Landesbühnen Sachsen

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Die Landesbühnen Sachsen sind Deutschlands zweitgrößtes Reisetheater mit Stammhaus in Radebeul bei Dresden. Ihr Intendant ist seit 1. Oktober 2011 Manuel Schöbel,[1] Operndirektor und musikalischer Oberleiter ist seit 2012 Jan Michael Horstmann, die Oberspielleitung Schauspiel liegt bei Peter Kube. Im Jahr 2015 besuchten 186.000 Gäste die 600 Vorstellungen im Stammhaus in Radebeul und bei Gastspielen in Sachsen. Dies bedeutete ein Plus von 12.000 Besuchern im Vergleich zu 2014.[2]

Stammhaus in der Meißner Straße
Landesbühnen bei Nacht
Zuschauerraum

Das Stammhaus sitzt in Räumlichkeiten des ehemaligen Gasthofs Goldene Weintraube, in der Meißner Straße 152.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufführung des Kindermusicals Regenbogen auf der Felsenbühne Rathen

Im Sommer 1945 gab eine kleine Gruppe theaterbegeisterter Dresdner um den Opernsänger Emil Grotzinger erste Konzerte am Rande von Dresden im Gasthof in Gittersee. Trotz Mangels an Material für Requisiten und Geld für Gagen blieb die Truppe, die im Laufe des Jahres den Namen Volksoper Dresden annahm, zusammen und brachte am 24. November 1945 die Oper Der Bajazzo von Ruggero Leoncavallo zur Aufführung. In den kommenden Jahren spielte die Volksoper neben Gittersee in vielen weiteren Gasthöfen in und um Dresden. Am 1. Juli 1949 übernahm der Landesverband der Volksbühne das Ensemble als sein drittes unter dem Namen Landesoper Sachsen.

Aus Mangel an Platz und Entwicklungsmöglichkeit in Gittersee zog das Ensemble zum 15. Juli 1950 in sein heutiges Stammhaus in der Goldenen Weintraube in Radebeul, nur wenige Meter entfernt vom Wohnsitz des ehemaligen Generalmusikdirektors der Dresdner Semperoper, Ernst von Schuch, und seiner Frau, der Kammersängerin Clementine von Schuch-Proska. Am 29. August wurde mit Puccinis Tosca die erste Vorstellung gegeben, am 20./21. September des Jahres folgte die Premiere von Webers Der Freischütz.

Anfang 1951 stießen die Schauspieler des Schweriner Maxim-Gorki-Theaters zum Ensemble hinzu. Mit dem späteren Zusammenschluss der Landesoper mit dem Landesschauspiel erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen: Landesbühnen Sachsen.

In den Jahren bis 1954 schmückte der Bildhauer und Bauplastiker Reinhold Langner die Landesbühnen mit Holzreliefs mit Schauspielmotiven aus.

Mitte der 1950er Jahre wurde dann das Stadtorchester Radebeul als städtisches Sinfonieorchester aufgelöst; das Orchester der Landesbühnen trat damit sozusagen seine Nachfolge als Klangkörper vor Ort an.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde die Felsenbühne Rathen bespielt, so unter anderem seit 1956 durchgehend bis heute mit dem Freischütz. Im April 1958 gab die Ballett-Sparte mit dem Tanzspiel In einem böhmischen Dorfe ihr Debüt, wodurch die Landesbühnen, zusammen mit ihrem eigenen Orchester, zum Mehrspartentheater wurden.

Nach der Wende 1989/1990 wurden die Landesbühnen als eines von drei Staatstheatern in Sachsen erhalten.

