sich die Lehn- und Freibauern den Mittel- und Großbauern zuordnen. Ihre Hofgrößen reichten von 2 bis 5 Hufen. Lehnherren waren Adelige, Klöster und Bürger. Das Urbar differenzierte die unterschiedlichen Stufen vollbäuerlichen Vermögens nur ungenau. Erschwerend kam hinzu, dass sich die o. g. und weitere Kategorien der Abgabenbefreiung mitunter in einer Person bündelten.[206][210]
Siehe auch: Vollbauer und Kapitel Hauptsächliche grundherrliche Abgaben
Im Jahr 1375 wohnten in Buch bei Berlin 22 Kossäten. Die heu­tigen Ge­bäude des Kossäten­gehöfts Alt-Buch 53 wur­den unge­fähr zwischen 1890 und 1930 er­rich­tet.[LB 104][211][212]

  • Die Kossäten (cossatἱ, mittelniederdeutsch kotseter) formten die bäuerliche Unterschicht, die soziale Grenze zu den Vollbauern blieb jedoch durchlässig. Eine ethnische Zuordnung gab es nicht, ihnen gehörten Deutsche wie Slawen an. In rechtlicher Sicht existierten vereinzelte Hinweise auf persönliche Unfreiheit, in der Regel bildeten sie aber gleichberechtigte Gemeindemitglieder. Das setzte neben der Hofstelle einen Anteil an der Feldflur voraus. Dieser fiel geringer als bei den Vollbauern, zu klein zum Bestreiten des Lebensunterhalts aus. Daher verdienten Viele ihr täglich Brot als Landarbeiter. Die Feldarbeit auf den größeren Hofwirtschaften war ohne sie nicht zu bewältigen. In den auf die Ortsgründung folgenden Generationen erhielten vermutlich jüngere Söhne einen Kossätenhof und wurden Altenteile eingerichtet. Zudem zählten Dorffischer, -handwerker, -hirten und -krüger häufig zu dieser Schicht. Im Dorfregister Hönow erschien das alternative Gärtner (ortulanus), eine sonst im benachbarten Land Lebus, in Mitteldeutschland, Mark Lausitz und Schlesien verbreitete Bezeichnung.[80][LB 9][35][189][213][175][22][153][32][LB 72][XM 16][214]

Die Kossätenstellen pro Dorf entsprachen den maximal dort lebenden Kossäten (und Büdnern, siehe auch unten). Die Anzahlen spiegelten die hochmittelalterliche Boomzeit wider. Etliche davon blieben während der spätmittelalterlichen Agrarkrise unbesetzt. Wirtschaftliche Depression bedrohte als Erstes die Existenzgrundlage der Kossäten. Dennoch stellten sie anno 1375 einen beträchtlichen Teil der Landbevölkerung, in der Zauche wohl ein Drittel, im Uckerland sogar 40 %. Vereinzelt wurden nur von ihnen bewohnte, hufenlose Dörfer aufgeführt, z. B. Göttin auf Töplitz.[35][LB 25][215][80][LB 146]

Ein Kossätenhof (area,[Anm. 5] curia cossati) umfasste meist eine Kate mit Garten, außerhalb des Hufenlands gelegene landwirtschaftliche Nutzfläche und aus dieser abgeleitet ein Nutzungsrecht an der Allmende. Beim Mittleren handelte es sich um eine Kossätenwörde (mittelniederdeutsch costenwerde, costenworde), auch wenn den Begriff nur das Dorfregister Uckerland verwendete. Dessen Größe ließ sich in Hardenbeck abschätzen. Dort bestanden 5 Quadratruten messende Ackerstücke. Eins gab rund 0,4167 Zählstück. Eine Kossätenwörde führte 0,25 Zählstück ab, unter Berücksichtigung der besseren Bodenqualität etwa die Hälfte. Demnach maß sie zirka 2,5 Quadratruten.[35][39][216][80][166][217][LB 147][LB 9][LB 56][169][69]
In vielen Dorfregistern mussten die Kossätenhöfe indirekt erschlossen werden. Die entsprechenden Hinweise lieferten die Kossätenabgaben. Sie verknüpften sich mancherorts ausdrücklich mit landwirtschaftlichem Grund und Boden. In Blankenfelde im Teltow (Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow) waren pro Kossätenhof 5 Pfennig an Wördenzins (sowie 1 [Rauch-]Huhn) zu zahlen, in Zauchwitz pro Kossäte an Wördenzins 2 oder 4 Schilling Vinkenauge (sowie im Ganzen 59 [Rauch-]Hühner). Bei vergleichbarer Lasthöhe und -gestaltung gehörte den Kossäten anderer Dörfer dann ebenfalls ein Anteil der Feldflur. Die Kossätenwörden kamen von Beginn an vor. Dazu traten später mitunter zwei weitere Bestandteile. Das ihnen gehörende Überland erschien namentlich (u. a. Kossätenland) oder indirekt durch größere Beträge. Die Kossätenhufen bezeugten die soziale Durchlässigkeit.[LB 15][LB 143][LB 148][LB 149][35][22][LB 150]
Siehe auch: Kossäte, Kapitel hauptsächliche grundherrliche Abgaben und Absatz Kossätenstellenabgabe

  • Der Schultheiß (prefectus, mittelniederdeutsch schultetus) war ein Organ der Verfassung der Ortschaft sowie als Inhaber eines Vollbauernhofs ein Mitglied der Gemeinde. Diese Zwischenstellung dürfte bisweilen einen Zwiespalt ausgelöst haben. Jedes Dorf verfügte in der Regel über einen Schulzen. Das schloss vorübergehend unbesetzte Ämter nicht aus. In Groß Chüden stand der Schulzenhof (curia prefecti) leer. Jene umfassten meist mehr Hufen als die übrigen Höfe. In der Mark traten die Dorfschulzen in zwei Unterformen auf:[218][LB 9][219][LB 98][82][220][187]

Der Lehnschulze wurde mit einem Lehnschulzenhof belehnt. An diesem hingen das Amt und die Privilegien. Dazu zählten ein Drittel der Gerichtseinnahmen sowie Kossätenstellen. Die Fischerei-, Krug-, Mühlen- und Weidegerechtsame ließen sich gegen Hebungen verpachten. In der Alt- und Mittelmark maßen die Höfe hauptsächlich zwischen 2 und 4 Hufen, in der Mark über Oder bis zu 8 Hufen. Im Gegenzug erfüllte der Schultheiß die ihm übertragenden Aufgaben, zahlte keine oder eine ermäßigte Abgabe (ohne Berücksichtigung der Zahlungen für das Lehnpferd) und leistete Vasallendienste. Der Lehnschulzenhof war vererbbar und mit ihm Amt und Rechtebündel. Das im Vergleich mit dem Ritterlehen schlechtere Erbrecht konnte schon beim Fehlen eines Sohns zum Einziehen des Lehens führen. Diese Möglichkeit oder die Vereignung durch den Markgrafen nutzen die dörflichen Grundherren, um Höfe legal zu übernehmen. In Quitzow usurpierte Wedigo von Quitzow den Hof des Dorfschulzen Heyne, eine Enthüllung aus dem Jahr 1379. Die unrechtmäßige Aneignung stellte keinen Einzelfall dar. Seit der Zeit des Landesausbaus hatte die Anzahl der Lehnschulzenhöfe stark abgenommen. Am stabilsten hielten sie sich in kirchlichen Grundherrschaften. Trotz der begünstigten sozialen und wirtschaftlichen Stellung schaffte kein Lehnschulze den Aufstieg in den Adel.[187][221][222][219][LB 151][223]

Den Setzschulzen setzte der Grund- oder Gerichtsherr ein. Das Amt war nicht erblich. Den Hof besaß er wie die anderen Vollbauern zu Pachtrecht. Der Unterschied bestand in seinen Richter-, Polizei- und Verwaltungsaufgaben. Die Historiker gingen davon aus, dass zu Beginn der Entwicklung mehrheitlich bis ausschließlich Lehnschulzen vorkamen. Die Setzschulzen ließen sich als ursprüngliche Erscheinung aber nicht ausschließen. Später verdrängten sie im großen Umfang die Lehnschulzen. Das Landbuch erwähnte die zweite Form des Dorfschulzen nur bei abweichender Abgabenhöhe oder als Besitzer von Hebungen.[187][224][219][221][32]

Im Schulzenamt (officium prefecture, prefectura) sah die vorherrschende Lehrmeinung eine Übertragung aus dem deutschen Altsiedelland. Herbert Helbig formulierte: „In der Gemeinde nahm der Schulze eine Sonderstellung ein, die ihm, offenbar nach niederländischem Vorbild, bei der Gründung des Dorfes zugewiesen worden war, und zwar entweder vom Territorialherrn oder von dem Inhaber grundherrlicher Rechte über das Dorf. Ob der für die Anlage des Dorfes verantwortliche Lokator nach Absprache mit dem Grundherrn als selbständiger Unternehmer oder als von jenem eingesetzter Beauftragter tätig war, ist nicht mehr zu erkennen. Jedenfalls entsprachen die Rechte und Pflichten des Lokators völlig denen des Schulzen.“[221] Felix Escher verwies hingegen auf: „… eine neue, im Zusammenhang mit den militärischen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der deutschen Adelsherrschaft in deutschen Siedlungen wie auch im slawischen Gebiet entstandene Schicht …, die u. a. auch eine Mittlerfunktion zwischen der Herrschaft und der nun in Dorfgemeinschaften zusammengefaßten slawischen Bevölkerung ausübte. Eine vergleichbare rechtliche und wirtschaftliche Stellung besaßen auch die von Rudolf Kötzsche und H. F. Schmid im größeren Zusammenhang untersuchten Saupen im Westen des altsorbischen Raumes.“[32][187][LB 15]
Der Hirte stellte bei großen Vieh­herden eigene Mägde und Knechte an. Schafe galt­en sprich­wört­lich als genüg­sam, konnten auch mageres Futter ver­werten, Ernst Adolph Meißner: Schäfer mit Herde in Winter­land­schaft, spät­estens 1902.[225]

  • Der Hirte (pastor) stand im Dienst der Gemeinde und hütete das Vieh. Dem Gemeindehirten hatten die Dörfler laut Sachsenspiegel alle Tiere zu überlassen. Damit wurde ihm für damalige Verhältnisse ein großes Vermögen anvertraut. Ausgeschlossen waren per Klausel die Sauen mit Ferkeln, aus praktischen Überlegungen die auf dem Gehöft gehaltenen Nutztiere, die gerade eingesetzten Zugtiere usw. Um einen angemessenen Lohn sicherzustellen, erlaubte der Sachsenspiegel erst ab 3 Hufen die Beschäftigung eines privaten Schafhirten. Daneben regelte das Gesetzbuch Haftungsfragen bei Verletzungen und Verlust des Viehs. Der Gemeindehirte bewohnte eine eigene Kossätenhütte oder mietete eine Kate. Eine Urkunde für Fresdorf überlieferte die anteilige Umlage des Hirtenlohns. Neuzeitliche Schriftquellen bestätigten das und gaben außerdem von der Gemeinde gestellte Hirtenhäuser an.[22][226][227][168][197][50][228]

Siehe auch: Müller, Kapitel Müller (Handwerk) und Mühlenabgabe

  • Die Büdner wohnten in einer Kate mit Garten, hielten aber keinen Anteil an der Feldflur. Daher gehörten sie nicht zum Bauernstand und zur Gemeinde. Das Häuschen besaßen sie als Eigentum, zur Nutznießung oder zur Miete. Die verwendete Sekundärliteratur thematisierte die mittelalterliche Schicht fast nicht. Eberhard Schmidt erwähnte sie in einem Nebensatz. Lieselott Enders trennte knapp in Kossäten- und Kätnerstellen. Evamaria Engel sprach von ländlichen Lohnarbeitern und damit einen möglichen Ansiedlungsgrund an. Ihre Kollegin nannte für die Frühe Neuzeit zudem Bevölkerungszunahme.[234][XM 17][XM 18][213][235][215][236]
Im Landbuch Kaiser Karls IV. erschienen unter den Kossäten gelegentlich solche, die einzig und dauerhaft einen kleinen Betrag, meist 1 Huhn für die Hofstelle zahlten. In Ziemkendorf gab jeder der 7 als Kossäten bezeichneten Einwohner 1 Rauchhuhn. Ihnen standen keine Wörden oder sonstigen landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Verfügung. Der neuzeitlichen Definition nach handelte es sich damit um Büdner. Das Dorfregister Schmergow unterschied nicht namentlich, dafür in der Abgabenhöhe. 1 Kossäte führte 40 Hühner ab (= 13 Zählstück, der öfter von Kossäten zu entrichtende 1 Schilling entsprach 120 Zählstück), die 14 anderen hingegen 1 Huhn. Nicht jede Kossätenstelle verband sich mit einem Bauernhof, mitunter bedeutete sie stattdessen Büdnerstelle.[LB 139][LB 156][234][LB 157][LB 143]
Siehe auch: Büdner und Kapitel Rauchhuhn

  • Vom Gesinde (familia, auch ,Hofstaat‘) des Markgrafen sprach das Urbar im Zusammenhang mit der Burg Tangermünde. Das dörfliche Gesinde (inhabitant, wörtlich ,Inwohner‘) lebte auf den Ritter-, Vollbauern- oder Wedemhöfen. Es gehörte nicht dem Bauernstand an, sondern stellte die unterste hierarchische Stufe dar. Die hausherrliche Gewalt sprach die Mediävistik dem Hausherrn oder der Hausherrin zu. Deutschhorst lag anno 1375 teilweise wüst. Lediglich Johann von Danne und Heinrich von Tynne bewirtschafteten beide einen Ritterhof. Davon hatten sie 3 Hufen Vollbauern überlassen. Den Rest bestellten die Vasallen selbst sowie ausdrücklich vermerkt ihr Gesinde.[XM 19][LB 85][22][237][199][LB 158]
Auch indirekt ließ sich auf die Existenz der dörflichen Schicht schließen: Blumenthal bei Strausberg (Ortsteil von Prötzel) bestand aus 50 Hufen. Davon gehörten 4 Hufen dem Pfarrer. 25 Hufen beackerte Ulrich Crossen, die übrigen hatte Berkholz inne. Kossäten wurden keine aufgezählt. Die beiden Niederadeligen und ihre vermuteten Ehefrauen konnten so große Ritterhöfe unmöglich ohne Hilfe bearbeiten, zumal die Männer bei Erfüllung ihrer Dienstpflicht abwesend waren. Eine Dorf- und Kirchengemeinde umfasste einschließlich des Dorfpriesters und seiner Wirtschafterin mehr als 6 Personen, nicht mit eingerechnet die Kinder. Daher musste auf den zwei Ritterhöfen und dem Wedemhof Gesinde wohnen.[238][LB 159][167][239][22]

Die von Vollbauer bis Müller beschriebenen Dörfler zählten zum Bauernstand. Dessen Höfe waren nicht die einzigen:[XM 18][XM 17][95][241]

  • Einen Ritterhof gab es vielerorts. Die Anzahlen in den Landschaften führte das Kapitel Adel auf. Er umfasste in der Ansiedlungszeit kaum mehr Hufen als ein Vollbauernhof, verschwand vielfach im Laufe der weiteren Entwicklung, erschien an anderer Stelle neu oder erweiterte sich. Daher wiesen die Größen eine Bandbreite von 1 bis 25 Hufen auf. Durchschnittlich maßen sie in der Altmark 4, im Uckerland 5,5, in der Zauche 6, im Havelland 6, im Teltow 9 und im Barnim 10 Hufen. Beim Größenvergleich ergaben sich die gleichen Probleme wie bei der Hufenanzahl der Dörfer. Mancherorts existierten mehrere Ritterhöfe, mitunter bestand ein Dorf (fast) nur aus ihnen. Die zu Lehnrecht vergebenen Ritterhöfe gehörten 1375 größtenteils dem Niederadel. Die Schlossgesessenen hielten in ihren Dörfern nur wenige selbst, sondern hatten sie unterbelehnt oder an Dienstmannen[Anm. 4] vergeben. Selten verzeichnete das Landbuch in diesem Zusammenhang einen Bürger. Die Bewirtschaftung erfolgte durch die Besitzer (Eigenwirtschaft) oder sie verpachteten an Vollbauern. Der Vermerk von decuriones in Bruchhagen (Ortsteil von Angermünde) wurde zudem als Meier interpretiert. Der Ritterhof des Spätmittelalters war kein Rittergut, zeigte aber eine ausgeprägte Tendenz in diese Richtung.[33][242][LB 161][194]

  • Ein Wedemhof des Pfarrers bestand nahezu flächendeckend, da fast überall eine Dorfkirche existierte, selbst in den unverhuften Dörfern. Aus dem Landbuch und weiteren Schriftquellen wurden die Anzahlen der Pfarrhufen (dotēs, mansi dotali) herausgearbeitet. Die vorherrschende Dotation in einer Region ermöglichte Rückschlüsse auf ihre Geschichte. Die erste Siedlerwelle brachte die ihnen vertraute Ausstattung mit, in den Niederlanden war das 1 Hufe. Diese Größe herrschte in der frühen Besiedlungszeit von Altmark und Prignitz vor. Der 2-Hufen-Hof prägte das Havelland, die Herrschaft Lindow und die Zauche, zeigte sich darüber in der Altmark, der Prignitz und im westlichen Teltow. Die Dotation mit 3 Hufen im Archidiakonat von Mittenwalde im Teltow verwies auf die Landesherrschaft der Wettiner, die das Gebiet vom Ende des 12. bis zum ersten Drittel des 13. Jahrhunderts aufsiedelten. Der Merseburger Zehntvertrag von 1237 zur Beendigung des Brandenburger Zehntstreits legte für die sogenannten neuen Lande 4 Hufen fest. Das wurde der Standard in Barnim und Mark über Oder. Die wechselhafte Geschichte des Uckerlands spiegelte die Dominanz von 2, 3 oder 4 Pfarrhufen in unterschiedlichen Teilen der Landschaft wider. Abweichungen von der üblichen Ausstattung zeigten u. a. die Beteiligung von Adel und Kirche am Landesausbau. Der Pfarrer betrieb seinen landwirtschaftlichen Hof als Eigenwirtschaft oder verpachtete den Grund und Boden. In Falkenwalde bei Prenzlau (Ortsteil von Uckerfelde) bestellte der Kleriker 2 Hufen selbst, die 3. hatte er per Erbpacht an einen Vollbauernhof vergeben. Das Hauptgebäude des Wedemhofs war das Pfarrhaus.[243][244][245][32][241][164][LB 162][240]

Städte [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Prenzlau[Anm. 6] blieben mittel­alter­liche Gebäude erhalten, links der Mittel­tor­turm, rechts die St.-Maria-Kirche. Die Pfarr­kirche galt noch mehr als das Rat­haus als Symbol städt­ischen Reich­tums.[246][247]

Die Stadt (civitas) konnte in der entstehenden Mark Brandenburg an die Entwicklung im Altreich und den Stadtwerdungsprozess in den slawischen Gebieten anknüpfen. Sie trug dazu bei den territorialen Zusammenhalt in ihren Umfeld und die landesherrliche Macht zu stärken. Die Gründungen erfolgten in drei Wellen während der askanischen Zeit. Die Markgrafen vergaben hauptsächlich das Brandenburger Recht, das sich vom Magdeburger Recht ableitete. Vielgestaltiger zeigte sich das Stadtrecht in der Altmark, das bis in die Prignitz ausstrahlte. Reichte der Raum zur Aufnahme neuer Siedler nicht mehr aus oder konkurrierten mehrere Stadtherren, wurde in unmittelbarer Nähe eine zweite Ortschaft ins Leben gerufen. Daher die anzutreffenden, rechtlich selbständigen Alt- und Neustädte.[51][LB 9][157][248][249]

Am Ende des 13. Jahrhunderts waren die märkischen Städte ein nicht mehr zu ignorierender Machtfaktor. Die in dieser Zeit festgelegten und im Landbuch Kaiser Karls IV. dokumentierten Urbeden zeigten, dass die zeitliche Differenz bei den Gründungen kaum noch eine Rolle spielte. Im Stadtgebiet konzentrierten sich mehrere finanziell nutzbare Hoheitsrechte, die Wirkungen inner- und teilweise außerhalb der Stadtmauer entfalteten. Zu den Gerechtsamen und Regalien zählten u. a. Gerichtsbarkeit, Mühlengerechtsame und Stapelrecht, Markt-, Münz- und Zollregal. Stück für Stück gelang es den Städten diese zu erwerben. Am Ende des 14. Jahrhunderts hatten sie eine relative Autonomie erreicht. Die Stadträte (siehe unten) beanspruchten die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über Territorium und Einwohner, einschließlich der Steuerhoheit. Spätestens zur Zeit des Landbuchs knüpfte sich ein dichtes, die Flecken einschließendes Stadtnetz über die Mark. Die meisten Dörfler konnten innerhalb eines Tags einen Markt erreichen.[250][251][157]

Das Stadtgemarkung umfasste mehrere Bereiche:[247]

  • Die Landwehr stellte einen ersten Verteidigungsring dar. Mittelalterliche Kriegsführung bedeutete hauptsächlich Schaden anrichten. Bei Überraschungsangriffen sollten das Vieh gestohlen und die Äcker zerstört werden. Als Schutz davor dienten natürliche Hindernisse oder aufgeschüttete Erdwälle mit einem undurchdringlichen Bewuchs aus Sträuchern und Bäumen. Das Passieren war an Warten möglich. Diese zumeist steinernen Türme besetzten bei Gefahr bewaffnete Bürger.[247]

  • Die Feldflur diente der Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten und verringerte so die Abhängigkeit von den umliegenden Dörfern. Die älteren, in der Altmark auch die jüngeren Ortschaften erhielten eher wenig Hufenland. Die späteren Städte wurden, soweit überliefert, mit 100 bis 200 Hufen ausgestattet. Landsberg an der Warthe traf mit seinen aus der Gründungsurkunde vom 2. Juli 1257 ersichtlichen 104 Hufen für Äcker und 50 Hufen für Weiden ziemlich genau den Durchschnitt. Die schlechter Ausgestatteten fanden eine Möglichkeit diesen Mangel zu beseitigen. Sie erwarben benachbarte Dörfer und siedelten die Bewohner in die Stadt um, aus dörflichem wurde städtisches Hufenland. Auch der Bedarf an Wäldern konnte so gedeckt werden.[51][157][252][253]
Ein Sankt-Georg-Hospital lag nörd­lich Ebers­waldes. Es hob in Klobbicke (Orts­teil von Breydin) 4 Wispel Roggen aus der Mühlen­abgabe. Die um 1350 errichtete Kapelle ist das zweit­älteste Gebäude der Stadt.[254][LB 163]

  • Die Vorstadt (preurbium, suburbium, letzteres Wort auch einmal für Kietz verwendet) gehörte rechtlich unter Umständen zum platten Land. Hier wohnten Leute mit geringerem sozialen Status und standen die Gewerbebetriebe mit Lärm- und Geruchsbelästigung. An den Ausfallstraßen befanden sich oft ein Sankt-Georg-Hospital als Leprosorium sowie ab dem 15. Jahrhundert ein Sankt-Gertrud-Hospital zur Versorgung armer Pilger und wandernder Bettler.[247][LB 164][255]

  • Die nicht immer vorhandene Stadtmauer (murus) bot Schutz, verdeutlichte den Übergang zu einem anderen Rechtsraum und den Anspruch der Gleichwertigkeit gegenüber den Burgen des Adels. Das Urbar verwendete die Worte Burg (castrum) und befestigte Ortschaft (municio) in einem Atemzug. Durch die Stadttore (portæ, valvæ) konnte der Stadtkern betreten werden. Sein Grundriss bestand aus vielen, durch Straßen gegliederten Häuserblocks, die sich wiederum aus einzelnen Grundstücken (areæ)[Anm. 5] zusammensetzten.[247][256][XM 20][LB 9][257][LB 18][258]

Nur ein Inhaber eines rechtlich vollwertigen Grundstücks konnte Bürger (civis und weitere Worte) werden. Alle Anderen waren lediglich Einwohner. Im 14. Jahrhundert trat zu dieser Unterscheidung eine starke soziale Differenzierung:[51][259][260][103]

  • Zum Patriziat gehörten die Fernhändler, zusammengeschlossen in der Gilde (mittelniederdeutsch gulde) der Gewandschneider, und einige reiche Handwerker. Die Oberschicht investierte ihre Gewinne in den Ankauf von Lehen in den Dörfern. Gut ließ sich die Entwicklung in Prenzlau[Anm. 6] verfolgen, 1283 hielten 15 Familien entsprechenden Besitz, 1311 dann 28 und 1375 schließlich 46. Für Stendaler verzeichnete das Amtsbuch mit insgesamt 1886 Zählstücken die höchsten Feudalabgaben, darauf folgten die Berlin-Cöllner mit 1216 Zählstücken. Der Großteil der märkischen Fernkaufleute besaß Lasten und Patronatsrechte, mitunter Ritterhöfe und die Herrschaft über ein ganzes Dorf. Sie hatten sich zum Lehnbürger entwickelt, eine Art zwei Stände umfassende Doppelnatur. Nicht immer musste die Entwicklung eine bewusste Ambition gewesen sein. Als Kreditgeber für den Markgrafen und übrigen Adel verbargen sich dahinter zuweilen ein Pfand (pignus) oder Zinserträge. Auch die Darlehensvergabe an Bauern schien vorgekommen zu sein. Lagen ihre an Bürger zu zahlenden Abgaben über dem Durchschnitt, dann beinhalteten sie womöglich Zinszahlungen.[103][53][38]
Bei den Hebungen betrug das Verhältnis Kaufpreis zu Jahresertrag in der Regel 12 bis 10 zu 1 (Bruttorendite 813 % bis 10 %). Innerhalb dieser Bandbreite lagen die Zahlen des Dorfregisters von Tasdorf. Dem Investitionsbetrag von 57.600 Pfennig standen jährliche Erträge von 5.217 Pfennig gegenüber. Das ergab eine Bruttorendite von rund 9,0573 %. Da fast ein ganzzahliges Verhältnis bestand, ließen sich 33 Pfennig als Verwaltungsaufwand ansetzen. Die Nettorendite betrug somit 9 %. Der Erwerb des gesamten Dorfs schloss wohl das Schulzengericht und den Wagendienst mit ein. Die entsprechenden Erträge und geldwerten Leistungen flossen den Brüdern Henning, Peter und Nikolaus Rüdnitz zusätzlich zu. Die Strausberger Bürger besaßen in Buchholz bei Altlandsberg weitere Hebungen und in Groß Kähnsdorf bei Strausberg (Ortsteil von Prötzel) einen 20 Hufen großen Ritterhof. Peter Rüdnitz bezog in Willmersdorf bei Bernau (Ortsteil von Werneuchen) die Pacht von 21 Hufen, davon hatte er 6 Zählstücke als Wittum für seine Ehefrau ausgelobt.[261][LB 165][LB 166][LB 167][LB 168]
  • Über die anderen städtischen Schichten bot das Landbuch wenige bis keine Informationen. Generell galt, je tiefer die Stellung, umso spärlicher die Überlieferungen.[103][262]
  • Einen Sonderstatus nahm der Klerus ein, er unterlag kaum dem Stadt-, sondern weitgehend dem Kirchenrecht. Auch für die Juden und Slawen galten spezielle Regelungen, für Letztere als Einwohner eines Kietzes oder durch Aufnahmeverbot in eine Zunft.[263][116]

Bereits im Spätmittelalter stand den Städten eine gut und straff organisierte öffentliche Verwaltung zur Verfügung:[264]

  • Der Stadtrat (consules) war das wichtigste Organ der kommunalen Selbstverwaltung. Ursprünglich beeinflusste der Stadtschulze als Vertreter des Landes- oder sonstigen Stadtherrn erheblich die Politik und auch die Bürgerschaft hatte ein Mitspracherecht. Mit der Übernahme der Grundstücke und o. g. Rechte sowie der Vertiefung der sozialen Differenzierung gewann zunehmend der Stadtrat die Oberhand. Das Datum seiner Ersterwähnung verband sich allgemein mit dem starken Ausbau der städtischen Macht. Die Schriftquellen gaben nur ein unvollständiges Bild seiner umfassenden Aufgaben wieder. Dazu gehörten Vertretung der Stadt als juristische Person, Verwaltung von Finanzen, Verteidigung und Weiterem, Aufsicht über Wirtschaft und Bauwesen, Tätigkeit als Schöffe, Polizeigewalt usw. Nicht Alles regelte er in eigener Verantwortung. Manche Bereiche übernahmen unter seiner Aufsicht, stellvertretend die Genossenschaften. Die soziale Fürsorge oblag z. B. den Bruderschaften und Zünften.[51][LB 9][265][264]
Anfangs holte der Stadtrat noch die Meinung der übrigen Bürgerschaft ein, stellten kleinere Handwerker und Adelige vereinzelt die Ratsmannen. Die zuvor bereits dominierenden Fernhändler machten das Organ zu Beginn des 14. Jahrhunderts zum Mittel der Herrschaft über die anderen Bürger, verdrängten die Nichtkaufleute und grenzten sich ab. In Stendal wurde 1335 den Gewandschneidern sogar jeglicher gesellschaftlicher Umgang mit den Handwerkern verboten. Das Exklusivrecht ermöglichte die Art der Wahl eines Stadtrats. Nach Magdeburger Recht stand dies nur dem Patriziat zu. Weitaus häufiger kam die Kooptation zur Anwendung. Dabei bestimmten die alten Ratsmannen, eine übliche Anzahl war zwölf, den neuen Stadtrat. Die Amtszeit betrug ein Jahr. In der Praxis führte das zur jährlichen Rotation einer kleinen Führungsgruppe. In der Mitte des 14. Jahrhunderts löste das zusammen mit einer ungerechten Steuerpolitik mancherorts Unruhen aus. Am Ende des Jahrhunderts zogen die Handwerke, in Gestalt der Viergewerke, vielerorts wieder in den Stadtrat ein. In den kleineren Städten mögen sie ihn auch nie verlassen haben. Eine Demokratisierung ging damit nicht einher.[51][264][53][265][103][266]

  • Der städtische Notar (notarius) verfasste und beglaubigte Urkunden von öffentlichen oder privaten Ereignissen. Für die Beweiskraft musste er Vorschriften und Formen exakt beachten, das Schriftstück eigenhändig unterschreiben und mit seinem Notarzeichen (Signum) versehen. Letzteres erhielt er bei seiner Ernennung zum öffentlichen Amtsträger. Das Vertrauen der Gemeinschaft begründete sich weniger im Amt, mehr in der Person. Die anderen weltlichen Beurkundungsstellen (Kanzleien von Kaiser, König und Landesherren) betrachteten den öffentlichen Notar als Konkurrenz und Einschränkung ihrer Machtbefugnisse, daher setzte er sich während des Mittelalters im Reich nur teilweise durch. Das Dorfregister Gohre nannte Koppen Kote einen Notar und Bürger in Stendal.[267][XM 21][LB 170]
  • Weitere, allerdings nicht im Urbar aufgeführte öffentliche Ämter waren u. a. Büttel (Gerichtsdiener und Urteilsvollstrecker), Marktmeister (Beaufsichtigung des Markts inklusive der Maßeinheiten), Stadtschreiber (Organisation der laufenden Geschäfte, Führen der Ortschronik), Torwärter (Bewachung der Stadttore) und Wachtmeister (Leitung der Stadtwache).[264]

Flecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trebbin entstand vermut­lich im frühen 13. Jahr­hundert nörd­lich der Burg. Das Land­buch gab mit Flecken erst­mals einen Ortschafts­typ an. Im 18./19. Jahr­hundert prägten doppel­geschossige, schlichte Fach­werk-Reihen­häuser das Orts­bild. Davon blieben Einige erhalten, Wohn­haus Beelitzer Straße 47.[268]

Der Flecken (opidum) vereinte Elemente von Dorf (villa) und Stadt (civitas). Die drei Kategorisierungen waren nicht statisch, mancherorts trafen im Laufe der Jahrhunderte sogar alle zu. Im Kern gab es drei Gründe, warum es nicht zum Stadtstatus reichte: 1) Eine entsprechende Gründung erbrachte nicht den gewünschten Erfolg. 2) Eine Siedlung hatte gewisse städtische Aufgaben und Privilegien übernommen oder erhalten. Dessen Umfang genügte nicht für eine Stadt, hob sie aber aus den Dörfern heraus. 3) Eine einstige Stadt war aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Bedeutung herabgesunken.[104][LB 9]

Die Zuordnung anhand der Schriftquellen bereitete Schwierigkeiten. Das Lateinische mit opidum und das Deutsche mit Flecken, Städtchen (stedeken), Städtlein fielen mehrdeutig aus. Zudem kamen diese Worte in den zwei Sprachen für dieselbe Ortschaft in derselben Quelle parallel mit denen für die beiden anderen Siedlungstypen vor. Das Landbuch reihte sich in diese Vorgehensweise ein (siehe Tabelle). In der zeitlichen Abfolge wechselten die Bezeichnungen ohnehin scheinbar willkürlich. Befestigte Ortschaft (municio) stand gleichermaßen für Städte, Flecken und Dörfer. Die weit über die Mark Brandenburg hinausgehende Quellenlage zeigte Eines jedoch klar: Der Flecken resultierte nicht aus einer sprachlichen Unsicherheit heraus. Er war eine bewusst eingeführte Zwischenstufe, eine konkrete Charakterisierung. Allerdings fehlte vom Mittelalter bis in die Gegenwart eine Definition.[104][LB 8][154][258][LB 18][269]

Evamaria Engel nahm sich des Problems auf den Schultern von Eckhard Müller-Mertens stehend an. Ihre Überlegungen setzten bei Freienwalde an der Oder an. Es erschien in den ältesten Erwähnungen durchgängig als Stadt (1354, 1364, 1365, 1369), dann in der Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 als Flecken und schließlich im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 mit schwankenden Bezeichnungen (siehe Tabelle). Bei dieser Wechselhaftigkeit blieb es in den folgenden Jahrhunderten. Aufgrund von Recht, Topografie, Verfassung und Wirtschaft besaß die Oderortschaft aber einen eindeutig städtischen Charakter. Daher diente sie als Referenz zur Abgrenzung. Mit drei Ergänzungen galten als städtische Eigenschaften:[104][HOL 8][270][LB 22][LB 171][LB 79][LB 103][LB 90][271][272]

Aus der Untersuchung der barnimer und uckerländischen Flecken kristallisierten sich Kriterien heraus. Wie bei den Städten traf dabei nicht jedes Kennzeichen auf jede Ortschaft zu. Außerdem fehlte der Abgleich mit den anderen märkischen Landschaften:[104][271]

Die Wörden verwiesen auf die Wesensverwandtschaft mit den Dörfern. Es hieß für Jagow (Ortsteil von Uckerland [Ortschaft]): „Ante opidum iacent 37 iugera wordelandes, pro quilibet iugero 1 solidus pro exactione; de hiis 6 iugera sunt in possessione[LB 172] – Vor dem Flecken liegen 37 Morgen Wördenland, für jeden Morgen 1 Schilling für die Bede, von diesen sind 6 Morgen besetzt sowie für Gerswalde: „Item wor[t]tyns 512 talenta, de quibus est 1 talentum in possessione[LB 173] – Außerdem der Wördenzins 512 Pfund, wovon 1 Pfund besetzt ist. Diese Formulierungen schlossen eine Gleichsetzung mit dem Arealzins der Städte aus.[104]

Klassifizierungen als Flecken in Landesbeschreibung von 1373 und Landbuch von 1375[LB 22][LB 8][274][230][275][276]
Ortschaft Landesbeschreibung von 1373 Landbuch von 1375 im Städtebuch Bemerkung
   Altmark
Arendsee in der Altmark Bruchstück S. 1 unter opida; Fassung A S. 3 als monasterium sanctimonalium et opidum Städtebuch Sachsen-Anhalt liegt nicht vor (Stand 2018) gleichnamiges Dorf und Kloster waren eigenständige Gemeinden[LB 174][LB 175][BK 2]
Arneburg S. 3 als castrum et opidum Stadtregister Altmark S. 55 gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 75][277]
Erxleben in der Magdeburger Börde S. 3 als opido Landesbeschreibung Altmark S. 63 ohne Klassifizierung gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[HOL 9]
   Barnim
Altfriedland Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida und als monialium; Dorfverzeichnis Barnim S. 70; Dorfregister Barnim S. 126 als opidum S. 185–192 Flecken Dorfregister erwähnte Arealzins; gleichnamiges Kloster war eigenständige Gemeinde; Alt- rückte erst im 19. Jahrhundert vor den Ortsnamen[LB 175][BK 3][HOL 10]
Beiersdorf im Barnim Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 69; Dorfregister Barnim S. 153 ohne Klassifizierung S. LIV Dorf/Flecken Dorfregister erwähnte Urbede und Fleckenschulzenamt (prefectura opidi)
Biesenthal im Barnim Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 69; Dorfregister Barnim S. 152 ohne Klassifizierung S. 44–47 Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 176][278]
Blumberg im Barnim Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 69; Dorfregister Barnim S. 115 als opidum S. LIV–LV Flecken laut Landesbeschreibung Barnim S. 64 vom Bischof von Brandenburg an Henning Honow, Bürger in Berlin belehnt[LB 177]
Freienwalde an der Oder Bruchstück S. 1 unter opida; Fassung A S. 5, Z. 6 als opidum Stadtregister Barnim S. 51;[Anm. 1] Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castro et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 72; Dorfregister Barnim S. 155 ohne Klassifizierung und als civitas S. 10–13 Stadt Referenzstadt zur Abgrenzung (siehe oben)
Heckelberg (Ortsteil von Heckelberg-Brunow) Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 70; Dorfregister Barnim S. 149 als opidum S. LVIII Dorf/Flecken Dorfregister erwähnte Urbede
Hohenfinow Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castro et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 72; Dorfregister Barnim (weitere Güter des Klosters Chorin) S. 157 ohne Klassifizierung S. LVIII Flecken
Werneuchen Landesbeschreibung Barnim S. 64 unter civitates, castra et opida; Dorfverzeichnis Barnim S. 72; Dorfregister Barnim S. 151 als opidum S. 543–545 Flecken
   Havelland
Fahrland Burgregister Havelland, Handschrift C S. 43 als castrum et civitates und stedeken; Landesbeschreibung Havelland S. 64 unter civitates, municiones, castra et opida; Dorfverzeichnis Havelland S. 73 S. LV Flecken gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 54][279]
Friesack S. 3 als castro et opido Landesbeschreibung Havelland S. 64 unter civitates, municiones, castra et opida S. 188–192 Flecken gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 22][HOL 11]
Ketzin Landesbeschreibung Havelland S. 64 unter civitates, municiones, castra et opida; Dorfregister Havelland S. 187 ohne Klassifizierung S. 256–260 Flecken
Potsdam Stadtregister Havelland S. 53; Landesbeschreibung Havelland S. 64 unter civitates, municiones, castra et opida; Dorfregister Zauche S. 200–201 ohne Klassifizierung S. 400–414 städtischer Charakter Das Städtebuch Brandenburg und Berlin gab für seine Kategorisierung die Rechtsbezeichnungen als Indiz an. Diese sprachen nur zweimal (1345, 1349) von Stadt, sonst vom Flecken (z. B. Nebenabschnitt 2.2 Martini-Einkünfte 1370 vom opido). Das Landbuch enthielt zudem einen Fleckenschulzen (prefectus opidi). Die dargestellte Wirtschaftsstruktur trug klar die Züge eines Fleckens. Darunter fiel, dass die Ortschaft hauptsächlich von der Fischerei lebte. Stadtregister erwähnte Urbede. Gleichnamige Burg und Kietz waren eigenständige Gemeinden.[280][LB 178][LB 179][LB 84][LB 180][HOL 12]
Pritzerbe Landesbeschreibung Havelland S. 64 unter civitates, municiones, castra et opida; Dorfverzeichnis Havelland S. 73; Dorfregister Havelland S. 186–187 ohne Klassifizierung S. 426–428 Flecken gleichnamige Bischofsburg war eigenständige Gemeinde[LB 181][281]
   Land Lebus
Buckow an der Stobber Dorfregister Barnim S. 132 die preurbio Ortschaft gehört in zukünftiges Kapitel Vorstädte Im Dorfregister stand nicht der eigentliche Flecken Groß Buckow, sondern die Vorstadt Klein Buckow. Diese entwickelte sich später selbst zum Flecken. Beide Ortschaften wurden 1816 innerhalb des Kreises Lebus zu Buckow vereinigt. Zuvor gehörte Klein Buckow zum Barnim.[HOL 13]
Falkenhagen im Land Lebus S. 3 als castro et opido Landesbeschreibung Lebus S. 63 unter municiones, civitates et opida S. LV Flecken gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 22][282]
Müllrose Bruchstück S. 1 unter opida; Fassung A S. 2 als opidum S. 346–351 Stadt
   Land Lindow
Lindow am Gudelacksee S. 4 als opido et monasterio S. 292–296 Flecken gleichnamiges Kloster war eigenständige Gemeinde[LB 22][283]
Löwenberg Dorfregister Havelland S. 187 als castrum et opidum S. LIX Flecken gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 182][284]
   Teltow (Landschaft)
Teltow (Ortschaft) Landesbeschreibung Teltow S. 64 als opidum; Dorfverzeichnis Teltow S. 69; Dorfregister Havelland S. 187 nicht als Dorf, S. 190 ohne Klassifizierung S. 500–504 erst Stadt, dann Flecken
Trebbin S. 2 als castrum et opidum Burgregister Teltow S. 39 als castrum et opidum, die Einwohner als opidani; Stadtregister Teltow S. 52, Dorfverzeichnis Teltow S. 69 S. 513–517 Flecken Burg- und Stadtregister erwähnten Urbede, Burgregister zusätzlich einen Arealzins; Letzteres bezeichnete Burg und Flecken Trebbin als „valde exile[LB 141] – sehr ärmlich; Beide waren eigenständige Gemeinden[268]
   Uckerland (Landschaft)
Boitzenburg Burgregister Uckerland S. 46 als castrum atque opidum und opido; Dorfregister Uckerland S. 262–263 als opidum S. LV Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg, Dorf und Kloster waren eigenständige Gemeinden[LB 183][LB 35][LB 175][104]
Brüssow S. 4 als opido Landesbeschreibung Uckerland S. 65 unter municiones S. 72–75 Stadt
Gerswalde S. 4 als castrum et opidum Dorfregister Uckerland S. 265 fünfmal als opidum und einmal als villa S. LVI Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 22][285]
Greiffenberg S. 4 als castro et opido Dorfregister Uckerland S. 277–278 als opidum S. 218–221 Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 22][286]
Groß Fredenwalde Dorfregister Uckerland S. 271 als opidum S. LVII Flecken Dorfregister erwähnte Urbede
Jagow (Ortsteil von Uckerland [Ortschaft]) S. 4 als civitatem Dorfregister Uckerland S. 248 als opidum S. LVIII Stadt/Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 184][287]
Potzlow Dorfregister Uckerland S. 269 als opidum S. LX Flecken Dorfregister erwähnte Urbede
   Zauche-Fläming
Golzow in der Zauche S. 3 als castro et opido Landesbeschreibung Zauche S. 64 unter municiones et opida; Dorfverzeichnis Zauche S. 74; Dorfregister Zauche S. 219 als opidum S. LVII Flecken Dorfregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 22][288]
Saarmund Burgregister Teltow S. 40 als castrum et opydulum S. LX Flecken Burgregister erwähnte Urbede; gleichnamige Burg war eigenständige Gemeinde[LB 185][289]
Werder an der Havel Dorfverzeichnis Havelland S. 73; Dorfverzeichnis Zauche S. 75; Dorfregister Zauche, weitere Güter des Klosters Lehnin S. 218 als opidum S. 539–543 Flecken
Ziesar S. 2 als castro et opido Landesbeschreibung Zauche S. 64 unter municiones et opida; Dorfregister Havelland S. 187 als castrum et opidum S. 569–574 Flecken landschaftlich lag Ziesar im Fläming; gleichnamige Bischofsburg war eigenständige Gemeinde[290][LB 186][291]

Für Beelitz in der Zauche, Görzke und Treuenbrietzen fielen die Auflistungen in der Landesbeschreibung Zauche S. 64 unter municiones et opida nicht eindeutig aus. Alle Drei waren Städte, was die Landesbeschreibung von 1373 und das Landbuch auch festhielten. Beide Schriftquellen enthielten in der Mittelmark 30 Bezeichnungen als oder Hinweise auf Flecken. In 23 bis 27 Fällen trafen die Klassifizierungen zu. Die Mark über Oder floss aus zweierlei Gründen nicht in die obige Tabelle ein: zum Einen wegen lückenhafter und widersprüchlicher Informationen der Landesbeschreibung von 1373 und des Landbuchs, zum Anderen aufgrund mangelnder Möglichkeit zur Rückversicherung in der Sekundärliteratur. Bei weiteren Einträgen wählten die Schreiber offenbar nicht den richtigen Begriff. Das Dorfregister von Schinne nannte Stendal einen Flecken (oder es meinte eine der sonstigen Bedeutungen von opidum).[LB 187][292][293][294][LB 22][LB 188][LB 189][LB 190][LB 8][275][276][LB 191][LB 192][LB 193][LB 88][XM 22]

Dienstsiedlungen, meist Kietze [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kietz Gröben wurde erst­mals im Land­buch schrift­lich erwähnt. Er zahlte 18 Schilling.[295][LB 194]

Die Dienstsiedlung unterstand einer Burg, wenigstens am Anfang. Zumeist handelte es sich um einen Kietz (vicus). Er lag immer in ursprünglich slawischen Siedlungskammern und ging häufig aus einer Siedlung hervor, die mit einer slawischen Burg zusammenhing. Während der deutschen Zeit erfolgten Umformungen. Slawen prägten noch im 14. Jahrhundert einige der Kietze. Sie lebten ebenso in den Städten und Dörfern. Wie die anderen Ortschaftstypen wurden die Kietze zum Gegenstand der markgräflichen Finanz- und Belehnungspolitik. Dies zeigte sich beispielsweise um Brandenburg an der Havel, wo es vier Kietze gab. Je Einer war an Alt- und Neustadt Brandenburg verkauft, ein Dritter dem Hochstift Brandenburg übereignet worden. Nur der Vierte gehörte 1375 noch dem Markgrafen. Die Kietze umfassten kein Hufenland, die Einwohner arbeiteten größtenteils in der Fischerei. Dennoch gab es das Amt des Schultheißen. Lag die Siedlung im urbanen Umfeld, dann gehörten ihre Einwohner nicht der Stadt-, aber in der Regel der dortigen Kirchengemeinde an.[68][126][296][116][127][253][75][297]

Kietze im Landbuch[LB 195][LB 15]
Kietz Erwähnung in Bemerkung
   Altmark
Colbu (in Tangermünde aufgegangen) Dorfregister Altmark S. 374 Das Landbuch klassifizierte keinen Ortschaftstyp, gab aber innere Struktur und Lage an. Diese charakterisierte Herbert Ludat als den Kietzen gleich und verwendete den Begriff kietzartig. Bei Bruno Krüger kam Colbu nicht vor.[135][136][298]
   Barnim
Biesenthal im Barnim Burgregister Barnim S. 45 Es wurde kein Kietz vermerkt, sondern die Kietzmühle bei Biesenthal im Barnim, Kyzmůl, kizmůl, Kytzmol, kitzmo̊l, siehe auch Kapitel Kietzmühle [Handwerk]). Felix Escher versah die Angabe Kietz mit einem Fragezeichen.[LB 196][LB 197][299]
Freienwalde an der Oder Dorfregister Barnim S. 155 Das Dorfregister führte zwei Kietze auf. Der Altkietz im Westen und Alttornow im Osten schlossen unmittelbar an den Stadtkern an (Ortsnamen nicht im Landbuch). Beide verknüpften sich mit den erwähnten Slawen. Ihre Abgabenhöhe betrug 7 Pfund [an Pfennig].[LB 90][137]
Wriezen Martini-Einkünfte 1370 S. 20, Stadtregister Wriezen S. 51 ein Kietzschulze erwähnt[LB 198]
   Havelland
Altstädter Kietz Dorfregister Havelland S. 196 Die Grenzbeschreibung des Hochstifts Brandenburg entlang der Havel nannte den „vico directe usque ad Veterem civitatem Brandeburg[LB 199] – Kietz direkt bis zur Altstadt Brandenburg. Dieser Stadt gehörte er seit 1308.[253]
Fahrland Burgregister Fahrland S. 43 Die Angaben erfolgten auf Mittelniederdeutsch: „Up dem Kitze sindt 10 hueis besettet, eyn islick gyfft alle jar 10 groschen, facit 112 scogk groschen und 10. Darsulves up deme Kitz sindt wusthe 5 erve.[LB 54] – Auf dem Kietz sind 10 Häuser besetzt, ein jedes gibt alle Jahr 10 Groschen im Wert von 112 Schock (Währung) Groschen und 10 Pfennig. Derselben sind auf dem Kietz 5 Erbe wüst. Der Begriff Erbe stand für ein rechtlich vollwertiges Hausgrundstück.[HOL 14][260]
Großer Domkietz Burgregister Spandau S. 43 Das Burgregister führte als Pertinenz der Burg Spandau ein „suburbium ante Brandenburg, que dicitur Kytz[LB 164] – eine Vorburg der früheren Brandenburg, genannt Kietz auf. Das markgräfliche Eigentum und die Lage (unmittelbar östlich des Doms zu Brandenburg) identifizierten ihn als Großen Domkietz. Erst 1432 fiel er ans Domkapitel Brandenburg.[253][XM 23]
Potsdam Martini-Einkünfte 1370 S. 20, Burgregister Potsdam S. 41, Dorfregister Zauche S. 213 Die erstmals 1349 urkundlich bezeugte Ortschaft lag nordöstlich der Burg Potsdam an der Havelbucht. Das Dorfregister gab 22 Fischwehre an, die Wasserzins und -bede zahlten. Dazu kam ein Holzzins. Die Hebungen standen, soweit nicht an Dritte (ein Altar in Spandau, die Potsdamer Flecken- und Kietzschulzen) vergeben, dem Markgrafen zu. Das Burgregister erwähnte slawische Einwohner.[300][LB 179][LB 84]
Rathenow Lehen Rathenower Bürger S. 186 Es gab den Großen, Mittel- und Unterkietz. Das Landbuch sagte nicht, welcher der Drei gemeint war.[301]
Spandau Martini-Einkünfte 1370 S. 20, Burgregister Spandau S. 42 bestand aus 25 Häusern[LB 164]
Woltitz Dorfregister Havelland S. 196 Die o. g. Grenzbeschreibung enthielt bei Brandenburg an der Havel als weiteren Kietz Woltitz. Am Südrand der Dominsel lagen zwei Siedlungen mit diesem Namen. Eine befand sich unmittelbar vor dem Neustädter Mühlendamm, wurde 1319 vom Markgrafen an Neustadt Brandenburg verkauft und hieß dementsprechend Neustädter Kietz. Das zweite, unmittelbar nördlich gelegene Woltitz kam 1321 ans Domkapitel Brandenburg und erhielt den Namen Kleiner Domkietz. Letzteres Besitzverhältnis verschwieg das Landbuch.[LB 199][253]
   Land Lebus
Küstrin Urbede über Oder S. 18 fehlte im eigentlichen Landbuch
   Teltow
Gröben Dorfverzeichnis Teltow S. 68, Dorfregister Teltow S. 103
Köpenick Martini-Einkünfte 1370 S. 20, Burgregister Köpenick S. 38
   Uckerland
Drense (Ortsteil von Grünow bei Prenzlau) Dorfregister Uckerland S. 282 keine Siedlung, sondern ein einzelner Kietzhof (area Kitz),[Anm. 5] vielleicht das Relikt der Burgsiedlung der slawischen Burg[302]
Lunow (Ortsteil von Lunow-Stolzenhagen) Dorfregister Barnim S. 158 Im Dorfregister Stolzenhagen an der Oder hieß es: „Alius vicus iacet prope villam Lunow, qui continet 11 areas,[Anm. 5] que dant 12 sexagenam pullorum, et 1 solvit 12 modium papaveris, item una quartale papaveris. Item est in eodem vico una domus, que solvit 12 solidos den.[LB 200] – Der andere Kietz liegt nahe dem Dorf Lunow, welcher enthält 11 Höfe, welche geben 12 Schock (Zähleinheit) Hühner, auch 1 zahlt 12 Scheffel Mohn, 1 außerdem 1 Viertel (Raummaß) Mohn. Außerdem ist im denselben Kietz 1 Haus, welches zahlt 12 Schilling Pfennig. Die Mohn-Zahlung könnte auch 1 Hof meinen.
Stolzenhagen an der Oder (Ortsteil von Lunow-Stolzenhagen) Dorfregister Barnim S. 158 Vicus est ibi continens 11 areas,[Anm. 5] quelibet solvit 2 solidos den. et 10 ova. Taberna in vico solvit 10 solidos. Huic vico adiacet vinetum.[LB 200] – Der dortige Kietz enthält 11 Höfe, jeder zahlt 2 Schilling Pfennig und 10 Eier. Der Krug im Kietz zahlt 10 Schilling [Pfennig]. An den hiesigen Kietz grenzt ein Weingarten an.

Für Falkenrehde enthielt das Dorfverzeichnis einen Kietz. Er zählte aber nicht zu diesem Ortschaftstyp. Für das Herausnehmen sprachen die Erkenntnisse von Winfried Schich, die Definition des Begriffs Kietz und die Siedlungsstruktur von Leest an der Wublitz. Darauf gehen Ein Kietz in Falkenrehde? und 12-Hufen-Dörfer näher ein.[LB 201][303][304][LB 202][77]

Klöster und Stifte [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster Zehdenick zählte anno 1393 für das Konvent 17 Nonnen, im April 1541 ins­gesamt 50 Frauen, im Hinter­grund des Kloster­gartens die Ruine der im Jahr 1801 abge­brannten Kloster­kirche[BK 4][BK 5]

Im Jahr 2002 gründete sich die Gemeinde Kloster Lehnin. Eine Erinnerung daran, dass im Mittelalter das Kloster oder Stift auf dem platten Lande zugleich kirchliche Institution und Ortschaft war. Die Anlagen hielten alles Notwendige bereit: Benachbart der Kirche lagen Dormitorium (Schlafsaal), Kapitelsaal (Versammlungsraum), Küche, Necessarium (Abort und Bad), Refektorium (Speisesaal) und Vorratsgebäude. Dazu kamen Gärten, Handwerksstätten, Hospital, Mühle, Schule und Ställe. Im Idealfall (Sankt-Galler-Klosterplan) fiel die Aufzählung länger aus, im konkreten Fall mitunter kürzer. Die Säkularkanoniker der Kollegiatstifte und Domkapitel bewohnten einzelne Kanonikatshäuser.[305][160][306][307]

Neben den Kirchen kamen im Landbuch weitere Gebäude namentlich vor: Es erwähnte für Dom Brandenburg das Domkrankenhaus (firmaria ecclesie kathedralis). Von diesem Großen Domhospital (Burghof 6) blieben Teile aus der Zeit um 1300 erhalten. Das Kleine Domhospital (Mühlentorstraße 38/39) stand jenseits der Dominsel im Altstädter Kietz (siehe in Tabelle Kietze im Landbuch). Das Urbar gab für die Krakower Mühle „situm apud fundum olim hospitalem[LB 199] – gelegen beim Grundstück des ehemaligen Hospitals an. Folglich bestand es 1375 nicht mehr. Für das Kloster Lehnin wurde das Refektorium (refectorium, siehe im Kapitel Wasserzins) genannt.[LB 203][BK 6][BK 7][LB 204]

Die Schriftquellen überlieferten kaum genaue Einwohnerzahlen von märkischen Kloster- und Stiftsgemeinden. Dennoch lagen einige Aussagen in zeitlicher Nähe zum Landbuch Kaiser Karls IV. vor. Anno 1395 wirkten im Kollegiatstift Beuster (Sankt-Nikolaus-Kirche zu Beuster) nur 5 Kanoniker. Eine Urkunde vom 23. Oktober 1390 enthielt die Konventsgröße des Klosters Reetz (außerhalb von Altstadt Reetz in der Neumark). Ob alle Plätze der 40 Nonnen besetzt waren, sagte sie aber nicht. Für das Kloster Lehnin ermittelte Stephan Warnatsch Schätzwerte. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebten dort 60 bis 90 Mönche und 20 bis 30 Konversen, insgesamt also zwischen 80 und 120 Menschen. Für die wirtschaftlichen Blütejahre Lehnins ab zirka 1430 ging der Historiker von bis zu 120 Mönchen und mindestens 40 Konversen, demnach etwa 160 Menschen aus. Für das 14. Jahrhundert ermöglichte die spärliche Quellenlage keine verlässliche Schätzung. Die Einwohnerzahl lag aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Situation wohl bis zu 25 Prozent niedriger. Über das gesamte 13. Jahrhundert war von 50 bis 60 Mönchen im Zauche-Kloster auszugehen. Im nördlich anschließenden Havelland bot sich ein Vergleichswert an. Dort schätzte Felix Escher mittels des Landbuchs, dass in einem Dorf durchschnittlich 125 Menschen lebten.[BK 8][BK 9][BK 10][BK 11][BK 12][32]

Einzelsiedlungen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ziethenmühle (Ortsteil von Anger­münde) hieß bei ihrer Erst­er­wähnung im Land­buch Westn­mole. Die Mühlen­einzel­siedlung lag an der Welse unter­halb Frauen­hagen bei Anger­münde. Der Denk­mal­schutz des Gehöfts (1 Mühlen- und 2 Stall-Speicher-Gebäude) ver­hin­derte nicht den Ver­fall.[HOL 15][LB 205][HOL 16][308]

Die Einzelsiedlung kennzeichnete einen isolierten Wohn- und Wirtschaftshof. Der Abstand zur nächsten Ortschaft überschritt die Rufweite von etwa 150 Meter. Sie umfasste ein oder mehrere Gebäude, bewohnte eine oder mehrere Familien und bildete keine eigene Gemeinde. Zur Vermeidung von Verwechslungen dienten Eigennamen. Die natürlichen Gegebenheiten prägten die Siedlungsstruktur. Außerdem charakterisierte Einzel- gegenüber Gruppensiedlungen häufig eine rechtliche Sonderstellung. Eine Untergliederung erfolgte nach Herausbildung, Wirtschaftszweigen und Inhabern. Ortschaften ließen sich daher auf verschiedene Arten kategorisieren. Von den jeweiligen Unterkriterien trafen mancherorts mehrere zu.[161][309][310][311][312]

Bei der Herausbildung war zwischen zwei Zeitebenen zu trennen:[313][314][311]

  • Die primäre Entstehung lief als ungelenkte oder gelenkte Besiedlung ab.[315][316]
  • Die sekundäre Entstehung erwuchs aus Teilungs- oder Wüstungsvorgängen. Bei ersterem Fall (und aus anderen Gründen) konnten Einzelsiedlungen in direkter Nachbarschaft liegen. Der „Paarhof“ blickte oft auf die Aufteilung eines „Urhofs“ zurück. Die nun zwei Feldfluren wiesen entsprechende Teilungsmerkmale auf. Es fehlte aber stets eine gemeinsame Wohnplatzgestaltung. Diese Unterform kam in der Mark Brandenburg nicht vor, denn hierzulande ging der Bauernhof an einen Haupterben (Anerbenrecht). In der Regel war der älteste Sohn der Nachfolger. Für dieses Vorrecht musste er die anderen Erben auszahlen.[317][161][318][319]

Das Landbuch Kaiser Karls IV. und die Sekundärliteratur enthielten folgende Wirtschaftszweige:

  • Die Agrareinzelsiedlung umgab in der Regel der dazugehörende Grund und Boden. Die Feldflur wurde gänzlich individuell bewirtschaftet. Martin Born stellte folgende Entstehungsgründe fest: 1) Initial der Entwicklung zur Gruppensiedlungen, hauptsächlich aus anfänglichem Mangel an Siedlern und späterer Bevölkerungszunahme, 2) rechtliche Sonderstellungen, 3) naturgegebene, wirtschaftliche oder rechtliche Benachteiligungen sowie 4) sekundär durch Zusammenlegung aller Wirtschaftshöfe von Gruppensiedlungen. Hierzulande fanden sich Vertreter: Zu 3) In der Wische reihten sich einige landwirtschaftliche Einzelsiedlungen an der Straße parallel zur eingedeichten Elbe. Zu 4) Dafür bot das Landbuch Beispiele. Stolp bei Ketzin durchlief einen Abschwung vom Dorf über die Einzelsiedlung zur Wüstung. Zum Hof Suckow (curia Sukow, Ortsteil von Flieth-Stegelitz) hieß es: „Hanc habent Frentze et Livinus, cives in Premptzlaw, filii Coppen Czabelstorp, sub cultura cum omni iure, que curia nunc iacet desolata.[LB 206] – Hiesiges haben Franz und Livinus, Bürger in Prenzlau, Söhne des Koppe Zabelsdorf, unter Bestellung, da der Hof jetzt wüst liegt.[155][311][310][LB 207][320]
Siehe auch: Landwirtschaft und Kapitel Hauptsächliche grundherrliche Abgaben

Siehe auch: Eisenhammer und Kapitel Bergregal

Siehe auch: Fähre und Kapitel Fährregal, Kapitel Krüge und Krugabgabe

  • Ob Fischereinzelsiedlung für die beiden Stromzüge des Klosters Chorin die richtige Kategorisierung war, ließ sich anhand der dürftigen Angaben nicht festlegen. Demgemäß traf das Brandenburgische Klosterbuch dazu keine Aussage.[LB 210][BK 13]
Siehe auch: Kapitel Fischereiwirtschaft und Wasserzins

