Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen

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Liegenschaft der Zentralen Polizeidirektion in Hannover mit Sitz von zwei Bereitschaftspolizei-
hundertschaften

Die Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen (LBPN) ist als Bereitschaftspolizei eine Organisationseinheit der Polizei Niedersachsen. Sie ist seit 2004 Teil der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD NI) mit Sitz in der Landeshauptstadt Hannover. Der Landesbereitschaftspolizei gehören rund 1.100 Mitarbeiter an. Sie verfügt über sieben flächendeckend auf das Land Niedersachsen verteilte Bereitschaftspolizeihundertschaften und eine Technische Einsatzeinheit (TEE) sowie fünf Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Die Landesbereitschaftspolizei ist hauptsächlich für polizeiliche Großlagen zuständig, die im geschlossenen Einsatz bewältigt werden. Ihre Einheiten werden in ganz Niedersachsen und in besonderen Fällen auch außerhalb des Landes eingesetzt.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bewältigung von Einsätzen aus besonderem Anlass in Niedersachsen, zum Beispiel Fußballspiele, Versammlungen, Castortransporte ins Atommülllager Gorleben
  • Unterstützung anderer Bundesländer bei der Bewältigung von Einsatzlagen aus besonderem Anlass
  • Unterstützung des polizeilichen Einzeldienstes bei der Bekämpfung von Verkehrsunfallursachen und in besonderen Kriminalitätsfeldern
  • Hilfeleistung gemäß Art. 35 GG bei Naturkatastrophen, wie Hochwasser und besonders schweren Unglücksfällen
  • Suchaktionen nach Personen oder Sachen

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang der Zentralen Polizeidirektion in Hannover mit übenden Bereitschaftspolizisten

Derzeit (2017) gibt es in Niedersachsen sieben Bereitschaftspolizeihundertschaften (BPH), die von der Abteilung 2 der Zentralen Polizeidirektion mit Sitz in Hannover geführt werden. Jede BPH verfügt über 3–4 Züge. Die Hundertschaften sind flächendeckend auf das Land auf sechs Standorte bei den Polizeidirektionen in Niedersachsen verteilt. Die Unterbringung erfolgt überwiegend in früheren Militärkasernen.

  • 1. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Hannover
  • 2. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Hannover
  • 3. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Braunschweig
  • 4. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Lüneburg
  • 5. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Göttingen
  • 6. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Oldenburg
  • 7. Bereitschaftspolizeihundertschaft in Osnabrück
  • Technische Einsatzeinheit Niedersachsen (TEE NI) in Hannover

Technische Einsatzeinheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserwerfer 9000 des Wasserwerfer- und Sonderwagenzuges
Sonderwagen Typ SW 4 des Wasserwerfer- und Sonderwagenzuges

Die Technische Einsatzeinheit (TEE) besteht aus drei Zügen. Sie steht mit ihren speziellen Fahrzeugen und Einsatzmitteln den Einsatzkräften der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen und auch anderen Polizeidienststellen zur Verfügung. Zur TEE zählen die Führungsgruppe, der Informations- und Kommunikationszug (IuK-Zug), der Wasserwerfer- und Sonderwagenzug (WaWe/SW-Zug) mit Sitz in Hannover sowie der Technische Zug mit Polizeitauchern, dessen drei Gruppen disloziert in Hannover, Braunschweig und Oldenburg beheimatet sind. Polizeitaucher können von den Polizeidienststellen rund um die Uhr für besondere Einsätze angefordert werden. Sie tauchen in allen stehenden, fließenden und zugefrorenen Binnengewässern sowie der Nordsee.[1]

Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 stellte die Landesbereitschaftspolizei in Niedersachsen erstmals Festnahmeeinheiten auf, die bei Einsätzen mit Gewaltpotenzial eingesetzt wurden. Heute gibt es fünf Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE). Die spezialisierten Einheiten bestehen aus einer Führungsgruppe sowie Tatbeobachtungs-, Beweissicherungs-, Festnahme- und Sicherungstrupps. Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten befinden sich in Hannover mit zwei Einheiten und in Braunschweig, Göttingen sowie Oldenburg mit je einer Einheit. Sie sind Bestandteile der jeweiligen Bereitschaftspolizeihundertschaften, agieren aber im Einsatzfall selbständig. Je nach Bedarf können auch mehrere BFE'en zu einer Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft (BFHu) zusammengefasst werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich schnell die Notwendigkeit von geschlossenen Polizeieinheiten, da die örtliche Polizei größeren Einsätzen personell und organisatorisch nicht gewachsen war. Dazu zählten beispielsweise die Unruhen um die Demontage der ehemaligen Reichswerke Hermann Göring in Watenstedt, die Überwachung des illegalen Personenverkehrs sowie die Bekämpfung von Kapitalverbrechen an der Demarkationslinie zur SBZ beziehungsweise DDR. Bereits 1948 waren in Niedersachsen trotz Verbots der britischen Militärregierung, jedoch mit deren stillschweigender Duldung, Polizeireserven aufgestellt worden. Sie operierten in so genannten Einsatzzügen, die in Watenstedt, Wolfenbüttel, Bad Harzburg, Dedelstorf und Hann. Münden stationiert waren.