Zuletzt wurde das Stammhaus im Oktober 2001 nach einer umfassenden Renovierung, welche anderthalb Jahre dauerte, feierlich wieder eröffnet. Die Bauherrschaft des Stammhauses erhielt dafür im Jahr 2005 den Radebeuler Bauherrenpreis in der Kategorie Gewerbliche / Öffentliche Bauwerke.[3]

Nach einer ausverkauften Abschiedsvorstellung am 7. Juli 2013 wechselte der Ballettdirektor Reiner Feistel zur Saison 2013/14 nach Chemnitz, begleitet von einigen seiner Tänzer.[4]

Finanzierung der Landesbühnen und Radebeuler Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum August 2012 erfolgte die Umwandlung des Staatsbetriebs in eine GmbH in staatlicher Trägerschaft,[5] und die Stadt Radebeul wurde vom Freistaat durch das Sächsische Kulturraumgesetz gezwungen, sich als Sitzgemeinde an der Finanzierung zu beteiligen.[6] Infolgedessen legte der bisherige Intendant Christian Schmidt sein noch bis 2013 laufendes Amt nieder; dieses wurde dann zum Oktober 2011 an Manuel Schöbel übergeben. Das Orchester der Landesbühnen wurde in diesem Zusammenhang zum Juni 2012 mit der Neuen Elbland Philharmonie zur Elbland Philharmonie Sachsen fusioniert, wobei 30 von 102 Stellen abgebaut werden. Auch die Neue Elbland Philharmonie war bereits aus der Fusion des Sinfonieorchesters in Pirna und der vorherigen Elbland Philharmonie Sachsen aus Riesa entstanden.[7]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufführung des Balletts Casanova im Dresdner Zwinger

Seit damals wurden kontinuierlich die Arbeits- und Spielbedingungen ausgebaut und verbessert, neben der Hauptbühne gibt es inzwischen noch eine kleinere Studiobühne.

Das Repertoire der Landesbühnen Sachsen umfasst Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Schauspiel (Tragödie, Komödie, Märchentheater), Ballettabende und Konzerte (Sinfonie- und Kammerkonzerte, bis Mitte 2012). Das Radebeuler Orchester beendet traditionell seit etwa 50 Jahren das künstlerische Jahr am 31. Dezember mit Beethovens 9. Sinfonie.

Von Mai bis September finden regelmäßig Vorstellungen der Landesbühnen Sachsen auf der Felsenbühne Rathen und im Dresdner Zwinger statt. Darüber hinaus erfolgen während der gesamten Spielzeit Gastspiele in verschiedenen Orten innerhalb und auch außerhalb des Freistaats Sachsen. Auch zusammen mit der Singakademie Dresden, mit der das Orchester einen Kooperationsvertrag hat, werden regelmäßig Konzerte gegeben.

Eine besondere Verbindung haben die Landesbühnen Sachsen zu Karl May, dessen Wohn- und Sterbeort ebenfalls in Radebeul war. Seit 1984 werden auf der Felsenbühne Rathen regelmäßig Stücke Karl Mays von den Landesbühnen aufgeführt.

Künstler an den Landesbühnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studiobühne bei Nacht

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. Herausgegeben vom Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geänderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landesbühnen Sachsen (Radebeul) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbühnen Sachsen: Manuel Schöbel sieht Umwälzungen am Mehrspartentheater als „kreativen Prozess“
  2. Landesbühnen zählen mehr Besucher. In: Sächsische Zeitung. 13. Januar 2016 (online [abgerufen am 14. Januar 2016]).
  3. Radebeuler Bauherrenpreis 2005. Kategorie: Gewerbliche / Öffentliche Bauwerke. In: Radebeuler Bauherrenpreis. verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul, abgerufen am 25. Juli 2009.
  4. Wolfgang Zimmermann: „Überqueren Sie den Kiesweg!“ Nachdenkliches, Skurriles und Erheiterndes bei der Abschiedshow des Balletts der Landesbühnen Sachsen. In: Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. Radebeuler Monatshefte e. V., August 2013, abgerufen am 3. August 2013 (Mit einem Foto von Feistel).
  5. Landesbühnen Sachsen - Mobile Bühne für Sachsen
  6. Neuer Landesbühnen-Intendant verzweifelt gesucht
  7. Weiter Misstöne bei Orchesterfusion bei den Landesbühnen in Radebeul

Koordinaten: 51° 6′ 23″ N, 13° 39′ 32″ O