Kreis Neidenburg

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Wappen des Kreises mit Deutschordenskreuz und Neidenburg

Der Kreis Neidenburg war ein preußischer Landkreis in Masuren. Er bestand von 1818 bis 1945. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Neidenburg.

Geographie[Bearbeiten]

Der Landkreis lag im äußersten Südwesten der Provinz Ostpreußen. Er umfasste die südlichen Ausläufer des ostpreußischen Oberlandes mit den 229 Meter hohen Goldbergen als höchste Erhebung und reichte im Nordosten an die Masurische Seenplatte mit dem Hartig-, Malshöfer- und Narthsee als größten Gewässern. Die Flüsse Neide und Omulef hatten ihre Quellgebiete im Kreisgebiet.

In seinem bis 1920 bestehenden Umfang hatte der Kreis eine Flächengröße von 1.638 km², von der mehr als 50 Prozent landwirtschaftliche und etwa 30 Prozent Waldflächen waren. Am 1. Januar 1908 gehörten zum Kreis die beiden Städte Neidenburg und Soldau sowie 215 Landgemeinden. Mehr als tausend Einwohner hatten:

Lage in Ostpreußen

Außerdem gehörten zum Kreis Neidenburg die folgenden Kirchspiele:

1910 hatte der Kreis 59.416 Einwohner, von denen 49.300 Protestanten waren.

Der Kreis war durch das Eisenbahnnetz gut erschlossen. In Soldau kreuzten sich die Bahnlinien Danzig–Soldau–Warschau und Thorn–Neidenburg–Lyck, in Neidenburg zweigte eine Strecke nach Allenstein ab. Ebenso führten die Reichsstraßen 382 Thorn–Soldau–Mielau, 389 Hohenstein–Neidenburg–Mielau und 395 Soldau–Neidenburg durch das Kreisgebiet.

Nennenswerte Industriebetriebe gab es nur in der Kreisstadt Neidenburg, wo sich eine Maschinenfabrik und ein Kupferwarenwerk niedergelassen hatten. Vorherrschend war die Landwirtschaft mit fast 1800 Betrieben, der nur rund 800 gewerbliche Betriebe gegenüberstanden. Daneben spielte auch die Forstwirtschaft mit vier Forstämtern und dreißig Förstereien eine bedeutende Rolle (alle Zahlen von 1944).

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

Eine erste landschaftliche Beschreibung für das spätere Gebiet des Landkreises Neidenburg gibt es für die historische Landschaft Sassen. Diese im 13. Jahrhundert noch nahezu unbewohnte Urwaldregion wurde im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts durch den Deutschen Orden besiedelt, fast hundert Jahre nach dem Beginn seiner Eroberung des zwischen Weichsel und Memel gelegenen Landes. Zur Verwaltung seines Herrschaftsbereiches richtete der Orden regionale Komtureien ein, für das Sassenland war zunächst die Komturei Christburg, ab 1341 die Komturei Osterode zuständig.

1349 erhielt Soldau als erste Siedlung Stadtrecht, 1381 folgte Neidenburg. Als 1525 der Ordensstaat in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt worden war, wurden auch die geistlichen Komtureien aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Soldau und Neidenburg mit ihrem Umland wurden dem Oberländischen Kreis zugeordnet, der seinerseits in zwölf Hauptämter untergliedert wurde. Unter ihnen befanden sich auch die Hauptämter Soldau und Neidenburg.

Verwaltungsreform von 1752[Bearbeiten]

1752 führte die Krone Preußen eine Kreisreform durch, in deren Folge ein landrätlicher Kreis Neidenburg aus den bisherigen Hauptämtern Ortelsburg, Neidenburg und Soldau sowie dem Erbamt Gilgenburg gebildet wurde.[1] Daneben wurde ein steuerrätlicher Kreis Neidenburg gebildet, der ausschließlich aus den Städten Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Passenheim, Soldau und Willenberg bestand. Die steuerrätlichen Kreise wurden im Jahre 1809 aufgehoben.[2]

Verwaltungsreform von 1818[Bearbeiten]

Bei einer erneuten Kreisreform im Königreich Preußen („Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden“ vom 30. April 1815) wurde ein wesentlich kleinerer Kreis Neidenburg geschaffen. Der neue Kreis Neidenburg bestand offiziell ab dem 1. Februar 1818 und hatte zu diesem Zeitpunkt 20.539 Einwohner. Neben den beiden Städten umfasste er 159 Landgemeinden, zu denen auch 55 eigenständige Gutsbezirke gehörten.

