Landgrafschaft Burgund

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Karte der Landgrafschaft Burgund im 14./15. Jahrhundert

Die Landgrafschaft Burgund umfasste ab dem 13. Jahrhundert das Gebiet rechts der mittleren Aare, von Thun bis Aarwangen. Inhaber des Landgrafenamtes waren zuerst die Grafen von Buchegg, dann die von Neu-Kyburg, bevor das Amt nach deren Aussterben an die Stadt Bern übertragen wurde. Für die Landgrafschaft Burgund wurde in der historischen Forschung zeitweise auch der Name Klein-Burgund (lateinisch Burgundia minor) verwendet, der im 16. Jahrhundert von Aegidius Tschudi erfunden worden war, der jedoch keinen zeitgenössisch mittelalterlichen Begriff darstellte.[1]

Gebiet und Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgrafschaft Burgund umfasste das Gebiet rechts der Aare zwischen dem Berner Oberland und dem Jurafuss mit dem Oberaargau und dem Napfgebiet. Sie war in die folgenden Blutgerichtsbezirke gegliedert:

Das Landgericht tagte an verschiedenen Gerichtsorten, sogenannten Thingstätten. Das Gericht, der sogenannte Landtag wurde vom Landgrafen einberufen und übte die Blutgerichtsbarkeit aus bei der Anklage wegen Raub, Mord, Totschlag oder Brandstiftung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgrafschaft Burgund entstand gleichzeitig wie die Landgrafschaft Aarburgund wahrscheinlich erst nach der Auflösung des Herzogtums der Zähringer und des Rektorats von Burgund, also nach 1218. Ihre wichtigste Funktion war das Standesgericht für Adel, Klerus und die freien Bauern. Sie diente daneben auch der Sicherung des Landfriedens und der Wahrung des Reichsgutes.

Die Grafen von Buchegg werden erstmals 1252 als Landgrafen (lancravius), 1286 als langravius Burgundie urkundlich erwähnt. 1313 mussten sie auf Druck der Habsburger zugunsten der habsburgischen Seitenlinie der Grafen von Neu-Kyburg auf das Amt verzichten.

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts gewannen die Landgerichte gegenüber der Landgrafschaft an Gewicht. Die Landgrafschaft geriet erstmals unter den Einfluss der Reichsstadt Bern, als die Grafen von Neu-Kyburg 1384 in das ewige Burgrecht der bernischen Untertanenstadt Laupen eintreten mussten. Zwischen 1406 und 1408 gelang es Bern, sowohl die Landgerichte wie auch die Landgrafschaft zu erwerben als auch den Verzicht der Herzöge von Österreich auf die Lehenshoheit über das Gebiet zu erreichen. Diese Rechtstitel dienten Bern bis ins 17. Jahrhundert als Grundlage ihrer Landesherrschaft, die sie durch die sukzessive Erwerbung aller Herrschaftsrechte ausbaute.[2]

Liste der Landgrafen von Burgund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgraf Herkunft von bis Bemerkungen
Peter Buchegg ab etwa 1250 † 1276 erstmals 1252 als lancravius erwähnt
Heinrich Buchegg 1276 1. August 1313 1286 als langravius Burgundie erwähnt
Hartmann II. Neu-Kyburg 1. August 1313 † 31. Oktober 1322 (ermordet) Anerkennt in Willisau die Lehenshoheit von Leopold I. von Habsburg, Herzog von Österreich, über die Landgrafschaft Burgund[3]
Eberhard II. Neu-Kyburg 31. Oktober 1322 † 17. April 1357 Anerkennt in Willisau die Lehenshoheit von Leopold I. von Habsburg, Herzog von Österreich, über die Landgrafschaft Burgund[3]
Hartmann III. Neu-Kyburg 17. April 1357 † 29. März 1377  
Rudolf II. Neu-Kyburg 29. März 1377 † 1383 oder 1384  
Hartmann IV. Neu-Kyburg 1383 oder 1384 † nach 1401  
Egon II. Neu-Kyburg nach 1401 1406 Tritt zusammen mit der Landgrafschaft auch verschiedene darin gelegene Herrschaften der Stadt Bern ab[4]

Twingherrschaften in der Landgrafschaft Burgund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Klammern das Jahr der Verburgrechtung bzw. Erwerbung durch Bern[5]

Äusseres Amt Thun / Landgericht Steffisburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Thun wurde 1323 von den Grafen von Neu-Kyburg an Bern verkauft, blieb aber als Lehen bei den Neu-Kyburgern. Erst 1384 im Frieden von Burgdorf ging die Stadt definitiv an Bern. Ein Schiedsgericht wies 1385 Bern auch die Blutsgerichtsbarkeit zu.

Landgericht Konolfingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1406 von den Grafen von Neu-Kyburg an Bern abgetreten.

Landgericht Zollikofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1406 von den Grafen von Neu-Kyburg an Bern abgetreten.

Ebenfalls zum Landgericht Zollikofen gehörten die Dörfer Zuchwil, Biberist und Messen, die zum Besitz des Solothurner Klosters St. Ursen gehörten. Während Bern nach 1406 Anspruch auf das Blutgericht über Biberist (bis 1516) und Messen (bis 1665) erhob, gehörte Zuchwil unbestritten zum Hoheitsgebiet der Stadt Solothurn.

Landgericht Murgeten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1406 von den Grafen von Neu-Kyburg an Bern abgetreten.

Landgericht Ranflüh[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landgericht Ranflüh wurde 1387 von den Grafen von Neu-Kyburg an die Herzöge von Österreich verkauft, die es ihrerseits 1394 an die Herren von Sumiswald, die Besitzer der Herrschaft Trachselwald, verpfändeten. 1407 verzichteten die Herzöge von Österreich zugunsten Berns auf ihre Lehenshoheit, 1408 kaufte Bern die Herrschaft Trachselwald zusammen mit dem Landgericht von den Herren von Sumiswald.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Gerber: Münzer contra Bubenberg. Verwandtschaften und Faktionen im Berner Rat zu Beginn des 14. Jahrhunderts. In: Berner Zeitschrift für Geschichte. Heft 4/2006 (68. Jahrgang), 2006, ISSN 1663-7941, S. 179 bis 234 (bzgh.ch [PDF; abgerufen am 20. Dezember 2009]).
  • Max Jufer: Die Freiherren von Langenstein-Grünenberg. In: Jahrbuch des Oberaargaus. Band 37. Merkur Druck AG, Langenthal 1994, S. 109–214.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anne-Marie Dubler: Die Region Oberaargau. Entstehung, Begriff und Umfang im Wandel der Zeit. In: Jahrbuch des Oberaargaus. Band 44. Merkur Druck, Langenthal 2001, S. 74–114 (Digitalisat bei digibern.ch [PDF; abgerufen am 10. Januar 2014] „Der Name der Landgrafschaft ist «Burgund»; keine einzige urkundliche Quelle bringt einen anderen Namen. Der fast unausrottbare Begriff «Kleinburgund», auch wenn von namhaften Historikern wie Richard Feller rege benützt, ist falsch.“ Anmerkung 11, S. 111).
  2. Adolf Gasser: Die territoriale Entwicklung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291–1797. Sauerländer, Aarau 1932, S. 62–64, 67.
  3. a b Gerber 2006: S. 204.
  4. Jufer 1994: S. 182.
  5. nach Gasser, S. 62–64, 67.