Landkreis Hochschwarzwald

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Dieser Artikel erläutert den historischen Landkreis Neustadt/Schwarzwald, zu anderen gleichnamigen Landkreisen siehe Landkreis Neustadt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Hochschwarzwald
Landkreis Hochschwarzwald
Deutschlandkarte, Position des Landkreises Hochschwarzwald hervorgehoben
Koordinaten: 47° 55′ N, 8° 10′ O
Basisdaten (Stand 1972)
Bestandszeitraum: 1938–1972
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Südbaden
Verwaltungssitz: Neustadt im Schwarzwald
Fläche: 718 km2
Einwohner: 45.406 (27. Mai 1970)
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: NEU
Kreisschlüssel: 08 3 40
Kreisgliederung: 49 Gemeinden
Lage des Landkreises Hochschwarzwald in Baden-Württemberg
Karte
Über dieses Bild

Der Landkreis Hochschwarzwald (bis 10. November 1956 Landkreis Neustadt/Schwarzwald) war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Hochschwarzwald lag im Südwesten Baden-Württembergs.

Geografisch hatte der Landkreis Hochschwarzwald zu 4/5 Anteil am Schwarzwald, was durch den Namen des Kreises bereits zum Ausdruck kommt. Ein Fünftel der Fläche mit dem Raumschaften Bonndorf und Löffingen zählte zur östlich des Schwarzwalds gelegenen Baar. Der Kreissitz Neustadt im Schwarzwald (heute Titisee-Neustadt) lag etwa in der nördlichen Mitte des Kreisgebiets.

Nachbarkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Donaueschingen, Waldshut, Säckingen, Lörrach, Freiburg und Emmendingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des späteren Landkreises Hochschwarzwald gehörte vor 1800 überwiegend zum Fürstentum Fürstenberg sowie zur Grafschaft Bonndorf. 1803 kam das Gebiet an Baden, das zunächst mehrere Ämter, darunter die Ämter bzw. Bezirksämter Bonndorf, Neustadt und St. Blasien bildete, die sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderten und ab 1864 zum Landeskommissärbezirk Freiburg gehörten. 1924 wurden die Bezirksämter Bonndorf und St. Blasien aufgelöst und einige Gemeinden dem Bezirksamt Neustadt zugeordnet. 1936 kamen weitere Gemeinden zum Bezirksamt Neustadt und 1939 erhielt dieses die Bezeichnung Landkreis Neustadt im Schwarzwald.

Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Neustadt zum Regierungsbezirk Südbaden. 1956 wurde der Name des Kreises in "Landkreis Hochschwarzwald" geändert. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in einem Fall. Am 1. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Urach in die Stadt Vöhrenbach, Landkreis Donaueschingen (ab 1973 Schwarzwald-Baar-Kreis), eingegliedert und verließ somit den Landkreis Hochschwarzwald.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Hochschwarzwald aufgelöst. Seine verbliebenen Gemeinden gingen überwiegend im neu gebildeten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auf, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Hochschwarzwald wurde. Einige Gemeinden im südlichen Kreisgebiet wurden jedoch dem vergrößerten Landkreis Waldshut angegliedert.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse.

Jahr Einwohner
17. Mai 1939 33.299
13. September 1950 39.701
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 41.997
27. Mai 1970 45.406

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts bzw. Landkreises Neustadt bzw. Hochschwarzwald 1803–1972:

  • 1810–1817: Ignaz Willi
  • 1819–1827: Josef Obkircher
  • 1827–1832: Franz Xaver Fernbach
  • 1832–1836: Kaspar Müller
  • 1836–1848: Mathias Martin
  • 1848–1848: Philipp Lichtenauer
  • 1848–1849: Adolf Leiber
  • 1849–1850: Leopold Otto
  • 1850–1859: Ernst Schindler
  • 1859–1864: Franz Müller
  • 1864–1866: Carl Lang
  • 1866–1871: Georg Pfeiffer (Oberamtmann)
  • 1871–1875: Albert Gönner
  • 1875–1879: Max Föhrenbach
  • 1879–1881: Karl Heil
  • 1882–1889: Edwin Saur
  • 1889–1894: Ludwig Turban der Jüngere
  • 1894–1899: Emil Bitzel
  • 1899–1902: August Hofman
  • 1902–1905: Karl Schneider
  • 1905–1906: August Maier
  • 1906–1908: Karl Zerrener
  • 1908–1913: Ernst Frech
  • 1913–1928: Adolf Rothmund
  • 1928–1942: Hermann Münch
  • 1942–1943: Karl May
  • 1944–1945: Horst Freudenberg (kommissarisch)
  • 1945–1945: Rudolf Kohlhepp (kommissarisch)
  • 1946–1946: Gerhard Schwoerer
  • 1947–1949: Ernst Ballweg (kommissarisch)
  • 1949–1972: Alfred Mallebrein

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen des Landkreises Hochschwarzwald zeigte über grünem Schildfuß, darin zwei silberne Wellenleisten, in Grün einen silbernen Dreiberg, über den ein silberner Hirsch springt. Das Wappen wurde vom Kreistag bereits 1955 angenommen. Da die rechtlichen Voraussetzungen für Kreiswappen aber erst durch die Kreisordnung von 1956 geschaffen wurden, verlieh das Innenministerium Baden-Württemberg dem Landkreis Hochschwarzwald das Wappen offiziell am 13. Juli 1960.

Die Wappensymbole sollen die Landschaft des Kreises widerspiegeln. Der Dreiberg steht für den Schwarzwald, die Wellenbalken für die beiden großen Seen im Kreisgebiet (Titisee und Schluchsee) und der Hirsch soll auf den Wildreichtum hinweisen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn. Daher wurde der Kreis nur durch Bundesstraßen erschlossen und zwar durch die B 31, die B 317 und die B 500.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Landkreis Neustadt bzw. Hochschwarzwald gehörten ab 1936 zunächst 4 Städte und 45 Gemeinden.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Hochschwarzwald machte am 1. Januar 1970 die Gemeinde Seppenhofen, die sich mit der Stadt Löffingen vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Hochschwarzwald schließlich 1973 aufgelöst wurde.

Die größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Neustadt im Schwarzwald. Die kleinste Gemeinde war Ebnet.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Hochschwarzwald vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970.[1]

frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohner
am 6. Juni 1961
Einwohner
am 27. Mai 1970
Altglashütten Feldberg (Schwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 435 469
Bachheim Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 385 364
Bernau Bernau im Schwarzwald Waldshut 1319 1384
Blasiwald Schluchsee Breisgau-Hochschwarzwald 349 340
Boll Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 152 137
Bonndorf, Stadt Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 2556 3192
Breitnau Breitnau Breisgau-Hochschwarzwald 1628 1582
Brunnadern Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 155 132
Bubenbach Eisenbach (Hochschwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 308 325
Dittishausen Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 421 506
Ebnet Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 93 107
Eisenbach Eisenbach (Hochschwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 765 1010
Ewattingen Wutach Waldshut 723 769
Falkau Feldberg (Schwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 439 464
Faulenfürst Schluchsee Breisgau-Hochschwarzwald 165 154
Feldberg (Schwarzwald) Feldberg (Schwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 599 535
Fischbach Schluchsee Breisgau-Hochschwarzwald 243 231
Friedenweiler Friedenweiler Breisgau-Hochschwarzwald 578 585
Göschweiler Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 443 451
Grafenhausen Grafenhausen Waldshut 1338 1493
Gündelwangen Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 397 421
Häusern Häusern Waldshut 795 953
Hinterzarten Hinterzarten Breisgau-Hochschwarzwald 2001 2151
Holzschlag Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 189 200
Kappel Lenzkirch Breisgau-Hochschwarzwald 501 538
Langenordnach Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 236 270
Lenzkirch Lenzkirch Breisgau-Hochschwarzwald 2047 2305
Löffingen, Stadt Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 2312 2825
Menzenschwand St. Blasien Waldshut 557 550
Münchingen Wutach Waldshut 235 231
Neustadt im Schwarzwald, Stadt Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 6903 7776
Oberbränd Eisenbach (Hochschwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 314 406
Raitenbuch Lenzkirch Breisgau-Hochschwarzwald 189 178
Reiselfingen Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 502 540
Rötenbach Friedenweiler Breisgau-Hochschwarzwald 870 980
Rudenberg Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 232 235
Saig Lenzkirch Breisgau-Hochschwarzwald 685 682
St. Blasien, Stadt St. Blasien Waldshut 3197 3018
St. Märgen St. Märgen Breisgau-Hochschwarzwald 1590 1604
Schluchsee Schluchsee Breisgau-Hochschwarzwald 1040 1113
Schollach Eisenbach (Hochschwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald 355 339
Schönenbach Schluchsee Breisgau-Hochschwarzwald 166 135
Schwärzenbach Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 312 298
Seppenhofen Löffingen Breisgau-Hochschwarzwald 373
Titisee Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 1921 2047
Urach Vöhrenbach Schwarzwald-Baar-Kreis 482 452
Waldau Titisee-Neustadt Breisgau-Hochschwarzwald 309 306
Wellendingen Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 363 402
Wittlekofen Bonndorf im Schwarzwald Waldshut 203 221

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen NEU zugewiesen. Es leitet sich von der ehemaligen Kreisstadt Neustadt ab und wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 499 f.