Landkreis Frankenstein (Schlesien)

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Landkreis Frankenstein
Wappen Landkreis
Wappen Kreis Frankenstein.png
Preußische Provinz Schlesien (1825–1919, 1938–1941)
Niederschlesien (1919–1938, 1941–1945)
Regierungsbezirk Breslau
Kreisstadt Frankenstein
Landrat Frankenstein Otto Ulrich Bährens (1944–1945)
Fläche 774,27 km² (1939)
Einwohner 75.392 (1939)
Bevölkerungsdichte 93,6 Einwohner/km² (1939)
Gemeinden 98 (1939)
Schlesien Kr Frankenstein - Münsterberg.png
Lage des Landkreises Frankenstein, 1905

Der preußische Kreis, ab 1939 Landkreis Frankenstein i. Schles. bestand in der Zeit von 1816 bis 1945. Er umfasste am 1. Januar 1945 die fünf Städte

  1. Frankenstein in Schlesien
  2. Münsterberg in Schlesien
  3. Reichenstein in Schlesien
  4. Silberberg (Eulengebirge)
  5. Wartha

und 98 Gemeinden.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreise Frankenstein und Münsterberg in der Provinz Schlesien umfassten im Wesentlichen das Territorium des Mediatherzogtums Münsterberg. Schon im Zuge der Reorganisation der Verwaltung Schlesiens nach der Eroberung durch Friedrich der Große wurden zwei landrätliche Kreise zu Frankenstein und Münsterberg eingerichtet und dem Kriegs- und Domänenkammer-Departement Breslau (ab 1808 „Regierungsbezirk“ genannt) zugewiesen.

Bei der Neuordnung der Verwaltung des preußischen Staats nach dem Wiener Kongress wurde der Kreis Frankenstein dem neu geschaffenen Regierungsbezirk des schlesischen Gebirges zu Reichenbach zugeordnet und die Änderung zum 1. Mai 1816 in Kraft gesetzt. Das Landratsamt war in Frankenstein.

Der Kreis Frankenstein wurde am 24. Januar 1818 endgültig wie folgt abgegrenzt:

  • Eingliederung des Dorfes Gallenau aus dem Kreis Grottkau und der Dörfer Nieder und Ober Plottnitz aus dem Kreis Neisse in den Kreis Frankenstein,
  • Eingliederung der Dörfer Bockau, Ebersdorf und Pitschen aus dem Kreis Münsterberg in den Kreis Striegau,
  • Eingliederung der Dörfer Bruckstein, Gallendorf, Herbsdorf, Hertwigswalde, Liebenau, Neuhaus, Nieder und Ober Pomsdorf und Wehrdorf aus dem Kreis Grottkau in den Kreis Münsterberg.

Nach der Auflösung des Regierungsbezirks Reichenbach trat der Kreis Frankenstein mit Wirkung vom 1. Mai 1820 zum Regierungsbezirk Breslau.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis als Bestandteile des Königreichs Preußen zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.

Am 21. Juli 1875 kamen die Landgemeinde Kobelau und der Gutsbezirk Kobelau vom Kreis Nimptsch an den Kreis Frankenstein.

Freistaat Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Frankenstein entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Zum 1. Oktober 1932 wurden der größte Teil des aufgelösten Kreises Münsterberg sowie die beiden Landgemeinden Kosemitz und Zülzendorf aus dem aufgelösten Kreis Nimptsch in den Kreis eingegliedert. Gleichzeitig wurde der Landgemeinde Wiltsch an den Kreis Glatz abgegeben. Der amtliche Name des Kreises lautete seit 1932 Kreis Frankenstein i. Schles..

