Landesklinikum Mauer

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Landesklinikum Mauer
Ort Mauer bei Amstetten
Staat Österreich
Koordinaten 48° 5′ 33″ N, 14° 48′ 21″ OKoordinaten: 48° 5′ 33″ N, 14° 48′ 21″ O
Gründung 1902
Website mauer.lknoe.at
Lage des Spitals
Landesklinikum Mauer (Niederösterreich)
Landesklinikum Mauer
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Landesklinikum Amstetten-Mauer, repräsentatives Verwaltungsgebäude im Eingangsbereich

Das Landesklinikum Mauer (auch Landesklinikum Amstetten-Mauer) ist ein psychiatrisches und neurologisches Zentrum und Lehrkrankenhaus in Mauer bei Amstetten. Es wurde von Carlo von Boog und Erich Gschöpf nach modernsten Richtlinien im Jugendstil geplant und entworfen und galt als Vorbild für die Klinik Am Steinhof. Die Anlage gilt als wichtigstes Jugendstil-Ensemble Niederösterreichs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LK Mauer Anlage Eingang
LK Mauer Lageplan

Die Landesheil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke wurde von 1898 bis 1902 als Pavillonanlage im Jugendstil von Carlo von Boog nach modernsten medizinischen Grundsätzen und neuesten psychologischen Erkenntnissen geplant und war Vorbild für die später entstandene Heilanstalt Am Steinhof. Während der Name des Landesbaudirektors von Boog eng mit der Heilanstalt verbunden blieb, ist der Name des ausführenden Architekten, Erich Gschöpf, heute weithin unbekannt.

Bemerkenswert bei der architektonischen Ausführung ist einerseits die weitgehende Verwendung von Eisen- bzw. Gussbeton. Andererseits fällt die frühe Anwendung von reichhaltigen secessionistischen Dekorformen auf, zumal die Pläne vor 1898 entstanden sind. Zum Teil bediente sich Gschöpf floraler bzw. vegetabiler Jugendstilformen, daneben griff er aber auch typische Motive der Wagner-Schule auf, wie etwa Lorbeerkränze oder Engelsköpfe. Auch die weit vorkragenden, flachen Dächer weisen auf Otto Wagner hin.

Die Anlage wurde von Kaiser Franz Joseph 1902 feierlich eingeweiht. Dieser soll folgenden Satz gesagt haben, als man ihm die Anlage zeigte:

„Es muss schön sein, in Mauer ein Narr zu sein.“

Und tatsächlich stellte die offene Bauweise der Anstalt mit 19 Pavillons inmitten eines riesigen Parks einen Quantensprung in der Versorgung psychisch Kranker dar, verglichen etwa mit den barocken Asylen wie dem Narrenturm in Wien. Die verkehrstechnisch günstige Lage an der Westbahn und die enorme Aufnahmekapazität (1000 Patienten) wurde gewählt, um neben der Versorgung Niederösterreichs auch die Betreuung von Patienten aus der damaligen Weltstadt Wien zu gewährleisten.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es auch zu Krankenmorden, unter anderem durch Emil Gelny.[1][2] Zwischen Juni 1940 und August 1941 wurden aus Mauer-Öhling bis zu 1.600 Patientinnen und Patienten in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz durch Gas ermordet. Auch danach wurde weiter gemordet.[3] Czech schätzt, dass insgesamt 2700 Patienten der Klinik durch Vergasen, Elektroschocks, Vergiften und systematisches Verhungernlassen ermordet wurden.[4]

Rothschild-Pavillon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rothschild Pavillon Mauer

Im Jahr 1907 wurde der bipolare Sohn von Albert Rothschild, Georg Rothschild, nach Mauer gebracht. Im Anschluss an das Pflegerdorf wurde eine eigene Villa gebaut, die sich stilistisch stark an Otto Wagners Jugendstil-Villen anlehnte und von dem Architekturhistoriker Peter Kunerth als besonders gelungen bezeichnet und von ihm dem Architekten Erich Gschöpf zugeschrieben wird. Sie hatte eine Halle mit Veranda, einen Salon und eine Bauernstube, dazu noch Speisezimmer, Schlafzimmer, Küche, Badezimmer und zwei Pflegezimmer samt großer Veranda auf zirka 200 Quadratmetern Grundfläche.

Die Wahl fiel nicht zuletzt deshalb auf den Standort Mauer, weil er auf dem halben Weg von Wien nach Waidhofen zu den Besitzungen Rothschilds und gut per Bahn erreichbar lag. Georg Rothschild verbrachte dort gut 30 Jahre, ständig betreut von einem Arzt und drei Wärtern, was Ende der Zwanziger Jahre immer mehr Unmut hervorruf, da das Land Niederösterreich den Großteil der Kosten dafür zu tragen hatte. Rothschild starb 1934 an Demenz, 1975 wurde die Villa abgerissen.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute beherbergt das Landesklinikum neben der akutpsychiatrischen Abteilung auch Einrichtungen für Alkoholentwöhnung, Drogenentzug, forensische Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Soziotherapie und Rehabilitation. Außerdem gibt es drei Neurologische Abteilungen mit einer Wachkomastation, eine interne Geriatrie und mehrere Pflegeheime.

Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krankenhauskapelle im Jugendstil

Ein repräsentativer Rechteckbau unter Flachdach mit einem ostseitigen Dachreiter. Die Westfassade wurde 1958 in reduzierten Formen erneuert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Arthur Ableidinger: Alles zum Besten der Narren. Der Einfluss des Ersten Weltkrieges auf die Kaiser Franz Joseph Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling. Diplomarbeit, Wien 2017.
  • Herwig Czech: Von der „Aktion T4“ zur „dezentralen Euthanasie“. Die niederösterreichischen Heil- und Pflegeanstalten. Gugging, Mauer-Öhling und Ybbs. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Fanatiker, Pflichterfüller, Widerständige. Reichsgaue Niederdonau, Groß-Wien, Wien 2016 (= Jahrbuch 2016).
  • Michaela Gaunerstorfer: Die psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling 1938–1945. Diplomarbeit, Wien 1989.
  • Elisabeth Koller-Glück, Peter Kunerth: Carlo von Boog und Mauer-Öhling. Die Kaiser Franz Joseph-Landes-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling. Ein Jugendstiljuwel in Niederösterreich. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, Wien 1988, ISBN 3-85326-863-3.
  • Roman Sandgruber: Rothschild. Glanz und Untergang des Wiener Welthauses. Verlag Molden, 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Landesklinikum Mauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henry Friedlander: The Origins of Nazi Genocide. Univ. of North Carolina Press, 1997, ISBN 978-0-8078-4675-9, S. 354 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Philipp Mettauer: Die „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer-Öhling in der NS-Zeit. Pflege Professionell, 4. April 2017.
  3. Die niederösterreichische „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer-Öhling in der NS-Zeit. Institut für jüdische Geschichte Österreichs.
  4. H. Czech: Von der “Aktion T4” zur “dezentralen Euthanasie”. Die niederösterreichischen Heil- und Pflegeanstalten Gugging, Mauer-Öhling und Ybbs. In: Jahrbuch des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. 2016, zit. nach G. Gazdag, G. S. Ungvari, H. Czech: Mass killing under the guise of ECT: the darkest chapter in the history of biological psychiatry. In: History of Psychiatry. Band 28, Nr. 4, S. 482–488, hier S. 485.