Während die Bereitschaftspolizeien der Länder durch ein Verwaltungsabkommen der Länderregierungen mit der Bundesregierung als paramilitärische Verbände am 27. Oktober 1950 gegründet wurden, nahm die Bereitschaftspolizei Niedersachsen bis 1955 eine Sonderrolle ein. Niedersachsen war dem Abkommen angeblich aus fiskalischen Gründen nicht beigetreten. Das Land stellte aber gemäß einem Erlass des Niedersächsischen Innenministeriums 1951 in Hannover die I. LBPN-Abteilung der Bereitschaftspolizei mit einer Hundertschaft, die sogenannte 1. Landespolizeihundertschaft, auf. Der Sitz befand sich in früheren Unterkünften der Wehrmacht, die bis in die 1970er Jahre durch Neubauten, wie Sport- und Kraftfahrzeughalle, Wohnblocks und Wirtschaftsgebäude ergänzt wurden. Die I. Abteilung unterstand bis 1954 abwechselnd der Polizeidirektion Hannover, dem Regierungspräsidenten Hannover und dann wieder der Polizeidirektion Hannover. Die II. LBPN wurde am 1. Oktober 1952 in Braunschweig aufgestellt und ebenfalls in früheren Unterkünften der Wehrmacht untergebracht. Auch in Braunschweig entstanden bis in die 1970er Jahre Neubauten. Die II. LBPN wurde der Polizeidirektion Braunschweig unterstellt. Die III. LBPN in Oldenburg nahm am 1. April 1972 ihren Dienst auf, nachdem die Gebäude von 1969 bis 1972 für 50 Millionen DM errichtet wurden. Die Planungen gingen bis auf das Jahr 1963 zurück, als das Innenministerium beschloss, geeignete Grundstücke in der Stadt aufzukaufen. Teilkräfte waren bereits vorher in einem inzwischen abgerissenen Gebäude in der Heiligengeiststraße untergebracht gewesen.

Wasserwerfer (Wawe 4000) der Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen beim Löscheinsatz bei der Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide 1975

Die entscheidende organisatorische Wende trat am 1. Oktober 1954 ein, als beide LBPN-Abteilungen einem übergeordneten Gruppenstab und damit direkt dem Niedersächsischen Innenministerium unterstellt wurden. Am 1. April 1955 trat Niedersachsen dem Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Ländern bei. Die Bereitschaftspolizei des Landes wurde nun ebenfalls paramilitärisch mit Maschinengewehren, Handgranaten und Granatwerfern ausgerüstet und nach Vorschriften des Bundes ausgebildet. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie hauptsächlich für die Ausbildung des Einzeldienstes und zu dessen Unterstützung zuständig gewesen. Diese Umstrukturierung wurde offenbar von der Führung des Verbandes bedauert, da nun ein wesentlicher Teil der Ausbildung für den polizeilichen Kampfeinsatz eingeplant werden musste. Da mit der neuen Regelung keine Verlängerung der Ausbildungszeit verbunden war, ging sie auf Kosten der Ausbildung für den Einzeldienst; 28 % der Ausbildungszeit wurden nun für die formale Ausbildung, den großen Sicherheits- und Ordnungsdienst und den polizeilichen Kampfeinsatz eingeplant, während für die Fachausbildung nur noch 25 % zur Verfügung standen. Zusätzlich wurde die Ausbildungszeit ständig durch Einsätze unterbrochen, so allein im Jahr 1959 für die I. LBPN 111 Mal. Lediglich einmal, 1955, nahm die Niedersächsische Landesbereitschaftspolizei an einer Großübung mit Bereitschaftspolizei-Einheiten aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen teil.

In den 1960er Jahren nahmen die Einsätze durch die Studentenunruhen sowie die Roter-Punkt-Aktionen und in den 1970er Jahren durch Demonstrationen der Anti-Atomkraft-Bewegung zu. Die Bereitschaftspolizei Niedersachsen wurde bundesweit zu Einsätzen angefordert. Aufgrund der Einsatzbelastung konnte der Einzeldienst nicht mehr unterstützt werden. 1979 kam es zu einer Aufstockung durch 3 Einsatzhundertschaften mit Standorten in Uelzen und Lüchow. Mit der Einstellung von Frauen in die Schutzpolizei in Niedersachsen gab es ab 1981 auch Frauen in der Bereitschaftspolizei. 1994 wurden im Rahmen einer Polizeireform die 12 bestehenden Hundertschaften auf sieben reduziert. Während die Einheiten in Lüchow und Uelzen aufgelöst wurden, entstand eine neue Einheit in Lüneburg. 1995 wurden die Einsatzhundertschaften in Osnabrück und Göttingen eingerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Thiemann: Die Landesbereitschaftspolizei Niedersachsen in: Niedersachsen und seine Polizei: Herausgegeben vom Niedersächsischen Ministerium des Innern. Polizei-Technik-Verkehr-Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1979, S. 197–203.
  • Gerd Hespe/Bereitschaftspolizei Abteilung Oldenburg: 50 Jahre Bereitschaftspolizeien der Länder: Sonntag, 9. September 2001, 10 bis 18 Uhr, - Oldenburg -, Bloherfelder Straße 235. Tag der offenen Tür, Oldenburg 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polizeitaucher in: pro Polizei September/Oktober 2012