Der Kreis gehörte damals zur Provinz Preußen, die dem späteren Ostpreußen entsprach. Zum 3. Dezember 1829 wurden die Provinzen Preußen und Westpreußen zur neuen Provinz Preußen zusammengeschlossen, die zum 1. April 1878 wieder geteilt wurde. Ab diesem Datum trug der Ostteil offiziell die Bezeichnung Ostpreußen.

Das Kreisgebiet war dem 1818 ebenfalls neu eingerichteten Regierungsbezirk Königsberg unterstellt, ab 1905 kam er zum Regierungsbezirk Allenstein. Bis 1910 hatte sich die Bevölkerungszahl des Kreises mehr als verdoppelt und betrug nun 59.416.

Gebietsabtretungen an Polen 1920[Bearbeiten]

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 musste am 10. Januar 1920 ein 501 km² großes Gebiet um die Stadt Soldau mit 24.767 Einwohnern an Polen abgetreten werden. Die Einwohnerzahl sank daraufhin wieder auf etwa 38.500. Diese Einwohner wurden ebenfalls durch den Versailler Vertrag zu einer Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen gezwungen. Am 11. Juli 1920 sprachen sie sich mit 22.235 zu 330 Stimmen für den Verbleib bei Ostpreußen aus.

Entwicklung nach 1920[Bearbeiten]

Mit Wirkung vom 30. September 1929 wurde die Eigenständigkeit der Gutsbezirke im Freistaat Preußen aufgehoben, sie wurden den benachbarten Landgemeinden zugeordnet, deren Zahl 1931 nur noch 115 betrug. Am 16. Juli 1938 wurden im Vollzug der vom NS-Regime betriebenen Germanisierung von Ortsnamen 38 Gemeinden durch lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen umbenannt, so z. B. Bartoschken in Bartzdorf, Dembowitz in Eichenau, Jablonken in Seehag, Puchallowen in Windau, Saddek in Gartenau usw.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde schon am 2. September das Soldauer Gebiet besetzt und am 26. Oktober 1939 zum deutschen Landkreis Soldau erklärt. Am 24. April 1940 erfolgte die Wiedereingliederung in den Landkreis Neidenburg, dessen Bevölkerungszahl sich dadurch auf 64.560 erhöhte.

Der deutsche Kreis Neidenburg hörte nach seiner vollständigen Eroberung durch sowjetische Truppen am 21. Januar 1945 de facto auf zu existieren. Das Gebiet wurde in polnische Verwaltung übergeben und gehört heute zu den polnischen Landkreisen Powiat Nidzicki (Neidenburg) und Powiat Działdowski (Soldau).

Landräte[Bearbeiten]

Kreisgebiet um 1910
1818–1839: Lackowitz
1839–1867: Alexander von Lavergne-Peguilhen (1803–1867)
1867–1877: Karl von Portatius (1834–1877)
1877–1882: Friedrich von Hasselbach (1846–1903)
1882–1886: Leo Becker (1840–1886)
1886–1906: Bernhard Schultz
1906–1914: Gustav Bansi (1870–1935)
1914–1928: Werner Freiherr von Mirbach (1878–1928)
1928–1932: Philipp Deichmann (1889–1962)
1932–1937: Gottfried von Stein
1937–1940: Fritz Adam (1889–1945)
1940–1945: Axel Crewell (1882–1945)

Patenschaft[Bearbeiten]

Seit 1953 ist Bochum Patenstadt der Kreisgemeinschaft Neidenburg, einer Vereinigung der vertriebenen deutschen Bevölkerung aus Stadt und Kreis Neidenburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Meyhöfer: Der Kreis Neidenburg. Ein ostpreußisches Heimatbuch, 1968
  • Max Meyhöfer: Die Landgemeinden des Kreises Neidenburg – Besiedlung, Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsgeschichte vom 14. Jahrhundert bis 1945, 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, Seite 320.
  2. Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, Seite 321.