  • Bei der Mühleneinzelsiedlung führte die Definition – „neben und außerhalb“[310] einer geschlossenen Ortschaft gelegen – zu einem Paradox. Bei enger Auslegung müssten nahezu alle Mühlen in diese Kategorie einsortiert werden. Die Nutzung der Wasser- und Windenergie bedingte einen abseitigen Standort:[86]
Die Wassermühle (mola, molendinum, molendina aquatica) benötigte ein Mindestmaß an Wassermenge und -gefälle. Die hydrologischen Verhältnisse konnten die isolierte Errichtung erforderlich oder vorteilhaft machen. Beispielsweise nutze die Hellmühle (Helle mole, Hellemůl) die Wasserkraft des Hellmühler Fließes. Bei ihr fielen Lokalisierung und Kategorisierung eindeutig aus. Sie lag südwestlich von Biesenthal im Barnim und war eine Mühleneinzelsiedlung. Das Historische Ortslexikon Barnim widmete ihr einen eigenen, zweifelsfrei ausfallenden Artikel. Das Landbuch gab insgesamt um die 41 Eigennamen von Wassermühlen[Anm. 7] an. Das konnte jeweils als Indiz für eine Einzelsiedlung gewertet werden, aber nicht als hundertprozentiger Beweis. Dass sich Mühle Prenden schlicht vom gleichnamigen Dorf ableitete, sagte nichts über die genaue Lage aus. Innerhalb von Altstadt Salzwedel mahlte die Ludolphsmühle.[323][LB 9][86][LB 211][LB 196][HOL 17][324][LB 15][310][325][LB 212]
Die Windmühle (ventimola, ventimolum) wählte ihren Standort mehr nach den Windverhältnissen als nach geringer Distanz zur Ort- und Kundschaft. Laut Werner Peschke erhielten sie nie einen bleibenden Eigennamen, das Landbuch verwendete überhaupt keine. Die für das Urbar relevanten Teile des Historischen Ortslexikons für Brandenburg erfassten Windmühlen nicht separat, sondern innerhalb von Artikeln einer Gruppensiedlung. Dennoch ließ sich nicht ausschließen, dass manche von ihnen die Kriterien einer Einzelsiedlung erfüllten.[86][LB 9][326][325][LB 213][HOL 18][HOL 19]
Das Landbuch beschränkte sich oft auf die Mühlenabgabe. Die Satzteile est ibi, fuit ibi ‚dort ist‘, sunt ibi ‚dort sind‘, ibidem ‚ebendort‘ sowie in ‚in‘ standen eher für eine Ortsangabe innerhalb oder zumindest dicht bei einer Siedlung. Molendinum in Lyebenberg passte zur genannten Bedeutung, meinte ‚Wassermühle in [der Einzelsiedlung] Liebenberg an der Löcknitz‘. Die Formulierungen ante opidum ‚vor dem Flecken‘, prope villam ‚nahe dem Dorf‘, super Welsam ‚an der Welse‘ verwiesen auf eine größere Entfernung. Der Ausdruck apud hieß u. a. ‚in‘, bezeichnete aber die gesamte Gemarkung, das Gebiet einer Ortschaft.[327][LB 15][LB 214][HOL 20][HOL 21]
Die Schreiber wählten ihre Worte durchaus mit Bedacht. Die zwei Mühlen von Gerswalde lagen apud – ‚im‘ Fleckengebiet, die Buchmühle prope – ‚nahe‘ diesen beiden. Das Dorfregister Nechlin (Ortsteil von Uckerland [Ortschaft]) schrieb: „In hac villa iacet molendinum ad curiam domini Hennyngi, militis, de Berlyn.[LB 215] – In diesem Dorf liegt eine Wassermühle im Hof des Herrn Henning von Berlin, Ritter. Molendinum super Rogose hätte Wassermühle an der Ragöse bedeutet, stattdessen war molendinum Rogosen für ‚Ragöser Mühle‘ zu lesen. Trotz vielfacher Hinweise des Landbuchs bedurfte es am Ende Land- oder Flurkarten für eine Entscheidung. Spätestens an dieser Stelle der Überlegungen schlug das Nichtvorhandensein einer Monografie zum Thema die Einzelsiedlungen der Mark Brandenburg schmerzlich durch (Stand 2018). Es fehlte eine systematische Erfassung aller Mühlen inklusive ihrer exakten Lagen (soweit Jahrhunderte später feststellbar). Nur dadurch ließen sich eindeutige Kriterien für die Unterkategorie Mühleneinzelsiedlung festlegen, insbesondere beim Merkmal Abstand zur nächsten Siedlung.[LB 173][LB 210][BK 14][161]

Die vorhandene Sekundärliteratur füllte die Forschungslücke nur bedingt. Exemplarisch dafür stand die Rudolfsmühle. Das Historische Ortslexikon Teltow listete sie in zwei Artikeln auf und verzeichnete sie nicht in der Übersichtskarte. Das Städtebuch Brandenburg und Berlin schrieb zu Königs Wusterhausen: „Burg, befestigter Ort am Notteübergang mit Mühle;…“[328] Herr Nolte verortete sie bei Bestensee. Selbst die ortsgeschichtliche Literatur half nicht weiter. Das erste Kapitel von Heinz Borchert, Gerhard H. Damm: Geschichten aus Königs Wusterhausen begann mit dem Jahr 1682. Irgendwo zwischen Wendisch Wusterhausen und Groß Besten gelegen, ließ zu viel Spielraum für die Rudolfsmühle offen. „Die ehemalige Ortslage der Wüstung konnte bisher nicht ermittelt werden.“[329] Die Wüstungsforschung stellte solche Informationen standardmäßig bereit. Für die Einzelsiedlungen fehlten selbst oft diese Basisdaten.[HOL 22][HOL 23][HOL 5][LB 216][330]
Siehe auch: Kapitel Mühlen und Mühlenabgabe

Als Eigentümer, Grund-, Pacht- oder Pfandherren der Einzelsiedlungen kamen die Gleichen in Frage wie bei den Höfen der Dörfer. Bezüglich des Inhabers (wer am Ende den Grund und Boden bewirtschaftete) benannten Landbuch und Sekundärliteratur folgende Untertypen:[310]

  • In der Bauerneinzelsiedlung wohnten Mitglieder des Bauernstands. Sie bestellten den Acker, bewirteten die Kruggäste, fingen die Fische, hüteten das Vieh oder mahlten das Getreide. Die Übersichtskarte des Historischen Ortslexikons Barnim verzeichnete im Niederoderbruch, links und rechts des alten Odernebenlaufs, zwischen Altfriedland und Wriezen eine Anhäufung von Einzelsiedlungen. Die Meisten stammten aus der Frühen Neuzeit und Moderne, drei aus dem Mittelalter. Davon fielen Zwei unter die Kategorie Bauerneinzelsiedlung, Eine – die Dornbuschmühle – enthielt das Landbuch. Das Dorfregister sprach im Flecken (Alt-)Friedland dem gleichnamigen Kloster für zwei Mühlen die Abgaben zu, sie waren also verpachtet. Das Brandenburgische Klosterbuch wies ihre Mühlenpachten für das Jahr 1300 sowie die Lagen mit „bei Altfriedland“[BK 15] aus, benannte sie zudem. Die Detailkarte zum Klosterbesitz verortete die Alebrandsmühle am Südende des Kietzer Sees, die Neue Mühle (Altfriedland) mit Fragezeichen am Nordwestufer. Demnach war Erstere ebenfalls und Letztere vielleicht eine Bauerneinzelsiedlung.[310][XM 25][331][HOL 24][332][333][HOL 25][LB 217][LB 218][BK 16]

  • Die Klostereinzelsiedlung ordnete sich unter dem Begriff Grangie ein. Beide Worte waren aber keine Synonyme, denn Grangien existierten auch als Hof innerhalb eines Dorfs oder als Gruppensiedlung. Zur Gründungsausstattung des Klosters Spandau gehörten u. a. drei Ortschaften. Lankwitz blieb ein Dorf. Bei Lietzow verlief die Entwicklung vom Dorf (29 Hufen) über die Einzelsiedlung (wohl ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts) wieder zum Dorf (anno 1314, laut Dorfregister nun verkleinert auf 13 Hufen). Casow (50 Hufen) vollzog zunächst einen parallelen Werdegang, verharrte dann aber als Klostereinzelsiedlung.[334][XM 8][BK 17][335][BK 18][LB 219]

Die Probleme bei der Quellendeutung veranschaulichten drei der im Urbar erwähnten Einzelsiedlungen:[155]

  • Die Klinkemühle (molendinum in Clinke) lag zwischen Klein Behnitz (Ortsteil von Nauen) und Riewend. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand (2008) wurde die Burg Riewend im 10. Jahrhundert zerstört. Die Vorburgsiedlung existierte im 12. Jahrhundert noch, als die deutschen Siedler ins Land kamen. Sie fiel aber später wüst, einzig die vermutlich von Niederländern errichtete Mühle blieb erhalten. Die Burg trug zur Erforschung der überregionalen Geschichte bei (Einteilung der slawischen Keramik in drei Entwicklungsstufen). Die Mühle erzählte Einiges über die märkische Historie (erste schriftlich erwähnte Mühle, Landgerichtsstätte Klinke, Übereignung ans Hochstift Brandenburg usw.).[336][LB 223][337]
Lange Zeit suchten die Historiker nach der Landgerichtsstätte Klinke. Der Gedanke, sie in der Beetzseerinne zu verorten, kam erstmals 1899 auf. Noch 1995 schrieb sie Hans-Dietrich Kahl im Handbuch der historischen Stätten bevorzugt der Zauche zu. Winfried Schich reihte 2008 überzeugende Indizien für die Übereinstimmung von Mühle/Erdwall und Landgerichtsstätte Klinke auf. Sie hatte 1315–1317 die Funktion als Appellationsinstanz für die Mittelmark verloren. 60 Jahre später verursachte das Landbuch sein eigenes, kleines Kopfzerbrechen. Das Dorfregister Klein Behnitz vermerkte die Klingmühle (Klingmole), die 2 Wispel Roggen zahlte. Eine Mühlenabgabe enthielt das Landbuch für keine der eindeutig den Hoch- und Domstiften Brandenburg zuordenbaren Mühlen. Das schloss eine Gleichsetzung von Kling- und Klinkemühle nicht aus, stützte aber die Annahme einer zweiten Wassermühle am Klinkgraben.[336][338][LB 224][LB 225]
Siehe auch: Klinkemühle (Rechte) im Kapitel Mühlenabgabe

  • Trebegotz (curia Trebegotz, curia Trebutz) könnte in slawischer und frühdeutscher Zeit eine kleinere Gruppensiedlung gewesen sein. Darauf deuteten entsprechende Bodenfunde hin. Bei der ersten schriftlichen Erwähnung 1305 überließ Heinrich I., Mitregent von Brandenburg dem Kloster Lehnin den (Einzel-)Hof Trebegotz und das Dorf Schmergow. Der Rand der Urkunde vermerkte „termini autem curie Trebegoz protenduntur usque in in [sic] obolam ubi versus Cothsin navigio pertransitur[343] – aber die Grenzen des Hofs Trebegotz erstrecken sich bis in die Havel hinein gegenüber Ketzin, wo das schiffbare Gewässer durchfahren wird. Damit war nach Sascha Bütow die Fähre Ketzin gemeint. Diese vermerkte ebenfalls das Landbuch, stellte aber keinen Zusammenhang zur Einzelsiedlung her. Dafür enthielt der Abschnitt weitere Güter des Klosters Lehnin umgerechnet 5,15 Zählstücke als Wasserzins und das Dorfregister Schmergow 6,00 Zählstücke als möglicherweise grundherrliche Abgabe. Im Idealfall lebte Trebegotz demnach von Fährwesen, Fischerei und Landwirtschaft. Die letzten Nennungen stammten von 1450 und 1455.[HOL 27][LB 51][LB 204][LB 157]

„Die Einzelsiedlung bildet[e] in Mitteleuropa keine besonders häufige Form ländlicher Siedlung.“[311] Ein klarer Nachweis gelang, wenn ein frühneuzeitlicher Vertreter in einer mittelalterlichen Schriftquelle als Hof erschien und keine archäologischen, baulichen, schriftlichen oder sonstigen Anzeichen einer Gruppensiedlung existierten.[311]

Landschaften und Verwaltungseinheiten [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landschaft definierte das Europäische Landschaftsübereinkommen als ein „vom Mensch als solches wahrgenommenes Gebiet, dessen Charakter das Ergebnis des Wirkens und Zusammenwirkens natürlicher und/oder anthropogener Faktoren ist“.[344] Das Wort erhielt erst im 16. Jahrhundert diesen Sinn. Das hinderte das Landbuch nicht daran, die bis heute bekannten Landschaften wiederzugeben. Der Abschnitt 11.1 Landesbeschreibung Mark Brandenburg formulierte die grundlegende Gliederung: „Marchia Brandeburgensis dividitur primo in tres partes principales, videlicet in Marchiam transalbeanam, transoderam et mediam.[LB 46] – Die Mark Brandenburg unterteilt sich zuerst in drei Hauptteile, nämlich Mark über Elbe, Mark über Oder und Mittelmark. Der kurze Satz verdeutlichte Zweierlei: 1) die beiden Ströme Elbe und Oder gaben die Dreiteilung vor, 2) die Mitte galt als Hauptteil des Landes namens Markgrafschaft oder Kurfürstentum Brandenburg. Die Mittelmark umfasste im Einzelnen den Barnim, das Havelland, das Land Lebus, das Land Lindow, die Prignitz, den Teltow, das Uckerland und die Zauche, dazu Teile des Flämings und des Lands Jerichow. Die Mark über Oder gliederte sich in den Hauptteil über Warthe und das Land Sternberg.[LB 15][345][LB 18][11]

Die Flüsse dienten in slawischer Zeit als verbindendes Element einer Landschaft. Hingegen markierten sie in deutscher Zeit die Trennlinien zwischen ihnen. Nicht immer wurde sich an diese sogenannte Flussregel gehalten, die Landschafts- und Verwaltungsgrenzen deckten sich nur teilweise. Dabei machte das Landbuch Kaiser Karls IV. keine Ausnahme. So zeigte das Urbar erste Ansätze des späteren Glien-Löwenbergischen Kreises, der Havelland und Land Lindow berührte. Das Dorfregister Barnim enthielt Teile des Uckerlands und Lands Lebus, um nur zwei Beispiele zu nennen.[346][230][347][LB 14][348]

Land und Herrschaft Lindow [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Aussterben der Grafen von Lindow-Ruppin war der Anlass, nicht die Ur­sache für das Ende der Herr­schaft Ruppin im Jahr 1524. Neu­ruppin blieb bis heute das Zen­trum des Landes Ruppin, Blick über Ruppiner See zur Kloster­kirche St. Trini­tatis.[349][350][351]

Das Land und die Herrschaft Lindow deckten sich in großen Teilen. An den Rändern wichen beide voneinander ab. Beispielsweise gehörte die Herrschaft Fürstenberg im Nordosten lediglich kurzzeitig den Grafen von Lindow-Ruppin. Die Landschaft umrissen im Osten die Oberhavel, im Süden der Rhin und im Westen die Dosse. Im Norden musste die Landes- zugleich als Landschaftsgrenze dienen. Naturräumlich lag das Rheinsberger Becken bereits in der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Geomorphologie verzahnte märkische und mecklenburgische Landschaften eng miteinander.[352][353][354][349]

Über das Land Lindow bot das Landbuch kaum Informationen an. Seine Siedlungen fehlten in den Dorfregistern. Die zwei kleinen Ausnahmen (östlicher Gemarkungsteil von Teetz lag bereits diesseits der Dosse, ein paar unten genannte Worte zu den beiden Löwenbergs) änderten diese Feststellung nicht. Die wenigen vorhandenen Angaben der anderen Hauptabschnitte blieben oberflächlich. „Cedenik dedit olim pro orbeta 20 marcas argenti.[LB 228]Zehdenick gab einst für die Urbede 20 Barrenmark [an] Silber. Mehr als diesen einen, inaktuellen Satz vermerkte das Stadtregister nicht über die Ortschaft, die verwaltungsmäßig ein Teil des Uckerlands war.[12][LB 229][230][LB 182][LB 230]

Die Herrschaft Lindow wuchs um den Todestag Waldemars zu Lasten Brandenburgs. Die Ländchen Wusterhausen an der Dosse und Gransee wurden um 1319 erst als Pfand, dann 1349 als Lehen einverleibt oder entfremdet (je nach Perspektive). Andere Zugewinne oder Verluste blieben von kurzer Dauer. Ludwig I. holte Rathenow und Ländchen Friesack zurück. Die aktive Wiedergewinnungs­politik Karls IV. drängte die Grafen von Lindow-Ruppin dann weitgehend aus dem Havelland heraus. Das Haus Luxemburg erwarb am 4. Juno 1373 gegen Ratenzahlungen zunächst zwei von drei südlichen Territorien des Hauses Lindow-Ruppin – die ums Stift Leitzkau gelegenen Herrschaften Lindau und Möckern (die Herrschaft Dornburg in diesem Zusammenhang nicht erwähnt). Den darauf folgenden, jeweiligen aktuellen Stand gaben mehrere Schriftquellen wieder.[349][355][356][LB 22][LB 45]

In der Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 gehörte die Burg Bötzow, dies schloss das Umland mit ein, dem Grafen von Ruppin (comes de Reppyn). Albrecht VI. reichte ungefähr zu deren Erstellungszeit im Herbst 1373 das Pfand weiter. Am 3. Mai 1376 tauschte er die Pfänder Ländchen Rhinow und Glien mit Karl IV. gegen Lindau und Möckern ein. Für die Vogtei Bötzow übertrug er das Einlösungsrecht an den Regenten der Mark. Das Landbuch Kaiser Karls IV., Hauptabschnitt Landesbeschreibung Glien wies die befestigte Ortschaft Bötzow als wieder markbrandenburgisch aus. Der Hauptabschnitt 5.3 Burgregister Havelland ging ins Detail, listete bei [dem Flecken] Bötzow die entsprechenden Rechte, Wälder, Heiden und 8 umliegende Dörfer auf. Eventuell gehörte Neue Mühle (Oranienburg) als Einzelsiedlung auch dazu. Die aufgezählten Ortschaften stimmten nur teilweise mit denen der Pfändungsurkunde vom 16. Februar 1350 überein. Der Hauptabschnitt Landesbeschreibung Herrschaft Lindow umfasste weiterhin Rhinow. Ein Teil der Kaufsumme für die zwei südlichen Herrschaften stand wohl noch aus, daher hielt Albrecht VI. das Ländchen Rhinow zurück. Der Nebenabschnitt 2.3 Burgen-Anordnung von 1377 führte nach wie vor keine Burg Rhinow auf. Zu beachten war, dass bei den genannten havelländischen Ländchen die geografischen und verwaltungsmäßigen Grenzen voneinander abwichen.[LB 22][349][356][LB 14][LB 231][68][LB 232][LB 233][357][358]

Für das nördliche Territorium der Grafen von Lindow-Ruppin – sonst allgemein als Herrschaft Ruppin bekannt – verwendete das Landbuch den Namen Grafschaft Lindow (Comitatus Lindowensis). Dass hier nie eine Graf-, sondern stets eine Herrschaft bestand, konnten die Historiker klären. Ob der Eigenname Lindow allein der böhmischen Sichtweise im Bezug auf die Rückübertragungen von Lindau und Möckern entsprang, ging aus den Darlegungen von Gerd Heinrich nicht eindeutig hervor. Die übrige Standardliteratur enthielt ebenfalls keine Aufstellungen darüber, welche Ländernamen im Laufe der Jahrhunderte Verwendung fanden. Der Doppelname des Adelshauses erfüllte eine Funktion. Graf von Ruppin betonte den Schwerpunkt im Norden, Graf von Lindow die Wurzeln und den Machtanspruch im Süden. Die Landesbeschreibung von 1373 enthielt Beide (comes de Reppyn, comes de Lyndaw). Die Verwandtschaft in der Mittelmark (Verkäufe, Hebungen und Afterbelehnungen in Havelland und Zauche) hieß im Landbuch der Mark Brandenburg nur Lindow (Derer von, Heinrich von, Hetzin von, Johann von, Klaus von und Witwe des Otto von Lindow).[LB 45][356][359][360][350][96][LB 234]

Das Ländchen Löwenberg schmiegte sich östlich an die Herrschaft Lindow. Es bestand im Norden aus einem schmalen, mehrere Ortschaften umfassenden Streifen um Badingen bei Zehdenick, ging im Süden mit dem Flecken Löwenberg samt umliegenden Dörfern in die Breite. Wann und wie der Landstrich zu Brandenburg gelangte, wurde nicht überliefert. Die Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. tauschten es mit Heinrich I., Bischof von Brandenburg (1263–1277/1278) gegen das Ländchen Königsberg (Neumark, die namensgebende Stadt mit 10 Dörfern). Nach der Einigung 1267 erfolgte der Übergang 1270. Nun war das Ländchen Löwenberg ein Teil des Hochstifts Brandenburg. Gute 100 Jahre später vermerkte das Landbuch für Burg und Flecken Löwenberg, dass sie von alters her [dem Markgrafen] keine Abgaben und Dienste leisteten.[361][61][230][362][LB 182]

Die Gegend östlich von Wittstock an der Dosse knüpfte die Geschichte an die Prignitz. Ursprünglich übten hier die Fürsten von Mecklenburg die Landesherrschaft aus. In mehreren Schritten zwischen kurz vor 1320 bis 1436 ging sie ans Hochstift Havelberg über. Das Interessantere aus Sicht des Landbuchs Kaiser Karls IV. reichte in eine ältere Zeitebene zurück. Das Kloster Amelungsborn erhielt 1233 am Nordufer des Dranser Sees 60 Hufen zur Errichtung einer Ferngrangie. Dort entstanden voneinander getrennt der Wirtschaftshof und das Dorf Dranse. Nach Zukäufen umfasste der Besitzkomplex insgesamt 11 Dörfer, einen Pfleghof in Wittstock und Weiteres. Wahrscheinlich im 2. Viertel des 14. Jahrhunderts legten die Zisterzienser ein Güterverzeichnis an. Das Amelungsborner Urbar charakterisierte Hans K. Schulze mit den Worten: es „…übertrifft in seiner Ausführlichkeit und in der Darlegung der speziellen Rechtsverhältnisse die bekannten brandenburgischen Landbücher von 1337 und 1375 bei weitem.“[363] Der Klosterbesitz lag während der Entstehungen von Beiden, genauer bis 1430 in der Herrschaft Werle. Dies verhinderte einen direkten Vergleich.[364][230][365][BK 19]

Teltow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Zossen steht unge­fähr an der Stelle der früh­eren Burg

Der Landschaftsname Teltow erschien erstmals im 13. Jahrhundert und stammte wohl aus dem Slawischen. Zunächst fiel darunter nur der sogenannte Hohe Teltow oder Hauptkreis. Die Grundmoränen-Platte umrandeten im Norden die Spree, im Osten die Dahme, im Süden die Notte und das Talgebiet von Mittenwalde im Teltow über den Rangsdorfer See bis Trebbin, im Südwesten die Nuthe und im Nordwesten die Havel. Später erweiterte sich der Begriff auf die südlich gelegenen Niederungs- und Kleinplattengebiete, erst bis zum Nordrand des Baruther Urstromtals (bereits in askanischer Zeit), dann des Flämings (ab 1730/1773 mit Ostteil des Luckenwaldeschen Kreises). Das Landbuch vermerkte den Teltow als Gerichtsbezirk.[366][367][HOL 3][230][368][369][370]

Die Vogtei Trebbin lag im erwähnten Niederungsgebiet mit ihren eingestreuten Kleinplatten und wurde vom Amtsbuch dem Teltow zugerechnet. Sie blickte auf zwei Vorläufer – den spätslawischen Burgwallbezirk Kliestow und die eigenständige Herrschaft der Edelfreien von Trebbin – zurück. Beide erstreckten sich links und rechts der Nuthe. Die Mark Brandenburg bemächtigte sich des schmalen, östlich des Flusses bleibenden Landstreifens ab Trebbin südwärts. Dies geschah wohl im Zuge von Teltow- und Magdeburger Krieg um 1240–1250. Die askanische Verwaltungseinheit überlieferte keine schriftlichen Zeugnisse. Sie ließ sich aber aus dem Urbar erschließen. Laut Burgregister Trebbin zählten dazu der namensgleiche Flecken sowie Christinendorf, Schulzendorf bei Trebbin, Kliestow und Neuendorf bei Trebbin. Die verhältnismäßig geringe Ausdehnung passte zu zahlreichen, ähnlich kleinen Vogteien dieser Periode. Entscheidend war hier die Kontrolle der Handelsstraßen sowie die strategische Lage zwischen dem Erzstift Magdeburg und der Mark Lausitz.[LB 141][368][371]

Vermutlich reihte sich ab Ende des 13. Jahrhunderts ein Pfandherr an den nächsten. Die häufig wechselnden Inhaber in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts benannte eine Urkunde von 1357. Sie bezeichnete Niemanden als Vogt. Das Landbuch, Nebenabschnitt 2.3 Burgen-Anordnung von 1377 überlieferte mit Nickel von Reckenberg den ersten namentlich bekannten Amtsinhaber. Der Amtstitel stellte eine Reminiszenz an frühere Zeiten dar, Burghauptmann traf es besser. Die Vogtei Trebbin war spätestens im 14. Jahrhundert dem Territorium Teltow zugeschlagen worden und entsprach dem Charakter der Ämter des 15. Jahrhunderts. Reckenberg und 10 Burgmannen erhielten für die Burghut alle jährlichen Einkünfte aus dem Flecken, den Dörfern, den Äckern und Wiesen in Höhe von 40 Schock Böhmischen Groschen. Der Landesherr reservierte sich die Einnahmen aus Geleit, Zoll, Wäldern, Honig, Gerichten und allem Weiterem. Dass Teile davon an Dritte vergeben waren, zeigte das Burgregister. Außer in Christinendorf lebte in den Dörfern je ein Lehnmann.[371][LB 235][LB 31][LB 141]

Das Dorfregister Teltow erfasste nur den Hauptkreis. Friedrich II., Kurfürst von Brandenburg schloss am 5. Juni 1462 den Friede von Guben ab. Dabei wechselte die Herrschaft Teupitz die Markgrafschaft, von Lausitz zu Brandenburg. Sie blieb jedoch ein Lehen der böhmischen Krone. Den gleichen Status hatte die Herrschaft Zossen, als sie Johann Cicero, Kurfürst von Brandenburg (1486–1499) anno 1490 erwarb. Die beiden Herrschaften wurden erst seit diesen Zeitpunkten Brandenburg und Teltow zugerechnet.[HOL 3][372][373][366]

Allerdings gab es für die zwei Gebiete Ausnahmen. Der Norden der Herrschaft Teupitz erschien im Amtsbuch. Burgregister und Landesbeschreibung listeten die Burg Wendisch Wusterhausen auf. Um sie herum gruppierten sich im Dorfregister Deutsch Wusterhausen, Groß und Klein Besten, Hoherlehme (Ortsteil von Wildau), Schenkendorf bei Mittenwalde und Zernsdorf sowie als Mühleneinzelsiedlung die Neue Mühle (Königs Wusterhausen). Diese 7 Ortschaften wies auch das Dorfverzeichnis aus sowie zusätzlich Wendisch Wusterhausen. Für die Herrschaft Zossen vermerkte die Landesbeschreibung die namensgebende Burg Zossen als märkisch, die ältere Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 darüber hinaus den Flecken Zossen.[LB 236][LB 237][LB 238][230][LB 108][LB 22][105]

Uckerland [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Großen Küstriner See wurden 20 Schlepp­netze be­trie­ben. Jeweils die Hälfte der Wasser­zinsen ging an die Landes­herren von Branden­burg und Meck­len­burg-Star­gard. Die gleiche Verein­bar­ung griff bei den 6 Schlepp­netzen im Lych­ener Mellen­see.[LB 42]

Das Uckerland (Landschaft) war immer eine Grenzregion. Entsprechend stark schwankte seine Ausdehnung. Im Süden bot das Eberswalder Urstromtal eine eindeutige natürliche Begrenzung. Die Oberhavel im Westen und das Untere Odertal im Osten bildeten nur eine grobe Orientierung. Nach Norden hing die Grenze vom Widerstand der Nachbarn gegen den Expansionsdrang der brandenburgischen Markgrafen Richtung Ostsee ab.[374][375][230][376]

Im Vergleich vom Hoch- zum Spätmittelalter fehlte zirka die Hälfte der Ortschaften. Das Land Lychen gelangte wohl zusammen mit der Herrschaft Stargard (Mecklenburg) anno 1292 an Mecklenburg. Albrecht III., Mitregent von Brandenburg (1267–1300) belehnte damit seinen Schwiegersohn Heinrich II., Fürst von Mecklenburg (1302–1329). Der größte Verlust betraf den späteren Stolpirischen Kreis. Bei dessen Geburtsstunde im Jahr 1354 übertrug Ludwig II., Markgraf von Brandenburg den Streifen entlang der Oder dem Herzogtum Pommern-Stettin. Karl IV. bestätigte den Vertrag als Kaiser im Jahr darauf und nochmals 1370. Langfristig behinderte dies seine Pläne. Das Bedauern schlug sich im Satz: „…territorio Stolp, quod modo occupat dux Stetynensis,…[LB 210] – …Territorium Stolp, dass jetzt der Herzog von Stettin besetzt,… nieder. Die beiden Gebiete wurden erst später zurückgewonnen. Ein Anderes blieb hingegen dauerhaft entfremdet. Das Land um Pasewalk (1354) und Torgelow (1359) fiel als Pfand (pignus, vandimonium) ans Herzogtum Pommern-Wolgast. Zu den drei großen Landstrichen kamen weitere Verpfändungen an Pommern und Mecklenburg.[377][29][230][378]

Das Landbuch der Mark Brandenburg kennzeichnete die nichtmärkischen Ortschaften auf unterschiedliche Weise. Die Landesbeschreibung Uckerland führte von den Burgen ausdrücklich Angermünde (Anghermunde), Biesenbrow (Bismarowe), Brüssow (Brussow), Jagow (Ortsteil von Uckerland [Ortschaft], Jagow), Schwedt (Swet) und Stolpe bei Angermünde (Stolpp) als zu Pommern-Stettin gehörig auf. Bei Pasewalk hieß es: besetzt durch den Herzog von Pommern-Wolgast. Bei Torgelow klaffte anstelle einer Angabe der Zugehörigkeit eine Lücke. Löcknitz an der Randow war Teil des Hochstifts Cammin. Das Dorfregister vermerkte im Land Lychen vier Ortschaften und eine Hebung beim Dorf Küstrinchen bzw. Flecken Lychen. Der Streifen westlich der Oder sowie das Gebiet Pasewalk-Torgelow fehlten bis auf wenige Ortschaften (siehe Tabelle). Verpfändungen wurden angegeben oder ignoriert.[LB 184][379][29][230][LB 147][HOL 28]