Am 1. April 1938 wurden die preußischen Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien zur neuen Provinz Schlesien zusammengeschlossen. Seit dem 1. Januar 1939 führte der Kreis Frankenstein i. Schles. entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien erneut aufgelöst. Aus den bisherigen Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Im Kreisgebiet begann darauf der Zuzug polnischer Zivilisten, die zum Teil aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung größtenteils aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kreise galt zunächst die Kreisordnung für das Herzogtum Schlesien, die Grafschaft Glatz und das preußische Markgraftum Lausitz vom 2. Juni 1827, die dann durch Verordnung vom 7. Januar 1842 ergänzt wurde. Die 30 Jahre jüngere Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 wurde endlich von der Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881 abgelöst, die dann bis 1945 in Geltung war. Stadt und Land waren – nicht nur – in Preußen im 19. Jahrhundert stets unterschiedlich verfasst. Wegen stark voneinander abweichender Traditionen hatten auch die westlichen und die 1866 neu erworbenen Provinzen andere Kommunalverfassungen. Die Städteordnungen von 1808 und 1831 wurden abgelöst von der Städte-Ordnung für die sechs östlichen Provinzen der Preußischen Monarchie vom 30. Mai 1853. Für die Landgemeinden galten seit 1794 die obrigkeitlich geprägten Auffassungen des ALR, eine Reform kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht zustande. Erst im Jahrzehnt nach der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848 wurden

  • das Gesetz betreffend die Landgemeinde-Verfassungen in den sechs östlichen Provinzen der Preußischen Monarchie und
  • das Gesetz betreffend die ländlichen Ortsobrigkeiten in den sechs östlichen Provinzen der Preußischen Monarchie, beide vom 14. April 1856, eingeführt.

Der Kreis Frankenstein gliederte sich also zunächst in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und selbständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden Frankenstein in Schlesien, Münsterberg in Schlesien, Reichenstein, Silberberg (Eulengebirge) und Wartha führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das „Führerprinzip“ auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Tepliwoda wurde in den 1930er Jahren in Lauenbrunn geändert.

Ortsverzeichnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Orte des Landkreises Frankenstein hatten 1939 mehr als 500 Einwohner:

Alt Altmannsdorf (polnisch Starczów) – Baitzen (Byczeń) – Bärdorf (Niedzwiedz) – Bärwalde (Niedzwiednik) – Baumgarten (Braszowice) – Bernsdorf (Biernacice) – Briesnitz (Brzeznica) – Follmersdorf (Chwalisław) – Frankenberg (Przyłęk) – Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) – Frömsdorf (Czernczyce) – Gallenau (Goleniow Sląski) – Groß Nossen (Osina Wielka) – Groß Olbersdorf (Olbrachcice Wielkie) – Heinrichau (Henryków) – Heinrichswalde (Laski) – Hemmersdorf (Ozary) – Hertwigswalde (Doboszowice) – Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki) – Krelkau (Krzelków) – Lampersdorf (Grodziszcze) – Teplawoda/Lauenbrunn (Ciepłowody) – Liebenau (Lubnów) – Maifritzdorf (Mąkolno) – Münsterberg (Ziębice) – Neu Altmannsdorf (Starczówek) – Nieder Pomsdorf (Pomianów Dolny) – Olbersdorf (Rososznica) – Peterwitz (Stoszowice) – Protzan (Zwrócona) – Reichenstein (Złoty Stok) – Reindörfel (Nieszków) – Schönheide (Przedborowa) – Schönwalde (Budzów (Stoszowice)) – Silberberg (Srebrna Góra) – Stolz (Stolec (Ząbkowice Śląskie)) – Tarnau (Tarnów) – Wartha (Bardo) – Weigelsdorf (Wigancice) – Zadel (Sadlno).

Der heutige Powiat Ząbkowicki umfasst das gleiche Territorium wie der 1945 untergegangene Landkreis Frankenstein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 206–207, Ziffer 20.
  • Roman Kamionka: Die Reorganisation der Kreiseinteilung Schlesiens in der Stein-Hardenbergschen Reformperiode. Nischkowsky, Breslau 1934.
  • Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen. Band 4: Dieter Stüttgen: Schlesien. Johann-Gottfried-Harder-Institut, Marburg/Lahn 1976, ISBN 3-87969-116-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Frankenstein i. Schles. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien