Kreis Mohrungen

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Kreisgebiet um 1910
Lage in Ostpreußen
Wappen des Kreises Mohrungen, entworfen von Otto Hupp, verliehen vom Preußischen Staatsministerium 1928

Der Kreis Mohrungen war ein Landkreis im Südwesten der preußischen Provinz Ostpreußen. Er bestand von 1818 bis 1945 und gehörte zum Regierungsbezirk Königsberg. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Mohrungen.

Geographie[Bearbeiten]

Der Kreis Mohrungen in seinen Grenzen von 1815 war der am westlichsten gelegene Kreis in Ostpreußen. Er lag im Oberland, einer hügeligen waldreichen Landschaft mit Höhenunterschieden bis zu 100 Metern. Weite Teile gehörten zur Eylauer Seenplatte, und mit dem Geserichsee lag der mit 27 Kilometern Ausdehnung längste See Ostpreußens im Kreisgebiet. Der Geserichsee war zugleich Ausgangspunkt des Oberländischen Kanals, der, nach Elbing führend, den Kreis von Süd nach Nord durchzog. Ein weiteres wichtiges Gewässer war der Passarge, der zugleich die Ostgrenze bildete.

In Bezug auf die Anzahl der Seen war der Kreis Mohrungen mit 88 Seen der seenreichste Kreis in der Provinz Ostpreußen. Die gesamte Wasseroberfläche des Kreises betrug 8652,87 Hektar. Die größten Seen (mit jeweils über 200 Hektar Wasserfläche) waren der Geserichsee (2384,27 Hektar im Kreisgebiet), der Nariensee (1096,71 Hektar), der Flachsee (635,81 Hektar), der Röthloffsee (617,73 Hektar), der Ewingsee (525,32 Hektar), der Bärtingsee (363,11 Hektar), der Große Gehlsee (260,42 Hektar im Kreisgebiet) und der Große Rotzungsee (235,47 Hektar); acht weitere Seen hatten eine Wasserfläche von über 100 Hektar.[1]

Seit alters her führte die wichtige Handelsstraße Elbing–Warschau durch das Gebiet des späteren Kreises. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer festen Chaussee ausgebaut. Der Eisenbahnbau erreichte den Kreis 1882 mit dem Abschnitt der Preußischen Staatsbahn MarienburgAllenstein mit einem Bahnhof in Mohrungen. Mit der Strecke Elbing–Osterode wurde 1893 die Stadt Saalfeld an das Bahnnetz angeschlossen. Von Mohrungen aus wurde 1896 eine Strecke nach Wormditt gebaut, die 1902 nach Süden hin bis nach Osterode verlängert wurde. 1860 wurde der Oberländische Kanal eröffnet, der das Kreisgebiet im Westen durchschnitt und bis zum Ersten Weltkrieg eine wichtige Wasserstraße Ostpreußens darstellte.

Im Kreis gab es 83.832 Hektar land- und 24.552 Hektar forstwirtschaftlich genutzte Flächen. In beiden Bereichen waren zusammen 64 Prozent der im Kreis Beschäftigten tätig. Im Jahre 1939 waren 4667 landwirtschaftliche Betriebe registriert. Daneben war die Industrie verhältnismäßig unterentwickelt. Einziger Großbetrieb war die 1937 in Betrieb genommene Spinnerei auf dem Gut Workallen mit etwa 800 Beschäftigten. In Mohrungen verarbeitete ein Sägewerk das in den nahen Forsten geschlagene Holz.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Kreis Mohrungen lag auf dem Gebiet der von dem Chronisten Peter von Dusburg 1324 beschriebenen historischen Landschaften Pomesanien und Pogesanien. Dieses Gebiet zwischen Weichsel und Passarge war bereits zur Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) besiedelt und blieb auch bis zur Neuzeit durchgehend bewohnt. Spätestens in der Römischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) lebten hier bereits germanische Stämme. Als diese während der Völkerwanderung ab dem 6. Jahrhundert nach Westen abzogen, folgten ihnen aus dem baltischen Raum die Prussen. Sie bewohnten das Gebiet, bis sie ab 1231 vom Deutschen Orden wieder nach Osten zurückgedrängt wurden.

Nachdem die eroberten Gebiete des Ordens durch die Übersiedlung des Hochmeisters in die Marienburg 1309 zu einem ordentlichen Staatswesen zusammengeführt worden waren, wurden zur Verwaltung des Landes Komtureien eingerichtet. Der Bereich des späteren Kreises Mohrungen gehörte im Norden zur Komturei Elbing, der Süden zur Komturei Christburg. Im Schutze der durch den Orden errichteten Burgen wurden in diesen Komtureien Einwanderer vorwiegend aus dem mitteldeutschen Raum (Thüringen und Harz) angesiedelt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden die ersten Stadtrechte verliehen. Von den 1939 im Landkreis bestehenden Städten erhielt Saalfeld bereits 1305 das Stadtrecht. Nach der Niederlage des Ordens gegen Polen in der Schlacht von Tannenberg 1410 bis zum Abschluss des Zweiten Thorner Friedens 1466 war das Kreisgebiet unter polnischer Herrschaft.

Als Folge der Reformation wurde 1525 der Deutsche Orden säkularisiert und der Ordensstaat in das Herzogtum Preußen umgewandelt. An die Stelle der Komtureien traten Kreise, der spätere Kreis Mohrungen kam in den Oberländischen Kreis. Von den ebenfalls neu gebildeten Hauptämtern lagen die Ämter Mohrungen und Preußisch Mark auf dem späteren Kreisgebiet.

Der Mohrungensche Kreis von 1752 bis 1818[Bearbeiten]

Nach der Gründung des Königreichs Preußen wurde das Verwaltungssystem neu geregelt und die einzelnen Landesteile in neue Kreise untergliedert. Für das spätere Ostpreußen trat diese Regelung 1752 in Kraft, und mit ihr wurde ein landrätlicher Kreis Mohrungen geschaffen, mit dem Sitz des Landrates in der Stadt Mohrungen. Zu dem damaligen Kreisgebiet gehörten folgende Städte:

Die Verwaltungsreform 1818[Bearbeiten]

Mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden“ vom 30. April 1815 trat mit Wirkung von 1818 durch die neu gebildeten Kreise Osterode und Preußisch Holland eine territoriale Veränderung des Kreisgebietes ein. Der Kreis Mohrungen wurde dem Regierungsbezirk Königsberg unterstellt, und zum Kreisgebiet gehörten jetzt nur noch die drei Städte Liebstadt, Mohrungen und Saalfeld. Als erster Landrat nahm Carl von Sydow am 1. Februar 1818 seine Amtsgeschäfte in der Kreisstadt Mohrungen auf.

Der neue Kreis umfasste die Kirchspiele Alt Christburg, Altstadt, Arnsdorf, Eckersdorf, Herzogswalde, Jäskendorf, Kahlau, Liebstadt, Liebwalde, Miswalde, Mohrungen, Reichau, Saalfeld, Samrodt, Schnellwalde, Silberbach, Simnau, Sonnenborn und Venedien, Weinsdorf und Wilmsdorf.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen (nicht: Ostpreußen) und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit Sitz in Königsberg.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die neuen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Mohrungen am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Zum 30. September 1928 fand im Kreis Mohrungen entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Hatte der Kreis Mohrungen im Jahre 1908 noch 101 Gutsbezirke[2], war es 1945 nur noch einer.

1939 wurden folgende Zahlen veröffentlicht:

  • Fläche: 1265 km²
  • Einwohner: 55.046 (darunter 51.711 Evangelische, 2665 Katholiken, sechs Juden)
  • 112 Gemeinden, davon mit mehr als 1000 Einwohnern:

Im Januar 1945 hatte die Rote Armee im Verlauf ihrer Winteroffensive die Grenzen des Landkreises erreicht. Die nationalsozialistische Gauleitung des Kreises erließ am 22. Januar einen Evakuierungsbefehl, nach dem die Bevölkerung des westlichen Kreisgebiets in Richtung Elbing und aus dem östlichen Teil über Heilsberg fliehen sollte. Angesichts der schlechten Straßenverhältnisse und dem schnellen Vorrücken der feindlichen Truppen endete die Flucht jedoch im Chaos. Ende Januar 1945 war der gesamte Landkreis von der Roten Armee eingenommen.

