Landgericht Memmingen

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Das Landgericht auf dem Hallhof
Büste des Königs Maximilian II. am Landgericht

Das Landgericht Memmingen ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Es ist eines von 22 Landgerichten im Freistaat Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landgericht Memmingen gehörte im Jahre 1894 und 1920 dem Oberlandesgerichtsbezirk Augsburg an. Die Amtsgerichte in Babenhausen, Buchloe, Günzburg, Illertissen, Krumbach, Memmingen, Mindelheim, Neu-Ulm, Ottobeuren, Türkheim und Weißenhorn in dieser Zeit an. Nach dessen Auflösung war die nächsthöhere Instanz das Oberlandesgericht München.

Landgerichtsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bezirk des LG Memmingen erstreckt sich neben der kreisfreien Stadt Memmingen auf folgende Landkreise:

Im Landgerichtsbezirk Memmingen sind 399 Rechtsanwälte (Stand: 17. Januar 2019[1]) zugelassen.

Gerichtsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gericht ist auf dem Gelände des ehemaligen Spitals des Kreuzherrenklosters auf dem Hallhof untergebracht.

Über- und nachgeordnete Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dem Landgericht Memmingen ist eines von zehn Landgerichten, denen das Oberlandesgericht München übergeordnet ist; nachgeordnet sind die Amtsgerichte in Günzburg, Memmingen und Neu-Ulm. Ebenfalls in Memmingen angesiedelt ist die Gerichtsärztliche Dienststelle, die derzeit mit zwei Gerichtsärzten besetzt ist.

Kammern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen 4 Zivilkammern, 2 Kammern für Handelssachen, 5 Strafkammern (inklusive einer Jugendkammer) sowie eine Strafvollstreckungskammer-.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gericht steht der Präsident Dr. Thomas Ermer vor.

Bekannte Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des Novemberpogroms 1938 gegen die Jüdische Gemeinde Fellheim wurde im August 1948 vor dem Landgericht Memmingen gegen acht Personen Anklage erhoben, sechs Angeklagte wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Bekannt geworden als Memminger Prozess ist das Strafverfahren gegen einen Arzt wegen Schwangerschaftsabbruch, dessen Hauptverhandlung vom September 1988 bis Mai 1989 am Landgericht Memmingen stattfand. Zuvor waren bereits rund 360 Personen wegen durchgeführter Abtreibungen strafrechtlich verfolgt worden. Dieser Fall wurde bundesweit auch unter der Bezeichnung Memminger Hexenjagd oder Memminger Hexenprozesse bekannt und führte zu erheblicher Kritik an der Strafverfolgungspraxis der Staatsanwaltschaft Memmingen[2].

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gerichtsgebäude werden Rechtsreferendare im Wege einer Arbeitsgemeinschaft in einem festen Unterrichtsraum ausgebildet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landgericht Memmingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rechtsanwaltskammer München, www.rak-muenchen.de: Anwalts-/Mitgliederverzeichnis. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  2. Grob geklotzt - rigoroses Gesinnungsstrafrecht im bayerischen Memmingen; in: Der Spiegel, Heft 36/1988

Koordinaten: 47° 59′ 8″ N, 10° 10′ 58,2″ O