Uckerländische Ortschaften außerhalb der Mark Brandenburg im Dorfregister[LB 147][230]
Ortschaft gehörig zu Dorfregister Bemerkung
Beenz bei Lychen (Ortsteil von Lychen) Mecklenburg-Stargard; Land Lychen S. 266–267 auswärtige Lage nicht erwähnt
Belling (Ortsteil von Jatznick) Pommern-Wolgast S. 244 Pfand der Herzöge, dauerhaft in Vorpommern
Bredereiche Mecklenburg-Stargard; Land Lychen S. 274 nur Erwähnung des Ortsnamens
Brietzig Pommern-Wolgast S. 243 Pfand der Herzöge
Damerow bei Pasewalk Pommern-Wolgast S. 234 Pfand der Herzöge
Dargitz Pommern-Wolgast S. 244 Pfand der Herzöge, dauerhaft in Vorpommern
Fahrenwalde Pommern-Stettin S. 229 unter Herzogtum Pommern-Stettin
Frauenhagen bei Angermünde Pommern-Stettin S. 279 nur Erwähnung des Ortsnamens
Hohengüstow Pommern-Stettin S. 237–238 auswärtige Lage nicht erwähnt
Jagow, ein Ortsteil von Uckerland (Ortschaft) Pommern-Wolgast S. 248 auswärtige Lage nicht erwähnt, aber in Landesbeschreibung[LB 184]
Malchow bei Prenzlau Pommern-Stettin S. 226 Pfand der jungen Herzöge
Neukünkendorf Pommern-Stettin S. 279 nur Erwähnung des Ortsnamens, Bestimmungsworte Alt und Neu tauschten im Laufe der Geschichte die Ortschaften[HOL 29]
Papendorf bei Pasewalk Pommern-Wolgast S. 243–244 Pfand der Herzöge
Polzow Pommern-Stettin S. 227–228 Pfand der jungen Herzöge
Rollwitz Pommern-Stettin S. 227 unter Herzogtum der jungen Herzöge
Rudow im Uckerland Mecklenburg-Stargard; Land Lychen S. 274 nur Erwähnung des Ortsnamens
Schönwalde bei Pasewalk Pommern-Wolgast S. 244 nur Erwähnung des Ortsnamens, dauerhaft in Vorpommern
Stolzenburg Pommern-Wolgast S. 245–246 auswärtige Lage nicht erwähnt, dauerhaft in Vorpommern
Tangersdorf Mecklenburg-Stargard; Land Lychen S. 274 nur Erwähnung des Ortsnamens
Trebenow Pommern-Wolgast S. 241–242 Pfand der Herzöge
Werbelow, ein Ortsteil von Uckerland (Ortschaft) Pommern-Wolgast S. 242–243 Pfand der Herzöge

Lehnschulzen erwähnte das Dorfregister Uckerland zwölfmal. Diese Seltenheit erklärte Lieselott Enders mit ihrer völligen Abgabenfreiheit. Für das Havelland stellte Felix Escher fest, dass sie im Gegensatz zu den Setzschulzen stets erfasst wurden. Das Dorfregister Barnim wies zwölf weitere uckerländische Lehnschulzen aus. Bis auf Zwei wohnten Alle in Dörfern des Klosters Lehnin. In kirchlichen Grundherrschaften behaupteten sich die Lehnschulzen am stärksten. Diese Feststellung und die Zahlen untermauerten für die Landschaft die landesweite Einschätzung, dass die Setz- die Lehnschulzen großflächig abgelöst hatten. Daher so wenige Nennungen. Während sich diese Frage klären ließ, blieb eine andere offen. Warum notierte das Dorfregister Uckerland lediglich zwei Gerichte (Güstow und Klockow im Uckerland, ein Ortsteil von Schönfeld [Uckermark]) sowie einen Wagendienst (Güstow)?[LB 239][380][381][32][LB 240][LB 241][219][221][LB 242]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landbuch erwähnte vor allem öffentliche Ämter, die mit der landesherrlichen Finanzverwaltung zusammenhingen. Sie gliederte sich in mehrere Ebenen. Idealerweise stellte sich die Situation wie folgt dar: Die Lokalverwaltung trieb die grundherrlichen Einkünfte ein, darunter fielen die aus den Wäldern und Gewässern. Die Landvögte (advocatἱ) oder Landeshauptmänner ernannten das entsprechende Personal (Landreiter, Schulzen, Wasservögte) und übten die Kontrolle aus. Spezialisierte Amtsleute (Mühlenmeister, Münzmeister, Zöllner) waren für die Regalien zuständig. Ihre Abrechnung und Kontrolle war unmittelbar beim Markgrafen und seinem engsten Umfeld angesiedelt. Die gerichtsherrlichen Einkünfte verwalteten die jeweiligen vorsitzenden Richter (Schulzen, Vögte). Infolge der Weggabe der Lasten durch den Landesherrn und der Patrimonialisierung der Gerichtsbarkeit wurde die Struktur der Finanzverwaltung zunehmend unübersichtlicher, und sie ging teilweise in die Hände Dritter über.[LB 9][LB 7][27][37]

  • Den Hegemeister (forestarius) oder Heidereiter führte der Abschnitt 7.3 Holzverkäufe auf. Er beschrieb die Einnahmen aus der Veräußerung von Holz als unbestimmt und langfristig angelegt. Der Holzhandel zählte zu den wichtigen märkischen Wirtschaftszweigen. Der später auch Förster genannte Amtsträger realisierte zudem verschiedene grundherrliche, mit den Heiden, Wäldern, Weiden und Wiesen verbundene Abgaben (Heidehafer, Heu-, Schweine- und Weidepfennig, Holz-, Honig- und Wachszins sowie aus den Jagdrechten). Zu seinen weiteren Aufgaben zählten der Schutz vor Übergriffen durch Nachbarn, Feuer und Verwüstung, die Wildhege sowie die Wahrung des Wildbanns. Das Amt des Holzschreibers, zuständig für das Register über Holzbestand, Einschläge und Zahlungen, existierte womöglich bereits ebenfalls.[LB 243][LB 9][51][27]
Die Jäger des Landbuchs wohnten um die und in der Schorfheide[LB 244]
Siehe auch: Förster, Kapitel Waldwirtschaft und Weitere grundherrliche Abgaben

  • Der Jäger (venator) belieferte die Tafel des Landesherrn mit Wildbret. Noch Albrecht Achilles, Kurfürst von Brandenburg (1471–1486) betrachtete dies als Hauptaufgabe der Finanzverwaltung. Die Waidmänner aus Golzow bei Eberswalde (Ortsteil von Chorin) hoben die Geld- (precaria denariorus) und Getreidebede (precaria annone). Im etwas weiter südwestlich gelegenen Schöpfurth trugen die sechs Jäger den Namen Schiffswart (scepwarde).[27][LB 9][LB 245][151][LB 120]
Siehe auch: Jäger und Kapitel Hundekorn

  • Das Amt des Landreiters (equitator terre) bildete sich in der Zeit der Wittelsbacher heraus. Jedes Territorium gliederte sich in mehrere Landreitereien (equitaturæ). Die landesherrlichen Exekutivorgane ritten durchs Land und trieben direkt vor der Haustür die Abgaben ein. Diese deckten u. a. ihre Kosten. Außerdem verzeichnete das Landbuch die Übertragung von Hebungen, so in Riewend über 1 Viertel Roggen pro Hufe. Die Landreiter übten neben Finanz- auch Polizeifunktionen aus.[382][LB 9][27][LB 246]

Siehe auch: Münzmeister und Kapitel Münzregal

Siehe auch: Kapitel Niederadel (Stand)
Johannes Buchholz und Nikolai Schluden teilten sich das Patronat über die Dorfkirche Hämerten. Die St.-Johannes-Kirche wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet.[LB 248][384][385]

  • Das Patronat (ius patronatus) wurde mit der Stiftung einer geistlichen Institution, z. B. einer Dorfkirche, erworben. Es umfasste eine Ansammlung von Rechten und Pflichten, darunter ein erhebliches Mitbestimmungsrecht über die Einkünfte, ein verbindliches Vorschlagsrecht für die Besetzung der Einrichtung, Ehrenrechte (u. a. Anbringen von Wappen, herausgehobener Platz bei Prozessionen), die Kirchenbaulast sowie weiteres. Für den Gründungsakt der Dörfer und Städte wurden kaum Urkunden überliefert. Daher ließ sich nicht mit Sicherheit sagen, wem anfangs das Patronat gehörte. In Frage kamen in erster Linie die jeweiligen Ortsgründer oder Eigenkirchenherren, also z. B. der Landesherr.[239][LB 9][78][386][387][388][LB 27]
Die Mitbestimmung über die Einnahmen (Hebungen, Kirchenzehnt und Scheffelkorn sowie aus Liegenschaften und Stiftungen) machte das Patronat attraktiv. Daher vergab es der Markgraf wie andere Rechte als Lehen, beispielsweise in Lünow. Mitunter waren dem Patronatsherrn direkt Einkünfte zugewiesen. So erhielt er in Stegelitz in der Altmark Zahlungen aus 3 Wiesen über 9 Brandenburgische Pfennig. Von einem Hof bekam der Patron aus dem benachbarten LüderitzSchilling und 1 Huhn. Durch die teilweise Übernahme der Baukosten stellte es zugleich eine finanzielle Belastung dar. Im Spätmittelalter lag das Patronat bei einem Bischof, einem Domkapitel oder einer anderen geistlichen Institution, dem Markgrafen, einer Stadt, einer Adels- oder einer Bürgerfamilie. Das „Formular“ zur Datenerhebung in den Dörfern enthielt keine entsprechende Frage. Trotzdem tauchte diese Information gelegentlich im Landbuch auf, z. B. in Wegendorf, ebenso in einigen Städten, u. a. in Nauen. Wurde es in einer Ortschaft erwähnt, lagen Patronat und Gerichtsbarkeit meist in einer Hand.[239][389][LB 15][LB 249][LB 250][244][LB 27][LB 251][LB 252]

  • Der Schöffe sprach an einem Gericht unter Vorsitz von Schultheiß oder Vogt Recht. In den Dörfern wies die Mediävistik dieses Amt zumeist den Vollbauern zu. Prinzipiell konnte es aber jedes Gemeindemitglied bekleiden, also auch ein Kossäte. Die Schöffenwahl lief üblicherweise mündlich ab, entsprechend wenig Einzelheiten wurden überliefert. Daher musste offen bleiben, wie die Realität in den Dörfern mit Hufenland aussah. Zwei Sonderfälle bezeugten, dass die o. g. Verallgemeinerung keinesfalls zutreffen konnte. Zum Einen lebten in Ortschaften, die (fast) ausschließlich aus Ritterhöfen bestanden, keine Vollbauern. Zum Anderen führte in den unverhuften Dörfern kein Weg an den Kossäten vorbei. Die gleichfalls hufenlosen Kietze waren ebenfalls in die Gerichtsverfassung eingebunden. In den Städten vereinte ein Ratsmann mitunter den Sitz im Stadtrat mit dem Beisitz am Gericht.[187][221][200][189][390][33][80][75][297][265]

Als Landschöffen (scabini terre, mittelniederdeutsch lantschepen) an den Landgerichten wirkten nur gut begüterte Vollbauern. Dort richteten sie auch über Adelige, eine Besonderheit der Mark Brandenburg. In Prenzlau[Anm. 6] bestand eins der beiden uckerländischen Landgerichte. Rund um die Stadt zählte das Landbuch acht Landschöffen auf, darunter Peter Loywe in Grenz (Ortsteil von Randowtal). Am Schöffen-Altar (altare scabinorum) in Pasewalk wurde für das Seelenheil verstorbener Amtsträger gebetet.[187][LB 9][201][LB 253][LB 254][391]

Siehe auch: Kapitel Fischereiwirtschaft und Wasserzins

  • Der Zöllner (theolonarius) erhob die Zollabgaben seiner Zollstätte, warf das Geld in die Zollkiste, verbuchte die Einnahmen im Zollregister und verrechnete sie regelmäßig mit dem Markgrafen, dessen Räten oder einem sonstigen Zollherrn. Die reichsrechtlich vorgeschriebene Instandhaltung der Verkehrseinrichtungen gehörte vielleicht ebenfalls zu seinem Arbeitsbereich. Er benötigte aufgrund der komplizierten und bis ins 14. Jahrhundert auf Lateinisch verfassten Zolltarife gute Lese- und Schreibkenntnisse, stammte daher bevorzugt aus dem Klerus. Die mehreren Zolltypen und die Vielzahl der über das Land verteilten Zollhäuser führten zu einem großen Personalbedarf. Den Vorsteher einer landesherrlichen Zollstätte ernannte in der Regel direkt der Markgraf. Bei der im Landbuch vermerkten Bestallung in Schnackenburg übernahm Karl IV. als Regent diese Aufgabe. Die Einzelheiten (Entlohnung, Anstellungsdauer) regelte ein Dienstvertrag. Die Vögte unterstützten die Zöllner bei ihrer Tätigkeit, was mitunter sogar bei Verpfändungen galt. Laut Hans Spangenberg durften sie nicht unmittelbar in die Zollverwaltung eingreifen. Zumindest in einem Fall, bei der Ernennung Friedrichs von Alvensleben zum Landeshauptmann der Altmark anno 1399 gelangte die Zuständigkeit für das Zollregal jedoch an die Regionalverwaltung.[393][27][LB 41][12]
Siehe auch: Zöllner und Kapitel Zollregal

Wirtschaft und Technik [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumspark Rüdersdorf, ein Rumford-Ofen, Anfang 19. Jahr­hundert[394]

Der Bergbau blieb während des Mittelalters in der Mark Brandenburg relativ unbedeutend. Es gab keine gewinn- und prestigeträchtigen Silberminen wie im Harz oder Erzgebirge. Trotzdem brachte die heimische Montanwirtschaft ein gewisses Gewicht auf die Waage:[395][343][396][397]

Das Dorfregister von Gandenitz verzeichnete einen Kaltbrake, Kalebrake. Laut Lieselott Enders war stattdessen Kalcbrake für Kalkbruch zu lesen. Aus späteren Jahren lagen weitere urkundliche Belege für einen Kalkbruch (1416), Kalkbrechrecht (1445) und Kalköfen (nach 1618, 1650). Die Abgabenhöhe von 1 Pfund (= 240 Pfennig) sprach für einen kleinen Abbau. Diese Einschätzung stützten die vom ausgehenden 14. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert stabilen Preise für Kalk in Berlin-Cölln. Anno 1398 kostete 1 Scheffel Löschkalk für einen Einheimischen 4 Pfennig und einen Auswärtigen 6 Pfennig. Zu berücksichtigen waren der Unterschied zwischen Ertrag und Abgabe, die Transportkosten sowie die Wertsteigerung durch die Verarbeitung.[LB 256][HOL 30][LB 47][401]

Der Rüdersdorfer Kalkstein (siehe auch Absatz Kalksteinbruch Rüdersdorf [Bergregal]) wurde seit der Eisenzeit abgebaut. Um 1230 erhielt das im Erzstift Magdeburg gelegene Kloster Zinna auf dem Barnim umfangreichen Besitz, darunter Rüdersdorf und die Steinbrüche. Einzelne Schichten eigneten sich als Werkstein, sonst gelangten sie in den Technischen Kalkkreislauf. Die Zisterzienser betrieben den Abbau nicht selbst, sondern vergaben Nutzungsrechte daran. Die Dimension schätzten Kunsthistoriker als sporadisch, Wirtschaftshistoriker als einträglich ein. Bei einem anderen Punkt korrespondierten beide Einzelwissenschaften. Die festgestellte späte mittelalterliche Verwendung an insgesamt 22 Dorfkirchen stimmte mit dem vermuteten Bedeutungsanstieg überein. Mangels Schriftquellen diente die Verlegung des Wirtschafts- und Verwaltungszentrums von Kagel nach Rüdersdorf dafür als Indiz. Das Dorfregister Barnim erwähnte 1375 diesen 6 Hufen großen Hof des Klosters sowie den Kalkberg.[402][403][398][163][404][LB 257]

Weitere montane Aktivitäten fanden keinen Eingang ins Amtsbuch: Lehmkuhlen und Tonstiche, Salinen und die Sandsteinbrüche von Seehausen bei Magdeburg.[405][XM 27][406][407][398][408]

Siehe auch: Kapitel Bergregal

Fischereiwirtschaft [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allein für den Aalfang (alrep) hatten die Fischer im Flecken namens Pots­dam pro Kahn (cymba) 1 Pfund Pfeffer und als Genossenschaft (universum) 6 Schilling abzuführen. Dazu kamen weitere Wasserzinsen, hier und im benachbarten Kietz.[LB 180][LB 179]

Die Fischerei (piscacio, piscatura) besaß in der Mark Brandenburg wegen des immensen Fischreichtums der heimischen Gewässer (aquæ) eine höhere wirtschaftliche Bedeutung. Die Schriftquellen erwähnten immer wieder rund zwei dutzend Fischarten, darunter Barbe, Lachs, Schlammpeitzger und Zander. Der Fang wurde mittels Einsalzen, Räuchern und Trocknen haltbar gemacht oder lebendig verkauft. Was nicht als Speisefisch auf dem Teller landete, diente als Hühner- und Schweinefutter. Im großen Umfang wurden Flusskrebse gefangen. Archäologische Funde zeigten, dass die Fischerei in zwei Hauptformen betrieben wurde:[42][LB 9][409][410][411]

  • Bei der Großfischerei (piscacio maior, magna piscatura) kamen Kähne zum Einsatz. Zwei spitzwinklig zueinander fahrende Boote sowie Garnknechte zogen das Fischernetz oder ein Boot schleppte das mit Steinen beschwerte Netz. An großen Zug- und Schleppnetzen wurden die Wade und Zeise erwähnt. Das Flock (urkundlich im Raum Havelberg-Rathenow) war ein Grundschleppnetz. Im ausgehenden Mittelalter verbreitete sich die Zuhre. Das sackförmige Netz hielten Steine auf dem Grund sowie Binsen und Stroh im Wasser. Deshalb hieß es auch Strohgarn (Garn gleich Netz). Seine kleineren Ausmaße erleichterten die Handhabung auf schmalen Wasserläufen.[409][327]

  • Die Kleinfischerei (piscacio minor, minora piscatura, parva piscatura) arbeitete ohne Kähne. Gebräuchlich waren Angel und Reuse. Das Rapennetz wurde in Röhrichten und vom Hochwasser überspülten Wiesen eingesetzt. Zwei Stangen hielten es fest oder Strohwischen verhinderten bei frei ausgelegten Netzen das zu tiefe Absinken. Das Pulsen (Eintreiben der Fische ins Netz durch Schlagen auf das Wasser) erfolgte mittels Peetzen (Holzstangen mit flachen Schaufeln). Das Fischwehr, errichtet aus Steinen und Flechtwerk, ließ mehrere Einschlupflöcher übrig. Dahinter waren Netzsäcke angebracht. Das Landbuch verwies auf den endlichen Charakter der Bauten, sprach von aufgeschichteten und zerstörten Fischwehren.[409][LB 199]

Das Urbar bot keine Gesamtübersicht der märkischen Fischereiwirtschaft, aber zahlreiche Hinweise. Es nannte beispielsweise:[32][409][LB 15]

  • an Fischen (pisces) Aal (agwille, anguille, angwille), Hecht (luceus) und Neunaugen (novoculi),
  • an Fangmitteln Kahn (cimba, cymba), Wehr (obstaculum) bzw. Fischwehr (gurgustum), Fischer- (rete), Groß- (magnum rethe) und Schlepp- bzw. Zugnetz (sagena, tractio sagene, traho cum retἱ) sowie

Außer den Fischerdörfern, den Fischereigerechtsamen der Städte und Flecken, den in Eigenwirtschaft betriebenen Kloster- und Stiftsfischereien sowie den zahlreichen, verpachtbaren oder zur Allmende gehörenden Fischgewässern spielten die Kietze (vicἱ) eine Rolle beim Fischfang:[157][343][LB 42][32][BK 15][BK 20][LB 15][180][414]

Fischgewässer des Klosters Chorin im Landbuch[LB 210][BK 21][415][LB 259]
in Wäldern und Heiden bei Dörfern
Register Neuhochdeutsch Mittelniederdeutsch Register Neuhochdeutsch Mittellateinisch
weitere Güter des Klosters Chorin S. 156–157 Rosinsee Rossin, Rossyn Dorfregister von Chorin S. 157 Amtssee stagnum Corin, stagnum Coryn, damals ,Choriner See‘
Weißer See Vettesey, Wettesee Dorfregister Serwest S. 157 Serwester See stagnum Serwis, stagnum Serwys
nicht identifizierter See, eventuell Bachsee Batse, Bacsee Dorfregister Groß-Ziethen bei Angermünde (Ortsteil von Ziethen [Barnim]) S. 157 ein See Czyten magna… Stagnum est ibi.
Großer Heiliger See Heiligese Dorfregister Herzsprung bei Angermünde S. 158 ein See Hertzsprůnk… Stagnum est ibi.
Moospfuhl Mo̊sepul, Mosepul Dorfregister Paarstein S. 158 Parsteiner See Parsteyn… Est ibi stagnum.
Rohrpfuhl Rorpůl Dorfregister Brodowin S. 158 drei Seen Brodewin… 3 stagna sunt ibi.
Ragöse Rogose
Kaltes Wasser Coldewater

Die Fischer (piscatorēs) lebten mit Ausnahme der Burgen in jedem Siedlungstyp. Schwerpunkte bildeten die unverhuften Kietze und Fischerdörfer. Die Einwohner von Letzteren sortierten sich bei den Kossäten ein, da sie in der Regel Äcker und Weiden besaßen. Entsprechend hieß es: „Namis non sunt mansi. Cossati sunt 20,… Tota piscatura est monasterii.[LB 133] – In Nahmitz sind keine Hufen. Es sind 20 Kossäten,… Die gesamte Fischerei ist dem Kloster [Lehnin]. In den Agrardörfern zählte die Berufsgruppe ebenfalls zu dieser Schicht, ersichtlich in Altranft und Kagel. Briest bei Plaue galt, obwohl verhuft, als Fischerdorf. Dort gingen dem Gewerbe neben 4 Kossäten auch die Vollbauern nach. Die Abgabenhöhen verwiesen auf die Haupteinnahmequelle: 5,4833 Zählstücke aus den Hufen standen 8,6500 Zählstücke aus dem Wasserzins gegenüber. Sonst betätigten sich Vollbauern nebenher als Fischer, in Paretz besaß jeder von ihnen Gewässer. Die Städter nahmen ihr Privileg zur Deckung des Eigenbedarfs wohl nur noch selten wahr, gingen lieber auf den Markt. Die städtischen Berufsfischer standen ihren Kollegen aus den anderen Ortschaftstypen aber nicht nach. Beispielsweise Denen im Flecken Boitzenburg, von dort aus wurden die zahlreichen im Dorfregister aufgelisteten Seen bewirtschaftet.[153][LB 9][392][182][LB 210][LB 260][LB 261][416][LB 262][32][LB 263][343][LB 42][104]

Siehe auch: Kapitel Wasservogt und -zins

Handwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentren des Handwerks waren die Städte. Dort bot sich das notwendige Umfeld: wirtschaftsfreundliches Recht, andere zuliefernde Handwerker, ausreichend Kundschaft und weitere Absatzmärkte erschließende Kaufleute. Die Handwerker der Flecken belieferten nur ihre eigene Siedlung, das schloss eine räumlich angrenzende Burg, Kloster oder Stift mit ein. Die drei eben genannten Ortschaftstypen und die Kommenden unterhielten zudem eigene Betriebe. In den Dörfern gab es eng an die Landwirtschaft gebundene Gewerke. Das Gleiche galt für die Kietze bezüglich der Fischereiwirtschaft.[417][104][418][306][BK 22][419]

Über die in den Dörfern lebenden Stellmacher schwieg das Landbuch. Der Schmied (faber) erschien zumindest einmal in Klein Gartz. Dieser und weitere Handwerker traten in anderen Siedlungstypen sporadisch auf:[32][237][420][LB 160][LB 9]

  • der Zimmermann (carpentarius molend[ini], wörtlich ,Mühlenzimmermann‘) vom Mühlenhof Berlin musste mit 4 Schock Böhmischen Groschen auskommen, das waren umgerechnet 5 Zählstücke weniger als beim anderen Mühlenburschen, dem Schmied.[LB 226][422][423]

Der wichtigste Zweck des Urbars, insbesondere im Hauptteil 1 Übersicht der allgemeinen Einkünfte, lag bei der Erfassung landesherrlicher Rechte. Die Geschichte des märkischen Handwerks ließ sich mit ihm nicht schreiben. Es fehlten viele mit Wasser- und Windkraft angetriebene Betriebe wie Loherei, Poliererei, Sägewerk, Schleifkotte, Stampfe oder Walke. Unerwähnt blieben u. a. die Zünfte der Kürschner, Schuhflicker, Schuster, Lein- und Wollweber. Keinen Einblick gewährten die Kloster- und Stiftsanlagen. Fast nicht zur Sprache kamen die sozialen Strukturen usw.[XM 1][LB 1][LB 15][425][XM 29][XM 30][426][BK 23][336]

Für zwei Handwerke bot das Urbar ausführlichere Informationen. Die folgenden Unterkapitel nutzten die von ihm bereitgestellten sowie weitere Angaben:[LB 15][427][428]

Bierbrauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bierbrauen (braxare) unterlag ursprünglich keinen Restriktionen. Dies kam dem hohen mittelalterlichen Verbrauch an Bier (cervisia, servisia) entgegen. Das Getränk wurde auch anstelle Wassers zum Zubereiten von Speisen verwendet. Auf dem platten Lande brauten die Dörfler für den Eigenbedarf oft selbst. Wenn eine größere Nachfrage bestand, dann befriedigten sie die zahlreichen Krüge (tabernæ). Einige Städte schränkten in ihrem Umfeld ab dem 14. Jahrhundert die dörflichen Rechte ein. Beispielsweise erhielt Neustadt Brandenburg anno 1335 einen 3-Meilen-Bann. Dieser verbot im Umland das Malzen (braseum fecit) und Dörren (siccare), schrieb den dortigen Gaststätten den Ausschank Neustadt Brandenburger Biers vor.[429][430][164]

Innerhalb der Stadtmauern traten ebenfalls Veränderungen ein. Das Stadtbuch Berlin erklärte um 1400 das Brauen in den Buden (Hofstätten nicht vollberechtigter Einwohner) für illegal. Die Braugerechtsame einschließlich des Ausschanks stand im Reiheverfahren nur noch Häusern von Bürgern zu. Frühestens knappe 100 Jahre nach dem Landbuch überlieferten Schriftquellen weitere Punkte (u. a. Brauerzunft, Verengung der Rechte auf die Häuser reicher Bürger, vorgeschriebene Menge an Malz, dessen Schroten musste durch die Stadtmühle erfolgen). In den Kietzen konnte den Einwohnern der Reihe nach oder nur dem Krüger das Brauprivileg zustehen. Von den 1375 in der erweiterten Mark existierenden Klöstern, Kommenden und Stiften umfassten 18 nachweislich oder wahrscheinlich eine Brauerei, zumeist für den Eigenbedarf.[429][260][431][BK 22]

Das Malz (braseum) wurde nach dem Dörren geschrotet. Als Malzmühlen gab das Urbar die in Neustadt Brandenburg, die bei Klein Kienitz und den Mühlenhof Berlin an. Der nach dem Brauen verbleibende Treber diente als Schweinefutter. Geschmacklich süffiges Bier stellte im Mittelalter eine Rarität dar. Der Trunkenheit schrieben Quellen reichsweit vom 11. bis zum 16. Jahrhundert das Auslösen von Straftaten zu. Sie schilderten leichte und schwere Körperverletzung, Totschlag und andere Gewalttaten als alltägliche Erscheinungen auf dem platten Lande. Zu den tieferen Ursachen äußerten sie sich nicht.[86][LB 15][LB 247][LB 266][LB 226][432][433]

Siehe auch: Kapitel Krüge und Bierpfennig

Mühlen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielzählige, im Land­buch 297 kleine Mühlen ver­arbeit­eten bis ins 19. Jahr­hund­ert das Getreide zu Mehl und Schrot. Der Besuch beim Müller war Teil des All­tags, Walter Moras: Ver­schneite Mühle, etwa 1900.[421][434]

Die Mühle brachte im Vergleich zur Handdrehmühle eine erhebliche Produktivitätssteigerung. Der Begriff durchlief einen Bedeutungswandel. Zunächst stand er exklusiv für Wassermühlen, die Getreide mahlten, dann für alle Betriebe, deren Maschinerie Naturkräfte antrieben. In diesem Sinn gebrauchte ihn das Landbuch. Im deutschsprachigen Raum spezifizierte sich das Wort wieder, zuerst auf Rohstoffe zerkleinernde Betriebe, schließlich auf Mahl-, Schäl- und Ölmühlen. Je mehr davon ein mittelalterliches Gebiet aufwies, umso höher fielen dessen landwirtschaftliche Erträge aus. Das Urbar zeigte diese landschaftlichen Unterschiede auf. Seine Daten und weitere Quellen führten zu den Verhältnissen Ortschaften zu Mühlen. Sie betrugen im Havelland 7,2 : 1, in der Prignitz 6,5 : 1, in der Zauche rund 4 : 1, im Barnim 3,8 : 1 und im Uckerland 2,6 : 1. Die drei gesonderten Mühlen-Abschnitte unterstrichen ihre wirtschaftliche Bedeutung.[435][436][XM 31][425][LB 226][420][437][164][LB 211][LB 212][422]

Vierraden erhielt seinen Ortsnamen von einer 1259 als vierrädrig bezeichneten Mühle. Solche mehrere Mahlgänge umfassenden Betriebe gab es im 14. Jahrhundert bereits häufiger. Den hohen Bedarf an Mühlsteinen (molares) deckte nicht zuletzt das Elbsandsteingebirge. (Die Grenze zwischen Mark Meißen und Königreich Böhmen verlief damals weiter stromabwärts als heute zwischen Land Sachsen und Tschechien.) Zwar lagen manche Steinbrüche (Elbsandstein) weiter von der Elbe entfernt, dennoch drängte sie sich als Transportweg auf. Der Mühlenhof Berlin (siehe unten) veranschlagte für Mühlsteine zusammen mit Nutzholz und Talg jährlich 26 Schock an Böhmischen Groschen (= 9360 Pfennig = 39 Zählstücke). Das Holz wurde für den Bau und die stetig notwendigen Reparaturen benötigt.[438][439][440][441][LB 226][336]

Nach der Antriebsenergie unterschieden sich folgende Mühlentypen:[439]

  • Bei der Rossmühle zog ein Pferd den Göpel im Kreis. Sie war die gebräuchliche märkische Tiermühle. Da das Schroten von Malz einen eigenen Mahlgang erforderte, dienten manche diesem Zweck.[442][443]

der Mühlenstau, der mittels Mühlenwehr oder -damm entstand. Er erfüllte die gleichen Aufgaben wie ein Mühlenteich. Der ausgelöste Anstieg des Wasserspiegels barg Konfliktpotential. Entsprechendes überlieferte z. B. die Mühle bei Sellnow (Ortsteil von Marienwalde [Kreis Arnswalde]) spätestens im Jahr 1310. Der Mühlendamm wurde quer zur Strömungsrichtung eines Flusses aufgeschüttet. Er verband als Verkehrsweg beide Ufer, versperrte dadurch aber Schiffen und Flößen die Weiterfahrt. Die Fracht musste umgeladen oder zur Umgehung eine Flutrinne angelegt werden. Sascha Bütow arbeitete heraus, dass die Unterbrechungen durchaus gewollt waren (die jeweilige Stadt konnte so ihr Stapelrecht durchsetzen) sowie ohnehin Etappenziele darstellten (z. B. der bedeutende Warenumschlagplatz Fürstenwalde, hier wurde nicht zuletzt zwischen Wasser- und Landverkehr gewechselt).[439][336][BK 24][445][446]
In die Mark Brandenburg zog die Wassermühle mit der Deutschen Ostsiedlung ein, das 12. Jahrhundert führte sie als Innovation ein. Zunächst entstand ausschließlich dieser Mühlentyp, bedeutete eine urkundliche Erwähnung immer Wassermühle. Diese sprachliche Gleichsetzung galt im Landbuch (mit wenigen Ausnahmen) nach wie vor. Die ersten Betriebe wurden auf dem platten Lande an kleinen Gewässern errichtet. Die Verbindung Mühle – Stadt trat mit Verzögerung hinzu. Dafür führte Winfried Schich einen möglichen Grund an: anfängliche Probleme bei der Beherrschung großer Flüsse mit ihrem Nebeneinander von Energienutzung und Schifffahrt.[22][336][LB 9][439][LB 84][LB 180]

Eine Windmühle in Ketzür nannte bereits das Land­buch. Ihre Mühlen­abgabe betrug 3 Wispel Roggen. Die Bock­wind­mühle Ketzür steht unter Denk­mal­schutz.[LB 268][450]

Hierzulande verbreitete sich dieser Mühlentyp um 1300. Anno 1303 sprachen die Markgrafen dem Kloster Zinna[Anm. 2] um Treuenbrietzen einen 1-Meilen-Bann zu. Er verbot innerhalb des Umkreises die Errichtung einer Windmühle. Das deklarierte die Mittelalterforschung zur ersten schriftlichen Erwähnung. Anfangs fehlte ein lateinisches Wort. Als Notbehelf wurde dem für Wassermühle ein Nebensatz angehängt, der als Antrieb die Windkraft anführte. Das Dorfregister Uckerland verwendete für alle 7 solche Formulierungen. Für die übrigen 35 benutzte das Landbuch das neu gebildete Wort ventimola, ventimolum. Die Anzahl von insgesamt 42 zeigte, dass Windmühlen um 1375 bereits einen größeren Anteil des Getreides mahlten. Drehende Flügel waren inzwischen ein vertrauter Anblick. „Item ab antiquo fuit ibi ventimolum…[LB 269] – Außerdem ist dort von alters her eine Windmühle…, sagten die Leute in Ruhlsdorf im Hohen Teltow. Das mittelniederdeutsche Wort für Windmüller benannte einen Einwohner von Erxleben bei Osterburg. Dort lebte Hans Windmolner (Hans Vyntmolner, Hans Wintmolner).[22][458][459][439][460][LB 270][LB 213][LB 65][461]

Für nahezu alle Ortschaftstypen standen Mühlen bereit:[336][462]

Siehe auch: Kapitel Müller (Dorf)

  • Alt- und Neustadt Brandenburg erhielten vielleicht bereits bei Gründung letzterer am Ende des 12. Jahrhunderts ihre Mühlen. Die zweite Welle der märkischen Stadtgründungen (etwa 1220 bis 1320) lief planmäßig ab. Zur Standardausstattung gehörten eine oder mehrere Mühlen. Weitere Betriebe kamen hinzu, wenn von auswärtigen Landesherren angelegte Ortschaften nach Brandenburg eingegliedert wurden. Unter Heinrich I., Herzog von Schlesien bekam Frankfurt etwa 1225 zwei Mühlen am Klingefließ, einem Nebenbach der Oder. Weit über die Mark hinaus entstanden im Hochmittelalter unzählige Städte. Bei Vielen spielte die Mühlenwirtschaft von Beginn an eine wichtige Rolle und gelangte die Mühlengerechtsame später in die Hand des Stadtrats. Dennoch stand der Begriff Stadtmühle nicht zwangsläufig für städtischen Besitz. Das mehr Lücken als Informationen aufweisende Stadtregister verdeutlichte dies. Es erfasste anscheinend nur Betriebe, die bis dato oder vor kurzem dem Markgrafen gehörten. Mit der gleichen Intention gaben die Abschnitte 3 Mühlen und 5 Burgen einige für eine Stadt mahlende Betriebe an.[336][157][31][463][464][LB 274][LB 226][LB 152]

  • Eine Burgmühle mahlte für den Eigenbedarf der Burg und zugleich für die umliegenden Ortschaften. Letzteres verschaffte dem Eigentümer/Besitzer der Mühlengerechtsame Einnahmen und sortierte die in den Registern genannten Betriebe zusätzlich unter Dorf, Stadt oder Flecken ein (für Beides siehe Tabelle). Die Wassermühlen lagen naturgemäß meist abseits von eigentlicher Befestigungsanlage und Vorburg. Sie waren daher schwer zu schützen. Für die Windmühlen fand sich öfter ein Platz in direkter Nähe zur Burg oder sogar auf einem ihrer Gebäudeteile.[466][418][467][468][LB 276]
Burgmühlen im Landbuch[LB 276][418]
Burg Landschaft Register nach Energie Bemerkung
Gardelegen[HOL 38] Altmark S. 49, 34 Wassermühle wohl zugleich Stadtmühle
Salzwedel[469] Altmark S. 379 Wassermühle Molendinum in Soltowedel foris castrum…[LB 212] – Die Mühle in Salzwedel außerhalb der Burg… war wohl zugleich Stadtmühle. Ihre Hufenbede über 2 Pfund Brandenburgische Pfennig ging an Hermann und Arnd Molner, Bürger in Salzwedel. Von der Mühlenpacht flossen 7 Wispel an den Sankt-Katharina-Altar des Augustiner-Chorherren-Stiftes Salzwedel, 1 Wispel an einen anderen Altar ebendort und 1 Wispel an einen Altar der Sankt-Katharina-Kirche zu Neustadt Salzwedel.
Biesenthal im Barnim[HOL 39] Barnim S. 45, 152 Wassermühle Die Wehrmühle bei Biesenthal im Barnim, wohl zugleich Fleckenmühle, gehörte laut Landbuch dem dortigen Fleckenschulzen. Der an der Finow gelegene Betrieb brannte 1928 ab.[LB 197][470]
Potsdam Havelland S. 41 Windmühle wohl zugleich Fleckenmühle
Spandau Havelland S. 42 Wassermühle vom Mühlenhof Berlin (siehe unten) verwaltet, wohl zugleich Stadtmühle[LB 164]
Lenzen Prignitz S. 47, 34 Wassermühle wohl zugleich Stadtmühle
Trebbin Teltow S. 39, 34 Wassermühle wohl zugleich Fleckenmühle
Wendisch Wusterhausen[HOL 23] Teltow S. 104 Wassermühle Molendinum, quod dicitur Rudolffmol, desertum spectans ad castrum Wuster[huse].[LB 277] – Die wüste Wassermühle, die Rudolfsmühle genannt, gehört zur Burg [Wendisch] Wusterhausen. Sie war wohl zugleich Dorfmühle.
Saarmund Zauche S. 41, 34 Wassermühle Item molend[inum] ante castrum.[LB 185] – Außerdem die Wassermühle vor der Burg. Sie war wohl zugleich Fleckenmühle.
Gelegentlich bot die Sekundärliteratur mehr oder weniger eindeutige Hinweise. Sonst führten allein die Angaben im Landbuch zur Aufnahme in die obige Tabelle. Zur Mühle bei Klein Kienitz sagte das Urbar: sie „nichil spectat ad illud castrum[LB 266] – gehört nicht mehr zur dortigen Burg [Mittenwalde im Teltow].[HOL 38][469][HOL 39][HOL 23][LB 276][418]

Die Klostermühle Boitzen­burg gehörte zur Gründungs­ausstattung des Klosters. In ihrer heutigen Form entstand sie zwischen 1671 und dem Anfang des 20. Jahr­hunderts. Das voll funktions­fähige tech­nische Denkmal em­pfängt als Museum Besucher, Küche der Müller­wohnung.[BK 25][472]

  • Eine Kloster- oder Stiftmühle stand unmittelbar auf/neben der entsprechenden Anlage. Sie nahm das Landbuch nicht auf. Darüber hinaus betrieben die Kleriker außerhalb gelegene Mühlen in Eigenwirtschaft. Zum Kloster Arendsee hieß es: „Molendinum in Scrampe pertinet ad monasterium absolute; non habet inde pactum,…[LB 279] – Die Mühle in Schrampe gehört vollständig dem Kloster; [sie] haben davon keine Pacht,… Bei Anderen erfolgte hingegen eine Verpachtung oder ein anteiliger Erwerb der Mühlenabgabe.[306][427][336][LB 15][473][BK 26][BK 27]

Das Kloster Friedland besaß im Jahr 1300 die Mühle Lubeneke bei Wriezen. Diese Mühleneinzelsiedlung erwähnte das Landbuch nicht, dafür die bei Bliesdorf, außerdem 2 Betriebe für Altfriedland (siehe im Kapitel Bauerneinzelsiedlung), je 1 in Batzlow und Biesdorf bei Wriezen (Ortsteil von Wriezen). Insgesamt nahmen die Zisterzienserinnen 22 Wispel, 6 Scheffel Roggen ein, umgerechnet 22,25 Zählstücke.[BK 15][BK 16][LB 151][474]
  • Die eben genannte Mühleneinzelsiedlung bei Bliesdorf hieß Dornbuschmühle (molendinum, quod dicitur Dornepusch). Sie mahlte als Einzige im Niederoderbruch vom Mittelalter (Ersterwähnung 19. November 1300) bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Was die Angabe eines Mühlennamens bedeutete und andere Punkte, erläuterte das entsprechende obige Kapitel.[336][LB 217][474]
Siehe auch: Kapitel Mühleneinzelsiedlung

Ein sogenanntes Mühlenwerk (annexus molendini, wörtlich ‚Mühlenverbindung‘) fasste gleichartige oder verschiedene Mühlen und ggf. weitere Handwerksbetriebe organisatorisch zusammen. Solche Institutionen wurden u. a. für Bernau und Havelberg überliefert.[475][476]

  • Der Mühlenhof Berlin (annexus molendini in Berlin) verknüpfte sich eng mit den Anfängen und der weiteren Geschichte des berlinisch-cöllnischen Mühlenwesens. Die erste schriftliche Erwähnung einer Mühle in der Doppelstadt stammte von 1285. Die Markgrafen schenkten der Sankt-Peter-Kirche zu Cölln eine Hebung von 2 Scheffel Roggen in der Mühle auf der cöllnischen Seite. Die Formulierung der Urkunde setzte eine zweite Mühle voraus. 90 Jahre später floss der genannten Kirche laut Landbuch 1 Wispel Roggen zu.[476][477][478][LB 226]
Für die Landesherren barg der Mühlenhof eine erhebliche finanzielle Bedeutung. Das zeigte sich gut anno 1345. Ludwig I. weilte fast das ganze Jahr in der Mark. Er bestritt mittels ihm den Großteil seiner hiesigen Ausgaben. Zudem fiel der Posten „reisa versus Poloniam[422] – Reise nach Polen zur Hochzeit seines Sohns Ludwig II. mit Kunigunde von Polen an. Im Landbuch brachte der Mühlenhof Berlin die mit Abstand höchste markgräfliche Mühlenabgabe ein.[477]
Der Eigenname erschien erstmals 1354 unter Ludwig II. Der Wittelsbacher verpfändete Hebungen in „…beiden Molen zcu Berlyn, in der, die nehest by dem Molhofe lyt, und in der mitlersten uff dem Tamme…[479] – …beiden Mühlen zu Berlin, in der, die am nächsten bei dem Mühlenhof liegt, und in der mittleren auf dem [Mühlen-]Damm… an Bürger Berlin-Cöllns. Die Landesherren nutzten die Institution oft zur Absicherung von Krediten oder verpachteten sie. Durch die Lücken in der Überlieferung ließen sich nicht jeder Vorgang und alle Einzeleinheiten nachvollziehen. Die beheimatende Doppelstadt wurde 1363 der Pfandherr, war im Landbuch aber der Pachtherr (entsprach nicht der Verpachtung an einen Müller).[480][481][482][LB 280]
Wie bereits 1354 standen um 1375 auf dem Mühlendamm (Berlin) mindestens die Cöllnische, Mittel- und Berlinische Mühle. In Richtung Molkenmarkt kam der Wirtschaftshof hinzu. Die Spree abwärts bis zur Mündung und dann ein kurzes Stück die Havel aufwärts lag der Mühlendamm (Spandau). Die dortige Wassermühle wies der Abschnitt Burgregister Spandau ausdrücklich dem Mühlenhof Berlin zu. Diese Verbindung löste sich offenbar bald wieder. Ab dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts wandelte sich der Charakter zum Amt Mühlenhof.[476][483][LB 164][484][422]
Siehe auch: Amt Mühlenhof, Mühlendamm (Berlin) und in Tabelle Markgräfliche Hebungen aus Mühlen im Landbuch

Der Wüstungsprozess stoppte nicht vor den Mühlen. Ein Teilverlust betraf sie möglicherweise oder mitunter ausschließlich, eine Totalwüstung in jedem Fall. In Volgfelde wurden 18 von 32 Hufen nicht bestellt, aber die Mühle arbeitete weiterhin. Umgekehrt die Situation in Wutike, 14 von 19 Hufen und die Mühle waren nicht besetzt, in Jühnsdorf stand lediglich die Mühle leer. Für Buchholz bei Angermünde (Ortsteil von Chorin) erwähnte eine Urkunde 1333 eine Mühle, das Landbuch verzeichnete eine [volle] Wüstung. Der dortige Handwerksbetrieb gehörte dem Kloster Chorin. Bei ihm erlitt der Wirtschaftszweig einen erheblichen Einbruch. Die uckerländischen Zisterzienser hielten (außer der Klostermühle direkt neben der Klosteranlage) im Umland 12 Mühlen komplett und von 2 die anteilige Mühlenabgabe. Davon mahlten um 1375 bestenfalls 7, weit wahrscheinlicher 4 Mühlen.[184][LB 281][LB 282][LB 283][BK 14][LB 284][LB 285]

Insgesamt erfasste das Landbuch Kaiser Karls IV. im Uckerland 80 Mühlen. Davon standen 39 still (48,75 %), jetzt reichte 1 Mühle für rund 5 Ortschaften. Die Vorgänge betrafen die märkischen Landschaften in unterschiedlichem Grad, so in der Zauche 2 von 16 aufgelisteten Mühlen (12,50 %). Als Wüstungsursache gaben die Dorfregister in Giesensdorf und anderswo Armut (paupertas) an. Wie bei den Siedlungen dürften vielfältige, ineinandergreifende Gründe vorgelegen haben.[184][LB 286][LB 287][485]

Holzschnitt von Jost Amman: Molitor. Der Müller. In: Hartmann Schopper: Panoplia Omnivm Illiberalivm Mechanic­arvm Avt Seden­ta­ria­rum, Feyer­abend, Frank­furt (Main) 1568

Ohne kundiges Personal stellte eine Mühle lediglich eine Ansammlung von Holz, etwas Stein und Metall dar. Ein Höherrangiger reichte seine Bezahlung anteilig an die Untergebenen weiter:[486][487][488][489]

  • Ein Müller (molendinarius) im engeren Sinn war zugleich ein Handwerker in und ein Besitzer/Eigentümer von einer Mühle. Anders ausgedrückt, Müller bezeichnete eine Kombination aus Beruf und Inhaber. Sein Aufgabenspektrum reichte vom Mahlbetrieb über das Einziehen der Abgaben der Mahlgäste, ggf. die Personalführung bis zum Bau und der Instandhaltung der Mühlengebäude und -maschinerie. Wassermüller kümmerten sich außerdem um die Wasserbauanlagen (u. a. Säubern des Mühlengrabens, Ausbessern der Dämme, Reparatur der Brücke).[461][490][491][492][435]
Im Landbuch stand das mittellateinische Wort molendinarius für die zwei o. g. Bedeutungen sowie als Familienname. Ausschließlich dafür nutzten die Register das mittelniederdeutsche Pendant Molner. Dessen Unterformen dienten für alles Drei (Windmolner) oder nur als Nachname (Parnemolner). Selbstverständlich trug nicht jeder Müller diesen Namen, in Freienwalde an der Oder hieß er Slichting.[461][229][LB 288][LB 65][LB 289][LB 90]

  • Mühlenmeister lautete die Bezeichnung für den zuständigen Handwerker, wenn der Besitzer oder Eigentümer der Mühlengerechtsame sie in Eigenwirtschaft nutzte. Als Bezahlung erhielt er einen feststehenden Betrag oder einen Anteil der Einnahmen. Dafür verwaltete der Mühlenmeister eine oder mehrere Mühlen. In der Tätigkeit zeigte sich, anders als bei der Stellung, kein Unterschied zum Müller. Die Urkunden verwendeten nicht stets den zutreffenden Begriff.[58][493]
Beide standen in Sachen Schweinehaltung besser da als andere Landwirte. Sie konnten zusätzlich Flurkorn (unterwegs beim Transport zur Mühle verlorenes Getreide), Kleie, Steinmehl (zwischen Mühlsteinen, der sie umschließenden Mahlbütte oder in Mehlrinne verbliebenes Mehl) und Treber (hier bei Öl- und Malzmühlen) an die Tiere verfüttern.[494][495][496][497][86]
  • Der Mühlenhelfer leitete als Besonderheit des Mühlenhofs Berlin (siehe oben) jeweils eine der zugehörigen Mühlen.[498]

  • Der Mühlenbursche unterstand unmittelbar dem Mühlenleiter. Er vertrat diesen bei Abwesenheit und besorgte den technischen Betrieb (besonders Überwachen des Mahlgangs, Aufarbeiten des Mühlsteins, Ausbessern des Getriebes). Aufgrund des Arbeitsfelds halfen Kenntnisse in einem zweiten Gewerk. Beim Mühlenschmied und -zimmermann des Mühlenhofs Berlin war dies ausdrücklich der Fall. Bei mehr als einem Mühlenburschen etablierten sie eine interne Hierarchie. Auf den ersten unter ihnen, den Mühlenknappen (vergleichbar dem Altgesellen im zünftigen Handwerk), folgten die untergeordneten Mühlenknechte. In der Praxis waren die drei und weitere Begriffe austauschbar.[423][LB 226]

  • Der Mühlenschreiber, wiederum nur im Mühlenhof Berlin, führte die Bücher, erfasste u. a. das eingehende Getreide und die ausgehenden Produkte. An seine Seite trat ein Gegenschreiber, wenn der Markgraf Hebungen veräußerte.[500]

  • Der Wagenknecht bediente den Mühlenwagen. Er holte das Getreide bei den Kunden ab und lieferte es verarbeitet wieder an. Nicht jede Mühle unterhielt ein entsprechendes Gespann.[501][502]
  • Der Mühlenjunge besetzte die unterste hierarchische Stufe des Mühlenpersonals.[503]

Den Wortteil Mühle (mittelniederdeutsch (-)mol(e), (-)mo̊l(e), Molen-, -molle, Mollen-, (-)molne, -mul, -můl, mittellateinisch molendinum) enthielten relativ viele Landbuch-Ortsnamen, allein um die 41 Wassermühlen.[Anm. 7] Als Eigennamen galten selbst komplette Sätze: „Molendinum est ibi, quod dicitur Langhe Renne.[LB 90] – Dort ist eine Mühle, die Lange Rönne [Freienwalde an der Oder] genannt wird. Bei ihr folgte der Unklarheit der Kategorisierung des Ortschaftstyps (Teil einer Gruppensiedlung oder eine Einzelsiedlung) die ortsnamenskundliche Unsicherheit (Gebäudename oder Siedlungsname, ein Ortsname im engeren Sinn). Für viele der Anderen ließ sich ebenfalls keine Entscheidung treffen. Zweifelsfrei um Siedlungsnamen handelte es sich hingegen bei den 4 Dörfern. In Möllenbeck hieß es zum halben Namensgeber „Pactus de mola computatus est.[LB 290] – Die Pacht von der Wassermühle ist berechnet.[504][LB 15][325][HOL 40][HOL 24][315][161][505][LB 291]

Siehe auch: Kapitel Mühlenabgabe

Krüge [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Krüger war oft ein Kos­sä­te und be­trieb ne­ben­her et­was Land­wirt­schaft. Da­her be­glich der Krug in Hei­ners­dorf bei Ber­lin sei­ne Ab­ga­be zu­sam­men mit den an­de­ren Kos­sä­ten.[22][237][LB 292]

Der Krug (taberna) schenkte als Gaststätte nicht nur Bier (cervisia, servisia) aus, sondern besaß meist das Privileg zum Malzen (braseum fecit), Dörren (siccare) und Brauen (braxare). So mehrfach ausdrücklich im Landbuch erwähnt, u. a. in Stahnsdorf. Zur engeren Funktion kamen weitere – Beherbergung und Handel. Die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs entsprach einer ländlichen Form des Krämers (Einzelhändler). Eine gewisse Rolle im Fernhandel ergab sich aus der Lage an einer Fernhandels- oder -wasserstraße.[164][LB 9][LB 114][430][506][507]

Kreuzten sich wichtige Verkehrswege oder lag zwischen zwei Städten eine größere Strecke, dann begrüßten in einem Dorf mehrere Krüge die Kundschaft. In Ringenwalde im Uckerland waren es gleich Sechs. In der Zauche und im Teltow schenkte fast in jeder zweiten Ortschaft ein Krüger (tabernator) aus, im Barnim in über drei Vierteln und im Uckerland in über achtzig Prozent. Dies schloss zwei weitere Ortschaftstypen mit ein. Das Dorfregister von Stolzenhagen an der Oder gab für den gleichnamigen Kietz (siehe in Tabelle Kietze im Landbuch) eine Gaststätte an. Weitere entsprechende Belege bot die Frühe Neuzeit. Bei den Flecken erwähnte das Amtsbuch einzig in Saarmund mehrere Krüge.[420][LB 293][164][508][431][LB 200][LB 294][289]

Mit Hilfe der Krüge wurde die Verkehrsgeschichte erforscht. Reihten sie sich an einem Fluss, nutzte einst die Schifffahrt das Gewässer. Bei einer Handelsstraße gaben sie deren Streckenverlauf wieder. In beiden Fällen ermöglichten die Höhen der Krugabgaben Rückschlüsse auf ihre Bedeutungen. Innerhalb einer Ortschaft unterlag der Standort Veränderungen, in Rotberg fielen vom Verkaufserlös der KruggerechtsameSchilling an den Dorfschulzen. Beim seltenen Reiheschank wechselte das Privileg reihum von Gehöft zu Gehöft.[509][430][508][449][LB 295]

Siehe auch: Kapitel Bierbrauen und Krugabgabe

Waldwirtschaft [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Drömling nannte das Land­buch einen Wald. Keine Selbst­ver­ständ­lich­keit, denn während der Deut­schen Ost­sied­lung war die von Wäldern bedeckte Fläche stark zurück­gegangen. Das Drömling-Informations­zentrum Kämker­horst zeigt typische Ele­mente der Klein­land­schaft, hier einen Weide­stand.[LB 296][510]

Der Wald (nemora, nemus, silva) bedeckte ursprünglich fast die gesamte Mark Brandenburg. Ihn durchbrachen Fließ- und Stillgewässer, Moore und Sümpfe, Dünen, Oser und Trockenrasen. Die Jungsteinzeit erlebte die Agrarische Revolution. Seitdem wurden die Eichen-, Buchen-, Misch- und Kiefernwälder zurückgedrängt. Die Menschen rodeten sie für Felder, Weiden und Siedlungen. In germanischer und slawischer Zeit erweiterten sich die Siedlungskammern. Zwischen 1130 und 1330 gestaltete die Deutsche Ostsiedlung die Mark um. Der Landesausbau führte zum stärksten menschengemachten Rückgang des heimischen Waldbestands aller Zeiten. Von da an blieb die Kulturlandschaft bis zur Industriellen Revolution weitgehend unverändert. Allerdings riss der großflächige menschliche Einfluss nicht ab. Ein Beispiel waren die Effekte der spätmittelalterlichen Agrarkrise. Diese Zeit wirkte sich in Landschaftstypen mit geringer ackerbaulicher Eignung stark aus. Zahlreiche Dörfer fielen voll oder teilweise wüst. Auf ihren Gemarkungen wuchsen oft wieder Bäume heran.[511][512][513][402][514][515][516]

Im Mittelalter stellte der vielfältig genutzte Wald einen enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Er brachte Nahrungsmittel (Wildfrüchte, Pilze, Vogelfang, Jagd) auf den Tisch, diente als Weide, lieferte Nutzholz (lignum, lignus) und weitere Produkte. Bei zu starker Inanspruchnahme entstand eine lichte, baumarme bis -lose Heide (merica). Der Zusammenhang war den Menschen bewusst. Zu Ladeburg bei Bernau gehörte die Insel Liepnitz (auch gleichnamige Wüstung aufgeführt), der eine Teil war Heide, auf dem anderen wuchs das Holz nach. Deutlicher als das Landbuch beklagten andere Schriftquellen des 14. Jahrhunderts den Raubbau am Wald.[517][LB 9][518][519][LB 297][LB 298][HOL 41]

Siehe auch: Kapitel Wildfrucht (Slawen)

Siehe auch: Hutewald und Kapitel Weitere grundherrliche Abgaben

Siehe auch: Holzwirtschaft und Kapitel Weitere grundherrliche Abgaben

Zusammen mit weiteren Schriftquellen wies das Landbuch Kaiser Karls IV. die Zeidelwirtschaft nahezu flächendeckend in der Mark Brandenburg nach. Der Hauptabschnitt 4.2 Wälder fasste die landesherrlichen Erträge an Honig und Wachs zusammen. Neben diesen beiden Produkten nannte das Urbar an einer Stelle – im Dorfregister Schmöckwitz – Bienen (apes) und Beuten (mittelniederdeutsch buten) in den Heiden des Markgrafen und der Stadt Köpenick. Der Nebenabschnitt 2.1 Urbede über Oder verortete in Kallies eine Zeidelweide (mittelniederdeutsch szidelworde, Grundwort hier nicht Wörde, sondern im Sinn von Grund und Boden, Rechtsraum eines Landstücks).[149][523][144][LB 61][LB 301][LB 302][524]
Siehe auch: Zeidlerei, Kapitel Honig- und Wachszins

Lasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria wurde an mehreren Marien­festen gedacht, Marienretabel im Dom zu Brandenburg[525]

Die Lasten (oneræ) gliederten sich grundsätzlich nach zwei verschiedenen Aspekten:

Die Regalien stellten die Rechtsgrundlagen für viele der Lasten dar. Die wirtschaftliche Nutzbarkeit spielte bei den Hoheitsrechten eine wesentliche Rolle, definierte sie aber nicht in Gänze. Die Verwaltung und pflegliche Behandlung der Rechtsobjekte, die Förderung des Staatswohls und der Wirtschaft gehörten ebenfalls zu ihrem Wesen. Beispielsweise dienten das Forst- und Jagdregal der Bewahrung der Wälder, forderte das Münzregal einen Schutz vor Münzverschlechterung, förderte die Gewährung von Zollbefreiungen den Handel.[527][528][XM 35][529]

Dem Amt des Markgrafen von Brandenburg wohnte eine Sonderstellung inne. Anno 1134 erhielt Albrecht der Bär die Belehnung mit der Nordmark. Keine Schriftquelle berichtete, welche Vorrechte der Markgraf dabei erhielt. Er und seine Nachfolger gebrauchten die Regalien von Beginn an. Eine Übertragung seitens des Königs ließ sich nicht ermitteln. Erst die Goldene Bulle von 1356 bestätigte ihm als Kurfürsten einige der Privilegien (Berg-, Juden-, Münz-, Salz- und Zollregal). In anderen Reichsterritorien übten Beauftragte des Königs dessen Regalität aus. Hierzulande waren die Burggrafen von Brandenburg wohl Anfang des 13. Jahrhunderts verschwunden und mit ihnen das Reichsamt.[528][XM 35][530][531]

Die Verwendung und Kombination der obigen Begriffe ergab die in den Unterkapiteln vorgenommene Auffächerung, auch Mischformen kamen vor. Der Charakter einer Last unterlag Wandlungen, so konnte aus einer öffentlich-rechtlichen eine grundherrliche werden. Zudem unterschieden sich die Rechte eines Grund- von denen eines Pacht- oder Pfandherrn. Die markgräflichen Amtsleute bemühten sich die ihrem Landesherrn zustehenden Lasten möglichst lückenlos zu erfassen, bei den Rechten Dritter gingen sie weniger sorgfältig vor. Die Gründungsurkunde von Rixdorf aus dem Jahr 1360 ermöglichte einen direkten Vergleich. Dies zeigte, ins Landbuch floss nur ein Teil der Abgaben und Dienste ein. Die Rechte an ihnen waren stark zersplittert, dennoch häufig in einer Hand vereint. Die Herrschaft über einen Komplex von Dörfern trat nur selten auf, wenn dann bei einigen Schlossgesessenen, großen Klöstern oder Stiften.[22][27][532][533][80][LB 303][103][BK 28]

Die Abgaben setzten sich aus Geld und/oder Naturalien zusammen. Letztere bestanden vor allem aus Getreide (annona, bladum), dabei hauptsächlich Roggen (siliginis, siligo), Gerste (ordeum) und Hafer (avena), seltener Weizen (triticum). Daneben kamen weitere landwirtschaftliche Produkte wie Eier (ova), Hopfen (humulus), Hühner (pullἱ) oder Mohn (papaver) vor. Die zahlreichen Hoch- und Heiligenfeste terminierten die Zahlungen. Im Kietz Köpenick verteilten sich die 15 Pfennig pro Haus und Jahr auf fünf verschiedene Tage. Die Angabe der Anzahl der Termine (terminἱ) anstatt der Kirchenfeste beschränkte sich auf sechs altmärkische Dorfregister. Meist wurde gänzlich auf eine Spezifizierung verzichtet. Die Bauern kannten die Fälligkeiten und anderen Rechtsverhältnisse, fungierten in einer schriftarmen Zeit als eine Art lebendige Datenbank. Diese Form der Informationsweitergabe hatte ihre Grenzen. In Hönow hieß es, dass Hebungen bereits zu Zeiten erworben wurden, die im Gedächtnis der Menschen nicht mehr erschienen.[LB 304][42][LB 9][534][LB 132][LB 305][LB 306][535][LB 72]

Kirchenfeste im Landbuch[LB 15]
Datum Name Ref.
6. Januar Epiphanie
(festum Epyphanie)
[536]
2. Februar Mariä Reinigung
(festum Purificationis)
[537]
3. Vorfastensonntag
(beweglich)
Estomihi
(Carnisprivium)[Anm. 8]
[538]
[539]
1. Tag der Fastenzeit
(beweglich)
Aschermittwoch
(Cinerum)
[540]
[XM 36]
4. Fastensonntag
(beweglich)
Lätare
(Letare)
[541]
[542]
5. Fastensamstag
(beweglich)
Samstag nach Lätare
(sabbatus Sitientis)
[LB 307]
[543]
5. Fastensonntag
(beweglich)
Passionssonntag
(dominica Judica)
[544]
[545]
6. Fastensonntag
(beweglich)
Palmsonntag
(Palmarum)
[546]
[547]
Samstag vor Ostersonntag
(beweglich)
Karsamstag
(vigilia Pasche)
[525]
[548]
1. Sonntag nach Frühlingsvollmond
(bewegliches Osterdatum)
Ostersonntag
(Pascha)
[548]
[549]
1. Mai Walpurgistag
(festum Walburgis)
[550]
49. Tag nach Ostersonntag
(beweglich)
Pfingsten
(festum Penthecoste)
[551]
[XM 37]
Datum Name Ref.
Sonntag nach Pfingsten
(beweglich)
Trinitatis
(festum Trinitatis)
[552]
15. Juni Veitstag
(festum Viti)
[XM 38]
24. Juni Johannistag
(festum Johannis, festum Johannis baptiste)
[534]
15. August Mariä Himmelfahrt
(festum assumptionis Marie)
[553]
8. September Mariä Geburt
(festum nativitatis Marie)
[554]
29. September Michaelstag
(festum Michaelis, festum sancti Michaelis)
[XM 39]
18. Oktober Lukastag
(festum Luce)
[555]
11. November Martinstag
(festum Martini, festum beati Martini)
[556]
30. November Andreastag
(festum Andree)
[XM 40]
6. Dezember Nikolaustag
([festum] Nicolai)
[XM 41]
8. Dezember Mariä unbefleckte Empfängnis
(festum concepcionis Marie)
[557]
[525]
24. Dezember Weihnachten
(vigilia nativitatis Christi)
[525]
[558]

Mit Hilfe von Schlüsselterminen (claves terminorum) als Ankerdatum ließen sich die Daten der beweglichen Kirchenfeste des ersten Halbjahrs ermitteln. Zu dem festen Kalendertag wurde eine veränderliche, einer Ordnung folgende Anzahl von Tagen hinzugezählt, um auf den gesuchten Festtag zu kommen. Zunächst musste herausgefunden werden, um das wievielte Jahr des Mondzirkels es sich handelte. Diese Goldene Zahl verknüpfte sich mit der aus einer Tabelle abzulesenden Anzahl der zu addierenden Tage. Der Schlüsseltermin erhielt jeweils seinen Namen nach dem damit berechenbaren Festtag. Der im Landbuch verwendete Schlüsseltermin Circumdederunt (terminus Circumdederunt) fiel auf den 7. Januar. Er diente der Bestimmung von Circumdederunt oder Septuagesimä, des 1. Vorfastensonntags bzw. 9. Sonntags vor dem Ostersonntag.[559][LB 137][560]

Grundherrliche Abgaben [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung und Entwicklung der Mark Brandenburg war ein komplizierter Prozess. Für die Rechtsverhältnisse an den Grundstücken galt das in noch stärkerem Ausmaß. Eines ließ sich mit Sicherheit sagen: oberster Grundherr der Mark war der Markgraf, daraus leitete sich das Recht ab grundherrliche Abgaben (mittelniederdeutsch plegen) zu heben. Den verbliebenen markgräflichen Anteil inklusive Pertinenzien der Burgen gab das Landbuch mit 148 [Schock] Böhmischen Groschen an. Die Bescheidenheit des Betrags verursachten die weit fortgeschrittene Übertragung der Rechte an Dritte, die relativ geringe Wirtschaftskraft sowie die spätmittelalterliche Agrarkrise. Die Feudalabgaben waren in der Regel nicht personenbezogen, sondern lagen als dingliche Last auf dem Grund und Boden. Als Berechnungsgrundlage diente meist die Hufe (mansus).[561][27][562][LB 16][103][69]

Hauptsächliche grundherrliche Abgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roggen war die Haupt­ge­treide­gat­tung der Mark. Das Korn ging als „Ber­liner Rog­gen“ (siligo, que dicitur de Berlyn) in den Fern­handel. Das Land­buch doku­men­tierte den An­bau von Wei­zen. So zeigte es, dass der Ruf Bran­den­burgs als „Streu­sand­büchse des Hei­ligen Rö­mischen Reiches“ nur teil­weise zu­traf.[42][563][564][511]

In den Dörfern dominierte unter den Wirtschaftszweigen der Acker- und dabei besonders der Getreidebau. Das prägte die hauptsächlichen grundherrlichen Abgaben:[565][566]

Die Vollbauern entrichteten für ihre unfreien Hufen (mansi censuales, mansi pactuales, mansi rusticales) Feudalabgaben, in erster Linie Hufenpacht, -zins und -bede. Nur wenige Schriftquellen ermöglichten Aussagen zur Gesamthöhe. Sie entsprach anscheinend häufig einem Drittel des landwirtschaftlichen Ertrags. Übernahm ein Vollbauer einen wüsten Hof zu Erbpachtrecht, erhielt er eine zeitlich begrenzte Abgabenbefreiung. Anders lag die Situation bei den Höfen von Lehnschulzen, Lehn- und Freibauern. Die ihnen gewährten Abgabenermäßigungen oder -freiheiten blieben zeitlich unbeschränkt.[42][LB 9][567][568][187][222][206]

Die Kossäten leisteten für die Kossätenwörden und ggf. -hufen Abgaben. Sie wurden bei der Übernahme eines wüsten Kossätenhofs zeitlich befristet erlassen. Ihre Hebungen (inklusive weiterer grundherrlicher Abgaben) summierten sich in der Altmark auf rund 51,50 und in der Zauche auf 22,71 Zählstücke.[LB 143][LB 25][35][LB 125][569][568][175][570]

Beide bäuerlichen Schichten betrafen Überlandabgabe und Zehnt. Die Kirch-, Pfarr- (dos, mansi dotali, mansi plebani) und Ritterhufen (mansi liberi, mansi ad curiam) unterlagen keinen Abgaben, wobei es davon Ausnahmen gab.[36][39][LB 13][LB 9][XM 42][33]

  • Die Hufenpacht (pactus) hatte ihren Ursprung im Zehnt. Dieser fiel anfangs zu zwei Dritteln an den Bischof – der Bischofzehnt – und zu einem Drittel an den Pfarrer – der Pfarrzehnt. Der Anteil von Ersterem ging, verstärkt im 13. Jahrhundert, oft in grundherrliche Hände über. Die Markgrafen versuchten mit unterschiedlichem Erfolg diese Einkommensquelle an sich zu bringen, dokumentiert für die sogenannten neuen Lande. Anno 1210 gab Albrecht II., Markgraf von Brandenburg (1205–1220) zunächst an ein Drittel einer Stiftskirche zu überlassen, die direkt dem Papst unterstehen sollte. Letztlich behielt er den ganzen Zehnten ein. Erst unter seinen Nachfolgern brach der Brandenburger Zehntstreit aus. Im Jahr 1237 schlossen Johann I., Markgraf von Brandenburg (1220–1266) und Otto III., Markgraf von Brandenburg (1220–1267) einen Vergleich mit Gernand, Bischof von Brandenburg (1222–1241). Neben anderen Vereinbarungen behielten die Askanier das Nutzungsrecht am Zehnten. Der Vertrag galt nur für das Bistum Brandenburg, nicht für die anderen märkischen Bistümer. Zudem enthielt er die Klausel „außer den Zehnten der Brandenburgischen Kirche und der anderen Kloster- und Pfarrkirchen desselben Bistums, welche sie rechtmäßig bis jetzt besessen haben.“[571] Den Markgrafen gelang es nie vollständig und landesweit diese Abgabe an sich zu bringen.[388][LB 9][22][XM 42][572][573][XM 43]
Wie die verschiedenen Bischöfe veräußerten auch die Markgrafen den Zehnten. Er bemaß sich ertragsabhängig von den Feldfrüchten und dem Schlachtvieh. Noch das Landbuch zeigte diese Erhebungsform. Im Dorfregister von Tempelhof im Teltow hieß es: „Quilibet mansus dat decimam mandalam in pactum de omni annona,…[LB 308] – Jede Hufe gibt den Zehnten der Garbe an Pacht vom ganzen Getreide,… Die Bezeichnung pactus war erstmals 1272 erschienen (CDB, Hauptteil A, Band VIII, Urkunde C, S. 170) und verdrängte schrittweise den alten Begriff. Am Ende der Askanierzeit hatte sich die kirchliche, veränderliche größtenteils in eine grundherrliche, pauschalisierte, jährliche Abgabe gewandelt.[388][92][LB 309]
Die Höhe der Hauptabgabe der Vollbauern folgte Erfahrungswerten. Dabei flossen die Größe und Ertragskraft der Ackerparzellen ein. In der Regel wurde ein mehrjähriger Durchschnittswert gebildet, bei der Dreifelderwirtschaft meist aus zwei Umläufen, also aus sechs Jahren. Dies erklärte die großen Unterschiede, mitunter selbst innerhalb eines Dorfs. Zwischen den Vollbauern- und Kossätenhufen einer Ortschaft bestand kein festes Verhältnis. Erstere zahlten mehr, gleich viel oder weniger als Letztere. Die Vollbauern entrichteten Getreide, Geld oder eine Kombination davon, die Kossäten gleichfalls oder ausschließlich Hühner. Die Hufenpacht floss 1375 an Adel, Kirche, Markgrafen und reiche Bürger.[574][42][LB 309][LB 125][388]
Siehe auch: Kapitel dörfliches Hufenland und Vollbauer
Bauern überreichten ein Käse­laib, ein Lamm, Hüh­ner und Eier als Feudal­ab­gaben. In Möllen­dorf in der Alt­mark (Orts­teil von Gold­beck) kamen alle Pro­dukte vor, bis auf Käse, dafür wei­tere.[575][LB 310]

  • Der Hufenzins[Anm. 9] (census) ging für die Überlassung der Hufen an den Grundherrn als Eigentümer oder Besitzer des Grundstücks. Der eher geringe Betrag schwankte in der Mittelmark oft um 2 Schilling. Die Abgabe stand von Anfang an wahrscheinlich nicht ausschließlich dem Landesherrn zu. Trat ein Ritter als Dorfgründer auf, kam der Zins wohl ihm zu. Beide reichten dieses Recht umfangreich weiter. Wie bei den anderen Hufenabgaben gingen die Zahlungen eines Dorfs deshalb meist an mehrere Leistungsempfänger.[LB 311][LB 312][103][576]

  • Die Hufenbede (exactio, precaria) hatte sich aus der Bede entwickelt, einer bei außergewöhnlichen Umständen erhobenen Steuer. Der Markgraf forderte sie mit steigendem Finanzbedarf immer häufiger ein. Nach Widerstand durch Adel und Städte wurde in den 1280er Jahren die regelmäßige Bede eingeführt. Auf dem platten Lande war nun pro Hufe eine jährliche, festgelegte Abgabe in Geld und Getreide zu zahlen. Ihre Höhe richtete sich, wie bei der Hufenpacht, nach Größe und Ertragskraft der Ackerflurstücke. Als Ausgleich für die Heerfahrt befreiten die Bedeverträge die Höfe der Ritter bis 6 und die der Knappen bis 4 Hufen von der Zahlung. Das Landbuch wiederum vermerkte für einige Dörfer eine Freistellung. Die Abgabe ging ursprünglich nur an den Markgrafen, war ihm aber allmählich entglitten. In der Altmark hielt er nur noch in 78 von 305 erfassten Dörfern die ganze oder anteilige Hufenbede.[LB 313][LB 9][XM 44][383][577][578][579][580]

Siehe auch: Kapitel Wörde, Absätze Kossätenhof und Kossätenstellenabgabe

  • Für die Überlandabgabe fehlte eine Auswertung der Daten des Landbuchs und ergänzender Schriftquellen. Als Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen diente das detaillierte Dorfregister Schönwalde an der Tanger. Dort setzte sich die Abgabe für das Morgenland aus zwei Bestandteilen zusammen:[LB 289]

Für die 36 Morgen (Flächenmaß) zahlten die Kossäten zunächst insgesamt je 6 Scheffel Roggen und Gerste sowie 9 Schilling Brandenburgische Pfennig minus 3 Pfennig. Bei umgerechnet 0,9375 Zählstück gab 1 Morgen rund 0,0260 Zählstück. Die Hufenpacht betrug im Mittel 0,3750 Zählstück, das Verhältnis damit 14,4 zu 1 – soweit die Daten des Registers. Entsprach das genannte Verhältnis zumindest in etwa dem dortigen von Morgen zu Hufe, ergaben sich zwei Schlussfolgerungen. Dieser Abgabenanteil konnte als Überlandpacht (mittelniederdeutsch overpacht) angesehen werden und ihre Ermittlung folgte den Regeln der Hufenpacht (siehe oben). Wenn hingegen für die Altmark die Postulierung 30 Morgen gleich 1 Hufe stimmte, dann führte das Überland lediglich die Hälfte des Hufenlands ab. Alternativ handelte es sich um einen frei festgelegten Überlandzins.[LB 289][574][74]

Die Überlandbede (precaria) kam als zweiter Bestandteil hinzu. Ihre Höhe von insgesamt 4 Schilling Brandenburgischen Pfennig entsprach rund 0,0056 Zählstück/Morgen. Bei einem Mittelwert der Hufenbede von 0,1417 Zählstück/Hufe lag das Verhältnis bei 26,4 zu 1. Ab hier begannen ähnliche Überlegungen wie oben. Die Verhältnisse von grob gerundet 15 zu 1 sowie 30 zu 1 sahen nicht nach Zufall aus. Für belastbare Aussagen bedurfte es allerdings weiterer Untersuchungen. Zudem existierte in Hufen vermessendes Überland. In Schwanepfuhl (Ortsteil von Templin) zahlten die Hufen des Überlands einfach das Gleiche wie die des eigentlichen Hufenlands.[LB 289][577][74][LB 314]
Siehe auch: Kapitel Überland

  • Der grundherrliche Zehnt (decima) kam in drei Untervarianten vor: 1) Grundzehnt und Hufenpacht waren in manchen Dörfer noch gleichgesetzt. 2) Der Neubruchzehnt beschränkte sich auf Altmark und Prignitz, in erster Linie die Elbe-Niederung mit der Wische. Durch die Ertragsabhängigkeit konnten Überschwemmungen, schwere Bodenbearbeitung und hoher Arbeitsaufwand besser berücksichtigt werden. Die Abgabe war anstelle von Pacht und Zins abzuführen. Die Streifen entlang des Stroms fehlten weitgehend im Landbuch. Nur das Stadtregister Prignitz erwähnte in Losenrade und Tyderichsdorf einen Zehnten, dazu die Nebenteile in Motrich und Wahrenberg. 3) Der zusätzliche Zehnt zeigte sich landesweit. Für die grenznahen Gebiete der Altmark konstatierte Lieselott Enders einen ostsächsischen Einfluss während des hochmittelalterlichen Landesausbaus oder eine Säkularisation der ursprünglich kirchlichen Abgabe. Für die Mittelmark kam nur Letzteres in Frage. So hielten 6 Grundherren in Wesendahl den Zehnten. Die Register führten den Fleisch- (decima carnium), Frucht- (decima frugum), Getreide- (decima frumenti), Groß- (decima), Klein- (decima minuta, parva decima) und Schweinezehnt (decima porcorum) sowie das Zehnthuhn (mittelniederdeutsch thegethun) auf.[LB 309][LB 9][36][581][24][LB 315][LB 316][LB 317][LB 318][LB 8]
Siehe auch: Zehnt und Kapitel kirchlicher Zehnt

In den Städten traten drei verschiedene Formen des Grundzinses auf. Das Eigentum an den Grundstücken lag schon am Ende der Askanierzeit in den größeren Ortschaften beim jeweiligen Stadtrat oder Bürger. Das Landbuch erwähnte daher nur in Einzelfällen grundherrliche Abgaben:[27][51][LB 19]

Weitere grundherrliche Abgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhe des Weinzinses in Stolpe bei Anger­münde wur­de nicht an­ge­ge­ben, Dar­stell­ung von Wein­lesen und -pressen in Tacuina sanitatis, unbe­kannt, 14. Jahr­hun­dert[LB 210]

Die weiteren als grundherrlich einzustufenden Abgaben konnten für einige Regionen und Ortschaften von Bedeutung sein. Mancherorts erhöhten sie merklich die Gesamtlast oder wurden als einzige erhoben. Für das landesweite Aufkommen spielten diese Feudalabgaben eine untergeordnete Rolle. Sie sortierten sich in vier Gruppen ein.[582]

Auf den meisten Äckern der Mark wuchs Getreide. Jedoch produzierten die Landwirte auch andere ackerbauliche Erzeugnisse. Erreichte deren Anbau einen gewissen Umfang, kam es zur Erhebung von Abgaben. Einer gab das Landbuch eine eigene Bezeichnung, in der Regel nannte es lediglich die Naturalien:[565][144][583][LB 9]

Siehe auch: Kapitel Flachspfennig (Slawen)

Neben dem Ackerbau existierten andere, grundherrliche Belange berührende Wirtschaftszweige – Tierhaltung, Waldwirtschaft und Weinbau. Damit verbanden sich:[565][6]

Siehe auch: Wiese und Kapitel Hegemeister

Den rechtlichen Rahmen setzten die örtlichen Grundherren. In den landesherrlichen Wäldern übten die Hegemeister die Zeidelaufsicht aus. Sie gewährten das dortige Recht der Zeidler jährlich 12 neue Baumbeuten auszuhauen und trieben die Abgaben ein. Diese konnten belehnt sein, in Schmöckwitz gingen 2 Krüge (urnæ) Honig an den Dorfschulzen Wilke und 1,5 Krüge an den Bürger Heinrich von Beuthen. Die Städte schlossen Verträge über die Nutzung ihres Grund und Bodens ab. Fürstenwalde gestattete 1368 Heinrich von Birkholz maximal 1020 Beuten anzulegen, aber nicht in Stämmen von Trauben-Eichen. Er durfte Waldfreveler und Honigdiebe nach dem Zeidelrecht bestrafen. Dabei unterstützte ihn die Stadt an der Spree mit Rechtshilfe. Als Gegenleistung erhielt sie jährlich im Oktober 3 Tonnen Honig, wie die Vertragserneuerung von 1435 zeigte. Der Stadtrat von Cölln verkaufte 1399 einem Zeidler 150 Bäume. Der im benachbarten Berlin verpachtete 1419 die Zeidelgerechtsame, legte noch 1 Schock (Währung) Groschen drauf und bekam die Hälfte der Erträge an Honig und Wachs.[149][147][LB 301]
Siehe auch: Zeidelgerechtsame, Kapitel Hegemeister und Zeidlerei

In der Allmende wurde kraft Zusammensetzung ebenfalls kein Ackerbau betrieben. Gelang es einer Gemeinde sie um Flächen oder Nutzungsrechte zu erweitern, schlug sich das in zusätzlichen Hebungen nieder:[40]

  • Der Heidehafer (avenam mericalis) kam zur Anwendung, wenn das Vieh auf eine Heide (merica) getrieben wurde. Im Landbuch betraf das markgräfliches Eigentum. Der erste Fall lag außerhalb des eigentlichen Siedlungsrahmens. Mit Bernau zahlte eine Stadt diese Abgabe, laut Stadtregister 4 Wispel, 17 Scheffel Hafer, nach dem Abschnitt 4.2 Wälder 1 Scheffel weniger. Die Höhe ließ auf eine größere Tierhaltung schließen. Die Bernauer Heide blieb in den nachfolgenden Jahrhunderten ein Begriff.[LB 325][588][LB 326][LB 61][LB 132][589]
Interessant war auch das zweite Auftreten des Heidehafers. Über die Mündung der Dahme in die Spree wachte die Burg Köpenick. Zu ihrer Pertinenz gehörten zwei Heiden. Die Teltower entlang beider Flüsse reichte für die Tiere von Schulzendorf bei Köpenick, Waltersdorf im Teltow, Bohnsdorf, Altglienicke und Britz bei Cölln. Sie brachte 4 Wispel Hafer ein, dazu kamen nach Handschrift A unentgeltliche Weiden für Schmöckwitz und Zeuthen. Die Barnimer auf der rechten Seite des Hauptflusses nutzten Kleinschönebeck (Ortsteil von Schöneiche bei Berlin), Schöneiche bei Berlin und Mahlsdorf im Barnim. Sie entrichteten 2 Wispel, 20 Scheffel Hafer. Ohne eine Absprache der 7 bzw. 3 sich aneinander reihenden Dörfer ließ sich die Nutzung nicht handhaben. Das sprach für eine Einsortierung der beiden Flächen unter dem Begriff Großallmende.[590][LB 132][230][LB 301][LB 62][63]
Siehe auch: Heide, Kapitel Großallmende und Hegemeister

Siehe auch: Kapitel Hegemeister und Waldwirtschaft

Siehe auch: Kapitel Schweinepfennig (Slawen), Hegemeister und Hutewald

Kleinere Abgabenarten fanden offenbar kaum den Weg ins Landbuch:[41][38]

Siehe auch: Kapitel Jäger

Bei den Kossätenabgaben kam das Huhn häufig als Naturalbestandteil vor. So hieß es im Dorfregister von Gersdorf bei Eberswalde (Ortsteil von Falkenberg [Mark]): „Cossati sunt 19, …, dant simul 2912 solidos et quelibet domus 1 pullum.[LB 335] – Es sind 19 Kossäten, …, geben im Ganzen 2912 Schilling und jedes Haus 1 Huhn. Dies zeigte trotz fehlender ausdrücklicher Nennung des Begriffs die Entsprechung zum Rauchhuhn. Es bezog sich auf die Kossätenstelle. Ihr Errichten durch den Grundherrn brachte rechtliche Selbständigkeit, das Anlegen auf dem Gelände eines anderen Hofs führte zu Pertinenz. Das Landbuch wies Kossätenstellen als Zubehör von Vollbauernhöfen aus, außerdem von Wedem-, Schulzen- und Ritterhöfen. An diese flossen die Abgaben und wohl die Frondienste. Für das Privileg stand dem Grundherrn ein Kossätenschoss (mittelniederdeutsch kostenschot) zu. Einen solchen führte Heine Molner in Schinne ab. Nicht bei jeder Hühnerabgabe handelte es sich um ein Rauchhuhn.[LB 143][595][35][175][69][LB 336][32][LB 88][596]

Gerichtsherrliche Abgaben [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Gericht (iudicium) stellte eine erhebliche Einnahmequelle dar. Als unterste Instanz für die Dörfer und die landesherrlichen Städte fungierten die Schulzengerichte, diesen übergeordnet waren als obere (oder mittlere) Ebene die Vogtgerichte (iudicium advocatorum), als höchste Instanz sprach das Hofgericht (iudicium curie) oder das Kammergericht das letzte Urteil. Daneben trat als Appellationsinstanz für Städte brandenburgischen Rechts der Brandenburger Schöppenstuhl auf. Die Gerichtsgefälle setzten sich aus Gerichtsgebühren und Strafzahlungen (iudicia et excessūs, wörtlich ,Gerichte und Straftaten‘) zusammen. Die Aufteilung erfolgte nach dem Prinzip: ein Drittel für den vorsitzenden Richter, also Schulze oder Vogt, und zwei Drittel für den Gerichtsherrn. Dies war bei den Schulzengerichten anfangs der Markgraf oder ein als Dorfgründer auftretender Ritter, bei den Vogtgerichten der Landesherr. So sah in Auszügen das idealtypische, möglicherweise niemals existierende Bild aus.[LB 337][LB 9][37][597][598][381][599]
Im 14.Jahrhundert stellte sich die Situation auf jeden Fall anders dar. Nach der bereits in der Zeit der Askanier einsetzenden Exemtion (Befreiung) von den markgräflichen Vogtgerichten einschließlich der Blutgerichtsbarkeit begann der Verkauf der Gerichtsbarkeit an die Meistbietenden. Als Erwerber traten Bürger, Adelige und Städte auf. Die Niederen Gerichte (iudicium infimum) wurden als erstes veräußert. Nun bestimmte der neue Inhaber den Schulzen und zog auch dessen Anteil ein. Bald folgten die Höheren Gerichte (iudicium supremum), jetzt urteilte der vom Gerichtsherrn eingesetzte Dorf- oder Stadtrichter auch über zuvor vom Vogt behandelte Angelegenheiten. Nicht immer umfasste der Erwerb des Höheren Gerichts auch den markgräflichen Anteil am Gerichtsgefälle. Die Begriffe iudicium infimum und iudicium supremum waren nicht mehr als getrennte Instanzen zu verstehen, sondern als Beschreibung des finanziellen Aspekts, also wem die Anteile an den Gerichtsgefällen zustanden. Darunter fielen u. a. die Strafzahlungen.[37][LB 9][600]

Öffentliche Abgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tieckow verlangte das Dom­kapitel Brandenburg den Fleischzehnt, denkmalge­schütztes Gehöft Alte Tieckower Straße 5[LB 338][601]

Siehe auch: Kapitel Bierbrauen und Krüge

Ursprünglich war von den landwirtschaftlichen Erträgen jährlich der zehnte Teil abzugeben. Nachdem sich aus dem bischöflichen Anteil die Hufenpacht entwickelt hatte, blieb davon nur ein Drittel – der Pfarrzehnt – übrig. In Götz, ein Dorf des Klosters Lehnin, musste „pro tertia parte decime[LB 340] – für den dritten Teil des Zehnten 1 Scheffel Hafer, je 212 Scheffel Roggen und Gerste gezahlt werden. Auf dieses Drittel war in der Mark Brandenburg der Begriff Zehnt übergegangen. Daher stand Fleischzehnt nicht für 10 %, sondern für 313 % des Schlachtviehs und der Tierprodukte, Kornzehnt nicht für 10 %, sondern für 313 % des Getreides usw.[388][22][606][607][92]
Neben der prozentualen, ertragsabhängigen Form kam er als pauschalisierter Naturalbetrag oder eine in Geld umgewandelte Zahlung vor. Damit blieb zur Unterscheidung vom grundherrlichen Zehnt nur der Leistungsempfänger als Kriterium übrig. Bisweilen trat sogar der Pfarrer seinen Anteil ab und erhielt dafür meist 1 bis 2 zusätzliche Hufen. Grundsätzlich waren Alle (genauer ihr Grund und Boden) zehntpflichtig, auch die nie unter die Hufenpacht fallenden sozialen Gruppen. Dazu gehörten die Kossäten, die Inhaber der Ritterhöfe und des städtischen Hufenlands. Die Pfarrer (nach Gewohnheitsrecht nicht für das Stammvermögen der Pfarrei), Klöster, Kommenden und Stifte mussten die Abgabe ebenfalls abführen, soweit nicht ausdrücklich davon befreit.[607][605][36][388][XM 42][242]
Siehe auch: Zehnt und Kapitel grundherrlicher Zehnt

  • Das Scheffelkorn entstand in Gebieten, in denen dem Pfarrer der Kirchenzehnt verwehrt blieb. Entgegen der folgenden Beispiele lagen die Ursachen nicht ausschließlich bei den Landesherren. Albrecht II. gelang die Aneignung des Zehnten anno 1210 in einer Region. Er und seine Nachfolger beanspruchten ihn für die sogenannten neuen Lande. Dort traf der Merseburger Zehntvertrag von 1237 eine Regelung. Jeder Pfarrer bekam pro in seiner Pfarrei liegenden Hufe 1 Scheffel Korn und 1 Pfennig. Das Uckerland (Landschaft) nördlich der Welse konnten die Askanier 1250 (Vertrag von Landin) gleich mit Zehnt übernehmen. Die Vorarbeit leistete Barnim I., Herzog von Pommern-Stettin. Er kaufte im Jahr 1240 dem Bischof seinen Anteil ab und wohl nach und nach auch den Rest des Zehnten auf. Die Pfarrer erhielten als Ersatz pro Hufe inklusive von den Lehnschulzen- und Ritterhöfen 1 Scheffel Korn, die Küster in der Regel pro Hufe 12 Scheffel Korn. In anderen märkischen Gebieten kam die Abgabe ebenfalls vor. Der fixierte Betrag pro Hufe und die Überlieferung der Gesamtsumme ermöglichte eine Berechnung, die der Gesamtanzahl der Hufen einer Ortschaft. Das Landbuch ignorierte die auch Messkorn und -geld, Sangkorn und -geld genannte Abgabe.[243][605][571][92][608][609][610]

  • Die Urbede (exactio originalis, mittelniederdeutsch orbede) war die Form der Bede, die sich in den Städten und Flecken entwickelt hatte. Die Steuerschuld oblag nicht dem einzelnen Bürger, sondern die Ortschaft als Ganzes führte einen pauschalisierten Betrag ab. Nur für Görzke blieb die Höhe unbestimmt. Die Umlage auf jeden Einzelnen unterlag häufig dem eigenen Ermessen der Ortschaft. Eine der dargestellten Erhebungsformen war: Selbstschätzung der Höhe der Vermögenssteuer durch den Bürger, Leisten eines Schwurs, Ablegen des anonymen Betrags in den Steuerkasten. In Jagow (Ortsteil von Uckerland [Ortschaft]) brachten die Hufen (mansἱ), Wohnungen (habitaciones) und Mühlen (molendinἱ) die 16 Barrenmark an Silber auf. Als halbjährliche Zahlungstermine wurden meist Martins- und Walpurgistag angegeben. Die bei der Einführung in den 1280er Jahren festgelegte Gesamtsumme blieb in der Regel konstant, auch bei Veränderung der Einwohnerzahl. Greiffenberg hatte einen Nachlass von 16 auf 6 Pfund [Brandenburgische Pfennig] erhalten. Das Landbuch wies den höchsten Betrag einer Stadt für Frankfurt mit umgerechnet 340 Zählstücken aus (wurde nicht mehr abgeführt) sowie eines Fleckens für Gerswalde und Jagow mit 27,2 Zählstücken. Die Urbede floss ursprünglich ausschließlich an den Landesherrn und der Markgraf konnte sie weitgehend behaupten, aber die relativ geringen Einnahmen deckten nicht seinen Finanzbedarf.[250][LB 9][611][251][LB 189][XM 46][LB 19][LB 172][LB 341][LB 169][LB 342][103]

Gemischte Abgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Krug in Gollin führte 18 Schilling ab[LB 343]

Der Krüger (tabernator) besaß die an die Gaststätte gekoppelten Rechte zu Pachtrecht. Mitunter erhielt er einen Krug (taberna) zu Lehnrecht, belegen ließ sich das erst für die Frühe Neuzeit. Die Krugabgaben flossen an Grundherren, Pfarrer oder Schultheißen. Die Höhen fielen sehr unterschiedlich aus. Ein Beispiel aus jeder Landschaft genügte zur Verdeutlichung:[612][613][237][508][LB 15]
Das zuletzt genannte, importierte Gewürz tauchte häufiger auf und verwies auf eine gewisse Beteiligung am Fernhandel. Von den Krügen des Klosters Lehnin wichen die in Krielow (2 Schilling [Pfennig] = 0,1 Zählstück) und Groß Damelang (10 Schilling [Pfennig] = 0,5 Zählstück) nach unten ab. Die Anderen bewegten sich Rahmen von 1 bis 2 Zählstücken. Das traf auch für die Haveldörfer Alt Töplitz (30 Schilling [Pfennig] = 1,5 Zählstücke) und Deetz an der Havel (25 Schilling [Pfennig] = 1,25 Zählstücke) zu. Stephan Warnatsch sah dort Gulden. Die dadurch deutlich höheren Abgaben schrieb er der Frequentierung durch Binnenschiffer und Fischer zu. Das gaben die Zahlen nicht her. Wenn zwei Einrichtungen eine Schlussfolgerung zuließen, dann die, dass Krüge an Wasser- und Landstraßen vergleichbare Umsätze aufwiesen.[237][BK 27][LB 354]
Siehe auch: Krug- und Braugerechtsame sowie Kapitel Krüge
Der Mühlendamm (Berlin) (Zeit um 1250, Bildmitte) verband Cölln (links) mit Berlin (rechts). Solche Wasser­bauwerke gab es auch an­ders­wo in der Mark, Holzstich von F. Wittig, 1882.[477][614]

  • Die Mühlenabgabe ordnete sich bei den Mischformen ein. Dies veranschaulichte z. B. das Dorfregister Groß Ballerstedt. Henning gab zweierlei: 1) Die Mühlenpacht betrug 22 Pfennig – ein Müller (molendinarius, auch als Familienname) zahlte für die Berechtigung sein Handwerk ausüben zu dürfen. 2) Er führte für den Kossätenhof (area)[Anm. 5] an grundherrlichem Zehnt 1 Schilling ab – ein Dorfmüller unterschied sich sonst nicht von einem Vollbauern oder Kossäten. 3) Ein Bestandteil fehlte bei Müller Henning – die kleine grundherrliche Abgabe für den Grund und Boden auf dem die Mühle stand, die Mühlenstelle (locus[, super quo fundat], wörtlich ‚Ort[, auf dem erbaut]‘). Für das Verständnis der Mühlenpacht bedurfte es eines kleinen Exkurses zum Mühlenrecht:[615][231][LB 355][229]

Das Mühlenregal leitete sich vom Wasserregal ab. Anfangs existierten in der Mark nur Wassermühlen. Das Regal lag beim Landesherrn. Er sah das durch das Land fließende Wasser und den über das Land wehenden Wind als sein Eigentum an. Die formelle Übertragung durch den König erfolgte erst nach Erstellung des Landbuchs (1456, 1518). Die untergeordnete Mühlengerechtsame gestattete den Bau und das Betreiben einer Mühle. Manchmal umfasste sie ein ganzes Gebiet, zumeist eine einzelne Mühlenstelle. An diesem Grundstück haftete das Privileg. Es bestand sogar vor Errichtung einer, für eine nicht mehr betriebene oder für eine völlig verschwundene Mühle (siehe auch Absätze Mühle [Wüstung]). Ein selbständiges Mühleneigentum konstatierte Lieselott Enders für die Schlossgesessenen im Uckerland. In der Prignitz galt für die Gänse zu Putlitz das Gleiche.[616][61][22][617][618][619][620][621][420]

Die Mühlengerechtsame kombinierte oft zwei weitere Rechtsansprüche. Der Mühlenbann verhinderte in einem festgelegten Umkreis die Errichtung einer weiteren Mühle, unterband somit Konkurrenz. Der Mühlenzwang ordnete jeden Mahlpflichtigen (meist ganze Ortschaften) einem bestimmten Betrieb zu, schrieb damit dem Kunden den Anbieter vor. Frühneuzeitliche, die spätmittelalterlichen Verhältnisse tradierende Schriftquellen zeigten, dass die beiden Rechte nicht überall griffen. Von deren Missachtungen zeugten Strafandrohungen und Gerichtsakten.[622][XM 47][477][623]

Außer Mühlengerechtsame, -bann und -zwang sowie Mühlenstelle, -gebäude (mittelniederdeutsch huius mole) und -maschinerie gehörte häufig Weiteres zum Rechtebündel. Das Landbuch nannte die Klinkemühle (siehe auch Kapitel Klinkemühle [Einzelsiedlung]) „cum area[Anm. 5] et lignis, rubetis, paludibus, pratis, graminibus, aquis, aquarum decursibus, exitibus et reditibus, piscacionibus quibuscumque…[LB 223] – mit Kossätenhof und Gehölzen (wörtlich ,Hölzer‘), Gebüschen, Brüchen, Wiesen, Weiden (hieß auch ,Gräser‘), Gewässern, Hochwässern (wörtlich ,ablaufende Wässer‘), Ab- und Zuflüssen, Fischerei jeder möglichen Art… Fischereigerechtsame hingen standardmäßig an Wassermühlen. Für die Gehölze bot sich neben märkischen eine zusätzliche Betrachtung deutschlandweiter Schriftquellen an. Dies ergab die Einschätzung – gewöhnlich ein Zubehör von Wasser- und Windmühlen. Weiteres Holz stellte, wenn möglich, der Mühlenherr zur Verfügung. An der U(e)cker standen dem Prenzlauer[Anm. 6] Müller ein Aufsichtsrecht über die Schifffahrt und ein Anteil der Passagegelder zu. Im Gegenzug musste er sich finanziell am Erhalt der dortigen Flutrinne beteiligen.[BK 27][622][615][622][624][232][435][625][439]

Ein Mühlenwagen diente der Kundenbetreuung, aber vor allem einem bestimmten Zweck. Eine Zwangsmühle konnte auf diese Weise verhindern, dass ihr zugewiesene Mahlgäste auf andere Betriebe auswichen. Das Privileg gewährte der Obergrundherr, über dessen Land das Gespann fuhr. Manchmal bestand keine Bevorrechtigung, sondern eine Verpflichtung zum Betreiben eines Mühlenwagens. Vereinzelt war das Recht separat, ohne direkten Bezug zur Mühle vergeben.[502]
Der Besitzer/Eigentümer der Mühlengerechtsame „konnte, wenn er nicht selbst Müller von Beruf war – und das waren die wenigsten –“[615] mittels der üblichen Möglichkeiten Einnahmen erzielen:[468]

  • Die (After-)Belehnung brachte eine Hebung, diente der Belohnung von Vasallen oder Entlohnung von (landesherrlichem) Personal. Mühlenherren gelangten häufig auf diese Weise an Mühlen. Sie wurden als Zubehör einer komplett belehnten Ortschaft, einzeln oder als anteilige Abgabe vergeben. Hermann von Wulkow besaß die Grundherrschaft über Garzau (Ortsteil von Garzau-Garzin). Das schloss die dortige Wassermühle mit ein. In Nieder Nichel lagen drei entsprechende Handwerksbetriebe. Zu Einem davon hieß es: „Filii antiqui prefecti de Nichil habent 1 chorum siliginis in molendino a Johanne de Lindow, qui habet a marchione.“ – Der Sohn des Altschulzen von Nichel hat 1 Wispel in der Wassermühle von Johann von Lindow, welcher es hat vom Markgrafen. Das war die komplette Abgabe jener Mühle. Der Stadtschulze von Angermünde hob ein Drittel der 6 Zählstücke hohen Mühlenabgabe im benachbarten Altkünkendorf. Auch Müller wurden vereinzelt belehnt, z. B. in Großziethen im Teltow. Darauf deutete die mit der Mühle verbundene Pflicht zum Vasallendienst hin. Ansonsten fanden sich im ausgehenden Mittelalter dafür Belege.[626][627][628][LB 356][LB 357][LB 358][629][LB 359]

  • Die Verpachtung war die geläufigste Vergabeart an Müller. Bei der Erbpacht fiel ein einmaliger Betrag an. Dazu trat wie bei der zeitlich befristeten Pacht (locatum) eine jährliche Mühlenpacht (pactus). Dieser Pachtzins konnte variabel oder fixiert sein. Die Mühle in Ribbeck bei Nauen führte beweglich die Hälfte des Gewinns (lucrum) ab. Weitaus häufiger kam die feststehende Variante vor, so in Marienfelde im Teltow mit 1 Wispel Roggen. Die Mühle in Reppen zahlte pro Woche 5 Scheffel Roggen. Angesichts dieser Ausführungen muteten die Angaben der zwei Windmüller von Werneuchen zweifelhaft an. Jeder gäbe jährlich 6 Pfennig für die Mühlenstelle und sonst nichts weiter. Allerdings erschienen durchaus[468][630][LB 360][LB 361][LB 362][LB 363]

Ermäßigungen, aber dann ausdrücklich niedergeschrieben. Das Dorfregister Dargitz vermerkte: „Prope villam iacet molendinum, nomine Dariess, dans ex antiquo 3 choros annone, nunc autem 112 chorum annone et est in possessione.[LB 364] – Nahe dem Dorf liegt eine Wassermühle namens Dargitz, gab für lange Zeit 3 Wispel Getreide, jetzt aber 112 Wispel Getreide und [sie] ist besetzt. Zeitlich unbefristete Nachlässe wurden aufgrund dauerhafter Ertragseinbrüche gewährt, befristete bei Übernahme einer wüsten Mühle oder Betriebsunterbrechungen, z. B. wegen Brandes. Jenes ständig drohende Risiko regelten manche Pachtverträge bereits im Voraus. Müller erhielten wie andere Vollbauern mitunter eine Freistellung von der Hufenbede. Ob echte Freimühlen (frei von Abgaben und Frondiensten) bestanden, erschloss sich nicht eindeutig aus den Schilderungen von Werner Peschke.[631][632][633][579][205]

  • Bei der Eigenwirtschaft stellte der Mühlenherr entsprechendes Personal ein. In Neue Mühle (Oranienburg) erhielt der Mühlenmeister ein Achtel der Einnahmen. Laut Landbuch brachte die Mühle dem Landesherrn etwa 60 Wispel Roggen ein, umgerechnet 60 Zählstücke. Es sagte aber nicht, ob vor oder nach Abzug der Kosten.[634][58][LB 226]
Siehe auch: Kapitel Personal (Mühle)
  • Ein Verkauf erlöste einen einmaligen Betrag, ebenso[635]

  • die Verpfändung. Dabei handelte es sich um ein Kreditgeschäft. Wenn der Kreditnehmer das oft vereinbarte Rückkaufsrecht nicht wahrnahm, dann erwuchs der Kreditgeber mittelfristig zum neuen Mühlenherrn.[635][27]
Das Landbuch gab die Hebung zumeist als Ganzes an, trennte selten in Mühlenpacht (begründet im Mühlenregal), die einzelnen, jeweils zutreffenden hauptsächlichen grundherrlichen Abgaben (für den Feldfluranteil) und die kleine grundherrliche Abgabe für die Mühlenstelle (als Grundzins). Anhaltspunkte für Letzteres bot das öfter vorkommende Rauchhuhn. Dies zeigte das Dorfregister Blankenfelde im Teltow (Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow). Es ordnete den Müller den Kossäten zu, die dafür jeder 1 Huhn gaben. Der Müller in Erxleben bei Osterburg besaß aus seinem Vollbauernhof einen Nachlass von 6 Scheffel. Hans galt damit als Teillehnbauer.[LB 15][594][LB 148][LB 65][205]
Die Mühlenabgaben bestanden aus unbestimmten Zählstücken, Geld und/oder Naturalien, die Naturprodukte hauptsächlich aus Getreide, daneben Eier, Hühner, Pfeffer und Wachs. Die Höhe folgte keiner einheitlichen Regelungen, orientierte sich womöglich an Umsatz und Anzahl der Mahlgänge. Die Feudalabgaben flossen an Bürger und Städte, Kleriker und Kirche, Markgraf und sonstige Adelige, Dorfschulzen und andere Vollbauern, Stadt- und Fleckenschulzen. Die Hebung lag oft in einer Hand, was Zersplitterungen nicht ausschloss. In Waltersdorf im Teltow teilten sich Derer von Liepe, dortige Dorfkirche und -schulze die Zahlung. Es traf das Gleiche wie bei den anderen Abgaben zu, sie waren ein Handelsgut, eine Kapitalanlage.[636][231][637][86][LB 358][LB 197][LB 15][LB 109][638]
Die oben beschriebenen (und weitere) Punkte betrafen das Verhältnis Landesherr – Mühlenherr – Müller oder Mühlenmeister. Ihre Erfassung entsprach dem Wesen des Landbuchs Kaiser Karls IV. Die Aufnahme der durch die Kundschaft zu entrichtenden Abgaben hingegen nicht. Deshalb fand sich nur eine von ihnen im Urbar wieder. Die Mahlgäste finanzierten aber den Gewinn des Müllers oder Mühlenherrn, die Mühlenpacht, die Personal- und sonstigen Kosten. Daher erfolgte dennoch eine kurze Übersicht:[468][617][639][640][LB 226][641]

  • Die Metze (Abgabe) musste in jeder Mühle entrichtet werden. Als Bemessungsgrundlage diente die in Scheffel vermessende Menge an angeliefertem Getreide. Die Abgabenhöhe hing von zwei Faktoren ab: 1) Je kleiner die jeweils gültige Maßeinheit – die Metze (Raummaß) – ausfiel, umso weniger war abzuführen. Anno 1361 gingen innerhalb von Perleberg 16 Metze (Raummaß) auf 1 Scheffel, außerhalb in der Neuen Mühle (Perleberg) hingegen 18 Metze (Raummaß) auf 1 Scheffel. Die Ermäßigung sollte die Städter motivieren, den längeren Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen. 2) Der Abgabenanteil pro Scheffel konnte für Schroten und Mahlen unterschiedlich ausfallen. Bei der Verpachtung der Havelberger Mühlen 1375 legte das dortige Domkapitel 1 Metze (Raummaß) pro 2 Scheffel [zu schrotendem] Malz und 1 Metze (Raummaß) pro 1 Scheffel [zu mahlendem] sonstigem Getreides als Metze (Abgabe) fest. Wenn sie einer Zwangsmühle entging, weil ein Händler das Getreide ausführte, dann stand ihr eine Entschädigung zu.[85][642][421][XM 28]
Die Schriftquellen sprachen beim Raummaß davon, wie viele Metze auf 1 Scheffel gingen, bei der Abgabe davon, wie viele Metze pro Scheffel Getreide zu geben/nehmen waren. Für den Mühlenhof Berlin hieß es im Abschnitt 3 Mühlen: „…metzener vel ille, qui recepit, sextam decimam partem pro domino…[LB 226] – …Metzner oder derer, welcher aufbewahrt den sechzehnten Teil für den Herrn… Demnach galt um 1375 in Berlin-Cölln 16 Metze (Raummaß) gleich 1 Scheffel, nicht wie sonst von Friedrich Holtze übernommen 14 Metze (Raummaß). Der anderen Angabe des Historikers – für Weizen, Roggen oder Gerste, Mahlen oder Schroten wurde dort einheitlich 1 Metze (Raummaß) pro Scheffel als Metze (Abgabe) genommen – widersprach das Landbuch nicht.[85][481]
Siehe auch: Kapitel Metze (Raummaß) und Metzner

  • Das Mahlgeld kam dort obendrauf, wo neben dem Müller oder Mühlenmeister weiteres Personal arbeitete. Die Abrechnung, je größer die Mühle, umso mehr Pfennig, erfolgte pro Sack oder Wispel. Die Bäcker vereinbarten als beste städtische Kunden niedrigere Sätze.[643][641][491]

Die Bischöfe geboten als Landesherren eines Hochstiftes über das Mühlenregal. Das Havelberger Episkopat achtete darauf, dass ihm diese Einnahmequelle erhalten blieb. Von den unter Herrschaft des Bischofs und Domkapitels von Brandenburg stehenden Ortschaften beschrieb das Landbuch 37 näher. (Deren genaue rechtliche Stellung, beispielsweise ob ein Teil des Hochstifts Brandenburg, ließ sich mitunter schwer fassen.) In 13 Ortschaften existierte je 1, in Teltow (Ortschaft) 3, insgesamt 16 Mühlen. 2 davon (Garlitz, Tremmen) erwähnten die Rechtsformeln ausdrücklich, 4 weitere (Bamme [Ortsteil von Nennhausen], Klinkemühle, Plötzin, Pritzerbe) befanden sich in ebenfalls unbelehnten Ortschaften. Bei ihnen kamen Eigenwirtschaft oder Verpachtung in Frage. Die nächsten 6 (Giesensdorf, Ruhlsdorf im Hohen Teltow, Teltow [Ortschaft], Weseram) lagen in teilweise belehnten Siedlungen. Hier trat die Option Belehnung der Mühle hinzu. Die restlichen 4 (Blumberg im Barnim, Knoblauch bei Ketzin, Nennhausen, Sputendorf [Ortsteil von Stahnsdorf]) gehörten zum Zubehör einer vollständig belehnten Ortschaft. Keines der Dorfregister enthielt den Empfänger und die Höhe der Mühlenabgabe oder einen Betrag für die Einnahmen aus der Mühle. Zwei bemerkenswerte Punkte lieferten sie dennoch: Nirgendwo ließ sich ein aus der Hand geben der Mühlengerechtsame durch Verkauf oder Verpfändung erkennen – eine Momentaufnahme. 14 Wind- (davon 5 wüst) standen 2 Wassermühlen (Klinkemühle, 1 in Teltow [Ortschaft]) gegenüber – ein großes energetisches Übergewicht.[61][437][LB 365][LB 225][468][BK 31][LB 177]

Den Markgrafen entzog sich im 14. Jahrhundert zunehmend die Kontrolle über das Mühlenwesen. Zum Zweck der Schuldentilgung hatte sie die Einnahmen daraus häufig einem Kreditgeber überschrieben. Das Landbuch der Neumark von 1337 erfasste 60 Mühlen. Davon wies es 14 dem Landesherrn zu. Im Landbuch Kaiser Karls IV. fiel die Lage in Alt- und Mittelmark grundsätzlich nicht besser aus (siehe Tabelle). Rund 88,6 % der Einnahmen kamen aus den Stadtmühlen von Neustadt Brandenburg (81,0000 Zählstücke) und des Mühlenhofs Berlin (Zahlung von Berlin-Cölln 600,0000 Zählstücke minus Aufwendungen 94,0000 Zählstücke gleich 506,0000 Zählstücke) sowie aus der Neuen Mühle (Oranienburg) (zirka 60,0000 Zählstücke). Diese drei Werte und die der übrigen 11,4 % summierten sich auf 730,1131 Zählstücke. 730,0000 Zählstücke (434,0 Schock [Böhmische Groschen], 61,5 Wispel Roggen, 17,5 Wispel Malz) gab der Abschnitt 1 Inhaltsverweise als gesamte markgräfliche Hebung an. Dass eine finanziell erfolgreichere Mühlenpolitik möglich war, bewies der Deutsche Orden. Er übernahm anno 1402 pfandweise den Hauptteil über Warthe. Im Anschluss kaufte der Ritterorden die zuvor durch die Markgrafen veräußerten Stadtmühlen systematisch zurück.[27][434][LB 15][LB 226][LB 16][644]
Markgräfliche Hebungen aus Mühlen im Landbuch[LB 15][418]
Ortschaft Register Hebung in Zählstücken Bemerkung
   Altmark
Burg und Stadt Gardelegen S. 34, 49 7,0000 Im Abschnitt 3 Mühlen erfolgte nur Namensnennung. Im Burgregister stand unterhalb der Erwähnung der Mühle: „Percepit hoc anno 7 choros siliginis.[LB 296] – Nimmt jetzt jährlich 7 Wispel Roggen ein (nicht verpachtet?). Sie war wohl zugleich Burg- und Stadtmühle.
   Barnim
Hellmühle (Mühleneinzelsiedlung bei Biesenthal im Barnim) S. 45, 153 0 Mühlenpacht vollständig belehnt (ebenso die Hufenbede, aus ihr erhielt Landvogt einst 21 Böhmische Groschen); Burgregister Biesenthal im Barnim gab 10 Zählstücke an, hiesiger Anteil durch Belehnung dieser Mühle sowie der Mühle Lange Rönne (Rüdnitz) an Dritte vergeben[LB 211][LB 196]
Kietzmühle (Mühleneinzelsiedlung bei Biesenthal im Barnim) S. 45, 152 0 Burgregister Biesenthal im Barnim meinte nach Ausschlussprinzip mit unum molendinum die Kietzmühle, dortige Hebung durch Angaben im Dorfregister (keine Hebung erwähnt, gehörte Henning von Stegelitz) wohl überholt, siehe auch Kapitel Kietzmühle (Handwerk)[LB 196][LB 197]
Mühle Lange Rönne (Mühleneinzelsiedlung bei Rüdnitz) S. 45, 153 0,2500 Betrag könnte aus Mühlenpacht oder Hufenbede stammen, im Zweifelsfall ersterer zugeschrieben; Rest der vom Burgregister angegebenen 10,0000 Zählstücke durch Belehnung dieser und der Hellmühle an Dritte vergeben (vom Burgregister ausgewiesener Wert der Hufenbede [1,5000 Zählstücke] durch Angabe im Dorfregister [1,2500 Zählstücke] überholt)
Lutkenmühle S. 45, 152 2,0000 unter Eigennamen mittelniederdeutsch Luttekemůl, mittellateinisch parvum mo̊l, parvum molendinum aufgeschrieben, bedeutete beides ,Kleine Mühle‘; Burgregister Biesenthal im Barnim vermerkte 2 Wispel Roggen; im Dorfregister stand „Aliud molendinum 2 frusta;…[LB 197] – Andere Mühle 2 Zählstücke;…, erst weiter unten Henning von Stegelitz als Besitzer[LB 366][645][LB 196]
Mühlenhof Berlin S. 34–35, 42, 52 506,0000 Das Stadtregister wies Berlin-Cölln als Pachtherrn und die Zahlungshöhe mit umgerechnet 600,0000 Zählstücken aus. Der Betrag stand auch im Abschnitt 3 Mühlen, außerdem verschiedene Aufwendungen (mehrere kirchliche Pfründen, Belehnungen zweier berlinischer Bürger, Pfründen des Metzners, Mühlenschmieds und -zimmermanns, Kosten für Mühlsteine, Nutzholz und Talg). Für die insgesamt 94,0000 Zählstücke kam der Markgraf auf. Die Markgrafenmühle in Spandau, wohl zugleich Burg- und Stadtmühle, lag im Havelland, die Cöllnische Mühle im Teltow. Nur die Mittel- und die Berlinische Mühle standen im Barnim (keiner der Mühlennamen im Landbuch).[LB 280][482][LB 226][LB 16][LB 164][484][476][479]
Neue Mühle (Oranienburg) (Einzelsiedlung oder Burg)[68] S. 34, 44 zirka 60,0000 lag östlich der Oberhavel und damit im Barnim; Formulierung „circa 60 choros siliginis[LB 226] – zirka 60 Wispel Roggen ließ auf Eigenwirtschaft (siehe oben) schließen[230]
insgesamt 568,2500
   Havelland
Neustadt Brandenburg S. 34, 54 81,0000 Neustadt Brandenburg war streng genommen ein Teil der Zauche. Auf ihrem Mühlendamm lagen drei Handwerksbetriebe (und der Mühlenstall): die Vordermühle (bei ihrem Verkauf an die Stadt anno 1324 erstmals urkundlich bezeugt), die Hintermühle (Walke und Sägewerk, trat 1402 in Erscheinung) sowie die Walkmühle (kam als zweite Walke im 17. Jahrhundert dazu). Der Nebenabschnitt 2.2 Martini-Einkünfte 1370 und das Stadtregister im eigentlichen Landbuch verwendeten das Wort molendinis – Mühlen. Der 3. Fall Mehrzahl und die Höhe der Zahlung sprachen für die Existenz von zwei Betrieben. Demnach walkte und sägte die Hintermühle zu diesem Zeitpunkt bereits. Die Burg- oder die Krakower Mühle konnten nicht gemeint sein, denn sie gehörten Altstadt Brandenburg. Weitere Betriebe entstanden erst ab etwa 1420.[646][647][LB 367][LB 247][253][463]
Burg und Flecken Potsdam S. 34, 41, 201 2,0000 wohl zugleich Burg- und Fleckenmühle
Rathenow S. 54 0 Mühlen hat dortiger Stadtrat
insgesamt 83,0000
   Prignitz
Fretzdorf (Ortsteil von Wittstock an der Dosse) S. 23, 34 5,5000 Verpachtung im Dorfregister Fretzdorf ausdrücklich erwähnt, im Abschnitt 3 Mühlen umgerechnet 6,0000 Zählstücke
Burg und Stadt Lenzen S. 34, 47 12,0000 wohl zugleich Burg- und Stadtmühle
Steinvorde (Mühleneinzelsiedlung bei Kyritz) S. 25, 48 0,5000
insgesamt 18,0000
   Land Sternberg
Reppen S. 50 10,8631 wöchentlich 5 Scheffel Roggen
   Teltow (Landschaft)
Dahlewitz S. 80 0,5000 Pertinenz der Burg Wendisch Wusterhausen
Großziethen im Teltow S. 92 1,0000 Pflicht zum Vasallendienst, demnach an einen Müller belehnt
Klein Kienitz S. 34, 37 5,0000 im Abschnitt 3 Mühlen unter Burg Mittenwalde im Teltow erfasst; Burgregister Mittenwalde im Teltow verwies darauf, dass die Mühle nicht mehr zur Burg gehörte; im Dorfregister Klein Kienitz stand keine Mühle[LB 226][LB 266][LB 368]
Rudolfsmühle (Burgmühle der Burg Wendisch Wusterhausen)[HOL 23] S. 104 ohne Angabe von Höhe der Einnahmen oder der Mühlenabgabe, Mühle lag wüst; wohl zugleich Burg- und Dorfmühle
Burg und Flecken Trebbin S. 34, 39 8,0000 wohl zugleich Burg- und Fleckenmühle
insgesamt 14,5000
   Uckerland
Flecken Boitzenburg S. 34, 46, 263 15,0000 Mühlenpacht
Prenzlau[Anm. 6] S. 56 0 an dortigen Stadtrat verpfändet
insgesamt 15,0000
   Hauptteil über Warthe
Dramburg S. 57 ohne nähere Angaben
   Zauche-Fläming
Borkmühle (Mühleneinzelsiedlung bei Görzke) S. 53 0,2500
Nieder Nichel S. 206 4,0000 eine von drei Mühlen betrieb der Dorfschulze, er zahlte genannten Betrag dafür und das Lehnpferd; Historisches Ortslexikon Zauch-Belzig schrieb Markgrafen vor 1375 eine Mühle zu, das Dorfregister wies die Mühle des Schulzen, entgegen den anderen Zwei, aber Niemandem ausdrücklich zu[648][649][HOL 42]
Burg und Flecken Saarmund S. 34, 36, 40 5,0000 wohl zugleich Burg- und Fleckenmühle
Staggesmühle (Mühleneinzelsiedlung bei Rottstock [Gräben]) S. 53 0,2500 Herr Nolte versah die Identifizierung mit einem Fragezeichen.[LB 369]
Stücken S. 41, 202 4,0000 insgesamt für Mühlenpacht umgerechnet 10 Zählstücke und für Grundzins 1 Huhn[LB 370]
insgesamt 13,5000
   Mark Brandenburg
insgesamt 730,1131 einschließlich wüsten Mühlen
Die Tabelle erfasste Mühlen im weiteren Sinn. Als Vollbauer führte ein Müller Hufenbede ab, mitunter an den Markgrafen. Er hob z. B. in Dankensen 0,5000 Zählstück. Dieser und weitere Beträge passten besser zu den hauptsächlichen grundherrlichen Abgaben. Das vermied statistische und buchhalterische Doppelerfassungen. Exakt so verfuhren bereits die Schreiber des 14. Jahrhunderts. Möglicherweise enthielten die vom Landbuch als Gesamtbetrag angegebenen Mühlenabgaben dennoch einen Bedeanteil.[425][233][650][231][LB 371][434][LB 15][LB 16][651]
Siehe auch: Mühlenregal, Kapitel Mühleneinzelsiedlung und Mühlen

Gewerbliche Regalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grimnitzsee (Grymmenitz) wurde unter den landesherrlichen Gewässern an zweiter Stelle genannt. Zusammen mit 52 anderen Seen brachte er Pachteinnahmen von 21 Pfund Berlinischen Pfennig.[LB 255]

Das Landbuch Kaiser Karls IV. zeigte drei montane Unternehmungen: Der Eisenhammer in Neue Mühle (Oranienburg) gehörte dem Markgrafen. Der Kalksteinbruch bei Gandenitz führte 1 Pfund an das Heilig-Geist-Hospital zu Templin ab.[LB 208][LB 256][HOL 30]

Aus dem Kalksteinbruch Rüdersdorf (siehe auch Absatz Kalksteinbruch Rüdersdorf [Bergbau]) erzielte das Kloster Zinna[Anm. 2] für die vergebenen Abbaurechte ein Kalkgeld. Dies belegten mehrere Stellen im Landbuch des Klosters Zinna aus dem 15. Jahrhundert. Das Landbuch Kaiser Karls IV. vermerkte knapp: „Mons calcis quid solvit, dicere noluerunt.[LB 257] – Der Kalkberg bezahlt zwar, [sie] weigern sich zu sagen. Warum die Höhe der Einnahmen nicht angegeben wurde, blieb im Bereich der Vermutungen. Historiker boten zwei Erklärungen an – fehlende exakte Unterlagen oder bewusstes Verschweigen, um keine Begehrlichkeiten zu wecken.[163]
Siehe auch: Bergregal und Kapitel Bergbau

Siehe auch: Fährgerechtsame und Kapitel Fährdienst

  • Der Wasserzins (census aquarum) kam auch unter den Bezeichnungen Kahnzins (mittelniederdeutsch Canczins, canpennynge), See- (pactus stagni) und Wasserpacht (pactus aquæ) vor. Er verband sich mit der Fischereigerechtsame. Die übergeordnete Rechtsgrundlage bildete das Wasserregal. Für die Zauche ermittelte Joachim Stephan, dass rund 8,5 Prozent der grundherrlichen Einkünfte aus der Fischerei (piscacio, piscatura) stammten. Dies sprach gegen die Annahme von Felix Escher, die Abgaben aus diesem Wirtschaftszweig blieben unbedeutend. Damit begründete er die Lücken im Dorfregister Havelland. Die Fischerdörfer Nedlitz, Parey (Ortsteil von Havelaue) und Saaringen wurden erst gar nicht aufgenommen, andere Angaben weggelassen. Lieselott Enders bot eine bereits erwähnte, allgemeingültige Erklärung an – das Fehlende gehörte nicht dem Markgrafen.[145][LB 9][654][655][32][533]

Der Subzellerar (subcellarius) des Klosters Lehnin hob in mehreren Landschaften in insgesamt 10 Ortschaften[Anm. 10] Wasserzinsen. Er nahm zusammen- und umgerechnet für das Refektorium (refectorium) 26 Pfund (Währungseinheit), 6 Schilling [Pfennig] und 1 Schock (Zähleinheit) Aale ein, für den Klosterkasten (communis bursa, wörtlich ,gemeinsamer Beutel‘) 53 Pfund minus 20 Pfennig. Eine Wasserbede (exactio) erschien zusätzlich. Angegeben wurden als Bemessungsgrundlage die Wehre (obstacula) und als Leistungserbringer die jeweiligen Nutzer (Bauern, Fischer, Tideke Oswalt). Es fehlten der Leistungsempfänger und (vermutlich) die Höhe der Abgabe. Sie ging wahrscheinlich an die Lehniner Mönche. Der Nebenabschnitt 2.1 Urbede über Oder nannte in Küstrin zwei weitere Variationen des Wasserzinses: Der Kahnfisch (kanvisch) stellte eine im Oderbruch übliche Abgabe dar, dabei lieferten die Fischer ein Drittel ihres Fangs ab. Daneben war dort ein Großnetz (magnum rethe) abgabenpflichtig.[LB 204][656][LB 373][BK 32]
Siehe auch: Wasserregal, Kapitel Wasservogt und Fischereiwirtschaft

Öffentliche Regalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg an der Elbe war eine be­deut­ende Zoll­stätte. Der Mark­graf erlöste hier anno 1375 den zweit­höchs­ten Er­trag, Stich von Ma­tthä­us Merian dem Jün­ger­en, 1654/1658.[68][LB 374]

  • Beim Judenregal (judeorum) beanspruchte der Markgraf alle damit verbundenen Vorrechte für sich. Er bestimme, wo sich Juden ansiedeln durften und behielt sich ihre Ausweisung vor. Die Judenordnung für Stendal von 1297 sah ein Mindestvermögen von 10 Mark (Einheit) an Silber vor. Die weiteren Bestimmungen für die altmärkische Ortschaft waren: nach dem Zuzug 1 Jahr Steuerfreiheit, Höhe der Jahres- und sonstigen Abgaben, Ausgestaltung des Judeneids, Regelung der Kreditvergabe und Strafen bei Übertretungen der Vorschriften. Den Schutzbrief für die Juden stellte die jeweilige Stadt aus. Diese sowie die landesherrlichen Stadtschulzen und Vögte übernahmen den konkreten Schutz. Sie besaßen aber keine Gewalt über die Juden, durften sie nicht stören. Ludwig II., Markgraf von Brandenburg (1351–1364/1365) wies den Stadtschulzen von Müncheberg an, bei Klagefällen seinen Kammermeister anzurufen. Das galt wohl landesweit.[657][27]
Der Landesherr behandelte das Judenregal als Finanzinstrument. Er verpfändete, verpachtete oder belehnte es an Städte, seltener an Einzelpersonen. Diese übernahmen dann allein die Schutzpflicht. Die Städte übten nun gegebenenfalls die Gerichtsgewalt aus und erließen die Judenordnungen, je nachdem ob das gesamte Regal übertragen worden war oder nur die Abgaben. Laut Landbuch, Abschnitt 1 Inhaltsverweise standen dem Markgrafen 500 Schock Böhmische Groschen zu. Unklar blieb, wie viele Personen den Betrag aufbrachten. Die Handschrift C enthielt für das Juden- und Mühlenregal den Randvermerk „partes istarum summarum non habentur in hoc libro[LB 375] – die Abschnitte der genannten Summen befinden sich nicht in diesem Buch. Vermutlich existierten in der frühen Zeit der Hohenzollern genauere Verzeichnisse.[27][658][LB 16][LB 12]
Siehe auch: Judenregal und Kapitel Juden

  • Das Münzregal (monetarum) stellte noch Mitte des 14. Jahrhunderts eine bedeutende Einnahmequelle für den Landesherrn dar. Ludwig I. plante 1345 eine Münzreform, die am Widerstand der Landstände scheiterte. Infolge kauften die Städte zunächst das Recht zum Münzverruf und dann einige Münzprägestätten auf. Deshalb gab das Landbuch für diesen Bereich lediglich 200 Schock Groschen an landesherrlichen Einnahmen an.[27][LB 9][LB 16]
Siehe auch: Münzregal und Kapitel Münzmeister

  • Der Zoll (theoloneum) gliederte sich in den Brücken- und Wegzoll, den Marktzoll sowie den Durchgangszoll. Letzter kam zur Anwendung, wenn Waren nicht vor Ort zur Niederlage oder in den Verkauf gelangten. Wobei die Kosten für das gewährte Geleit (conductum, conductus) häufig inklusive waren. Die Zölle brachten dem Markgrafen die höchsten Einnahmen. Die Summe wurde mit 2898 Schock Groschen angegeben. Zu den direkten landesherrlichen Zolleinnahmen kamen noch indirekte aus der Überlassung des Zollregals an mehrere Städte, z. B. 100 Schock aus Reppen.[27][LB 16][LB 9][LB 374][LB 19]
Markgräfliche Zolleinnahmen im Landbuch[LB 374]
Zollstätte Zoll Bemerkung
Schock Schilling
Oderberg 1400
Schnackenburg 1000
Saarmund 150 davon 30 Schock an die Witwe von Johannis Falke als Wittum auf Lebenszeit
Berlin 100 20
Lenzen 80
Liebenberg an der Löcknitz 73 26 letzterer Betrag zweimal jährlich in Müncheberg
Wriezen 73
Gardelegen 60
Tangermünde 40
Havelberg etwa 30
Spandau 2
Stendal 1
Mittenwalde im Teltow 12
Trebbin 12 wurde erst hinter der Gesamtsumme genannt
Fretzdorf (Ortsteil von Wittstock an der Dosse) ohne Zahlenangabe
gesamt 2898

Dienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dienst (servicium) war zum einen die zweite Form der Bezahlung für die Nutzung von Grund und Boden, zum anderen ein öffentliches Recht mit vielfältigen Wurzeln. Otto V. betonte 1368 bei einer Schenkung ans Kloster Arendsee noch ausdrücklich deren öffentlich-rechtlichen Charakter und behielt sich eine Rückübertragung vor. Jeder Lehnbrief führte die Lehnstücke einzeln auf. Wurde beispielsweise bei einer Belehnung mit einem Hof eines Vollbauern kein Anrecht auf Dienste vermerkt, durfte der Lehnempfänger vom ihm keine verlangen. Die Vasallen unterlagen für ihre Höfe auch selbst der Dienstpflicht. Nach Bauer oder Vasall, also dem Stand des Leistungserbringers, erfolgte zugleich die grundsätzliche Unterteilung der Dienste.[659][LB 9][XM 48][532][LB 376]

Frondienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Heerwagen auf dem Weg in die Schlacht, Konrad Kyeser: Bellifortis, 15. Jahr­hundert

Während der Zeit des märkischen Landesausbaus waren die Bauern weitgehend frei vom Frondienst. Stärker belastet waren die Slawen, zumindest in der Anfangszeit. Vor allem dem Landesherrn stand jedoch Einiges zu:[22][659]

  • Der Baudienst stellte eine nicht unerhebliche Bürde dar. Die Burgen gewährleisteten in ihren Bereichen den Schutz der Einwohner. Im Gegenzug halfen die Bauern bei Bau und Instandsetzung. Die Last wurde bei Bedarf abgerufen und war nicht begrenzt, fiel aber nur unregelmäßig an. Bei der Belehnung mit einer Burg ging das Recht auf den Lehnempfänger über.[661]

  • Die Rüstwagenpflicht betraf die Landesverteidigung. Ein Heerwagen transportierte Personen, Waffen und Proviant auf das Schlachtfeld. Das Recht wurde extrem selten veräußert. Einen „beslagen herwagen dorzu mit vier pferden[LB 10] forderte das Dorfregister von Blumberg im Barnim in einer Ergänzung aus dem 15. Jahrhundert ein.[663][664]

Schon im Spätmittelalter zeigte sich eine einschneidende Veränderung. Grundherren erwarben mittels Belehnung neben Ritterhöfen auch Dienste. Jene wurden in die Hofwirtschaften einbezogen. Eine urkundlich oft belegte Methode lief folgendermaßen ab: Am Anfang bat der Grundherr um Hilfe, besonders während der arbeitsintensiven Aussaat und Ernte. Wobei die Unterstützung gegenseitig zu verstehen und zu leisten war. Dann kamen weitere Forderungen, allerdings noch gegen Speise und Trank. Spätestens in der nächsten Generation beanspruchte der Grundherr den Dienst einfach. Nur wenn die Bauern gerichtlich dagegen vorgingen und glaubwürdig deren Unrechtmäßigkeit nachweisen konnten, wurde er vermindert oder auf ein konkretes Ausmaß festgelegt (determiniert).[532]

Bereits der Sachsenspiegel sprach von einer schier unüberschaubaren Menge an Diensten. Die Schriftquellen des 14. Jahrhunderts bezeichneten sie selten mit einem konkreten Wort, umrissen ihre Vielfalt nur vage, ebenso das Landbuch. Zumindest trennte es in Plötzin zwischen dinglichen und persönlichen Diensten, erwähnte ansonsten:[XM 48][532][LB 5][LB 203]

  • Der Wagendienst (servicium curruum) tauchte mit Abstand am häufigsten auf. Hob ihn der Markgraf, dann umfasste er teilweise oder gänzlich die oben dargestellten Leistungen, ggf. andere. Meist hatte der Landesherr sein Recht veräußert. Daher bestand es nun oft aus Pflugdienst für einen Grundherrn. Jener betrug anfangs nur wenige Tage im Jahr, vorherrschend drei bis vier. Das Amtsbuch nannte in Rixdorf Drei, enthielt Hinweise auf den Wandel. In Berkau entfiel die Pflicht zum Zusammenbinden der Garben. In Glasow im Teltow (Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow) spannten die Bauern gemeinsam für zwei Grundherren. In Natterheide (Ortsteil von Flessau) waren die Kossäten rechtlich schlechter gestellt. Der Zusatz „quamdiu vult[LB 377] – sooft er [Albert von Redern] es will, verpflichtete sie zu nicht bemessenem (indeterminiertem) Dienst.[LB 376][LB 9][42][532][LB 303][LB 378][LB 2]
Ebenso konnte der Wagendienst seinem Wortsinn entsprechen. Dies traf in den Dörfern des Klosters Zinna[Anm. 2] auf dem Barnim zu. Die Bauern hatten die Rüdersdorfer Kalksteine von den Steinbrüchen zu den Ablagen zu transportieren. Das Urbar wies den Zisterziensern dafür Arbeitskräfte aus 6 Ortschaften zu. Bürger aus Berlin-Cölln hielten in der Umgebung den Wagendienst. Sie nutzten ihn, um den „Berliner Roggen“ in die Doppelstadt bringen zu lassen. Laut Evamaria Engel richtete sich der Wagendienst an den Bedürfnissen des Leistungsempfängers aus.[662][LB 23][236]

Der Dienstpfennig (denarii servicii) wandelte den Wagendienst in eine Geldzahlung um. Der finanzielle Gegenwert ließ sich also abschätzen. Das Dorfregister Werneuchen verdeutlichte die Verbindung. Es gab den Jahreswert des Wagendienstes mit 4 Schock Böhmischen Groschen an. Meist wurde der Begriff Dienstpfennig mit einem Geldbetrag kombiniert. Die Weselitzer (Ortsteil von Uckerfelde) zahlten pro Hufe 18 Pfennig. Das Gegenstück für die Kossäten hieß Schneidepfennig (mittelniederdeutsch snydepennyghe, snideschyllinghe). Er betrug in Klaushagen pro KossätenhofSchilling.[532][LB 363][LB 379][665][LB 380]

Siehe auch: Kapitel Fährregal

  • Ein Weiberdienst (servicium de feminis) wurde in Orpensdorf aufgeführt. Das Amelungsborner Urbar äußerte sich dazu näher. Im Besitzkomplex um Dranse hatten Vollbauern jährlich 6 Tage bei der Feldbestellung und 2 Tage bei der Ernte zu helfen, ihre Ehefrauen oder Witwen 4 Tage bei der Ernte, Kossäten 2 Tage bei der Ernte. Frauen durften die Verpflichtung in eine Geldzahlung umwandeln. Ihre Arbeitskraft wurde dabei halb so hoch bewertet wie die der Männer.[LB 381][363][666]

Vasallendienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Vasallendienste (servicium vasallionatus) waren lediglich unscharf umrissen:[LB 376][LB 9]

  • Eine Pflicht zum Vasallendienst (tenetur ad servicium vasallionatus oder in verkürzter Form) führte das Landbuch bei den Ritterhöfen und einem Mühlenhof auf. Die beschreibende Formel hieß Rat und Hilfe (consilium et auxilium). Sie stand für die zwei Hauptkomponenten:[LB 15][LB 359][667][LB 376]

Bei der Hoffahrt (mittelniederdeutsch hofe dinst) musste der Vasall auf Geheiß des Lehnherrn an dessen Hof reisen. Dort verübte er Ehrendienste, erhöhte den Glanz seines Herrn, beriet ihn in schwierigen Angelegenheiten und nahm an den Verhandlungen des Hofgerichts teil. Die bereits oben genannte Ergänzung des Dorfregisters von Blumberg im Barnim verlangte 12 Tage im Jahr.[667][LB 10]

Die Heerfahrt (mittelniederdeutsch herfart) verpflichtete zum Kriegsdienst. Der Lehnempfänger wurde für einige Wochen im Jahr zum schweren Reiter. Weitere hatte er bei größeren Lehngütern aufzubringen. Das Pferd mit Harnisch sowie die üblichen ritterlichen Waffen (aktive und passive) verursachten hohe Aufwendungen. Gering Begüterte teilten sich daher häufig die Kosten. Im 14./15. spielten die Ritter weiterhin eine wichtige Rolle in der Kriegsführung. Bereits das Landbuch zeigte aber die Auflösungserscheinungen des Lehnwesens. Das aufkommende Söldnerwesen und die technologische Entwicklung sollten die Ritter überflüssig machen. Ab dem 16. Jahrhundert verstärkte sich der Trend die Heerfahrt in eine Geldzahlungen umzuwandeln. Vier Dorfregister verwendeten das Synonym Rossdienst (servicium dextrariale, servicium dextrarii, servicium equorum).[667][664][103][LB 382][LB 383]

  • Das Lehnpferd (equus expedialis, equus pheudalis, mittelniederdeutsch lenperd, leynperd) war der häufigste Dienst bei den Lehnschulzen und -bauern. Im Bedarfsfall musste ein Ross für Botendienste gestellt werden. Der Lehnempfänger selbst trat als leichter Reiter zum Kriegsdienst an. Diese Pflicht hatte der Markgraf oft in eine Geldzahlung umgewandelt und dann veräußert.[187][205][208][221][668]

Handschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Landbuch der Mark Brandenburg existier(t)en mehrere Manuskripte. Sie unterschieden sich voneinander, entstanden zu unterschiedlichen Zeiten, stellten gleichrangige Schriftquellen dar. Daher traf eigentlich die Mehrzahl – die Landbücher zu. Johannes Schultze rekonstruierte ihre Entstehung:[LB 12][669][LB 384]

Die Urschrift X umfasste die Hauptabschnitte 2 bis 14.4 und wurde vermutlich nicht vor 1376 niedergeschrieben. Die davon kopierte Abschrift A ließ Teile aus, fügte aktuelle Änderungen und Vermerke zu. Nach Fertigstellung revidierte ein anderer Schreiber das Werk per Randmarkierungen. Beide Arbeitsschritte endeten wohl im Sommer 1377. Bald darauf, aber nicht vor 1378 wurde aus X sowie den nun vorliegenden Daten für die Dorfregister der Altmark und des Uckerlands die Handschrift Y angefertigt. Diese erste vollständige Fassung mit allen Haupt- und Nebenteilen wurde ständig fortgeschrieben und stark durch die Verwaltung gebraucht, so die Annahme des Historikers und Archivars.[LB 12][LB 384][670]

Rund zehn Jahre später erfolgte mittels Y die Erstellung der Abschrift B. Die Aufgabe übernahmen acht verschiedene Schreiber. Offenbar bestand Zeitdruck, vielleicht anlässlich der Verpfändung der Mark an Jobst und Prokop von Mähren anno 1388. Für die laufende Verwaltungsarbeit sollte das Werk nicht dienen. Ebenfalls aus der Vorlage Y entstand nach 1420 und vor Mitte des 15. Jahrhunderts die Handschrift C. Eventuell war Erstere inzwischen lädiert und musste ersetzt werden. Während X und Y verloren gingen, blieben A, B und C erhalten. Keine der Drei trug einen Buchtitel. Laut Ernst Fidicin tauchte die Bezeichnung Landbuch bereits in einem Rechtsstreit aus dem Jahr 1580 auf. Die überlieferten Manuskripte gehören der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die sie in ihrem Geheimen Staatsarchiv verwahrt.[LB 12][LB 385][671][672]

  • Handschrift A: bis 1776 in der altmärkischen Grenzregistratur in Stendal, Signatur Geheimes Staatsarchiv I. HA Rep. 78, Nr. 1 a, Ledereinband 19. Jahrhundert, Blattformat 30,7 cm × 21,0 cm, starke und gute Papierqualität, verschiedene Wasserzeichen (ein oder zwei kleine Kreise mit einem halbierendem Stab, dessen Enden zieren Schrägkreuze; Gebilde in Form von Birnen mit angefügtem Stab; Hirsch- und auch Stierköpfe mit Stab und auf dem Kopf stehendem Schrägkreuz), 249 Blätter, davon 24 unbeschrieben, Blätter 1 und 2 (Anfang und Titelblatt) fehlen, vordere erhaltene weisen Beschädigungen auf.[LB 386]
Das Manuskript verfasste durchgängig ein einziger Schreiber. Seine sehr präzise Schrift entsprach der Zeit um 1375. Auf Selbige verwies die zierliche, kleine Schrift des Revisors auf den Blatträndern des Dorfregisters. Er fügte gelegentlich kleine Notizen und Zusätze, aber hauptsächlich Namen von Rechtebesitzern hinzu. Teilweise kürzte er sie dabei ab, z. B. den Markgrafen mit M. Beide Schriftzüge glichen denen der Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373. Aufgrund dessen und der Wasserzeichen schuf sie wohl die Kanzlei von Karl IV. Das Fehlen der Dorfregister Uckerland und Altmark erklärte sich nach Johannes Schultze am einfachsten durch die oben beschriebene Genese des Urbars. Da das Exemplar aus letzterer Verwaltungseinheit kam, erwog er daneben eine intensive Verwendung als Ursache.[LB 386][LB 387]
Digitalisat Handschrift A in Archivdatenbank Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz

  • Handschrift B: bis 1834 im kurmärkischen Lehnarchiv beim Kammergericht, Signatur Geheimes Staatsarchiv I. HA Rep. 78, Nr. 1, Bd. 1, Ledereinband 19. Jahrhundert, Blattformat 31,0 cm × 22,5 cm, zwei Papiersorten (zweite nur für Lage G, siehe unten), zwei Wasserzeichen (Glocke, für Lage G ähnlich einem Kamelkopf mit Doppelhöcker), 275 Blätter, manche unbeschrieben, von Blatt 1 nur Bruchstück erhalten, weitere Verluste nicht verifizierbar, erste Blätter sehr stark, sonst stark abgenutzt.[LB 388][LB 388][LB 389]
Das Manuskript kopierten acht Schreiber. Sie teilten die Arbeit in neun Lagen auf, bezeichneten diese mit A bis J und vermerkten den Buchstaben jeweils auf dem ersten Blatt. Schreiber 1 übernahm die Lagen A und B, alle anderen eine. Sämtliche Schriftzüge rührten aus derselben Zeit her, den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. Das häufige Überspringen wiederkehrender Worte zeigte die flüchtige Arbeitsweise. Obwohl Handschrift B später als A geschrieben wurde, bot sie oft den ursprünglicheren Text. Die alte Foliierung aus Römischen Ziffern riss bei LXXI ab. Sie setzte im 16. Jahrhundert eine Paginierung aus Indischen Ziffern fort (siehe auch Kapitel Indische Zahlen). Eine weitere, dem 17. Jahrhundert entspringende Seitenzählung sprach für einen damaligen gesonderten Band, der vom Hauptabschnitt 11 bis 14.4 reichte.[LB 388][LB 390][LB 391]
Um 1835 wurde eine Lage der Handschrift gebunden. Der Geheime Staatsarchivar Hoefer stellte dabei einen höchstwahrscheinlich nicht zeitgenössischen Titel (zugleich Buchtitel und Titelblatt) sowie ein Inhaltsverzeichnis voran. Im Anschluss an den Druck der Edition von 1940 erhielt jedes Blatt eine Einbettung aus Pergamentpapier, woraus zwei Halbpergament-Bände neu gebunden wurden.[LB 388][LB 392][LB 389]
Digitalisat Handschrift B in Archivdatenbank Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz

  • Handschrift C: alter Bestand des Geheimen Staatsarchivs, Signatur Geheimes Staatsarchiv I. HA Rep. 78, Nr. 1 b, Ledereinband 19. Jahrhundert, Blattformat 32,0 cm × 20,5 cm, 237 Blätter, Blätter 1 und 2 (Anfang und Titelblatt) fehlen, 8 vorgeheftete, leere Blätter.[LB 385]
Das Manuskript stammte aus der Feder eines Schreibers. Er brachte es um das zweite Viertel des 15. Jahrhunderts zu Papier. Auf die Nebenabschnitte 3, 1.11 und 1.12 folgten die Hauptabschnitte 1–14.4, dann zunächst der Hauptabschnitt 15.2 Dorfregister Bezirk Salzwedel, erst jetzt die Hauptabschnitte 14.5 Dorfregister Uckerland und 15.1 Dorfregister Bezirk Stendal. Das Auftrennen der altmärkischen Register kam durch ein Vertauschen der Lagen zustande.[LB 385][LB 393]
Digitalisat Handschrift C in Archivdatenbank Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Das Fehlen der Urschrift X erschwerte im großen Maß die Erforschung der Entstehung der Landbücher. Paläografischer Befund, äußere Merkmale und physische Struktur von ihr konnten nicht untersucht werden. Für die Handschriften Y und B betonte Johannes Schultze, dass sie aus losen Blättern bestanden haben müssen. Die Verwendungen der Amtsbücher lange nach ihren Erstellungen bezeugten Durchstreichungen, Ergänzungen und Korrekturen. Die Randnotiz: „Nyendorp, sonst am Speck genannt“[LB 394] bekam die Handschrift C erst im 17. Jahrhundert.[17][LB 384][669]

Editionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375

Das Landbuch Kaiser Karls IV. erlebte drei Editierungen:[611]

„…ein allgemeines Catastrum, oder Landregister der Marggrafschaft Brandenburg aus dem 14ten Jahrhundert; eine wahre Statistik dieses Landes, und ein so vollständiges, und nützliches Denkmal aus dem mittleren Zeitalter, als meines Wissens kein anderes Land in Deutschland, und vielleicht nicht in ganz Europa, von einer so entfernten Zeit aufweisen mag. Man kann daraus fast die ganze damalige Landes- und Regierungsverfassung der Mark Brandenburg ersehen und abnehmen, und man könnte mit Zusammenhaltung der Urkundensammlungen eine Art von Staatsrecht und Statistik, besonders der inneren Landesverfassung der verschiedenen Provinzen von Niederdeutschland in dem Mittelalter daraus abziehen.“

Ewald Friedrich von Hertzberg (Hrsg.): Landbuch des Churfürstentums und der Mark Brandenburg.[673]
Der Staats-, Kriegs- und Kabinettsminister brachte 1781 die älteste Edition heraus. Sie orientierte sich hauptsächlich an Handschrift C. Neben dem Landbuch enthielt sein Werk die Schossregister von 1450, 1451, 1480 und 1481. Das in mancherlei Hinsicht als mangelhaft empfundene Buch war nach 50 Jahren vergriffen.[LB 37]
Ewald Friedrich von Hertzberg (Hrsg.): Landbuch des Churfürstentums und der Mark Brandenburg, welches Kayser Carl IV. König von Böhmen und Marggraf zu Brandenburg im Jahre 1375 anfertigen lassen; wie auch das Register des Landschosses einiger Kreise der Churmark vom Jahr 1451. Königliche Hofbuchdruckerei George Jacob Decker, Berlin / Leipzig 1781, (Digitalisat).

  • Ernst Fidicin erstellte 1856 die zweite Bearbeitung. Er nutzte größtenteils Handschrift A, ergänzte dort Fehlendes mit C und zusätzlich mit B. Die recht willkürliche Vorgehensweise, mehrfache Verwechslungen der drei Manuskripte und weitere Fehler stellten einen Rückschritt gegenüber der ersten Edition dar. Der berlinische Stadtarchivar verband das Landbuch ebenfalls mit den o. g. Schossregistern. Die Monarchie Preußen kaufte als Unterstützung 200 Exemplare.[LB 37][LB 384]
Ernst Fidicin (Hrsg.): Kaiser Karl’s IV. Landbuch der Mark Brandenburg nach den handschriftlichen Quellen. Verlag von J. Guttentag, Berlin 1856, (Digitalisat).

  • Johannes Schultze übernahm die dritte Editierung. Er verstand die Gleichwertigkeit der drei Überlieferungen, stützte sich auf Handschrift B (weil vollständig und originärer), machte Abweichungen in A und C erkenntlich. Auf die Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 – quasi der unmittelbare Vorläufer des Landbuchs – folgten in Kleindruck die Nebenteile, dann das eigentliche Urbar – die Hauptteile.[611][LB 384][LB 391][LB 37]
Die Neubearbeitung war nach Gründung der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin beschlossen worden. Johannes Schultze vollendete die Textabschrift 1932, schrieb eine kompakte Einführung, Herr Nolte erstellte das Orts- und Personen-Verzeichnis, Arthur Suhle verfasste einen kurzen Text über die Münzverhältnisse im Brandenburg des 14. Jahrhunderts. Aus Geldmangel erschien Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 erst im Jahr 1940. Diese mustergültig philologisch-kritische Aufbereitung erleichterte fortan Regionalhistorikern den Zugang und die Nutzung. Wegen der Lücken des Dorfregisters und seiner unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten kann sie keine Statistik oder Tabelle ersetzen.[LB 37][611]
Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).

Die beiden älteren Editionen ließen dem Zeitgeist folgend im Dorfregister Uckerland dem Herzog von Mecklenburg-Stargard zustehende Rechte aus.[LB 37][674]

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterseite: Landbuch Karls IV. – Bibliografie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Querverweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Wikipedia-Artikel zitieren das Landbuch der Mark Brandenburg.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drossen war eine von zwei Städten im Land Sternberg, Blick durch die Kirchstraße zur St.-Jakob-Kirche, um 1900[LB 193][230]
  1. a b c d Im Abschnitt 11 Landesbeschreibung fielen die Städte Drossen und Reppen unter die Mark über Oder, Frankfurt und Müncheberg unter das Land Lebus und ab Freienwalde an der Oder unter den Barnim. Im Abschnitt 6 Städte waren die neumärkischen Ortschaften vermutlich verrutscht und die Überschriften Lebus sowie Barnim fehlten.
  2. a b c d Das Kloster Zinna gehörte damals zum territorial eigenständigen Erzstift Magdeburg. Seine im Barnim aufgeführten Dörfer lagen hingegen in der Mark Brandenburg, ebenso die Mühlengerechtsame an der Nieplitz rund um Treuenbrietzen. Darum entbrannte ein jahrzehntelanger Streit zwischen Zisterziensern und Stadt.
  3. Die Edition von 1940, Abschnitt Sachverzeichnis und Worterklärungen setzte das lateinische stipa mit stopa, deutschStübchen‘ gleich. Das im Dorfregister von Buchholz bei Stendal zu lesende stipas pauperibus, stand aber für ‚Armenalmosen‘. Wenn sich sonst kein Eintrag der zwei lateinischen Worte im Landbuch befand, dann kam das Raummaß Stübchen im Urbar nicht vor.
  4. a b c Die Ministerialen der Zeit des Landesausbaus waren im märkischen Adel aufgegangen. Nun unterhielten die Schlossgesessenen und andere reiche Adelige ihrerseits Dienstmannen in den Dörfern. Diese Art neuer Ministerialität verrichtete militärische Aufgaben und bewirtschaftete Höfe.
  5. a b c d e f g h i j Das lateinische Wort area stand laut der Edition von Johannes Schultze, Abschnitt Sachverzeichnis und Worterklärungen für Hofstelle. Evamaria Engel korrigierte die Übersetzung auf Kossätenhof, also die Gesamtheit aus Hofstelle, landwirtschaftlicher Nutzfläche und Allmendeanteil eines Kossäten. Besonders andere Schriftquellen verwendeten den Begriff für ein Grundstück innerhalb eines Stadtkerns. Tauchte der Ausdruck census arearum im Landbuch bei einem Flecken auf, übersetzte ihn Eckhard Müller-Mertens daher mit Arealzins. Dies musste nicht immer zutreffen.
  6. a b c d e Auch Prenzlau war eine Art Doppelstadt. Allerdings bezog die jüngere Altstadt rechtlich die ältere Neustadt mit ein. In der ummauerten Altstadt lagen die beiden Bettelorden-Klöster.
  7. a b Die Angabe – das Landbuch enthielt 41 Eigennamen von Wassermühlen – durfte nicht als absolut gewisse Anzahl angesehen werden. Aus mehreren Gründen handelte es sich um eine fluide Aussage, u. a. weil die Unterscheidung zwischen Mühlenname und Lagebeschreibung nicht immer eindeutig ausfiel, Kling- und Klinkemühle ein und nicht zwei Handwerksbetriebe gewesen sein könnten oder Neue Mühle (Oranienburg) möglicherweise eine Burg mit ihren architektonischen Elementen statt einer Einzelsiedlung mit einem Kern aus Wirtschafts- und Wohngebäuden (Eisenhammer, Getreidemühle, weitere Häuser) bezeichnete.
  8. Laut Mittellateinisches Glossar hieß Carnisprivium Sonntag Septuagesimä, das war der 1. Vorfastensonntag. Das Landbuch der Mark Brandenburg verwendete für diesen Tag aber Circumdederunt. Daher folgte der Artikel einer alternativen Übersetzung. Hermann Grotefend schrieb, dass das Wort vor allem in Deutschland für Estomihi, den 3. Vorfastensonntag, stand. Eine dritte Möglichkeit bot die Deutung als verkürztes carnispriviἱ dies, im engeren Sinn der Fastnachtsdienstag.
  9. Johannes Schultze arbeitete aus dem Dorfregister von Ketzin eine Befreiung der slawischen Hufen vom Hufenzins heraus. Laut Eckhard Müller-Mertens ergab sich dies aus einem Interpunktionsfehler in der Edition von Ersterem und traf nicht zu.
  10. Ans Kloster Lehnin leisteten Wasserzinsen im Barnim: Schönerlinde; im Havelland: Alt Töplitz, Golm bei Potsdam, Göttin auf Töplitz und Leest auf Töplitz; in der Zauche: Deetz an der Havel, Groß Kreutz, Hatenow (Wüstung zwischen Groß Kreutz und Trechwitz), Phöben, Trebegotz und Werder an der Havel.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (1940)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Inhalt und Unterlagen des Landbuchs, S. XIII–XIX.
  2. a b Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Teltow. Glase, S. 78–79, Heyne Karre dicit, quod quilibet mansus debet dare 2 solidos in censum, sed buriste dicunt, quod ex antiquis temporibus non dederunt;…: S. 78, Z. 3–1 von unten; Pro servicio curruum contendunt Heyne Karre et Peter Rode, civis in Berlin.: S. 79, Z. 13–14 von oben.
  3. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Districtus Berlin. Berkenwerder, S. 117, Hec villa non est scripta, quia dictus Mentz non permiset.: Z. 3 von Berkenwerder.
  4. a b Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Hii sunt redditus in villis domἱcellorum de Bertensleve. Fußnote 285-3, S. 285.
  5. a b c Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, (Obule et Merice). Bona episcopi Brandenburgensis, S. 186–197, Querverweise auf weitere Dorfregister: S. 187; von 49 Ortschaften 16 Tafelgut, 25 Domkapitelgut und 8 ohne Angabe.
  6. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Equitatura terre Soltowedel foris Portam Buchornighe. [Stift Diesdorf], S. 403–407.
  7. a b Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Zur Einführung, S. XI–XIII.
  8. a b c d e f g h i j k l m Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Das Landbuch], S. 31–411.
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj bk bl bm bn bo bp bq br bs bt bu bv bw bx by bz ca cb cc cd ce Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Sachverzeichnis und Worterklärungen, S. 458–461.
  10. a b c d e Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Districtus Berlin. Blumenberg. Fußnote 115-1, S. 115.
  11. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. [Tangermündescher Kreis], S. 330–379, deutschsprachige Dorfregister-Stücke in Handschrift B: Groß Schwarzlosen; Schinne; Miltern alle S 375.
  12. a b c d e Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Das Verhältnis der 3 Handschriften zueinander, S. XIX–XXIII.
  13. a b c d e Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Inhalt und Unterlagen des Landbuchs. [Eigentliches Landbuch], S. XIII–XVI.
  14. a b c Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark]. Marchia media. Glyn, S. 64.
  15. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Neben- und Hauptteile], S. 11–411.
  16. a b c d e f g h Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Inhaltsverweise], S. 31–33.
  17. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Inhaltsübersicht, S. V–VI.
  18. a b c d Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark], S. 62–66.
  19. a b c d e Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, De civitatibus, S. 50–57.
  20. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, De civitatibus. De civitatibus trans Oderam. Konyngesberg, S. 57.
  21. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, De monasteriis. Fußnote 61-1, S. 61.
  22. a b c d e f g h i j k l m n o p q Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Beschreibung der Mark Brandenburg 1373, S. 1–5.
  23. a b Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Barnym dἱstrictus Strutzeberg. Ville monachorum de Czenna, S. 127–129.
  24. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Rechentabellen und Übersichten]. Fredericstorp, S. 23–25.
  25. a b c d e