Nach der Eingliederung in den polnischen Staat hat dieser den Powiat Morąski geschaffen, der die Grenzen und den Kreissitz des Kreises Mohrungen übernahm, mit diesem aber nicht subjektidentisch war. Heute liegt das Kreisgebiet im Nordwesten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Der Ostteil des ehemaligen Landkreises gehört zum Powiat Ostródzki, der Westen überwiegend zum Powiat Iławski.

Landräte[Bearbeiten]

Zusammenstellung zum Teil nach Wrangel, Seite 429

  • 1777–1806: Andreas Leonhard (Koehn genannt) von Jaski (1742/43–1813)[3][4]
  • 1818–1827: Carl Georg Heinrich Otto von Sydow[5]
  • 1827–1841: Wilhelm von Polenz
  • 1842–1850: Otto von der Gröben (1797–1856)
  • 1851–1851: Christian von Arnim
  • 1852–1859: Hermann von Berg-Perscheln (1814–1880) [6]
  • 1859–1889: Louis von Spieß
  • 1890–1894: Adolf von Thadden-Trieglaff (1858–1923)
  • 1894–1895: Fritz Freiherr von Massenbach (1861–1915)
  • 1895–1913: August von Veit (1861–1927)
  • 1914–1920: Friedrich Graf von Kanitz-Mednicken
  • 1921–1924: Ernst Rißmann
  • 1924–1932: Werner Friedrich (1886–1966)
  • 1932–1935: Wolf Freiherr von Wrangel
  • 1935–1945: Gerhard Eberhard Pannenborg

Verwaltungsgliederung am 1. Januar 1945[Bearbeiten]

Die Amtsbezirke sind im Jahre 1874 eingeführt worden und haben mit nur geringen Veränderungen bis 1945 existiert. Im Jahre 1928 wurden wie in ganz Preußen auch im Kreis Mohrungen die Gutsbezirke aufgelöst. Deshalb gab es einige Amtsbezirke, die nur noch aus einer oder zwei Gemeinden bestanden, weil die Zahl der Amtsbezirke (zumindest im Kreis Mohrungen) nicht gleichzeitig verringert wurde.[7]

Amtsbezirk zugehörige Gemeinden und Gutsbezirke
Alt Bestendorf Gemeinden Alt Bestendorf, Groß Wilmsdorf und Samrodt
Alt Christburg Gemeinden Alt Christburg, Bensee, Buchwalde, Görken, Mortung und Mothalen
Alt Christburg-Forst (nur) Gutsbezirk Alt Christburg, Forst
Arnsdorf Gemeinden Barten, Bündtken und Groß Arnsdorf
Auer Gemeinden Auer, Kerpen, Schliewe und Weepers
Bauditten (nur) Gemeinde Bauditten
Bolitten (nur) Gemeinde Bolitten
Eckersdorf Gemeinden Eckersdorf, Gubitten, Horn, Kranthau, Reußen und Schwenkendorf
Georgenthal Gemeinden Georgenthal, Groß Hermenau und Wiese
Gerswalde Gerswalde, Motitten und Schwalgendorf
Gottswalde (nur) Gemeinde Groß Gottswalde
Groß Simnau (nur) Gemeinde Simnau
Hanswalde Gemeinden Bagnitten, Groß Hanswalde, Klein Hanswalde und Linkenau
Herzogswalde Gemeinden Banners, Groß Trukainen, Herzogswalde, Pittehnen, Prägsden und Reichenthal
Himmelforth Gemeinden Golbitten, Güldenboden, Himmelforth, Paradies und Schertingswalde
Jäskendorf (nur) Gemeinde Jäskendorf
Kahlau Gemeinden Hagenau, Kahlau, Königsdorf und Rollnau
Karnitten Gemeinden Dittersdorf, Karnitten, Schnellwalde und Schönaich
Koschainen Gemeinden Kornellen, Koschainen, Sadlauken und Skollwitten
Kuppen Gemeinden Kuppen und Sorbehnen
Liebwalde Gemeinden Boyden, Heinrichsdorf, Liebwalde und Taabern
Maldeuten Gemeinden Freiwalde und Seegertswalde
Miswalde Gemeinden Kolteney und Miswalde
Münsterberg (nur) Gemeinde Groß Münsterberg
Nickelshagen Gemeinden Groß Sauerken, Nickelshagen, Winkenhagen und Wodigehnen
Pörschken (nur) Gemeinde Pörschken
Ponarien (nur) Gemeinde Ponarien
Preußisch Mark Gemeinden Goyden, Kunzendorf, Preußisch Mark und Vorwerk
Prökelwitz Gemeinden Altstadt und Prökelwitz
Reichau Gemeinden Reichau und Willnau
Reichertswalde Gemeinden Goldbach, Reichertswalde, Silberbach und Sorrehnen
Sassen Gemeinden Löpen, Pollwitten und Sassen
Sonnenborn Gemeinden Bärting und Sonnenborn
Stollen Gemeinden Klogehnen, Paulken, Polkehnen, Sportehnen und Stollen
Terpen Gemeinden Gergehnen und Terpen
Venedien (nur) Gemeinde Venedien
Waltersdorf Gemeinden Kallisten, Seubersdorf und Waltersdorf
Weinsdorf Gemeinden Kämmen, Paulehnen und Weinsdorf

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aus Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Mohrungen. Herausgegeben als Anlage zum Verwaltungsbericht für das Jahr 1928 vom Kreisausschuß des Kreises Mohrungen. Mohrungen: Selbstverlag des Kreisausschusses 1930. Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Wolf Freiherr von Wrangel, Der Kreis Mohrungen. Ein ostpreußisches Heimatbuch. Würzburg : Holzner 1967. Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Ernst Vogelsang, Die Post im Kreise Mohrungen. Ein Beitrag zur Geschichte der Post in Ostpreussen. Hermannsburg : Missionshandlung Hermannsburg 1980. ISBN 3-87546-019-7
  • Zwischen Narien und Geserich: Bilder aus dem Kreis Mohrungen. Im Auftrag der Kreisgemeinschaft Mohrungen zusammengestellt von Ernst Vogelsang. Unter Mitarbeit von Erich Przetak sowie mit einem Beitrag von Willy Binding. Leer: Rautenberg 1982. ISBN 3-7921-0263-3
  • Ilmar Degen, Flucht, Vertreibung und Deportation: am Beispiel des Kreises Mohrungen, Ostpreussen. Kreisgemeinschaft Mohrungen, 2001. Google Books (auch online)
  • Mohrunger Heimatkreis-Nachrichten. Herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Mohrungen e.V. (in der Landsmannschaft Ostpreußen) mit Unterstützung durch die Patenstadt Gießen. Eitorf u.a.: Kreisgemeinschaft Mohrungen 1971ff. Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreis Mohrungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die stehenden Gewässer der Provinz Ostpreußen. Verzeichnis der Seen in den Regierungsbezirken Allenstein, Gumbinnen, Königsberg. Neudamm und Berlin: Neumann 1931. Digitalisat
  2. http://territorial.de/ostp/mohr/gem1908.htm
  3. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten. Teil I: Biographien A–L. Saur, München 2009, S. 462 (eingeschränkte Vorschau).
  4. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Kgl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 1082, Nr. 90.
  5. Von Sydow war bereits seit 1813 Landrat des bisherigen Mohrungenschen Kreises.
  6. B. Holtz (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 4/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 545 (Online; PDF 1,9 MB).
  7. Detaillierte Angaben zu den einzelnen Amtsbezirken sind über diese Seite zu erreichen: